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IT-Mittelstand hadert mit der Green Card

Praxiserfahrungen stimmen mit GULP-Umfrage überein

(Februar 2001)
 

Das Thema Green Card bleibt ein Dauerbrenner. Im Mai 2000 bereits hatte GULP die Ergebnisse einer Umfrage unter Freiberuflern und Projektanbietern veröffentlicht. Unter den über 5.000 Antworten überwog mit rund 70 Prozent deutlich die ablehnende Haltung. Nach Meinung der Bundesregierung, des BDI und des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Bernhard Jagoda, ist die Green Card dagegen ein voller Erfolg. Bis zum Sommer 2001 erwartet Jagoda, dass das bisherige Kontingent von 10.000 Green Card-Stellen ausgeschöpft sein werde. Und er fordert zugleich, dass die Aktion fortgesetzt wird. Die Zeitschrift "Markt und Mittelstand" hat jetzt die Stimmungslage bei kleinen und mittelständischen IT-Unternehmen untersucht. Die ernüchternden Resultate bestätigen die Tendenz der GULP-Umfrage.

Gerade der Mittelstand gilt unter Wirtschaftspolitikern als breites Rückgrat der deutschen Wirtschaft, dem zudem die Bürokratie am meisten zu schaffen macht. Einfach, schnell und unbürokratisch sollte die Personalbeschaffung via Greencard sein, hatte Bundeskanzler Schröder proklamiert. Somit wäre besonders bei Mittelständlern, die im Allgemeinen am stärksten über die Last der Bürokratie stöhnen, die größte Begeisterung zu erwarten.

Von wegen, findet die Mittelstands-Fachzeitschrift. "Greencard floppt beim Mittelstand", lautet die Überschrift. Nicht einmal zwei Prozent der Mittelständler nutzten die Greencard. Weiter im Text: "Sein Versprechen, bürokratische Hürden zu beseitigen, hat Schröder nämlich offenbar nicht gehalten: Jene Firmenchefs, die Mitarbeiter mit der Greencard eingestellt haben, klagen über hohen administrativen Aufwand.

Aus den Statements einzelner Inhaber von mittelständischen IT-Unternehmen ergibt sich ein klares Meinungsprofil, aus welchen Gründen sich die Skepsis gegenüber der Greencard speist.

Neben dem bürokratischen Aufwand - für Arbeitsvertrag und Aufenthaltsgenehmigung vergingen beispielsweise bis zu fünf Monate - spricht nach übereinstimmender Ansicht vieler Befragter die befristete Beschäftigungsmöglichkeit gegen die Greencard.

Für die meistumworbenen Inder ist Deutschland alles andere als das gelobte Land. Sie ziehen mit großer Mehrheit die USA vor - wenn sie denn überhaupt ihr Land verlassen wollen. In den USA gibt es für sie keine Sprachprobleme. Englisch müssen sie nicht erst lernen. Der Leiter der deutschen Niederlassung einer indischen Software-Firma gibt außerdem zu bedenken: Deutschland habe ein schlechtes Image - vor allem wegen der Ausländerfeindlichkeit. Außerdem sei der indische Arbeitsmarkt deutschen Unternehmern kaum bekannt, und sie wüssten nicht, wie sie passende Kandidaten finden.

Die Illusion und -wie nicht wenige unterstellen - das wahre Motiv für die Greencard-Initiative, im Ausland billige IT-Arbeitskräfte zu rekrutieren, muss wohl begraben werden. Inder vor allem kennen ihren Marktwert und ziehen auch deshalb die USA vor, weil dort die Gehälter in der Regel höher sind. So beklagen denn auch deutsche Unternehmen, dass sich die Gehaltsforderungen der indischen Spezialisten an den hohen amerikanischen Maßstäben orientieren.

Für andere wiederum ist "die Greencard-Debatte ein rhetorischer Handstand". Das globale Spiel werde längst gespielt. Ausländische Spezialisten könnten leicht über das Internet gefunden werden. Auch ihre Arbeiten könnten über das Netz geschickt werden. Die Profis, zum Beispiel aus Polen, Russland und der Ukraine, seien ohnehin kaum zu bewegen, nach Deutschland zu kommen. Die Lebenshaltungskosten seien hier viel zu hoch. Klingt plausibel. In ihrem Heimatland können die IT-Spezialisten sehr gut leben, auch wenn sie im Vergleich mit dem deutschen Gehalts- und Honorarniveau 20 bis 30 Prozent preiswerter arbeiteten.

 

Kommentar:
IT-Experten sind überall Mangelware
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Bis zum Jahr 2004 lassen sich in Westeuropa voraussichtlich 3,8 Millionen Stellen in der IT-Branche nicht mit Absolventen von Universitäten oder Fachhochschulen besetzen, ermittelte der Branchenverband Bitkom. Maßnahmen zur Anwerbung ausländischer IT-Spezialisten können nur wenig nachhaltige Erfolge bringen. Fast überall auf der Welt werden IT-Spezialisten gesucht. Auch andere Staaten lassen sich etwas einfallen, ausländische Kräfte für sich zu gewinnen. Scharen von IT-Spezialisten zieht es beispielsweise in die USA, wo sie besonders willkommen sind. Fachwissen und Spezial-Know-how sind nicht mehr an regionale Märkte gebunden, die Wirtschaft sucht verstärkt über die Ländergrenzen hinweg.

Wenn alle Staaten die Lösung ihrer Probleme im Ausland sehen, kann am Ende nur ein globales Nullsummenspiel herauskommen. Jeder will ein möglichst großes Stück von einem viel zu kleinen Kuchen. Eine Entspannung der Situation kann nur eintreten, wenn der Kuchen größer wird. Aus- und Fortbildung gelten als ein probates Mittel. Hinzu kommen müssen entsprechende Rahmenbedingungen, um Fachkräfte im Land zu halten. Die Regierungen müssen sich einiges einfallen lassen, um die Standortbedingungen zu verbessern, nicht nur mit Blick auf die Unternehmen, sondern auch auf die dort arbeitenden Fachkräfte. Steuerpolitik wäre zum Beispiel eines aus einer Vielzahl von Themen.

 

 


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