 |
| Direkt von der Uni in
den IT-Projektmarkt? |
| (Januar
2006) |
Inhalt dieses
Artikels:
Berufserfahrung unverzichtbar
| Referenzen & Co. |
Mit den Aufgaben wachsen | Praxistipps
für Einsteiger |
|
| |
| Warum nicht gleich als selbstständiger
IT-Projektarbeiter durchstarten, denken sich viele Uni-Absolventen,
die auf Jobsuche sind oder sich von einem mageren Gehalt abgespeist
fühlen. Als erster Karriereschritt ist die Selbstständigkeit
jedoch nicht die beste Wahl, so die Erfahrung von Karriere-Coach
und Buchautorin Svenja Hofert. Langfristig besser: Erst Erfahrung,
Referenzen und Kontakte sammeln. Eine Anleitung für die Karriereplanung
von Svenja Hofert.
Die IT-Branche frönt dem Jugendkult. Warum also nicht schon
früh als Projektmitarbeiter einsteigen? Das denken sich viele,
die nicht sofort einen Job finden. Sie versuchen als junge Informatiker
oder Quereinsteiger den direkten Sprung von der Universität
in die Selbstständigkeit. Mitunter gelingt das auch –
allerdings selten gleich in Top-Projekten, sondern in wenig berufsqualifizierenden
Bereichen, die die Reihe der "Jobs" aus dem Studium weiterführt.
|
| Berufserfahrung
unverzichtbar |
|
| |
|
| Meist ist der Sprung in die frühe Freiberuflichkeit
ein Sprung ins kalte Wasser, zumal, wenn im Vorfeld kaum praktische
Erfahrungen gesammelt werden konnten. Gerade an der Uni lernt man
meist nicht fürs Leben, sondern erst einmal nur für die
Theorie. Deshalb ist der schnelle Schritt in die Selbstständigkeit
nicht der beste. Ausnahmen bestätigen die Regel: Chancen hat,
wer während des Studiums nicht nur zum Geldverdienen, sondern
auch zur "Profilschärfung" gearbeitet und eine praktisch
verwendbare und ausreichend tiefe Spezialisierung erworben hat. Kellnern
und das Gestalten von Steuerberater-Webseiten sind also wenig zweckdienlich.
Der normale Karriereweg führt vom Studium in den Beruf und
von dort frühestens nach zwei bis drei Jahren in die freiberufliche
Projektarbeit. Sowohl Projektvermittler als auch Firmen suchen Profis
mit Erfahrung, die zwar gerne auch autodidaktisch erworben sein
kann, am besten aber eben (auch) im Job und nicht nur vor dem heimischen
Computer in Nachtarbeit. Neben Berufspraxis wird gerade für
Einstiegspositionen heute immer häufiger auch ein abgeschlossenes
Studium vorausgesetzt. Da ältere Projektmitarbeiter ein solches
oft nicht vorweisen können, ist zumindest in dieser Hinsicht
die nachwachsende Generation den "alten Hasen" jetzt und
in Zukunft überlegen. |
|
| Referenzen
& Co. |
|
| |
|
| Doch nicht nur die Chance, Praxiserfahrung
zu sammeln, spricht für einen Berufseinstieg als Festangestellter.
Im Job erwirbt der künftige Experte neben der Erfahrung schließlich
auch Referenzen und Kontakte, die sich bei einer späteren Selbstständigkeit
als Karriere-Beschleuniger auszahlen. Denn: Projektarbeit ist selbstständige
Arbeit, egal ob freiberuflich oder im Gewerbebetrieb ausgeübt.
Und selbstständige Arbeit verlangt eine Menge weiterer persönlicher
Eigenschaften, die längst nicht jeder Profi von Haus aus mitbringt:
Vertriebsorientierung etwa ist spätestens dann gefragt, wenn
sich das Anschlussprojekt einmal nicht automatisch ergibt. Und das
ist bei nahezu jedem IT-Profi früher oder später immer
wieder mal der Fall.
Ebenfalls förderlich für die Karriere ist eine Branchenprägung,
die jedoch kaum ein Hochschulabsolvent mitbringt. Fast unmöglich,
heute gänzlich ohne Branchenerfahrung als selbstständiger
Projektmitarbeiter einzusteigen. Logisch: Banken haben andere technische
Anforderungen als die Automobilwirtschaft oder das Verlagswesen.
Das gilt selbst dann, wenn ein guter Projektleiter eigentlich überall
erfolgreich sein könnte und von einer auf die andere Branche
übertragbare Fähigkeiten erworben hat. Die Vermittler
und Unternehmen sehen das ganz überwiegend anders. |
|
| Mit
den Aufgaben wachsen |
|
| |
|
Erst Berufserfahrung, dann Selbstständigkeit:
Wer diese Reihenfolge durchbrochen hat und später in eine Festanstellung
zurückkehren möchte, hat es schwer – vor allem,
wenn keine guten Kontakte den sanften Übergang in die Festanstellung
fördern. Dies ist häufig dann der Fall, wenn die selbstständige
Tätigkeit über Jahre hinweg bei ein und demselben Auftraggeber
erfolgt ist und keine wirkliche fachliche Entwicklung stattgefunden
hat. "Ich bin zufällig in Projektarbeit bei einem Konzern
reingeschlittert und überwache jetzt vier Tage in der Woche
die Systeme. Das ist kein richtiges Projekt und qualifiziert mich
auch für keine weiteren Tätigkeiten", erzählt
ein Betroffener. Solche, nicht selten großzügig honorierten
Tätigkeiten erweisen sich oft als Sackgasse.
Wer langfristig in der IT-Branche Fuß fassen möchte,
muss stets auch an seine eigene Entwicklung denken – in fachlicher,
aber eben auch persönlicher Hinsicht. Fachlich sollten die
Kenntnisse sukzessive erweitert werden: Eine Nische zu okkupieren
macht Sinn, jedoch sollte diese nie zu klein sein und mit den aktuellen
Trends größer werden oder sich verändern.
Der junge Projektmitarbeiter sollte auch mit seinen Aufgaben wachsen.
Programmierung etwa ist ein Feld, das irgendwann einmal der junge
Nachwuchs besser beackern kann. Je nach Präferenz sollte ein
Berufstätiger, der als Techniker gestartet hat, erste Aufgaben
im Bereich der Softwarearchitektur, Beratung oder auch Projektleitung
übernehmen. Nur so kann er langfristig in einen dieser Bereiche
hineinwachsen. |
|
| Praxistipps
für Einsteiger |
|
| |
|
Wer sich seiner Talente nicht sicher ist, sollte
mit Hilfe eines Karriere-Coaches Klarheit über die nächsten
Karriereschritte gewinnen. Dieser kann beispielsweise eine Potenzialanalyse
empfehlen und Schwerpunkte bei den persönlichen Kompetenzen
ermitteln.
Für junge IT-Profis, die mit einem Einstieg in die Projektarbeit
liebäugeln, nachfolgend einige Tipps, damit der Berufsstart
gelingt:
 |
Spezialisieren Sie sich schon während des Studiums auf
eine möglichst zukunftsträchtige Nische. |
 |
Bedenken Sie, dass Spezialisierung nicht nur eine fachliche,
sondern immer auch eine aufgabenorientierte Komponente hat.
Entscheiden Sie sich früh, wo es Sie hinzieht, etwa in
Technik, Support, Programmierung, Software-Architektur, Projektleitung,
Training oder Vertrieb. |
 |
Sammeln Sie studienbegleitend Berufserfahrung in Firmen, in
denen Sie bereits früh Verantwortung übernehmen dürfen.
Dies ist meist in mittelständischen Unternehmen eher der
Fall als in Konzernen. Andrerseits haben Sie hier nicht mit
der gleichen Technik zu tun, was auch Ihr "Portfolio"
entsprechend prägen wird. |
 |
Sammeln Sie neben der Praxis auch Kontakte. Beleben Sie diese
Kontakte regelmäßig (mindestens einmal im Jahr),
auch wenn sie Ihnen aktuell keinen beruflichen Vorteil versprechen. |
 |
Engagieren Sie sich in Communities und Foren, wo Sie als Profi
wahrgenommen und als Talent "entdeckt" werden können. |
 |
Eignen Sie sich Projektmanagement-Techniken an. Auch wenn
Sie nicht als Projektleiter arbeiten wollen, werden Sie davon
profitieren. |
 |
Erweitern Sie Ihre fachlichen Kenntnisse ständig und
mit Voraussicht: Fragen Sie, welche Techniken in ein paar Jahren
gebraucht werden. |
 |
Wachsen Sie mit Ihren Aufgaben auch persönlich: Eignen
Sie sich weitere Fähigkeiten an, etwa im Bereich der Führungskompetenzen. |
 |
Denken Sie schon als Festangestellter in abgeschlossenen Projekten
und schreiben Sie sich auf, wofür Sie innerhalb Ihrer Projekte
verantwortlich waren. Strukturieren Sie Ihre Sammlung so: Projektziel,
Projektdauer, Ihre Rolle im Projekt, eingesetzte Techniken,
eventuell Budget. Sie werden später froh darüber sein,
wenn Sie sich nicht mehr an alles erinnern, was Sie so gemacht
haben. |
 |
Betreiben Sie kein Branchenhopping. Lassen Sie lieber die
Erfahrung in einer Branche wachsen. Erweitern Sie Ihre Erfahrung
in naheliegenden Bereichen, etwa von der Druckindustrie auf
die Verlagsbranche. |
|
|
| Nähere Informationen zum Thema und zur Autorin bei Svenja
Hofert.
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2006 Svenja Hofert
|
Kommentare zu diesem Artikel:
|