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| Zu
wenig Anschaulichkeit & Präzision |
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Das Erreichen definierter Projektziele erfordert Klarheit und Anschaulichkeit
der Anforderungen. Fehlen konkrete Beispiele (vorhandene Lösungen,
Muster), ist selbst bei gleicher Formulierung die Gefahr groß,
dass Auftraggeber, Projektleiter und IT-Spezialist nicht das Gleiche
denken und dementsprechend unterschiedliche Bewertungen vornehmen.
Mangelnde Visualisierung ist ebenfalls ein Königsweg zum Scheitern.
Jeder Konstrukteur oder Architekt lernt, dass zur technischen Darstellung
neben der Spezifikation mindestens drei Zeichnungen notwendig sind:
Draufsicht, Vorderansicht und Seitenansicht. Bei einem Baukastensystem
wiederholt sich die Forderung nach Zeichnungssätzen auf jeder
Ebene. Änderungen in der Spezifikation ziehen zwingend Änderungen
in den Zeichnungen nach sich. Der Softwarehersteller Rational
Rose
hat für die Entwicklung von IT-Lösungen und Softwareobjekten
ermittelt, dass außer einer Spezifikation Diagramme in circa
8 Dimensionen notwendig sind. Aber selten erhält ein IT-Freiberufler
vom Auftraggeber eine ausreichende mehrdimensionale Visualisierung
der Angebotsaufforderung oder der Leistungsbeschreibung in Form
von UML-Tools (Unified Modelling Language-Diagramme). Dieser Mangel
an visueller Darstellung bedeutet meist auch einen Mangel an Präzision.
Viele Denkfehler und Ungenauigkeiten würden beim Vorliegen
einer visuellen Darstellung direkt ins Auge springen. Und dem IT-Freiberufler
bliebe das undankbare Realisieren unausgegorener Vorhaben erspart.
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| Fehlende
Überschaubarkeit & Abnahmefähigkeit |
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Angebotskalkulation
Viele Auftraggeber sind weder bereit noch fähig, eine genaue
Angebotsspezifikation etwa in Form eines abnahmefähigen Lastenheftes
mit vollständigen Mengengerüsten vorzulegen. Muss der
IT-Freiberufler ein verbindliches Angebot abgeben, ohne ein vollständiges
Lastenheft erhalten zu haben, dann wollen aber nur die wenigsten
potentiellen Auftraggeber für das zeit- und Know-how-intensive
Erstellen dieses Angebots zahlen. Er wird im Gegenteil vom Auftraggeber
oder von Dumping-Angeboten des Mitbewerbs oft so unter Druck gesetzt,
dass er das eigene Angebot zu niedrig kalkuliert. Macht er aber
am Anfang ein vergleichsweise hohes Angebot, ist er sofort aus dem
Rennen.
Wird dem IT-Freiberufler eine Leistungsbeschreibung vorgelegt,
zeichnet diese sich meist durch das Fehlen selbstdokumentierender
Quelltexte und selbstdokumentierender Hilfen oder selbstdokumentierende
Benutzerschnittstellen (Menüs) aus. Damit wird eine Anwendung
schnell wartungsunfreundlich. In einem Wartungsprojekt muss der
Freiberufler beim Fehlen von Quelltext oder Dokumentation - was
in der PC-Welt durchaus häufig ist - erst einmal ein Reverse
Engineering durchführen, damit er das Programm überhaupt
warten kann. Hat er das Wartungsprojekt als Höchstpreis- oder
Höchstaufwand-Projekt abgeschlossen, ohne Spielraum für
das zeitaufwändige Reverse Engineering mit einzukalkulieren,
kann ihn das teuer zu stehen kommen.
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| Managementsysteme |
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Soll der IT-Freiberufler ein Lösungskonzept ohne genaue Angebotsspezifikation
und nur aufgrund des mündlichen Briefings durch den Auftraggeber
erstellen, werden eine effiziente Spezifikation der Abnahme und
der Tests ebenso fraglich wie eine solide Projektsteuerung und Qualitätssicherung.
Ohne den Einsatz eines Requirement-Managementsystems (wie Spreadsheets,
Rational Rose, Together Soft) während des gesamten Projektverlaufes
riskiert er ein ständiges Nachtarocken des Auftraggebers, meist
mit der Begründung, dass die neuen Forderungen ja in den Anfangsgesprächen
mitenthalten gewesen seien.
Projektmanager wie IT-Freiberufler lassen sich bei der Projektdurchführung
immer wieder auf Ad-hoc-Änderungen ohne zusätzliche Ressourcen
(Zeit, Geld, Personal, Räumlichkeiten, Hardware, Software,
Rechenkapazität, Dokumentation) ein, gegebenenfalls auch ohne
Änderung des Angebots bzw. der Leistungsbeschreibung. Das macht
die Lage im Projekt schnell unübersichtlich. Tad Haas, Vice
President of Account Management bei Artemis
sagt dazu, dass in vielen Organisationen ein Mitarbeiter gleichzeitig
an neuen Projekten, in der Wartung und im Support arbeite. Es sei
nicht unüblich, dass 50% der Arbeit von Programmierern fälschlich
Neuprojekten zugeordnet werde.
Generell gehen in den Großprojekten Übersicht und Steuerungsmöglichkeiten
bald da verloren, wo Managementsysteme wie MS Project (Low-end-Produkt)
oder Artemis (High-end-Produkt) fehlen oder die Projektverantwortlichen
nur ungenügend darin geschult sind. Kleine Projekte mit Ad-hoc-Abwicklung
und Real-time-Experimenten geraten ohne die Verwendung von Aktionslisten
oder Spreadsheets in eine ähnlich unangenehme Lage.
Grafik: Breakdown of work
Die Tätigkeiten eines Projektmitarbeiters sind
durchschnittlich 30% entwicklungs-, 40% unterstützungs- und
30% wartungsbezogen. Dabei entfallen auf die eigentliche Projektarbeit
die Neuentwicklung und etwa zwei Drittel der Wartungsarbeiten.
Als nicht zugeordnete bzw. nicht zuordnungsbare Arbeiten sind
die Unterstützungsarbeiten und etwa ein Drittel der Wartungsarbeiten
einzustufen.
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Quelle Tad Haas, Managing
Multiples Projects,
In: Artemis White Paper
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| Leistungsbeschreibung
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Ein Projekt ist gescheitert, wenn für einen seiner Hauptaspekte
(Leistung, Zeit, Geld) die Soll-Vorgabe vom Ist-Wert nicht erreicht
wird. Sind für einen Hauptaspekt keine überprüfbaren
Soll- und Ist-Werte in Form eines Angebotes oder einer Leistungsbeschreibung
vorhanden, ist das Projekt im mathematischen Sinn 'nicht definiert'.
Für ein nicht eindeutig definiertes Projekt, bei dem eine Soll-Ist-Analyse
nicht vorgenommen werden kann, ist wie bei der Division durch 0
(z. B. 5/0=?) nicht eindeutig ermittelbar, welchen Wert sein Ergebnis
hat und somit ob es ein Erfolg oder Misserfolg ist. Der META Group
zufolge scheitern bereits 80% der US-Unternehmen bei der Ermittlung
des Erfolgs oder Misserfolgs von IT-Projekten daran, dass messbare
Soll-Vorgaben, Mess-Instrumente usw. fehlen.
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| Meilensteine
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Zu den Projekten gehören Leistungsscheine und abnahmefähige
Meilensteine. Ohne unterschriebenen Leistungsschein und ohne abgenommenen
Meilenstein kann es dem IT-Freiberufler passieren, dass er kein
Honorar erhält oder seine Mitarbeit beim nächsten Arbeitspaket
nicht mehr gefragt ist.
Je größer die Arbeitspakete, desto schwieriger
wird es, klare abnahmefähige Meilensteine zu definieren. Das
entspricht der Erfahrung mit Großprojekten. So konnten der
Standish Group zufolge US-Großunternehmen ihre Erfolgsquote
bei IT-Projekten von 9% in 1994 auf 23,6% in 1998 dadurch steigern,
dass sie wenige Großprojekte durch viele Kleinprojekte ablösten.
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Kommentar zum Artikel
"Wie will man es schaffen, daß
die Komplexität eines IT-Projekts von nicht "IT'schen"
Auftraggebern verstanden/akzeptiert/berücksichtigt wird und
demnach dann die Ressourcen/Aufwendungen für ein Projekt geplant
werden? Viele Unternehmer/Auftraggeber stehen auf dem Standpunkt,
daß, von der Anwendungsentwicklung evt. abgesehen, "der
Rest der Technik" schließlich durch "kurzes Aufstellen
mit anschließender Installation und Konfiguration" zum
Laufen gebracht werden kann... "
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