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Wie bringen Sie Ihr Projekt zum Scheitern?

(Februar 2001)

Inhalt dieses Artikels:
Beispiele | Projekte scheitern an Menschen | Tipp für erfolgreiche Projekte

Quelle: Projekt Magazin

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Zunehmend wird in Unternehmen darüber nachgedacht, was getan werden muss, um zuverlässig Erfolge zu erreichen. Es werden Vorgehensmodelle entwickelt, "Quality Circles" eingerichtet, Standards definiert, Berater unter Vertrag genommen, Seminare gebucht und vieles mehr. Die Frage ist: "Wie bringen wir unsere DV-Projekte zum Erfolg?". Nachdem seit Jahren auf diese Frage scheinbar keine gültige Antwort gefunden werden konnte, schlage ich vor, die Frage einmal umzustellen. Vielleicht funktioniert es ja dann mit dem Erfolg.

 

Damit Sie Ihr Projekt zum Scheitern bringen, haben Sie natürlich viele Möglichkeiten. Hier nur ein paar Beispiele, die Sie je nach Lust und Laune, Ihre Firma/Ihr Projekt betreffend, erweitern können. nach oben
   
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Nehmen Sie unfähige Mitarbeiter in Ihr Projektteam auf (z.B. die, die im Tagesgeschäft unbrauchbar und somit frei für das Projekt sind).

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Übertragen Sie das Projekt an einen inkompetenten Projektleiter (z.B. einen, dem man die Leitung einer Abteilung nicht zutraut, dem man aber einmal eine Beförderung zukommen lassen muss).

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Definieren Sie unklare Ziele (am besten mündlich vereinbart, von der Sekretärin im Protokoll formuliert und unauffindbar abgelegt).

> Verlangen Sie nachträgliche Änderungen an den Anforderungen (todsichere Methode: Zuruf zwischen Tür und Angel).
> Provozieren Sie einen Streit im Team (z.B. durch den Zwang, Menschen zusammenarbeiten zu lassen, die sich nicht mögen und die sich nie für die Projektarbeit beworben haben).
> Kontrollieren Sie Ihr Projektteam/Ihre Kollegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit
> Oder, auch wirksam: Kontrollieren Sie am besten (fast) gar nicht.
> Ziehen Sie Mitarbeiter und/oder Sachmittel (Ressourcen) von rivalisierenden Projekten ab.
> Sorgen Sie dafür, dass die zukünftigen Benutzer Ihre Software/Ihr Produkt ablehnen (z.B. indem Sie die Benutzerführung verwirrend und unkomfortabel gestalten).
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Schüren Sie Widerstand, indem Sie Bedürfnisse der Anwender schlichtweg ignorieren (z.B. indem Sie die Verwendung von Short Keys nicht unterstützen, obwohl Sie wissen, dass alle Mitarbeiter diese zur Navigation in ihrer aktuellen Software verwenden).

> Verursachen Sie einen Konflikt zwischen DV- und Fachabteilung (z.B. indem Sie Anforderungen herunterspielen oder Kompetenzen in Frage stellen).
> Bestimmt haben Sie mindestens einen Punkt wiedererkannt, stimmts? Und ist Ihnen an der Auflistung etwas aufgefallen? Wenn Projekte scheitern, liegt es zu 99% nicht am Rechner und nicht an der Software. Es liegt auch nicht an der Vorgehensmethode oder an der Programmiersprache, obwohl oft einer oder mehrere Bereiche davon als Begründung angegeben werden.
 

 

Projekte scheitern an Menschen! nach oben
   

Da arbeiten Menschen zusammen, die sich nicht verstehen, nicht mögen, oder in Karrierekämpfe verstrickt sind. Da greifen Manager ein, die nicht wissen, was sich intern im Projekt gerade abspielt. Da wird aus Angst vor Versagen das Team durch ständige Kontrolle schikaniert - oder aus Angst vor Sympathieverlust auf Kontrollen gänzlich verzichtet. Da gibt es endlose Meetings, in denen ein Profilneurotiker jede Einigung, jeden Entschluss verhindern kann. Aus den Fachabteilungen werden Berater ins Entwicklungsteam gesetzt, die sich für das Projektthema nicht interessieren, einen Hass auf Compu- ter haben und beim Einführungszeitpunkt des Produkts längst die Rente beziehen. Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Projekte scheitern an Menschen und können auch nur durch Menschen zum Erfolg gebracht werden.

 

 

So sorgen Sie dafür, dass Ihr nächstes Projekt erfolgreicher verläuft: nach oben
   

Stellen Sie sich die Frage: "Wie kann ich dieses Projekt zum Scheitern bringen?" Kleben Sie einen Zettel an die Badezimmertür (oder wo garantiert keiner Ihrer Kollegen diesen Zettel zu Gesicht bekommt) und notieren Sie drei Tage lang Ihre Ideen. Wenn Sie damit fertig sind, kleben Sie einen neuen Zettel hin. Hier stellen Sie die Frage: "Welche andere Person kann dieses Projekt zum Scheitern bringen? Und wie?" Nach weiteren drei Tagen haben Sie auch dazu eine Menge Ideen gesammelt. Nun müssen Sie nur noch dafür sorgen, dass genau das Gegenteil davon passiert.

Weiterführende Literatur: Hedwig Kellner, "Die Kunst DV-Projekte zum Erfolg zu führen"

 

 

Autorin: Petra Berleb
in Anlehnung an: Hedwig Kellner "Die Kunst, DV-Projekte zum Erfolg zu führen", erschienen im Hanser Verlag

 


 
Dieser Beitrag wurde uns mit freundlicher Genehmigung des Projekt Magazins extern überlassen. Das Projekt Magazin bietet aktuelle Fachartikel, Praxisberichte, Produktvorstellungen. Zwei Online-Ausgaben pro Monat informieren Sie über aktuelle Trends im Projektmanagement. Die Homepage für Projektleiter, Projektmitarbeiter, Berater und alle, die sich mit dem Thema Projektmanagement beruflich auseinander setzen: www.projektmagazin.de extern

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"In der Tat habe ich hier einige "alte Bekannte" wiedererkannt/-gefunden. (April 2011)"

"Guter Artikel nah an der Realität. Tatsächlich läuft es leider wirklich so, wie dort beschrieben. (Juni 2007)"


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