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Nicht nur Honorarsätze ändern sich, auch Honorarformen
unterliegen dem Wandel. Der "klassische" Abrechnungsmodus
von Freelancern - Bezahlung der gearbeiteten Zeit - ist zwar durchaus
(noch) nicht regelrecht out, aber auch nicht mehr richtig in. Von
Hansdieter Matthes, München.
Die Honorare von IT- und anderen Consultants bilden ein unerschöpfliches
Thema, in Freelancer-, Vermittler- und Kundenkreisen genauso wie
auf Branchenkongressen, an Profi-Stammtischen und in den Medien.
Bei Kunden sogar auf mehreren Ebenen - der Managementebene, der
Ebene der Personalvertretung und der der angestellten "Kollegen"
in den Abteilungen oder Projekten, in denen Berater im Einsatz sind.
Das regelmäßig gezogene Fazit: Die Kostenbelastung durch
"die Externen" sei auf die Dauer einfach zu hoch.
Die Argumente dafür sind schnell bei der Hand: Es werden Gehaltsvergleiche
gezogen, das Ausnutzen von Engpässen angeprangert, das fachliche
Know-how in Zweifel gezogen und die Ergebnisse kritisiert (Motto:
"Das hätten wir selber genauso gekonnt"). Beispiele
für diese Art "Kostenbewusstsein" sind weit verbreitet
und lange bekannt, wie folgende kleine Zusammenstellung von Beiträgen
aus der Computerwoche veranschaulicht:
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"Fremdprogrammierer blockieren den softwaretechnischen
Fortschritt (Computerwoche vom 30.08.1985) |
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"DV-Chef muss Experten auf die Finger schauen" (Computerwoche
vom 11.03.1988) |
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"Berater sind zu teuer für das praktische Doing"
(Computerwoche vom 10.06.1994) |
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"Wie hoch ist der wahre Stellenwert der Berater?"
(Computerwoche vom 30.05.1997) |
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| Alternative
Honorarformen im Consulting |
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| Honorierung
nach Zeitaufwand = K. O. fürs Budget? |
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Es kommt sicher vor, dass durch den Einsatz externer Consultants
(egal ob richtige Freiberufler oder von einer Firma geschickt) die
Kosten eines IT-Projekts steigen. Exakte Beweise für diesen
Effekt lassen sich meistens zwar nicht erbringen (dies würde
die parallele Bearbeitung der gleichen Aufgabe durch ein rein internes
und ein gemischtes Projektteam erfordern), außerdem kommen
"Budget-Explosionen" auch bei vollständig intern
durchgeführten Projekten vor - trotzdem bleiben ein paar berechtigte
Fragen:
| 1. |
Stehen die hohen Beraterrechnungen tatsächlich
immer im Einklang mit den erzielten Beratungsergebnissen? |
| 2. |
Gibt es eventuell bessere, das heißt objektivere
Leistungsmaßstäbe als nur die "abgeleisteten"
Stunden? |
| 3. |
Wie kann sowohl leistungsgerecht honoriert als
auch gleichzeitig verhindert werden, dass die Budgets aus dem
Ruder laufen? |
Die Tabelle in Abbildung 1 macht deutlich, dass schon bisher Honorarformen
bekannt sind, die Freiberuflern wie Kunden die Möglichkeit
bieten, ergebnis- statt zeitorientiert abzurechnen. Das beste Beispiel:
Der "Festpreisauftrag", mit dem das Prinzip des Werkvertrages
- bei dem es auf einen Arbeitserfolg und nicht auf (unter Umständen
erfolglose) Arbeit ankommt - auf IT- und andere Beratungsprojekte
angewandt wird und den heute die meisten professionell arbeitenden
Consultingfirmen bevorzugen.
Darüber hinaus wurden inzwischen weitere Honorierungsmethoden
entwickelt, mit denen die Nachteile von Zeithonoraren (Abbildung
2) vermieden und die Vorteile der Erfolgshonorierung (Abbildung
3) genutzt werden können. Drei dieser von den Beratungskunden
mitunter mit Überraschung, meist aber positiv aufgenommenen
Honorarmodelle werden im Folgenden vorgestellt. Trotz erheblicher
Unterschiede beim Begriff des "Erfolges", den der Consultant
zu bringen hat, verfolgen sie einen gemeinsamen Ansatz: Honorardiskussionen
nach dem Projekt dadurch von vornherein auszuschalten, dass beide
Seiten vor dem Projekt gemeinsam das Resultat definieren, dessen
Erreichen den Auftrag erfüllt.
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| Honorarmodelle
mit Ergebnisbezug |
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Erfolgshonorar
Das Erfolgshonorar-Modell besteht dem Wortsinn nach darin, dass
das Honorar erst und nur dann fällig wird, wenn eine bestimmte
Bedingung erfüllt ist: Es muss "Erfolg" eingetreten,
das heißt das Ziel des in Auftrag gegebenen Projekts oder
Teilprojekts muß nachweislich erreicht worden sein.
Geeignet ist dieses Modell - im Grunde eine verschärfte Variante
der "Festpreis-Projekte" - für Aufträge mit
hoher Erfolgswahrscheinlichkeit aufgrund einschlägigen Know-hows
des Freiberuflers und kooperativer Einstellung der Mitarbeiter des
Kunden gegenüber Externen.
Vorsicht jedoch in solchen Fällen, wo die Bezahlung erst aus
den von dem Projekt erwarteten Einsparungen oder Gewinnen erfolgen,
der Freiberufler sein Honorar also quasi selber erwirtschaften soll:
Der "Kunde" ist schon bei Auftragserteilung nicht zahlungsfähig
- er wird es vermutlich auch später nicht sein.
Werthonorar
Das Werthonorar-Modell - ebenfalls eine Festpreis-Variante - verwendet
als Basis der Kalkulation nicht das geschätzte Arbeitsvolumen,
sondern den Wert, den das Projekt und dessen Ergebnis für das
Unternehmen des Kunden hat. Im Vergleich zur herkömmlichen
Angebotspreisermittlung hat dieses Modell zwei wichtige Vorteile
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Die Tendenz zur Unterbewertung der eigenen Leistung durch
die Rechnung Benötigte Stunden ÷ (regional) üblicher
Stundensatz = Angebotspreis wird gestoppt. |
| Ein Stundensatz spiegelt die Marktlage,
nicht aber den Wert der Leistung wider. |
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Die Begrenzung von Umsatz und Einkommen durch
die rechnerisch maximal möglichen Arbeitsstunden pro Tag/Woche/Monat/Jahr
entfällt. |
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Die Orientierung am Wert der Leistung entkoppelt den Umsatz vom
Zeitaufwand.
Die Bestimmung des Wertes (und damit der Honorarhöhe) geht
nicht ohne Mitwirkung des Kunden. Dafür entscheidend: Der Aufbau
einer Vertrauensbasis - vor allem durch Einbindung des Kunden in
die Erarbeitung des Angebots, das dadurch zum ersten gemeinsam erzielten
Ergebnis wird. Das Angebot steht folglich hier nicht am Anfang,
sondern am Ende einer Gesprächsrunde über Endresultate,
Wahlmöglichkeiten und Projektziele des Kunden. Voreilige Abgabe
des Angebots würde nur dazu führen, dass das veranschlagte
Honorar viel zu niedrig ausfällt.
Wichtig: Wenn das Angebot vorliegt und der Kunde dann eine Honorarreduzierung
verlangt, darf diese allein durch Herausnahme von Leistungsbausteinen
erfolgen, weil anderenfalls das Prinzip der Wertorientierung des
Honorars zweifelhaft wird.
Zufriedenheitshonorar
Das Zufriedenheitshonorar-Modell basiert auf einer Idee, die Gerald
M. Weinberg, US-Berater, in seinem Buch "The Secrets of Consulting"
so formulierte: "If they don´t like your work, don´t
take their money" ("Wenn sie [die Kunden] Deine Arbeit
nicht mögen, dann nimm auch nicht ihr Geld").
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| Entnommen aus: freiberufler info Nr. 2, April/Mai
2001 |
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Dieser Beitrag wurde uns mit freundlicher Genehmigung
der freiberufler info überlassen, dem Report für Selbständige in der IT und New Media Branche. Die freiberufler info informiert IT-Freiberufler aus Deutschland, Österreich
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