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| Teamkonflikte erkennen
und beheben:
Neue Team-Mitglieder integrieren |
| (März
2007) |
Inhalt dieses Artikels:
Ein Neuer kommt ins Team
| Subgruppenbildungen
| Häufige
Team-Neubildungen |
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| Autorin: Jutta Kreyenberg, Trainerin Personalentwicklung |
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| IT-Projekte scheitern häufig daran,
dass sich Teams schneller an den fachlichen als den sozialen Zielen
ausrichten können: Neue Team-Mitglieder, häufige Team-Neubildungen
oder Subgruppenbildungen sorgen dafür, dass "der menschliche
Faktor" der Kommunikation nicht mitkommt. Als IT-Freiberufler
oder Projektmanager ist es deshalb wichtig, aktiv Fragen der Teambeziehung
und Zusammenstellung zu klären. Die Personaltrainerin Jutta
Kreyenberg beschreibt, in welchen Phasen der Teamfindung besonderes
Konfliktpotenzial lauert und wie man dieses vermeiden kann.
Wenn Menschen zusammenarbeiten entstehen Spannungssituationen,
Abhängigkeiten, Missverständnisse, Interessensunterschiede
und Reibungsverluste. Eine der häufigsten Konfliktursachen
ist die Neubildung eines Teams, denn erst nach intensiver Kooperation
entwickelt sich ein Zusammengehörigkeits- bzw. Wir-Gefühl.
In der Regel durchlaufen Teams vier Phasen, bis sie wirklich arbeitsfähig
sind:
| 1) |
Forming: Orientierungsphase (kennen lernen,
(be)schnuppern) |
| 2) |
Storming: Konfrontationsphase (Konflikte,
Machtspiele, Cliquenbildung) |
| 3) |
Norming: Kooperationsphase (Teamspielregeln,
Kommunikationskultur) |
| 4) |
Performing: Wachstumsphase (effektiv und
gemeinsam arbeiten) |
Konflikte und Auseinandersetzungen treten am meisten in den Phasen
Storming und Norming auf, in denen sich hauptsächlich drei
Konfliktfelder unterscheiden lassen: |
| Ein
Neuer kommt ins Team |
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| Wenn ein oder mehrere neue Mitarbeiter
hinzukommen, muss die Gruppe sich in ihren Beziehungen, Normen,
Zielen, Aufgabenverteilungen etc. neu organisieren. Häufig
fällt sie von einer Performing-Phase wieder in vorherige Phasen
zurück. Werden die damit verbundenen Auseinandersetzungen nicht
bewusst reflektiert, so werden sie meist über die fachliche
Ebene ausgetragen. Dann versucht der Neue beispielsweise, sich über
fachliche Beiträge einen Platz zu verschaffen. Oder die Gruppe
unterstellt ihm das und sieht sein Verhalten als Konkurrenz oder
Anpassung. Oft ist der neue Mitarbeiter noch nicht so richtig dabei
und fühlt sich noch nicht verpflichtet oder unsicher. Das macht
sich darin bemerkbar, dass er nicht alle seine Ressourcen (Informationen,
Zeit etc.) mit einbringt, kritische Entscheidungen eventuell nicht
voll mitträgt oder sich in das Ringen um Normen, Ziele etc.
nicht wirklich einlässt.
Wenn jemand nur teilweise im Projekt mitarbeitet, gilt seine Loyalität
oft eigentlich der Heimatgruppe. Oder aber er fühlt sich im
Projektteam so wohl, dass er in seiner Heimatarbeitsgruppe als Verräter
gilt. Die Frage ist dann, wem die Loyalität gilt, wenn z.B.
eine Gruppe angegriffen wird. Man spricht hier auch von Loyalitätskonflikten.
Wahrscheinlich haben Sie dieses "Schwiegermutterphänomen"
aber auch selbst schon als "Neuer" erfahren: Es stoßen
zwei Normensysteme aufeinander, die sich gegeneinander durchsetzen
wollen. So werden Sie dann als IT-Freiberufler von dem bereits bestehenden
Team, das Sie beraten sollen, als "Eindringling" mit Argwohn
betrachtet. Da kommt jemand nicht aus den eigenen Reihen und misstrauisch
wird ihm unterstellt, dass er die Materie nicht wirklich verstehen
kann.
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Praxistipps: |
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Wenn ein "Neuer" kommt:
Sorgen Sie für klare Ziele und Spielregeln. Gehen Sie aktiv
auf den anderen zu, statt ihn/sie zu ignorieren. Stellen Sie
ihn vor, beziehen Sie ihn ein und drücken Sie bewusst Anerkennung
und Wertschätzung aus. |
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Wenn Sie "der/die Neue"
sind: Informieren Sie sich über Gepflogenheiten,
Gewohnheiten, Teamspielregeln und die Ziele der anderen. Klären
Sie die eigenen Ziele und Absichten ehrlich und offen. |
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Als Projektmanager: Nehmen
Sie Einfluss auf die Teamzusammensetzung. Achten Sie nicht nur
auf die fachliche Qualifikation, sondern auch darauf, wie "der/die
Neue" ins Team passt. |
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| Subgruppenbildungen |
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| Wenn Beziehungen zwischen zwei Gruppenmitgliedern
zu eng werden, wenn sich Cliquen bilden oder im Extremfall zwei
Parteien aufeinanderprallen, ist die Existenz der Gruppe gefährdet.
Die Gruppe erlebt die Bildung von Subgruppen als konspirativ. Die
Nichtbeteiligten fühlen sich übervorteilt und sind misstrauisch.
Und in der Tat können Zweier- oder Dreiergruppen eher als Einzelpersonen
die Gruppe sprengen, wenn sie zu stark werden. Andererseits ist
die Bildung von starken Subgruppen auch immer ein Symptom dafür,
dass eine Veränderung ansteht. Deshalb sollten vor allem Projektleiter
folgendes berücksichtigen:
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Achten Sie auf eine Balance zwischen Gruppen-
und Einzel- bzw. Subgruppenmeinungen. |
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Klären Sie Verantwortlichkeiten, Rollen und Grenzen. |
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Lassen Sie sich vom anderen beeinflussen statt stur zu bleiben.
Überwinden Sie Pattsituationen durch ein gemeinsames, übergreifendes
Ziel. |
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Führen Sie einen Integrationsprozess durch: Tauschen
Sie zwischen den Subgruppen Gemeinsamkeiten, Unterschiede, gegenseitige
Erwartungen aus. Klären Sie, welche Beiträge jede
Gruppe zu leisten bereit ist. |
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Konflikte in Gruppen und Teams sind oft ein Symptom für
anstehende oder wirksame Veränderungen. Fragen Sie sich:
Welche Veränderung, Optimierung oder Chance steckt hinter
diesem Konflikt? |
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Holen Sie bei festgefahrenen Patt-Situationen einen neutralen Moderator/Mediator
hinzu. |
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| Häufige
Team-Neubildungen |
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| In vielen Projekten wird, noch bevor
sich das Team richtig gefunden hat, das Projekt beendet und das
Team aufgelöst oder neu strukturiert. Oft entsteht dadurch
sogar eine Kultur, in der man sich nicht mehr auf das Team einlässt,
weil man ja aus Erfahrung weiß, dass sie nicht von Dauer sein
wird. Es entsteht dann eine Pseudozusammenarbeit aus einer Gruppe
von Einzelkämpfern, die in der Phase des höflichen Forming
stecken bleibt. In echten Teams haben viele Mitglieder gute und
gesteuerte Teamentwicklungsprozesse erlebt. Dort steigen Konflikt-
und Veränderungsfähigkeiten. Menschen, die oft gute Teamprozesse
vollzogen haben, stellen sich auch schneller wieder auf ein neues
Team ein und bleiben seltener in der Formingphase stecken.
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Praxistipps: |
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Bereiten Sie als Projektmanager die "Neuen"
vor. Stellen Sie im Idealfall das neue Team selbst zusammen
oder nehmen Sie Einfluss darauf. Sorgen Sie für regelmäßige
Feedbacks und Prozessreflexionen. |
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Räumen Sie Zeit für Beziehungspflege
und Teamentwicklung ein. Checken Sie die "hardware"
und die "software" des Teams anhand folgender Kriterien: |
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Hardware: Harte Teamfaktoren |
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Software: Weiche Teamfaktoren |
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Kennen alle die Ziele und identifizieren sich damit? |
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Teilen die Mitglieder eine faszinierende Vision? |
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Wird das Team zur Selbstständigkeit geführt? |
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Wird offen informiert und kommuniziert? |
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Werden effiziente Planungs-, Steuerungs- und Besprechungs-Tools
eingesetzt? |
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Gibt es Metakommunikation und gegenseitiges persönliches
und Prozessfeedback? |
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Gibt es eine klare, stimmige Aufgabenverteilung und
Regelungen für Abweichungen? |
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Werden Konflikte und Probleme offen angesprochen? |
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Sind Entscheidungskompetenzen eindeutig vereinbart? |
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Gilt das Motto "Einer für alle, alle für
einen"? |
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Ist die Funktion und Bedeutung der Teamarbeit im Unternehmen
verankert? |
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Besteht ein kooperativer, motivierender Wettbewerbsgeist? |
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Abschließend noch ein übergreifender Tipp, wenn es hart
auf hart geht: Der Kern jeder Konfliktbehandlung ist immer
das direkte Gespräch von Mensch zu Mensch.
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Die Dipl.-Psychologin Jutta
Kreyenberg
arbeitet seit über zehn Jahren als selbstständige Beraterin
für Organisationen, Teams und Einzelpersonen zu den Themen Führung,
Kommunikation, Konflikt- und Selbstmanagement, Coaching und Supervision.
In ihrem "Handbuch Konfliktmanagement", erschienen im Cornelsen
Verlag, gibt sie praxisnahe Hilfestellung für das Erkennen, Verstehen,
Vermeiden und Bewältigen verschiedener Konfliktsituationen.
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2007 Jutta Kreyenberg
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