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Blick ins Nachbarland Großbritannien
Die Lage der britischen und
deutschen Freiberufler im Vergleich
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(August 2002)
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Inhalt
dieses Artikels:
Marktlage im Vergleich | Stundensätze
im Vergleich | Die gefragtesten
Fähigkeiten | Vergleich
der Marktsituation und der äußeren Umstände |
Fazit |
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Mit dem kontinuierlichen Abwärtstrend,
der seit Beginn des 2. Quartals 2001 den Projektmarkt
fest im Griff hat, sehen deutsche IT-Dienstleister
sich einem stagnierenden Projektangebot gegenüber.
Sie müssen immer häufiger Stundensatzkürzungen
hinnehmen und wenn sie besonders viel Pech haben,
werden laufende Projekte eingefroren. Dazu schieben
viele Unternehmen anstehende Projekte auf die lange
Bank. Logisch, dass dies Auswirkungen zeigt: die
Einkünfte der IT-Freiberufler gehen infolge
der Verlagerung von Angebot und Nachfrage entsprechend
in die Knie.
Aber sind das spezifisch deutsche Trends oder finden sie sich auch
bei den europäischen Nachbarn wieder? Wie sieht es zum Beispiel
im benachbarten Großbritannien aus, dessen IT-Markt in den
Trendjahren ähnlich stark geboomt hat? Sollten IT-Freiberufler
auf ihre britischen Kollegen, die "IT Contractors" gar
neidisch sein und die Koffer packen, um in Großbritannien
das große Geld zu machen?
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| Marktlage im Vergleich |
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Die Marktlage für die geschätzten 100.000
IT-Freiberufler dort ist ebenfalls wenig ermutigend.
Wurden im März 2001 laut Jobstats
durchschnittlich noch über 18.000 Jobanzeigen
online geschaltet, so ging seit April 2001 die Nachfrage
stetig zurück und hat ihren Tiefpunkt im Dezember
2001 mit etwas unter 5.000 Jobs erreicht. Erst im
Februar 2002 konnte eine leichte Erholung verzeichnet
werden, die aber nicht von Dauer war. Derzeit befindet
sich der IT-Markt in einem fortgesetzten Abwärtstrend,
mit momentan (Stand: August 2002) nur 4.463 ausgeschriebenen
Online-Offerten.
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Abbildung 1: Dynamische
Trendanalyse der Nachfrage an IT-Freiberuflern 1999-2002.
Der Trend (schwarze Linie) setzt sich aus dem dynamischen
Maximum (obere blaue Linie) und dem dynamischen Minimum
(untere blaue Linie) aller geschalteten Anzeigen zusammen.
Quelle: Jobstats
UK 
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| Auch der deutsche IT-Projektmarkt
entwickelt sich im Jahre 2001 tendenziell rückläufig,
wie GULP in einer Auswertung aus dem "GULP-o-meter"
belegt (siehe: saisonale
Entwicklung). |
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Abbildung 2: Trend für
Projektanfragen für die Jahre 2000 und 2001.
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Für erste Halbjahr 2002 schien sich zunächst
eine Markterholung nach dem Dezemberloch 2001 abzuzeichnen,
das Angebot sackte aber Mitte Februar wieder etwas
ein und erreichte bis Ende März nur 55 Prozent
des vorjährigen Quartalsdurchschnitts. Auch
danach bleibt der Marktindex bislang hinter den
Vorjahreswerten zurück.
Damit zeichnet sich für beide Länder eine tendenziell
recht ähnliche Marktentwicklung ab, wenn auch die Briten einen
vergleichsweise stärkeren Einbruch hinnehmen mussten.
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| Stundensätze
im Vergleich |
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Der durchschnittliche Stundenlohn, den Contractor
UK
in einer Umfrage unter den britischen Kollegen ermittelt
hat, wird keinen deutschen IT-Freiberufler "hinter
dem Ofen hervorlocken": 38 £ (das sind
60, 47 EUR) verdienen die IT Contractors nach eigenen
Angaben im Schnitt. Nur die Stundensätze im
oberen Viertel sind konstant geblieben: seit der
Umfrage im Mai 2000 verdienen 26 Prozent unverändert
mehr als 51 £. Die Ergebnisse der Umfrage
von Contractor
UK
stehen damit im Gegensatz zu statistischen Erhebungen
von Jobstats
,
wonach der durchschnittliche Stundensatz im IT-Bereich
derzeit sogar nur bei 21 £ liegt (diese Daten
gehen aus Online-Anzeigen hervor und schließen
auch einige Angebote zur Festanstellung mit ein).
In Deutschland sind hingegen laut Analyse von GULP
die Stundensatzforderungen im oberen Bereich (80
EUR aufwärts) von 22 Prozent im Jahr 2000 auf
knapp 34 Prozent (Stand August 2002) spürbar
gestiegen und stehen meist einem großen Projektangebot
gegenüber - so steigen die Chancen, dass die
geforderten Stundensätze auch bezahlt werden.
Nahezu traumhaft muss den britischen "Contractors"
der nach wie vor recht stabile durchschnittliche
Stundensatz zwischen 69 und 79 EUR in Deutschland
erscheinen.
Grundsätzlich gilt für beide Märkte: Der tatsächliche
Stundensatz variiert stark nach oben wie nach unten je nach Fähigkeiten
und Anforderungen der Freiberufler.
Stundensatzforderungen der Freiberufler in Euro
im Vergleich zu den Projektangeboten
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Anzahl
Freiberufler in den jeweiligen Stundensatzgruppen in %
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Anzahl
Projektangebote in den jeweiligen Stundensatzgruppen in
%
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Abbildung 3: Stundensatzforderungen
und Projektangebote in Deutschland (Stand: April 2002)
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Wie hoch ist der Stundensatz, den Sie
derzeit verdienen bzw. zuletzt verdient haben?
Mai 2000
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Wie hoch ist der Stundensatz, den Sie derzeit verdienen
bzw. zuletzt verdient haben?
Juni 2002

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Britische
Pfund (GBP)
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Britische
Pfund (GBP)
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Abbildung 4: Im Vergleich
dazu die Stundensätze, die UK Contractors im Jahre
2000 erhalten haben.
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Abbildung 5: Stundensätze,
die britische Freiberufler laut der jüngsten Umfrage
von Contractor
UK 
verdienen.
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| Die
gefragtesten Fähigkeiten |
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Das IT-Freiberufler-Portal Contractor
UK
veröffentlicht in regelmäßigen Abständen
die "Top 15 Skills" jeweils geordnet nach
Angebot und Nachfrage. Die Daten stammen von TheSkillsMarket.
Laut jüngsten Erhebungen sind die von britischen
Projektanbietern gesuchten Fähigkeiten oft
gleichauf mit der Wunschliste der Qualifikationen,
die auch deutsche Projektanbieter am häufigsten
suchen. Dazu zählen u.a. Java, C/C++, UNIX
und MS SQL Server. Erstaunlicherweise ist aber beispielsweise
SAP R/3, das in Deutschland ein ganzes Marktsegment
ausmacht, nicht vertreten. Die durchschnittlichen
Stundensätze für die verlangten Fähigkeiten
variieren, liegen aber tendenziell ca. 10 EUR
über denen des britischen Marktes.
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| Vergleich
der Marktsituation und der äußeren Umstände |
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Sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien
sind innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre Regelungen
zur sogenannten "Scheinselbstständigkeit"
getroffen worden. Das Gesetz trat in seiner ersten
Fassung in Deutschland zu Beginn 1999 in Kraft,
in Großbritannien wurde das sog. "IR35"
("Inland Revenue") etwas später,
Anfang 2000, verabschiedet. In beiden Fällen
haben die Regelungen, die Scheinselbstständigkeit
verhindern sollen, bei ihrer Einführung insbesondere
IT-Freiberufler aufgebracht und verunsichert. Während
sich die Regelung in Deutschland aber anscheinend
nicht wirklich durchsetzen konnte, sondern sich
laut Analyse
von GULP als zahnloser Tiger entpuppt hat, ist
das IR35 nach wie vor ein heiß umstrittenes
und von IT Contractors bekämpftes Thema. Zur
Abwehr des als unfair und marktzerstörerisch
empfundenen Gesetzes wurde dort sogar im Vorfeld
eigens eine Vereinigung, die "Professional
Contractors Group" PCG
,
gegründet. Bis dato betreibt PCG Lobbyarbeit
gegen diese Regelung, nimmt sich der aus ihr entstehenden
Unsicherheiten und Probleme von IT-Freiberuflern
an und berät sie.
In beiden Ländern war in diesem Zeitraum ein
starker Boom in der IT-Branche zu verzeichnen, der
sich auf den Internet Hype und das Jahr 2000 Problem
begründete. So kam man sowohl in Großbritannien
als auch in Deutschland auf die Idee, weltweit um
qualifizierte IT-Fachkräfte zu werben, um den
eigenen Arbeitskräftemangel zu kompensieren.
In Deutschland führte man dazu Mitte 1999 die
Greencard ein und lockte bis Ende 2001 gerade mal
9.000 Fachkräfte ins Land. In Großbritannien
bot man ab Oktober 2000 das sog. "fast track
visa", mit dessen Hilfe bislang 20.000 IT-Einwanderer
angelockt wurden. Auch hier sind die Reaktionen
bei unseren britischen Nachbarn wesentlich "allergischer"
- britische IT-Freiberufler scheinen sich bis zum
heutigen Tag mehrheitlich von der Zuwanderung bedroht
zu fühlen, denn sie befürchten ein "Preis-Dumping".
Erwartungsgemäß steht die Vereinigung
PCG
besorgten IT-Dienstleistern auch hier zur Seite
und ergreift Stellung gegen die Zuwanderungspolitik,
die sie als Gefahr für den inländischen
Arbeitsmarkt erachtet.
In Deutschland spielen hingegen jetzt, wo Projekte
knapp sind, und ergo wieder ein umfangreicheres
Angebot an einheimischen Know-how-Trägern zur
Verfügung steht, Greencard-Bewerber nur noch
eine untergeordnete Rolle. Dies ist hauptsächlich
der Fall, weil internationale Projekte (die nicht
in Deutscher Sprache koordiniert werden) wieder
in die Minderheit geraten sind und somit eine zusätzliche
Sprachbarriere darstellen. Dazu kommt, dass oftmals
die finanziellen Wünsche vieler ausländischer
Bewerber unrealistisch sind.
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| Fazit |
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Kofferpacken und den britischen Freiberuflermarkt
stürmen ist nicht anzuraten - zu steil war
der Abwärtstrend, zu groß ist die Flaute,
zu niedrig die durchschnittlichen Stundensätze
bei durchschnittlich 20 Prozent höheren Lebenshaltungskosten.
Laut einer Umfrage, die NamesFacesPlaces
im Mai dieses Jahres mit 1180 freien ITlern durchgeführt
hat, sind derzeit 50 Prozent der Befragten in einer
projektfreien Phase, nur 29 Prozent sind in einem
Projekt tätig, 10 Prozent werden nach der Beendigung
des Projekts kein Folgeprojekt erhalten, 7 Prozent
haben in eine Festanstellung gewechselt und 4 Prozent
haben den Beruf gewechselt. Hochgerechnet auf den
gesamten IT-Freiberuflermarkt in Großbritannien,
der schätzungsweise an die 100.000 Selbstständige
umfasst, würde das bedeuten, dass 50.000 und
nicht, wie normalerweise der Fall 15.000, derzeit
ohne Projekt dastehen. Ein ähnliches Bild liefert
die jüngste Umfrage von Contractor
UK ,
wo Freiberufler zum aktuellen Projektstatus befragt
wurden. 49 Prozent gaben an, derzeit ein Projekt
zu haben, 27 Prozent befinden sich nach eigenen
Angaben zwischen zwei Projekten, 11 Prozent betreuen
ein Projekt, ohne dass ein nachfolgendes Projekt
am Horizont erkennbar ist. 6 Prozent sind in die
Festanstellung gegangen und 4 Prozent sind nicht
länger in diesem Industriezweig tätig.
Im Gegensatz dazu hat GULP ermittelt, dass nur
10 Prozent der deutschen IT-Freiberufler derzeit
auf Projektsuche sind - davon allerdings sucht fast
ein Drittel bereits seit 1-3 Monaten und 21 Prozent
schon mehr als ein halbes Jahr nach einem neuen
Auftrag. Wenn auch der gefühlte Druck bei den
deutschen IT-Freiberuflern zunimmt, so ist die Auftragssituation
- zumindest im Vergleich zu dem gebeutelten britischen
Markt - weniger angespannt.
Natürlich gibt es keinen Anlass, den derzeitigen
deutschen Projektmarkt im Gegensatz dazu als "rosig"
zu bezeichnen. Aber steckt er wirklich in der Krise?
Dazu stellt Herr Götzfried, Vorstand des Beratungshauses
goetzfried ag fest: "Aus unserer Sicht gibt
es keine Krise. Es gibt halt nur weniger Projekte
und dadurch steigt auch der Aufwand, neue Aufträge
zu akquirieren. Insgesamt gibt es ein langsameres
Wachstum und aufgrund der niedrigeren Stundensätze
auch weniger Profit." Entsprechend sind nach
seiner Ansicht die Anforderungen dadurch insgesamt
gestiegen. Deshalb, so Götzfried, sollten Freiberufler
besonders diese Phase nutzen, um sich im Rahmen
ihrer Fähigkeiten weiterzubilden und auch den
Nachweis dafür zu erbringen. Auch wenn die
Stundensätze sich im Durchschnitt noch stabil
darstellen, werden sich Freiberufler nach Götzfrieds
Einschätzung langfristig mit niedrigeren Stundensätzen
zufrieden geben müssen.
Letztlich ist die Marktlage hierzulande damit nicht mehr üppig,
aber stabil.
Eine ähnliche Einschätzung ist auch von
den britischen Kollegen zu vernehmen. So stellt
Dave Chaplin, seines Zeichens IT-Freiberufler und
Mitbegründer des IR35Calc (Hilfsmittel zur
Errechnung der finanziellen Auswirkungen des Scheinselbstständigengesetzes
IR35), fest: "Der Freiberuflermarkt wird wieder
zu einem vernünftigeren Zustand zurückkehren,
wo diejenigen, die besondere Qualifikationen zu
bieten haben und diese auch weiterentwickeln, weiterhin
Projekte gewinnen werden. Es liegt in der Natur
der Branche, dass dort immer Freiberufler gebraucht
werden. Unternehmen werden immer wieder Projekte
durchführen, die einen einmaligen, schnellen
und hochqualifizierten Einsatz verlangen, den nur
externe Mitarbeiter erbringen können und wo
Festangestellte keinen Sinn machen, weil sie danach
nichts mehr zu tun hätten." Quelle: Contractor
UK 
Auch auf dem britischen IT-Projektmarkt scheint
sich seit dem ersten Quartal dieses Jahres eine
Stabilisierung, ja sogar Entspannung abzuzeichnen.
Einer der letzten monatlichen Jobreports der REC
(Recruitment and Employment Confederation) führte
den positiven Trend, man höre und staune, u.a.
auf die positiven Impulse der Fußballweltmeisterschaft
und des 50 jährigen Thronjubiläums der
Queen zurück.
Die Monarchie als Wachstumsmotor? Darüber sollten wir in Deutschland
dann vielleicht auch mal nachdenken...
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