Achtung Fehlermeldung: Kein IT-Freiberufler ist perfekt
Aus Fehlern lernt man. Aber man muss nicht jeden Fehler selbst machen, oder?
(Mai 2009)
Fehler sind gut. Denn nur so lernt man. Noch besser ist es, aus denen anderer zu lernen und gar nicht erst selbst Fehlermeldungen zu produzieren. Deswegen hat GULP in diesem Artikel Fehler zusammengestellt, die IT-Freiberuflern sehr leicht passieren können. Wer sie noch nicht begangen hat, kann sie damit künftig vermeiden. Wer leider schon mal gelitten hat, lernt durch unsere aufgezeigten Lösungswege vielleicht doch noch etwas dazu. Denn: "Am auffälligsten unterscheiden sich die Leute darin, dass die Törichten immer wieder dieselben Fehler machen, die Gescheiten immer wieder neue." (Karl Heinrich Waggerl, österreichischer Erzähler, 1897 - 1973)
| Fehler: Den falschen Stundensatz verlangen | ||||
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| Ein Freiberufler, der einen Stundensatz von 70 Euro realisieren will, ins Profil aber 90 Euro schreibt, begeht einen Fehler. Die Logik - lieber mal ein bisschen mehr reinschreiben, dann kann ich Nachlass geben - mag einleuchtend klingen, aber sie kann dazu führen, dass Sie erst gar kein Projektangebot erhalten. Gibt es nämlich außer Ihnen weitere Freiberufler mit ähnlichen Qualifikationen, die 70 Euro in ihr Profil eingetragen haben, bekommen diese die Projektanfragen. Naturgemäß ist der eingetragene Stundensatz für Projektanbieter ein stark entscheidungsbeeinflussendes Kriterium. Die Kehrseite der Medaille: Manche Selbstständige, vor allem, wenn sie neu auf dem Markt sind, unterschätzen sich und ihren Marktwert. Wer zu wenig verlangt, bekommt nicht nur Probleme mit dem Erhalt seines Lebensstandards, sondern signalisiert: Ich bin mir meiner Kompetenzen nicht sicher. Oder wie ein Freelancer im GULP Forum schreibt: "Der Preis ist eben auch ein Indikator für den Wert, den der Freiberufler seiner eigenen Arbeitskraft zumisst". Wie das richtige Honorar herausfinden? IT-Freiberufler müssen genau wissen, was ihre Qualifikation auf dem Markt durchschnittlich wert ist. Wie viel verdienen vergleichbare Kollegen - mit ähnlicher Qualifikation, am gleichen Einsatzort und in ähnlichen Projekten? Jeder, der sich für die Freiberuflichkeit entscheidet, sollte zunächst den Markt für seine Skills überprüfen:
Die halbjährlich durchgeführte GULP Stundensatz Auswertung sagt Ihnen außerdem, welche Honorare IT-Freiberufler je nach Alter, Berufserfahrung, Region und Position verdienen. In welcher Branche wie viel bezahlt wird, sagt Ihnen "Stundensätze in der Praxis" |
| Fehler: Profilsünden | ||||
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Ihre Skills und Ihr Stundensatz spielen eine große Rolle, aber nicht die einzige. Ihr Profil erzählt viel über Sie. Mögliche Gedankengänge des Lesers:
Laut einer GULP Umfrage ist es 86 Prozent der Projektanbieter schon passiert, dass sie einen IT-Freiberufler, dessen Qualifikation gepasst hätte, nicht kontaktiert haben, weil die Qualität seines Profils zu schlecht war. Nehmen Sie sich also Zeit, sich mit Ihrem Profil intensiv zu beschäftigen. Halten Sie Verfügbarkeit und fachlichen Schwerpunkt stets aktuell und tragen Sie die Kurzbeschreibung auch Ihres letzten Projektes ein. Bleiben Sie dabei bei der Wahrheit. Wer bei seinem Know-how übertreibt, fliegt früher oder später auf. Ein unverzeihliches Eigentor sind Sätze wie: "Projektbeschreibung auf Anfrage". So werden Sie von der Suchmaschine gar nicht erst gefunden und erscheinen nicht in den Suchergebnissen der Projektanbieter. Oft hat der Dreh an einem kleinen Schräubchen im Profil eine große Wirkung. Wenn Sie nicht wissen, an welchem, helfen Ihnen die Tipps aus dem Interview zum Thema "Profilsünden" und der Artikel "Wer gefunden wird, gewinnt" aus der Reihe "GULP Tipps zum Profileintrag". |
| Fehler: Mangelnde Spezialisierung | ||||
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Die Position eines Freiberuflers im Markt ist wichtig und wird umso wichtiger, je mehr vergleichbare Freiberufler rein zahlenmäßig auf einen Auftrag kommen. (Mehr zur Marktposition finden Sie im Artikel "Wer mit Bananen bezahlt, darf sich nicht wundern, wenn Affen für ihn arbeiten".) Von der Position hängt ab, ob der Selbstständige Aufträge bekommt und welchen Stundensatz er durchsetzen kann. Deswegen sollte es Ziel eines jeden Freiberuflers sein, sich im Markt bestmöglich aufzustellen. Das geht nicht, wenn Sie alles können oder von allem ein bisschen. Sie müssen der Spezialist schlechthin für Ihr Themengebiet sein. Können Sie klar sagen, was Sie tun, welchen Mehrwert Sie für Ihren Kunden schaffen und warum Sie so gut darin sind? Sie müssen einen einzigartigen Nutzen versprechen, damit Sie weniger austauschbar sind und damit genau Sie den Auftrag bekommen. Schärfen Sie Ihr Profil. Folgende Aspekte können zum Beispiel dazu beitragen, Sie einzigartig zu machen:
Wie vermitteln Sie Ihre Einzigartigkeit in Ihrem Profil? Signale, die für Ihre Qualität und Kompetenz sprechen, sind beispielsweise Referenzen, Abschlüsse, Titel und Zertifikate, Auszeichnungen, Projektbeschreibungen, Verbandsmitgliedschaften, Lehraufträge, Veröffentlichungen (Fachartikel, Bücher), Fachvorträge oder die Präsenz in einem Verband oder Arbeitskreis. Trifft das auf Sie zu, sollen Sie es kommunizieren. Wer eine Positionierung gefunden hat, sollte sich nicht für immer darauf ausruhen. Bilden Sie sich weiter und erfassen Sie neue Trends - auch wegen Ihres Stundensatzes. Denken Sie darüber nach, wie Sie sich langfristig auf dem Markt positionieren möchten. Nicht nur die nächsten zwei Jahre, sondern dauerhaft. Überlegen Sie bei jedem Projekt nicht nur, was Sie pro Stunde verdienen, sondern auch, was es Ihnen auf lange Sicht bringt. Manchmal ist es lohnenswert, einen Auftrag anzunehmen, bei dem Sie vielleicht weniger verdienen als gewohnt, aber beim Marktführer in einer interessanten Branche mit einer Prestigetechnologie arbeiten und sich neues Wissen aneignen. Damit legen Sie möglicherweise den Grundstein für ein deutlich höheres Honorar beim nächsten Projekt. Ein weiterer Punkt: Die Chancen an "große" Endkunden zu kommen, stehen bei großen Personalagenturen besser als bei kleinen. Sie haben mehr Sicherheit und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Rechnungen bezahlt werden, ist höher. Geben Sie sich bei den "Großen" besondere Mühe. |
| Fehler: Mangelndes Wissen über Verträge | ||||
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| Einfach unterschreiben und es wird schon passen? Das ist gefährlich. Die Zahl der Fehler, die in Verträgen mit Selbstständigen auftauchen können, ist groß. Damit ist nicht nur der Unterschied zwischen Werk- und Dienstvertrag gemeint (siehe dazu die dreiteilige GULP Serie Werk- vs. Dienstvertrag). Sie sollten Verträge auf Details checken. Vertragsbruch zu begehen ist dabei ein Kapitalfehler. Kundenschutzklauseln verletzen oder sich über Geheimhaltungspflichten hinwegsetzen: Das sollten Sie als Unternehmer tunlichst vermeiden. Diskutieren Sie außerdem nur dann mit einem Projektanbieter über Verträge, wenn Sie das nötige juristische Basiswissen besitzen. Bestehen Sie nicht blind auf einer Sache - erbitten Sie lieber Bedenkzeit und fragen Sie Ihren Rechtsanwalt. Von IT-Freiberuflern empfohlene Anwälte finden Sie im GULP Anwaltsverzeichnis. |
| Fehler: Sich nicht ausreichend absichern | ||||
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| Für entstandene Schäden bei Ihren Kunden haften Freiberufler persönlich - in voller Höhe und notfalls mit ihrem Privatvermögen. Nur Berufs-
oder Vermögenshaftpflicht treten ein für Schäden, die Personen (erstere) oder das Vermögen Dritter betreffen (letztere). Außerdem springen Berufs- und Vermögenshaftpflicht nicht nur im
Schadensfall ein, sondern können auch unberechtigte Ansprüche abwehren. Sie wirken also wie eine passive Rechtsschutzversicherung und die Schadensabwicklung liegt in der Hand der Versicherung
- gut für Freiberufler, die juristisch nicht so firm sind. Neben der Haftpflicht sollten IT-Freiberufler auch überlegen, ob und welche Kranken-, Berufsunfähigkeits- und Firmenrechtsschutzversicherung
sie brauchen. Entsprechende Angebote, die auf Ihren Bedarf als externer |
| Fehler: Zu wenig Recherche im Vorfeld | ||||
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Recherche? Wozu? Ganz einfach: Erstens, um die Kunden und Projektanbieter zu finden, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht, bei denen sich die Arbeit lohnt und sich keine bösen Überraschungen ergeben. Zweitens sollten Sie vor einem Vorstellungsgespräch alles über den Endkunden herausfinden, was möglich ist. Wenn Sie wissen, worauf er Wert legt, können Sie beim Gespräch diejenigen Ihrer Kompetenzen besonders hervorheben, die dem Kunden den gesuchten Mehrwert bringen. Vor dem Vorstellungsgespräch sollten Sie Folgendes kennen:
Stellen Sie beim Vorstellungsgespräch viele Fragen. Es ist auch für Sie eine Chance, das Unternehmen kennen zu lernen und herauszufinden, ob es zu Ihnen passt. Ob ein Kunde allgemein der richtige oder falsche ist, hängt unter anderem ab von:
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| Fehler: Sich zu sehr auf wenige Kunden verlassen | ||||
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Es empfiehlt sich aus unternehmerischen und rentenversicherungstechnischen Gründen, eine zu lange Abhängigkeit von einem oder wenigen Kunden zu verhindern. Kunden können plötzlich
Setzen Sie also auf Diversifikation und bauen Sie Ihr Freiberufler-Haus auf mehrere Einkommenssäulen - so wird es stabiler und verlässlicher. Außerdem vermeiden Sie so das Thema Scheinselbstständigkeit. Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRB) forscht gerne mal bei Freiberuflern nach, die von nur einem Arbeitgeber abhängig sind. Dadurch, dass viele IT-Projekte eine lange Laufzeit haben, kann es sein, dass einige Freelancer angestelltenähnlich tätig sind und in die Rentenkasse zahlen müssten. Generell gibt es aber rentablere Alternativen zur Altersvorsorge. Die Einstellung eines Mitarbeiters für Buchhaltung oder administrative Aufgaben kann ein Ausweg aus der Scheinselbstständigkeit sein (vgl. § 2 S. 1 Nr. 9 SGB VI ), ein Büroservice auch. (Mehr Informationen geben die Artikel "Selbstständig oder angestellt?" und "Gleich, aber doch anders".) Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem IT-Projektmarkt. Und denken Sie bei der nächsten Fehlermeldung daran: Kein IT-Freiberufler ist perfekt. |
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