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Vom Programmierer zum Projektmanager
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nicht für jeden erstrebenswert
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(März 2001)
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Inhalt dieses Artikels:
Mittleres Management als Puffer
| Erwartungen an Projektmanager |
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Das Projektmanagement gilt vielen IT - Kräften als das
Karriereziel schlechthin. Häufig wollen Programmierer "endlich"
ins Management wechseln, weil sie darin einen Aufstieg sehen. Ihre
Vorstellungen über diesen Beruf gehen allerdings oft an der
Realität vorbei. Andreas
Reif
, freiberuflicher IT-Spezialist, fasst hier einige Punkte zusammen,
die aus seiner persönlichen Sicht "Freud und Leid"
des Projektmanagements ausmachen.
Management statt ...
"Management", ein Begriff der neueren Betriebswirtschaftslehre,
beschreibt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen
seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Durch die Anonymisierung der Produktionsfaktoren
werden Steckenpferde und Lebensaufgaben zu reinen Kosten / Nutzen
- Rechnungen. Vom Manager wird totale Loyalität erwartet. Wer
versichert, dass er mit seinem großartigen, einzigartigen
Unternehmen und dessen innovativen Produkten "tief verbunden"
ist, liefert damit reine Rhetorik. Denn als Manager muss man von
heute auf morgen bei der Konkurrenz anfangen und dort das gleiche
Programm abspulen können. Wer dazu nicht in der Lage ist, gilt
als unflexibel.
... inhabergeführtes Unternehmen
Der Inhaber ist mit dem Unternehmen tatsächlich außerordentlich
eng verbunden. Das hat Vor - aber auch Nachteile. Ein Vorteil ist
die absolute Identifikation mit dem Unternehmen. Nachteil ist der
manchmal eigenwillige Führungsstil, der aus dem Bewußtsein
erwächst, nicht entlassen werden zu können. Ein guter
Inhaber ist immer besser als ein gutes Management. Allerdings hängt
alles an einer Person. Während ein Manager austauschbar ist,
ja sogar austauschbar sein soll, ist die Unternehmenskultur eines
inhabergeführten Unternehmens personenbezogen. In einem Management
sollte sie prinzipienbezogen sein. Der Manager führt ein System
von Produktionsfaktoren, die dem Kapitalgeber Einkünfte bescheren
soll. Der Inhaber führt sein Unternehmen.
... führungsloses Unternehmen
Es kommt durchaus vor, dass Unternehmen weder von Managern noch
von Inhabern geführt werden ;-)
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| Mittleres
Management: Puffer zwischen widersprüchlichen Interessen |
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Der Manager, vor allem im mittleren Management, muss stets unterschiedliche,
meist widersprüchliche Erwartungen ausgleichen. Nicht selten
steht er zwischen den Fronten.
| WER? |
möchte
WAS? |
| Oberes Management |
"Ergebnisse", hohe Auslastung, geringe
Fixkosten, Loyalität |
| Mitarbeiter |
Anerkennung, geringe Arbeitsbelastung, gutes Arbeitsklima |
| Co - Leader |
Fairness, wollen Arbeit & Risiken abwälzen |
Zwischen diesen Interessen arbeitet der mittlere Manager. Der Projektmanager
ist dabei ein typischer Vertreter der mittleren Hierarchieebenen.
Was produziert er eigentlich ? Im wesentlichen produziert er: Kontrolle,
Konzepte, Kompromisse. Er kontrolliert und motiviert die Fachkräfte,
die fachlich meist besser sind als er. Dazu muss er ihre Interessen
vertreten. Er erstellt Konzepte, also Pläne für verschiedene
Termine. Hier wird am deutlichsten, dass er dabei stets Kompromisse
zwischen den Beteiligten herbeiführt. Dabei darf man den "Kompromiss"
selten so nennen. Schließlich hat sich das Management im Interesse
aller Mitarbeiter durchgesetzt!
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| Was
von einem guten Projektmanager erwartet wird |
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Was gerne in Stellenanzeigen verwendet wird und was sich hinter
diesen Umschreibungen wirklich verbirgt: Da der Manager mehr Politiker
als Techniker ist, werden seine wahren Aufgaben selten beim Namen
genannt.
| Verantwortungsfähigkeit |
Das heißt nicht nur, Schläge von oben
einzustecken. Es heißt vor allem "Für andere
denken." Es reicht ganz und gar nicht, detaillierte und
richtige Anweisungen zu geben. Es hilft für den erfolgreichen
Projektabschluss überhaupt nicht weiter, wenn der Projektmanager
sagen kann: "Ich habe am soundsovielten diese und jene
Anweisung gegeben." Er wird gefragt, warum diese Anweisungen
nicht ausgeführt wurde. Der Projektmanager muss dafür
sorgen, dass Vorgaben richtig verstanden werden. Wenn er argumentiert
"Was kann ich dafür, dass ich so schlechte Leute in
meiner Truppe habe?", so fällt das nur auf ihn selbst
zurück. Ein Manager muss so früh wie möglich
abschätzen können, wann etwas aus dem Ruder läuft.
Und er muss die Fähigkeit haben, zu führen, ohne als
Besserwisser dazustehen. |
| Motivationsfähigkeit |
Kann vieles heißen. Häufig wird darunter
verstanden, dass man "Druck" machen kann. Genau das
ist aber gegenüber IT-Spezialisten nicht so einfach. Während
sich Arbeitnehmer in anderen Branchen viel zu viel gefallen
lassen müssen, gehen IT - Kräfte einfach zu einem
besseren Arbeitgeber. Das ist ein Grund, warum etliche EDV -
Abteilungen verwaist sind. |
| Belastbarkeit |
Damit sind zuallererst unbezahlte Überstunden
gemeint. Auch die heutigen Einsichten der Vorgesetzten gestern
in die Tat umgesetzt zu haben, gehört dazu. Die größte
Belastung ist die "Verantwortung". Der Manager kämpft
ständig gegen Dinge an, die er gar nicht beeinflussen kann
und dennoch verantworten muss. |
| Kommunikationsfähigkeit |
Ein Mauerblümchen ist nicht gefragt. Wer
sich schwer tut, auf Menschen zuzugehen, ist kein Manager. Wer
nicht gern redet, wird allenfalls technischer Abteilungsleiter,
und das nur bei sehr guter Qualifikation. |
| Repräsentationsfähigkeit |
Dazu gehört im Mindesten, nicht öffentlich
in der Nase zu bohren. Während der Techniker Narrenfreiheit
genießt und allenfalls bei Banken im Sakko antreten
muss, gelten für Manager andere Regeln. Er muss
repräsentieren, auch wenn er sich damit angreifbar macht. |
| Demokratischer Führungsstil |
Kann heißen: wir wollen ein gutes Klima
Es kann aber auch heißen: Bei uns muss ein Manager genauso
intrigant sein wie die anderen. |
Die folgenden Dinge werden offiziell oft nicht einmal angedeutet,
sind aber für den Alltag wesentlich. Der Grund für diese
Geheimniskrämerei liegt wieder im politischen Charakter des
Projektmanagements. Manager sollen kompetent erscheinen, können
es aber unmöglich auf allen Gebieten sein, in denen sie eingesetzt
werden.
| Wer ist der Spezialist? |
Einer der wichtigsten Eigenschaften ist, gut
mit Leuten umgehen zu können, die fachlich überlegen
sind. Dieser sehr wichtige Punkt wird von Technikern immer wieder
missverstanden. Mancher ambitionierte Techniker denkt: "Ich
kann doch viel mehr, warum bin ich nicht Projektleiter?"
Gerade diese Einstellung verhindert den Aufstieg. Der Leiter
muss bei der heutigen Spezialisierung vor allem die Fähigkeit
haben, mit Menschen umzugehen, die MEHR können als er selbst.
Nur so lassen sich komplexe Aufgaben bewältigen. Der kleine
Meister, der selbst alles am besten kann, ist out of date.
Die Frage ist: Wie kontrolliere ich Leute, die besser sind als
ich ? Diese Frage ist der Ursprung vieler Frustrationen bei
den Entwicklern. Der Stein der Weisen ist nicht gefunden. |
| Abhängigkeit |
Der Techniker kann aufgrund seiner Hard Skills
immer wieder einen Job finden. Der Manager wird an einem ominösen
"Erfolg" gemessen, der meist nicht messbar ist. Dies
verursacht erheblichen Stress, der meiner Meinung nach das höhere
Gehalt durchaus rechtfertigt. |
| Lebensführung |
Als Projektmanager, der schon gut über
30 ist, muss man gewisse Ausgaben für die Repräsentation
aufwenden. Außerdem steht man in vielerlei Hinsicht im
Blickpunkt. Was beim reinen Techniker locker durchgeht, ist
beim Manager eine Frage der Loyalität |
Projektmanagement sieht von außen schöner
aus als es ist, daher: Be happy to be a techi.
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