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Leitfaden zur Sabotage von IT-Projekten:
105 taffe Taktiken für Teamleiter

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(Dezember 2005)


"Das ist nur eine kleine Änderung, das kriegt Ihr zwischendurch hin" - will heißen: eine Woche Mehrarbeit. Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Weitere Taktiken, mit denen es Teamleitern garantiert gelingt, den Arbeitsaufwand so zu maximieren, dass das Projektergebnis in weite Ferne rückt, lesen Sie im zweiten Teil des Leitfadens zur Sabotage von IT-Projekten. Das Standardwerk für sabotagewillige Projektverantwortliche entstammt der Feder von Bernd Schulte Osthoff, zertifizierter Management-Berater und Trainer, seit über 16 Jahren in der IT-Branche tätig. Mit einer gehörigen Brise Ironie beschreibt er die leider noch viel zu häufig im Projektmanagement anzutreffenden Verhaltensweisen.

 

Jedem das Seine.
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26)

Der Kunde möchte, dass Sie so bald wie möglich Ergebnisse liefern. Also weisen Sie Ihr Team an, nicht auf die Designdokumente oder Methodikstandards zu warten und sofort anzufangen. Spaghetticode ist hier akzeptabel.

27)

Formale Methodiken sind unausweichlich. Der Kunde wird danach fragen. Schicken Sie zwei aus Ihrem Team dann auf einen Crashkurs, als Multiplikatoren für die anderen. Wählen Sie später eine völlig andere Methodik. Sie sind der Boss.

28) Ihr Team wird eigene Vorstellungen haben. Wählen Sie eine Methodik aus und zwingen Sie alles in dieses Vorgehen. Auch wenn die Methodik ungeeignet oder veraltet ist.

 

Statusmeetings für alle!
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29)

Verlangen Sie die Anwesenheit des gesamten Teams zu allen Statusmeetings. Das erzeugt Gemeinschaftssinn und ist eine willkommene Abwechslung. Auch wenn der Einzelne kein Interesse oder keinen Nutzen von dem hat, was besprochen wird.

30)

Wenn konkrete Probleme anstehen, fragen Sie nicht Ihr Team nach Vorschlägen. Laden Sie zwei Experten aus anderen Projekten ein. Die entstehenden Fachdiskussionen sind für alle eine Bereicherung.

31) Vermeiden Sie es, über Anforderungsspezifikationen zu diskutieren. Der Kunde weiß nicht, was er will. Das Team weiß nicht, was der Kunde will. Und Sie wollen flexibel bleiben, bis zum Projektende.

 

Mischen Sie sich unters Volk.
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33)

Werden bei einem Meeting Design- oder Codier-Fehler erwähnt, unterbrechen Sie das Meeting und verlangen Sie die sofortige Beseitigung. So halten Sie das Team auf Trab.

34)

Schlagen Sie laufend Änderungen oder "interessante" Erweiterungen vor, die der Kunde lieben wird. Keiner wird wagen, Ihnen zu widersprechen.

35) Ändern Sie regelmäßig nach Feierabend die Passwörter der Server und Entwicklersysteme. Sicherheit geht vor.

 

Geschwindigkeit ist keine Hexerei.
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36)

Ihr Kunde liebt schnelle Systeme. Setzen Sie daher von Anfang an die Geschwindigkeit der Software auf die oberste Priorität. Hängen Sie überall Formel-1-Poster auf.

37)

Lassen Sie es nicht zu, dass für Teilsysteme externe Softwarebausteine eingekauft werden. Hier haben Sie keine Kontrolle über die Geschwindigkeit.

38) Wiederverwendbare Module, Objekte oder Klassen sind zu langsam. Plan B: gründen Sie ein Design-Komitee für Wiederverwendbarkeit. Berufen Sie Ihr ganzes Team. Das sorgt für Zeitplan sprengende Diskussionen.

 

Unit-Testing geht vor.
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39)

Jede Unit ist vor jedem Build eingehend zu testen. Alle Schnittstellen müssen exklusiv für den Test programmiert werden. Alle Testergebnisse müssen vom Teamleiter geprüft und abgezeichnet werden. Verlangen Sie ein professionelles Dokumentations- und Ablagesystem.

40) Treffen Sie keinerlei Vorbereitungen für Integrationstests. Schließlich ist nicht abzusehen, wann alle Unit-Tests abgeschlossen sind. Außerdem können Sie sich ja jederzeit Testdaten aus anderen Projekten ausleihen, zusätzlich benötigte Hardware beim Kunden nutzen, und jederzeit auf die Unit- und Subsystem-Leute zurückgreifen.

 

Alte Hasen in Reserve.
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41)

Setzen Sie für die Integrationstests unbedingt jemanden ein, der keine Ahnung von den im Projekt verwendeten Systemen hat. Für ein Java- oder Linux-Projekt ist ein Programmierer alter Schule ideal.

42)

Auch jemand aus dem mittleren Management ist ideal. Oder in kleinen Firmen der Chef selbst. Diese Leute haben jahrelang nicht mehr programmiert, erzählen aber immer gern von den glorreichen Anfangsjahren als Programmierer.

43) Folgende Verhaltensweisen identifizieren den idealen Integrationstester: ist viel in der Firma unterwegs, spricht ständig mit Kreti und Pleti, liest selten E-Mails, mag den Kunden nicht, kritisiert ständig die Firmenpolitik.

 

Profis sind anpassungsfähig.
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44)

Lassen Sie jederzeit Änderungen zu. Change Requests sind in Ordnung, solange sie für das Projektmanagement, das Prozessmanagement, das Qualitätsmanagement und für den Vorgehensmodell-Standard dokumentiert werden.

45)

Falls die Arbeit am Projekt einmal zu glatt läuft, nutzen Sie die Zeit und schalten Sie bei ein oder zwei Änderungen die Verantwortlichen für Projektmanagement, Prozessmanagement, Qualitätsmanagement und Vorgehensmodell-Standard miteinander kurz.

46) Meilensteine sind die Ausnahme. Sie müssen eingehalten werden. Koste es, was es wolle. Wenn zu diesem Zweck jede Menge Provisorien eingebaut werden, um so besser.

 

Man muss es nur begründen können.
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47)

"Das haben wir doch schon längst freigegeben" (übersetzt: "Jetzt tanz' Du nicht schon wieder aus der Reihe.").

48)

"Diese Änderungen sind fixiert, bekannt und dokumentiert" (übersetzt: "Lass bloß die Finger davon.").

49)

"Das ist nur eine kleine Änderung, das kriegt ihr zwischendurch hin" (übersetzt: eine Woche Mehrarbeit).

50)

"Das ist der Abschluss von Change Request Nr..." (übersetzt: "Keiner weiß, wieso – warum – woher").

51) "Das sind Fehlerkorrekturen, die erledigt ihr mit links" (übersetzt: "WER hat denn wohl den Murks produziert, ha?").

Im dritten Teil lesen Sie, wie das Projektteam bei Laune gehalten wird.

 

Nähere Informationen erhalten Sie vom Autor Bernd Schulte Osthoff unter www.schulteosthoff.de extern
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2005 Bernd Schulte Osthoff

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Leider allzu wahr! (Dezember 2005)"

"Köstlich und real. (Dezember 2005)"

"Große Klasse. (Dezember 2005)"

"Einfach aus dem wahren Leben. (Dezember 2005)"


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