Projektmanagement-Zertifizierung: Must-have für IT-Freiberufler?
(Juni 2006)
| Inhalt dieses Artikels: IPMA und PMI federführend | Zertifizierte IT-Freiberufler eher Exoten | Zertifizierungsunterschiede | Wenig Bedeutung im IT-Projektmarkt |
Nicht überall, wo Projektleiter draufsteht, ist auch Projektleiter drin, denn Bezeichnungen wie "Projektleiter" oder "Projektmanager" sind nicht
geschützt. Nicht nur wegen ihres wohlklingenden Namens, sondern vor allem aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten locken diese Positionen auch Kandidaten, die den komplexen Aufgaben
nicht gewachsen sind. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, kann für den Auftraggeber eine Projektmanagement-Zertifizierung als Leistungsnachweis hilfreich sein.
Ein solches Prüfsiegel, ausgestellt von einer neutralen und akkreditierten Institution, bescheinigt dem Inhaber, über gewisse Projektmanagement-Kompetenzen zu verfügen und nach international
anerkannten Standards zu arbeiten. Mit zunehmender Globalisierung und den vielerorts unterschiedlichen Auffassungen von Projektmanagement werden unternehmensübergreifende und international verbindliche
Standards im Projektmanagement immer wichtiger. Der Zertifizierte selbst verspricht sich von diesem Kompetenz-Nachweis meist mehr und attraktivere Jobchancen.
Allerdings sind die Kosten für eine Zertifizierung kein Pappenstiel, sondern belaufen sich mit Vorbereitung und Prüfungsgebühren schnell auf mehrere tausend Euro. Eine Investition sollte also gut überlegt sein. Im IT-Projektmarkt verfehlen Zertifikate ihre Wirkung nicht. Im passenden Kontext gewählt, kommen sie bei einem Drittel der Projektanbieter sehr gut an. Weitere 47 Prozent meinen, es kann nicht schaden, ein solches zu besitzen. GULP hat recherchiert, welche Projektmanagement-Zertifizierungen in Deutschland am verbreitetsten sind und ob sie eine Rolle im IT-Projektmarkt spielen.
Allerdings sind die Kosten für eine Zertifizierung kein Pappenstiel, sondern belaufen sich mit Vorbereitung und Prüfungsgebühren schnell auf mehrere tausend Euro. Eine Investition sollte also gut überlegt sein. Im IT-Projektmarkt verfehlen Zertifikate ihre Wirkung nicht. Im passenden Kontext gewählt, kommen sie bei einem Drittel der Projektanbieter sehr gut an. Weitere 47 Prozent meinen, es kann nicht schaden, ein solches zu besitzen. GULP hat recherchiert, welche Projektmanagement-Zertifizierungen in Deutschland am verbreitetsten sind und ob sie eine Rolle im IT-Projektmarkt spielen.
| Zertifizierte IT-Freiberufler eher Exoten | |||||||||||
| Von den derzeit rund 29.000 bei GULP registrierten IT-Spezialisten, die in der Position "Projektleitung / Organisation / Koordination" einsetzbar
sind, besitzt nur ein verschwindend geringer Anteil von 2,1 Prozent eine Zertifizierung der IPMA bzw. des PMI. Davon entfällt der größere Anteil auf die IPMA-Zertifizierung. Eine
weitere, bei 0,5 Prozent der GULP Freiberufler vorkommende Zertifizierung ist "PRINCE2", ein vor allem in Großbritannien und den Niederlanden verbreitetes Projektmanagement-Vorgehensmodell. Damit ergibt sich eine insgesamt sehr geringe Verbreitung der international anerkannten Projektmanagement-Zertifizierungen im deutschen IT-Projektmarkt. Offensichtlich hat sich diese noch nicht als Must-have für IT-Freiberufler durchgesetzt. Rein finanziell betrachtet, zahlt sich die Investition in eine Zertifzierung aber offenbar aus, wie ein Blick in den Stundensatz-Kalkulator belegt.
Vor allzu viel Euphorie sei aber gewarnt, denn die zitierten Stundensatzwerte sind aufgrund der geringen Datenlage lediglich eine Tendenz. Deutlich wird aber, dass sich mit dem international verbreiteten PMI-Zertifkat am besten verdienen lässt. Auch wenn sie tendenziell höhere Stundensätze fordern, so erhalten zertifizierte IT-Freiberufler nicht mehr Projektanfragen als ihre Kollegen ohne Zertifizierung. Im Vergleich erhalten PRINCE2-zertifizierte IT-Freiberufler im Schnitt ca. sechs Anfragen pro Jahr während ihre IPMA- bzw. PMI-zertifizierten Kollegen auf durchschnittlich vier Projektkontakte kommen. |
| Zertifizierungsunterschiede | ||||||||||||||||||||||||||
| Doch welche Zertifizierung macht nun mehr Sinn? Diese Frage muss sehr individuell beantwortet werden und richtet sich stark danach, ob der IT-Spezialist eher national oder international
tätig ist. Auch das Zertifizierungsangebot sowie das Prüfungsprocedere und der damit verbundene Zeitaufwand sollten in die Entscheidungsfindung einfließen, denn es gibt durchaus
Unterschiede bei den beiden marktführenden Institutionen. Ein kleiner Überblick. Gemäß den vier Ebenen der IPMA-Zertifizierung können bei der GPM in Deutschland die folgenden vier Zertifikate erworben werden:
Die Level-D-Zertifizierung setzt umfassendes Wissen in allen Bereichen des Projektmanagements und die Fähigkeit, diese Kenntnisse anzuwenden, voraus. Die drei weiteren Zertifizierungsverfahren – Level A, B und C – führen über ein strukturiertes Assesement zu Kompetenz-Zertifikaten (Wissen + Erfahrung + soziale Fähigkeiten im persönlichen Verhalten). Nach Ablauf von 5 Jahren ist eine Rezertifizierung notwendig, d.h. das Zertifikat muss erneut bestätigt werden. Weitere Informationen gibt es bei der GPM Das Zertifizierungsprogramm des Project Management Institute (PMI) bietet zwei Zertifizierungs-Level an:
Grundlage für den CAPM und den PMP ist der sogenannte "Guide to the Project Management Body of Knowledge" (PMBOK(R) Guide), das auch in deutscher Sprache erhältlich ist. Das PMP Examen geht allerdings weit über diese Inhalte hinaus und erfordert viel Projektmanagement-Erfahrung. Weitere Informationen gibt es unter www.pmi.org Die Art der Vorbereitung ist bei beiden Zertifizierungen jedem selbst überlassen. Denkbar sind Seminare, die von zertifizierten und lizenzierten PM-Trainern angeboten werden (GPM/IPMA) oder Vorbereitungsworkshops, wie sie die lokalen PMI-Chapter anbieten. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich auch das Selbststudium mit Büchern, e-Learning usw. Insgesamt ist das Bewerbungs- und Prüfungsprozedere bei der PMI-Zertifizierung um einiges unkomplizierter. Im Wesentlichen müssen Multiple-Choice-Fragen online beantwortet werden. Der Zeitaufwand ist deshalb flexibler planbar und geringer als bei der GPM/IPMA-Zertifizierung. Diese besteht aus mehreren Bausteinen, u.a. schriftlichen Prüfungen, Fallstudien, Ausarbeitung von Erfahrungsberichten, Projektstudienarbeiten, Prüfungsgesprächen usw. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass für PRINCE2 ein zweistufiges Zertifizierungssystem ("PRINCE2 Foundation Certificate" und "PRINCE2 Practitioner Certificate") existiert. Die Prüfungsinhalte sind auf das PRINCE2-Projektumfeld fokussiert, so dass eine solche Zertifizierung vor allem für diejenigen interessant sein dürfte, die für Unternehmen tätig sind, die nach diesem Projektmanagement-Modell arbeiten. Meist handelt es sich dabei um Behörden, Finanz- und Kommunikationsunternehmen in Großbritannien. |
| Wenig Bedeutung im IT-Projektmarkt |
| Zusammenfassend sind die hier vorgestellten Projektmanagement-Zertifizierungen im deutschen IT-Projektmarkt noch nahezu bedeutungslos. Nur in kleiner Teil der IT-Freiberufler verfügt über solche Kompetenznachweise. Offenbar leben sowohl die freiberuflichen IT-Spezialisten als auch die Projektanbieter derzeit noch gut ohne dieses Prüfsiegel und vertrauen auf die vorhandene Berufspraxis. Allerdings hat die Verbreitung dieser Zertifikate im deutschsprachigen Raum erst in den letzten zwei, drei Jahren an Fahrt gewonnen, so dass hier das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen ist. Gestandene Projektleiter mit festem Kundenstamm können aber sicher auf ein solches Prüfsiegel verzichten. Für Nachwuchs-Projektleiter mit geringer Berufserfahrung kann ein solcher Leistungsnachweis allerdings ein wichtiger Türöffner für Interviews sein. Letzten Endes muss aber jeder individuell abschätzen, ob eine Projektmanagement-Zertifizierung der Karriere förderlich ist oder sich nur als Betriebsausgabe in der Buchhaltung niederschlägt. |
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