Umfrage-Ergebnis:

Trend zu längeren Projektlaufzeiten?

(Januar 2008)
Selbstständige IT-Experten sind beruflich seit längerem wieder obenauf: Immer öfter sind sie ganzjährig mit IT-Projekten ausgebucht. Ob es sich dabei tendenziell eher um langfristige oder mehrere kurze Projekte handelt, erfragte GULP bei 492 IT-Selbstständigen.
Die repräsentative Umfrage ergab, dass jeder zweite IT-Freiberufler (54 Prozent) für mindestens neun Monate in ein und demselben Projekt beschäftigt ist. Etwa ein Viertel von ihnen (22 Prozent) hat mit Laufzeiten zwischen ein bis zwei Jahren beruflich noch länger ausgesorgt.
Welche Laufzeit hat Ihr aktuelles Projekt?
Noch mehr planerische Sicherheit haben knapp ein Fünftel der IT-Freiberufler (18 Prozent): Sie wurden länger als 24 Monate beauftragt. Werden kürzere Projektlaufzeiten vereinbart, dann am häufigsten (18 Prozent) zwischen drei bis sechs Monaten. Eine Projektdauer von drei Monaten markiert auch den Zeitpunkt, ab der sich die Vermittlung externer IT-Mitarbeiter für viele Agenturen (46 Prozent) erst rechnet. Aufträge, die nur wenige Wochen Zeit beanspruchen, werden kaum an Externe (4 Prozent) vergeben.

Somit stecken viele IT-Spezialisten entweder zwischen drei bis sechs Monaten oder aber länger als ein bzw. zwei Jahre in einem Projekt. Dazwischen liegende Laufzeiten kommen wesentlich seltener vor. Tendenziell buchen Auftraggeber ihre externen IT-Mitarbeiter also eher langfristig. Ein Trend, den auch die IT-Experten selbst bestätigen:
Gibt es einen Trend zu längeren Laufzeiten?
 60% Ja
 40% Nein
Ideal wäre für die meisten IT-Selbstständigen übrigens eine Projektdauer von durchschnittlich 14 Monaten. Ein langfristiges Projekt bedeutet für sie vor allem finanzielle Sicherheit. Sie müssen nicht von einem Auftrag zum nächsten hetzen bzw. sich schon nach kurzer Zeit wieder Gedanken machen, woher sie ein neues Projekt bekommen. Bei langen Laufzeiten ist deshalb auch ihre Bereitschaft höher, auf den verlangten Stundensatz einen Rabatt zu geben.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Dieser Artikel bestätigt meine eigene Beobachtung, vielen Dank!! (März 2008)"

"Nach meinen Erfahrungen sind die Auftragsdauern immer dann länger, wenn der Stundensatz eingefroren werden soll, sprich: wenn die Anbieter erwarten, dass der Stundensatz in Zukunft steigen soll. Normalerweise lohnt sich dann für den Externen das Warten oder das Bestehen auf kurzen Laufzeiten bzw. Kündigungsmöglichkeit, um den Stundensatz dem Markt anzupassen. (Februar 2008)"

"Ich bin nun seit über 2,5 Jahren im gleichen Projekt. Beim gleichen Kunden jedoch schon über 3 Jahre. Die Beauftragungsdauer ist aber immer nur monatsweise bzw. max. 3 Monate. Der Stundensatz ist auf dem Level von 2004. Leider ist ein nachverhandeln nicht möglich. Ich wurde jedoch nicht wie viele anderen Freiberufler während der Laufzeit im Preis gedrückt. Die Umfrage war, wie bereits von anderen Kollegen in den Kommentaren beschrieben wurde, zu unpräzise. Es ist ein Unterschied, ob die Auftragsdauer gleich entsprechend länger ist oder ob sich die Verweilzeit im Projekt durch zahlreiche kurze Verlängerungen ergibt. Leider ist aber eine lange Auftragsdauer das Papier nicht wert auf dem diese steht, da keine Kompensation erfolgt bei vorzeitiger Kündigung durch den Kunden. (Februar 2008)"

"Rabatt für Langläufer? Sehe ich kaum ein - rabattfähig ist für mich nur Homeoffice! Wenn ein Anbieter jemanden langfristig braucht, soll er Personal einstellen! Ich nehme bevorzugt Projekte mit einer Laufzeit für maximal 12 Wochen an. Wenn ich länger benötigt werde, dann nur in einer 4 Tage Woche. Ich habe auch noch andere Kunden. (Februar 2008)"

"Die meisten Projekte werden ja mit 3 Monaten+ oder ++ angeboten. Daraus können sich Laufzeiten von über einem Jahr ergeben. Aber ist das auch im Sinne des Freiberuflers? Ich meine NEIN! Ich habe bei meinem derzeitigen Endkunden einen Kollegen, der schon seit 6 Jahren dort ist. Für mich ist dieser kein Freiberufler mehr. Ich bin doch nicht Freiberufler nur um des Geldes willen, es geht mir doch auch, und dies vorrangig, um die inhaltliche Qualität des Projektes. Bin ich zu lange an einem Streifen beim selben Endkunden, dann entsteht eine tödliche Routine. Ideal wäre es 3 - 4 Endkunden für längerfristige Projekte (3 - 8 Monate) zu haben und daneben verschiedene Endkunden mit Laufzeiten von 2 - 4 Monaten. Das Salz in der Projektsuppe des Freiberuflers ist doch die Vielfalt der Projekte. Im Übrigen macht sich der Wechsel der Endkunden auch bei den staatlichen Geldeintreibern gut. (Februar 2008)"

"Rabatt? Ich habe schon einige länger Projekte hinter mir. Da am Anfang aber i.d.R. nur 3 Monate zur Diskussion standen, erübrigte sich jede Rabatt-Verhandlung. Das blieb auch bei den jeweiligen Verlängerungen für weitere 3 Monate so. Wenn mein Vermittler Rabatt gewährt, ist mir das egal. ICH muß wegen den immer nur kurzfristigen Verträgen höher kalkulieren und bleibe dabei. Bei drei Monaten wohne ich i.d.R. in einem Hotel. Wenn ich feste Zusagen für ein Jahr hätte, würde ich ein Zimmer mieten. Diese Ersparnis könnte ich zum Teil weitergeben. Davon abgesehen sind die langfristigen Verträge i.d.R. das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Schließlich steht da normalerweise nichts von einer Abnahmeverpflichtung, sondern nur die Kündigungsmöglichkeiten für den Vermittler. Ich für meinen Teil werde bei den nächsten Rabattverhandlungen wegen angeblich langfristiger Projekte explizit darauf achten oder eine Klausel für Nachzahlungen (Aufstockung auf den normalen Stundensatz) bei vorzeitiger Kündigung einbauen lassen. (Februar 2008)"

"In Umfrage und dann auch Übersicht sollte stärker zwischen der Beauftragungszeit und der tatsächlichen Laufzeit differenziert werden: Oft gibts nur "kleine" Aufträge über 3 - 6 Monate, die sich dann aber zu einer Laufzeit von 2 oder mehr Jahren aneinander reihen. (Januar 2008)"

"Im Prinzip eine wichtige und interessante Frage. Leider war die Umfrage unpräzise gestellt: Ergeben vier 3-monatige Verlängerungen ein 12+x-monatiges Projekt? Im Nachhinein mag man "Ja" sagen (und so war die Umfrage gemeint, ergab eine Nachfrage), im Vorherein muß es "Nein" heißen, denn der Freiberufler muß planen, als sei er nur für 3 Monate engagiert. Aus meiner Sicht UND aus der Sicht meiner Projektleiter sind die vom höheren Management vorgegebenen kurzfristigen Verlängerungen eine Plage, denn sie bedeuten viel unnötigen Aufwand und Unsicherheit für alle Beteiligten. (Januar 2008)"

"Rabatt? Meine Erfahrung - jetzt seit 3,5 Jahren im selben Projekt - ist, dass eine so lange Verweildauer es wesentlich schwerer macht, von den aktuell steigenden Honoraren zu profitieren, als ein gelegentlicher Wechsel von Projekt, Endkunde UND Vermittler. Da soll ich für die Aussicht, der allgemeinen Einkommensentwicklung hinterherzuhinken, auch noch einen Bonus gewähren? (Januar 2008)"