Umfrage-Ergebnis: Die Zahlungsmoral der Projektanbieter

Wie oft kommt das Geld später als vertraglich vereinbart?

(Oktober 2009)
Laut der GULP Weißen Liste Passwort geschützter Bereich, in der IT-Freiberufler Projektanbieter bewerten, hatten 27 Prozent der IT-Selbstständigen in der Zusammenarbeit mit Projektanbietern schon einmal Probleme mit der Bezahlung. Sechs Prozent haben nur einen Teil ihres Geldes oder gar nichts bekommen. Schon 2004 hat GULP in einer Umfrage unter IT-Freiberuflern genauer nachgefragt, wo der Schuh drückt – im Vergleich zu damals scheint der Schuh mittlerweile aber bedeutend besser zu passen. 272 externe IT-Spezialisten haben GULP im September 2009 gesagt, was Sie von der Zahlungsmoral der Projektanbieter halten.
Späte Zahlung? Kommt vor.
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Wie oft bekommen IT-Freiberufler das Geld vom Projektanbieter später als vertraglich vereinbart?
Das ist tröstlich: Es sieht eindeutig besser aus als im Jahr 2004. Während vor fünf Jahren 22 Prozent der IT-Freiberufler es als ständiges Problem bezeichneten, dass das Geld vom Projektanbieter später als vertraglich vereinbart kommt, sind es 2009 nur noch 14 Prozent. Dass eine verspätete Zahlung nie vorkommt, konnten damals nur 3 Prozent der IT-Experten angeben, heute sind es mehr als viermal so viele. Dennoch: Es kommt vor – und 51 Prozent, die "selten" anklicken, sind immer noch mehr als genug. Denn in der Regel sind selbstständige Unternehmer darauf angewiesen, zum vereinbarten Zeitpunkt bezahlt zu werden. Rücklagen allerdings braucht jeder Selbstständige, doch laut dem Ergebnis einer GULP Trash Poll vom Juli 2009 würden 20 Prozent der Teilnehmer nur ein bis zwei Monate über die Runden kommen, ohne zu arbeiten.
Zahlungsausfälle? Selten, aber passieren.
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Wie oft bekommen IT-Freiberufler das Geld vom Projektanbieter nur teilweise oder überhaupt nicht?
Da trifft es umso härter, dass 34 Prozent der IT-Freiberufler der Meinung sind, dass es selten vorkommt, dass ein Projektanbieter nur teilweise oder überhaupt nicht bezahlt. Nicht ganz zwei Drittel der IT-Freiberufler haben das große Glück, ihr Geld bislang immer vollständig erhalten zu haben. Großes Glück deswegen, weil es einen selbstständigen Einzelunternehmerin der Regel hart trifft, wenn er Geld, mit dem er bereits geplant hatte, nicht erhält. Auf Nummer sicher gehen IT-Freiberufler zum Beispiel mit einer Forderungsausfallversicherung – die übrigens auch in die meisten Factoring-Verträge integriert ist.
Verwaltungs-Engpässe der häufigste Grund
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Was sind die typischen Gründe, wenn ein Projektanbieter einen IT-Freiberufler verspätet zahlt?
Hinweis Hat ihr Projektanbieter vorbildliche Zahlungsmoral bewiesen – oder auch nicht? Bewerten Sie ihn in der GULP Weißen Liste Passwort geschützter Bereich! Auf Basis der Bewertungen veröffentlichen wir in der GULP Knowledge Base immer wieder aktuelle Artikel über die Zusammenarbeit zwischen IT-Freiberufler und Projektanbieter.

Die Verwaltungsengpässe bleiben die Nummer eins der Gründe, warum IT-Freiberufler manchmal ein bisschen länger auf ihr Geld warten müssen – und haben ihre "Spitzenposition" sogar noch ausgebaut, von 26 Prozent im Jahr 2004 auf 31 Prozent heute. Schwierigkeiten mit dem Endkunden und Absicht, die Zinsen bringt, haben leicht Prozentpunkte dazugewonnen. Liquiditätsengpässe und übersehene Rechnungen scheinen dagegen seltener vorzukommen als vor fünf Jahren.

 
Wenig Veränderung zum letzten Jahr
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Ist die Zahlungsmoral der IT-Projektanbieter besser oder schlechter als vor einem Jahr?
Die Zahlungsmoral ist laut dem obigen Vergleich der beiden GULP Umfragen besser als vor fünf Jahren – das heißt, am eigenen Leib trifft es die Umfrage-Teilnehmer seltener. Für sich alleine betrachtet sind sie mit der Zahlungsmoral doch zufrieden. Blicken sie aber allgemein auf den ganzen Markt der letzten zwölf Monate, stellt mehr als ein Viertel eine Verschlechterung der Zahlungsmoral fest. Für 70 Prozent der IT-Freiberufler hat sich aber im Vergleich zum letzten Jahr nichts geändert: 70 Prozent von ihnen stimmten für gleichbleibend. Das ist ein schönes Zeichen.

Es gibt abseits vom IT-Projektmarkt derzeit Berichte, die in beide Richtungen weisen. Sie kennen das Sprichwort vom halb vollen und halb leeren Glas. Der Optimist schließt sich der Studie der Wirtschaftsauskunftei D & B an, die Mitte September eine leichte Besserung der Zahlungsmoral feststellte. Ihr monatlich gemessener Zahlungsindex, der das Zahlungsverhalten von Unternehmen verschiedener Branchen wiederspiegelt, stieg auf 78,7 Prozent an (Anteil der beobachteten Unternehmen, die ihre Rechnungen pünktlich bezahlen). Er näherte sich damit dem Niveau von März 2009, hat das Vorjahresniveau aber noch nicht wieder erreicht. Der Index von Januar bis Mai stark gefallen und im Juni, Juli und August 2009 wieder angewachsen.

Der absolute Pessimist glaubt Creditreform, die im August bekannt gab, dass überfällige Rechnungen von Unternehmen im zweiten Quartal 2009 durchschnittlich nach 14,47 Tagen beglichen wurden und damit einen Tag später als im Vorquartal (13,41 Tage). "In den zurückliegenden Monaten gab es eine merkliche Verschlechterung beim Zahlungsverhalten zu verzeichnen. Liquiditätsschwierigkeiten und Finanzierungsengpässe sind die Gründe für diese Entwicklung", stellt das Unternehmen in einem Bericht fest.

Was denken Sie? Ist das Glas der Zahlungsmoral halb voll oder halb leer?

 
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Auch mich hat es nun als FL mit der letzten Dezember 2010 Rechnung erwischt. Inzwischen sind 47 Tage rum, Mahnbescheid längst draußen, um möglichst schnell Vollstreckungsbescheid und Zwangsvollstreckung durchzubekommen (hoffe VM widerspricht nicht, denn dann wird es noch teurer für ihn). Zusatzkosten für Schuldner ~700 Euro netto (RA, Gericht) mit Mahnbescheid (+ weitere ab Vollstreckungsbescheid). Da hilft nur eines für uns FL: In den Vertrag werden die Verzugszinsen nach 30 Tagen individuell festgelegt. z.B Bei fehlendem Zahlungseingang innerhalb von 30 Tagen betragen die Verzugszinsen danach 40 Euro / Tag (entspricht ca. 3-5% Skonto bei ~14 Tage). Wer es nicht macht, hat leider nur Anspruch auf gesetzlichen Verzugszinsen von 8% über Basissatz. Kein Wunder, dass bei so wenig Zinsen kein AG/VM echtes Interesse an einer überpünktlichen Zahlung hat. Gerade bei englischen VM soll das letzte Zahlungsziel oft 4 Monate betragen. (Februar 2011)"

"Die Zahlungsmoral hat sich definitiv verschlechtert. Seit Mitte des Jahres geht es leider nur noch selten ohne eine freundliche Erinnerung. (Oktober 2009)"

"Also ich verstehe diese ganze Jammerei nicht. Ich habe immer ein festes Zahlungsziel in meinen Verträgen (zwischen 14 Tagen bis 4 Wochen nach Rechnungstellung) und wenn am letztmöglichen Tag das Geld nicht auf dem Konto ist (was sehr selten vorgekommen ist), stehe ich am nächsen Tag beim Endkunden mit bedauerndem Gesicht und teile Ihm mit, dass ich nun leider die Arbeit einstellen muss, da meine Rechnung nicht bezahlt wurde. Und siehe da, ein Tag später ist das Geld auf meinem Konto. Das hat bis auf einen Fall, in dem ich mir mein Geld auf gerichtlichem Weg holen musste, immer hervorragend funktioniert. (Oktober 2009)"

"Sollte die Wirtschaft Anfang nächsten Jahres nicht anspringen, werden die Nachteile (verschlechterte Zahlungsmoral) auch auf uns Freiberufler durchschlagen. Eine ähnliche Situation war im Jahr 2004, wo die Projekte sehr rar waren und die Kunden wieder die Zahlungsziele weit überschritten oder gar nicht bezahlt haben. (Oktober 2009)"

"Ich glaube, daß die Zahlungsmoral der ganzen Wirtschaft derzeit nicht gut ist. Und das trifft auch die Freiberufler. Ein großer Automobilhersteller hat grundsätzlich alle Zahlungen im 1. Quartal zurückgehalten, obwohl sie von den zuständigen Stellen längst abgezeichnet waren. Die großen Monster (to big to die) machen es vor und retten sich so in die schwarzen Zahlen. (Oktober 2009)"

"Ich würde die Zahlungsmoral sogar schlechter einschätzen. Immer öfter sende ich 1. Zahlungserinnerung, dann 2. Zahlungserinnerung... dann habe ich auf meiner Rechnung geschrieben: "Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf - mir leider nicht. Darum bin auf Ihre pünktliche Zahlung angewiesen!", und warte, ob das hilft. (Oktober 2009)"

"Ich arbeite als freiberuflicher IT-Trainer. In diesem Bereich ist die Zahlungsmoral noch schlechter als im Projektgeschäft! Gerade große und bekannte Unternehmen zahlen a) nie vor einer Mahnung, b) teilw. erst nach 6 - 12 Wochen (!). Deutlich wird, dass sie die Rolle und Bedeutung des Trainers völlig falsch einschätzen: Er ist es doch, der den eigentlichen Mehrwert erarbeitet, und er ist beim Kunden das Gesicht der Firma. Von daher sollte man gerade die Trainer gut behandeln, und nicht etwa durch zu spätes Zahlen verärgern. (Oktober 2009)"

"Die meisten Kunden von heute möchten erstklassige Beratung, schnelle Ausführung, Umsetzung und Support, und das wohl möglichst noch zu Dumping-Preisen. Aber wenn's um die Bezahlung geht, dann sieht man das nicht so genau - frei nach dem Motto "Kaviar bestellen und mit Bananen bezahlen". Dass der IT-ler auch seinen wirtschaftlichen/finanziellen Verpflichtungen pünktlich nachkommen muss, ist dann von Desinteresse. Das muss/sollte sich meines Erachtens ändern, vorallem bei einigen Groß-Kunden und entsprechenden Zwischen-Recruiting-Firmen. Ursachen sind oft Knebel-Verträge, bei denen der Kunde fast nur Vorteile hat und der Berater vielfach sämtliche Nachteile in Kauf nehmen muss, ansonsten gibt es keine Beauftragung. Eine gewisse Loyalität zwischen Kunde und Berater gibt es leider immer seltener. (Oktober 2009)"

"Ich würde die Zahlungsmoral sogar schlechter einschätzen. Ich überlege gerade dauerhaft mit einem Anwalt zusammen zu arbeiten. (Oktober 2009)"