Brauchen IT-Freiberufler einen Businessplan?

(August 2008)
Autor: Dipl.-Kfm. Rüdiger Apel, Unternehmensberater & Fachautor

Im Vergleich zu anderen Unternehmern haben IT-Freiberufler einen relativ geringen Kapitalbedarf in der Gründungsphase. Dennoch ist es auch für sie sinnvoll mit einem Businessplan eine gesicherte Basis für ihr Unternehmen zu schaffen. Der Dipl.-Kfm. und Unternehmensberater Rüdiger Apel erklärt warum.
Der Businessplan ist ein schriftliches Dokument, das über die strategische Planung und Umsetzung der Unternehmensziele in einem Zeitrahmen von meist drei bis fünf Jahren informiert. Er beantwortet Fragen über das Produkt bzw. die Dienstleistung, das Management, die Vermarktung, die Finanzierung und den Unternehmensaufbau. Im Wesentlichen dient der Businessplan in der Regel dazu, Geld zu beschaffen (z.B. Kredite, Gründungsgeld). Von Bankern und Kapitalgebern wird ein solcher Plan deshalb immer gefordert.
Gute Planungsgrundlage
 
Doch auch für IT-Selbstständige, die nicht auf Kredite oder Darlehen angewiesen sind,  empfiehlt es sich, einen Businessplan zu erstellen. Bei der Aufstellung des Businessplans werden das Produkt bzw. die Dienstleistung und die Ideen schriftlich festgelegt und erläutert. Daher stellt dieser eine gute Planungsgrundlage dar. Auch Vertriebspartner, Lieferanten und potentielle Kunden kann man häufig mit den schriftlich festgehaltenen Zielen überzeugen. Der Businessplan stellt zusätzlich eine Wirtschaftlichkeitsprüfung des Konzeptes dar. Im Verlauf der Unternehmensentwicklung kann er als Controllinginstrument genutzt werden. Weiterhin gibt er Aufschluss über die wirtschaftliche Lage des Gründers. Somit stellt ein Businessplan eine Art Visitenkarte des Gründers dar.
Umfang, Inhalt und Layout
 
Der Umfang des Businessplanes richtet sich im Wesentlichen nach der Größe, der Komplexität und dem Geschäftsmodell des Unternehmens sowie auch dem Finanzierungsanlass. Üblich sind in etwa  30 Seiten. Bei kleinen Unternehmen mit schlankerer Dokumentation sollten grundsätzlich die Gewinn- und Verlustplanung  sowie eine Liquiditätsvorschau enthalten sein.

Der Businessplan sollte so abgefasst sein, dass jeder interessierte Leser Antworten auf seine möglichen Fragen erhält. Hierzu gehören beispielsweise die Fragen wie z.B.:

  • Kommen Kundennutzen und die Alleinstellungsmerkmale des Gründers deutlich zum Tragen?
  • Wurde hinreichend dargestellt, welche Kundenwünsche erfüllt werden sollen?

Für die Banken und Kapitalgeber ist besonders wichtig, ob alle Finanzfragen abschließend geklärt wurden. Wichtig für alle Lesergruppen ist, ob alle Chancen und Risiken klar herausgestellt werden.

Insgesamt sollte der Businessplan inhaltlich interessant formuliert und klar bzw. logisch strukturiert sein. Hierbei ist eine eindeutige Formulierung von besonderer Bedeutung. Um dies sicher zu stellen, sollte der Gründer seinen Businessplan einem "Testpublikum" vorstellen. Es ist zu beachten, dass die Angaben im Businessplan sachlich richtig sind und nach bestem Wissen gemacht werden. Da es im Bereich der Informationstechnologie häufig nicht vermeidbar ist, dass Fachbegriffe Verwendung finden, sollte der Gründer darauf achten, dass er den Sachverhalt nicht hochtechnisch, sondern in vereinfachter Form darstellt. Sollten Details in diesem Zusammenhang nicht zu vermeiden sein, so gehören diese in den Anhang des Businessplans.

Das Layout sollte optisch einheitlich gestaltet sein und insgesamt ansprechend wirken. Es sollte für alle Bereiche ein einheitlicher Schrifttyp verwendet  und aussagekräftige Grafiken sauber eingebunden werden. Der Finanzplan sollte in Tabellenform angefügt werden. Zur guten Gesamtdarstellung gehören sowohl ein Inhaltsverzeichnis, die fortlaufende Seitennummerierung und ein Logo in der Kopfleiste (soweit vorhanden). Zum Schluss wäre es für das äußere Erscheinungsbild wichtig, dass der gesamte Businessplan sauber gebunden wird.
Wesentliche Bestandteile
 
Die folgende Tabelle veranschaulicht die wesentlichen Bestandteile eines Businessplanes:

Elemente Phase I Phase II Phase III
Darstellung des Produktes oder der Dienstleistung

Um welche Geschäftsidee handelt es sich?
Ist die Geschäftsidee einzigartig? Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal?
Ist die Idee geschützt?
Wer sind die Zielkunden?
Welchen Nutzen hat die Idee für den Zielkunden?
Welche weiteren Gründungsschritte sind noch durchzuführen?

Die Patentsituation ist zu überprüfen.
Verfügt der Gründer bereits über Kunden oder kann er diese kurzfristig gewinnen?

 
Relevanter Markt und Wettbewerb

Welche Wettbewerbssituation findet man im eigenen Bereich vor?
Wie sieht die Marktsituation aus und mit welchem Marktvolumen kann gerechnet werden?
Welche Wachstumsrate wird erwartet?

   
Finanzplanung und Finanzierung

Welche Investitionen müssen getätigt werden?
Was werden diese kosten ? (Schätzung)

Sie müssen die Umsatz-, Kosten- und Gewinnsituation für drei Jahre im Voraus schätzen.
Auch der Gesamtfinanzbedarf ist von Ihnen zu schätzen.

Die Ergebnisse der genauen Geschäftsplanung müssen skizziert werden. Dabei sind der exakte Finanzbedarf sowie die Renditen zu beziffern.Ferner ist die Herkunft also die Quelle der Finanzmittel zu nennen.

Marketing und Vertrieb  

Hat der Gründer eine Markteintritts-Strategie? Mit welchen Absatzzahlen wird geplant?
Welche Vertriebskanäle sollen dafür genutzt werden?

Welche Fertigungskapazitäten sind dafür bereitzustellen?

Geschäftsmodell, -system und Organisation

 

Verfügt der Gründer bereits über ein Geschäftsmodell?  Wie sieht dieses aus?
Sind Partnerschaften vorgesehen?

Gibt es ein Konzept, wie die Geschäftsidee organisatorisch umgesetzt werden soll?

Unternehmerteam,  Management, Personal

   

Liegen die notwendigen fachlichen Kompetenzen im Unternehmerteam vor?
Ist geklärt, wie die Managementaufgaben verteilt werden sollen?

Chancen und Risiken   Lassen sich die Chancen und Risiken identifizieren?  
Realisierungsfahrplan Welche langfristigen Ziele haben Sie sich als Gründer gesetzt?

Haben Sie sich die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zu Ihrem Ziel gesetzt?
Gibt es bereits Meilensteine, die erreicht wurden?

Haben Sie schon Ihre nächsten Schritte konkretisiert?
Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei Rüdiger Apel externer Link. Als Inhaber der Unternehmensberatung Apel Consult e.K. berät er kleine und mittelständische Firmen von der Unternehmensgründung und -nachfolge, über die Unterstützung beim Rechnungswesen und Controlling bis hin zur begleitenden Prozessberatung. Businessplan-Musterdokumente gibt es z.B. bei Formblitz externer Link.
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2008

Kommentare zu diesem Artikel:

"Ich habe schon mehrere Business Pläne erstellt, jedoch nicht, um meine Tätigkeit als IT Consultant zu planen. Dies halte ich auch für übertrieben. Business Pläne sind aber aus meiner Sicht immer dann besondern sinnvoll, wenn man z.B. eine besondere Idee hat und prüfen möchte, ob deren Umsetzung Aussicht auf Erfolg hat. So ist es z.B. nicht so, dass wenn man eine Idee für z.B. ein neues Produkt hat, dieses auch automatisch Erfolg haben muss. Die Idee aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten reduziert das Risiko etwas zu beginnen, was von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Ausserdem zeigt ein Business Plan, dass man sich mit einer Sache ernsthafter beschäftigt hat, was in Gesprächen mit anderen Personen von Vorteil ist, um die Glaubwürdigkeit, hier wirklich etwas auf die Beine stellen zu wollen, zu untermauern. Weiterhin ist ein Business Plan immer Pflicht, wenn man auf der Suche nach Kapitalgebern ist (Banken/ Venture Capitalists/ Business Angels), da diese eine erste Bewertungsgrundlage benötigen. (Oktober 2008)"

"Über seine Zukunft sollte man schon Gedanken machen, auch als Freiberufler. Ohne Zweifel. Ob das sofort ein BP sein soll, das wage ich zu bezweifeln. Andererseits, wahrscheinlich haben manche Unternehmensberater auch diese Gedankenspiele gemacht. Dabei ist vielleicht die Idee gekommen: Wie wäre es, wenn man sich ganz neue Kundenkreise organisieren könnte... (August 2008)"

"Blödsinn. Sowas braucht kein Mensch - nur Leute, die kein know-how und Erfahrung haben. Einfach anfangen und schauen wie's läuft ... . (August 2008)"

"Ich sehe noch nicht so ganz den Vorteil eines Businessplans für einen IT-Freiberufler. Zwar lässt sich argumentieren, dass es nichts schaden kann, einen Businessplan zur Hand zu haben - denn was heute nicht notwendig ist kann es vielleicht morgen werde und dann ein sauberes Dokument auf die Schnelle aufzustellen wird schwierig. Aber ganz ehrlich: mir ist aktuell die Zeit dafür zu schade, lieber verwende ich die spärliche Freizeit um sie mit der Familie zu verbringen. (August 2008)"

"Bin 10 Jahre als Freiberufler unterwegs. Das einzige, was man braucht, ist ein wenig Liquimanagement. (August 2008)"

"Nette Übersicht, sollte zum Nachdenken anregen. Wenn man einen BP erstellen will, ist man mit kleinen Ratgebern (beinhalten auch Vorlagen) gut bedient. (August 2008)"

"Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technik hat seit Jahren ebenfalls einen Businessplaner. Nun scheinbar auch online: http://www.existenzgruender.de/businessplaner/ (August 2008)"