GULP >> GULP Knowledge Base >> Markt und Trends >> Arbeitsmarkt >> Banken Spezial: Basel II

Banken Spezial: Basel II

Eine Vereinbarung mit vielen Folgen. Auch für den IT-Projektmarkt?

(Mai 2003)
Inhalt dieses Artikels:
Effiziente Risikovorsorge nötig | Ein Rating für Kunden | Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt
Ihre Meinung zum Artikel
sehr gut
1
2
3
4
5
6
schlecht
 

Basel II. Wenn man mit und über Banken spricht, kommt man derzeit um diesen Begriff nicht herum. Manchmal schwingt etwas Bedrohliches mit, immer bedeutet er auch viel Arbeit – und nicht wenige im IT-Projektmarkt sehen auch eine Chance. Aber was genau ist Basel II und mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen? GULP hat Basel II genauer betrachtet.

 

Effiziente Risikovorsorge nötig
nach oben
   

Der Sinn dahinter: Eine stabile Marktwirtschaft braucht stabile Banken. Weil diese jedoch auch im Wettbewerb stehen und deshalb unter Umständen eine effiziente Risikovorsorge vernachlässigen würden, ist die Europäische Union bereits 1992 den Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel 1) gefolgt und hat Richtlinien erlassen, die vorschreiben, dass alle Kredite an Firmen einen fixen Anteil Eigenkapital der Bank enthalten müssen. Die Richtlinien, die in nationalem Recht Eingang gefunden haben, sollten vor allem sicher stellen, dass Banken Kreditausfälle mit Eigenkapital decken können, ohne selbst dabei Konkurs zu gehen.

Schon bald zeigte sich die Hauptschwäche von Basel I für die Banken: Kunden hoher Bonität müssen angesichts des fixen Anteils dieselben Eigenkapitalkosten zahlen wie Kunden geringer Bonität, was wiederum bedeutet, dass gute die schlechten Bonitäten subventionieren.

 

 

Ein Rating für Kunden
nach oben
   

Und so wurde im Januar 2001 der Basel II-Entwurf zur Überarbeitung der internationalen Kapitalvereinbarung vorgelegt – mit dem Ziel, dass die Vereinbarung zum 1. Januar 2006 in Kraft tritt. Mit Basel II werden nun die Richtlinien neu geregelt, mit denen Banken Kreditrisiken steuern.

In der Praxis heißt das, dass Banken die von ihr vergebenen Kredite nach klar vorgegebenen Kriterien bewerten müssen. Das ist dann Grundlage für die Bewertung der Bank – je höher ihr Kreditrisiko, desto mehr Eigenkapitalquote hat die Bank auszuweisen. Diese Richtlinien geben die Banken natürlich an die Kunden weiter – und zwar in Form einer Bonitätsbewertung, also eines Ratings der Kunden. Und hier liegt es im Interesse der Banken, penibel ihre Kunden und deren Kreditsicherheit zu beleuchten.

 

 

Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt
nach oben
   

Für den IT-Projektmarkt hat Basel II u. a. zwei Folgen. Zum einen müssen IT-Dienstleister künftig beachten, dass bei Kreditanfragen eine hohe Bonität wesentlich für einen positiven Bescheid werden kann - zum anderen müssen die Kreditinstitute ein entsprechendes Bewertungssystem aufbauen, was letztendlich große IT-Projekte und damit auch die Chance von mehr Aufträgen für externe IT-Spezialisten bedeutet.

Anlass für Hoffnung gibt es also, doch muss sich der IT-Projektmarkt noch in Geduld üben – denn in den Banken wird derzeit eingehend geprüft, welche Maßnahmen in Frage nötig sind und in Frage kommen. Es gibt viel zu analysieren, zumal das Rating in die gesamte Unternehmenssteuerung samt Reporting-System integriert werden muss. Alles zusammen hat naturgemäß immense Auswirkungen auf die IT-Infrastruktur einer Bank.

Wie es allerdings dann endgültig kommen wird, darüber scheiden sich noch die Geister.

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Hat mir einen guten groben Überblick über Basel II gegeben. (März 2005)"

"Der Artikel ist kurz und trotzdem informativ. Infos in verständlicher und verdaulicher Form kann es kaum genug geben.  Was in dem Artikel nicht beleuchtet wurde, sind die Auswirkungen von Basel II auf die Gesamtwirtschaft. Und diese sind ja bekanntlich tendenziell negativ! Schließlich sorgt Basel II dafür, dass Mittelständler und Kleinunternehmer - und wir Freiberufler gehören dazu - in Zukunft noch geringere Chancen auf Kredite haben werden.  Gute Ideen in mittelständischen und Klein-Unternehmen werden in Zukunft noch häufiger an zu geringen Sicherheiten und zu geringer Bonität scheitern - auch in unserer Branche!  Dieser miesen Beurteilung liegen folgende Annahmen zugrunde: - Mittelständler haben oft kein eigenes Rating oder  können sich nicht positiv genug in einem Rating  darstellen (denn das erfordert meist jahrelange  Vorarbeit)  - Banken müssen somit überproportional viel Eigenkapital  in kleine Kredite mit ohnehin dünnen Margen (wegen  der prozentual höheren Verwaltungskosten)  investieren - das wird Banken zusätzlich abschrecken  - Startup-Unternehmen, mit meist geringerer Bonität,  sind nicht per Definition nach kürzester Zeit  'hochprofitabel' - was aber notwendig ist, um einen  entsprechend teuren Kredit befriedigen zu können  - konjunkturelle Schwankungen werden ein hochgradig  fremd finanziertes Kleinunternehmen noch härter  treffen als bisher - und das wissen die Banken auch!  Grüße Stefan (swb-spfeifer) (Mai 2003)"


Seite drucken Seiten drucken
Zum Seitenanfang nach oben

Für die Teilnahme an den mit diesem Icon gekennzeichneten Diensten melden Sie sich mit den Zugangsdaten an.
Zugangsdaten vergessen? | Noch kein GULP Profil?
Über GULP: Mehr als 3.000 Kunden, 75.000 eingetragene IT-Experten, davon 10.000 mit Schwerpunkt Engineering, und über 1.000.000 abgewickelte Projektanfragen: GULP ist die wichtigste Quelle für die Besetzung von IT-/Engineering-Projekten mit externen Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Zusätzlich zu den Dienstleistungen einer modernen Personalagentur bietet GULP ein umfassendes Online-Portal mit Informationen und Services für die Teilnehmer im Markt.