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Das Thema Green Card bleibt ein Dauerbrenner. Im Mai 2000 bereits
hatte GULP die Ergebnisse
einer Umfrage unter Freiberuflern und Projektanbietern veröffentlicht.
Unter den über 5.000 Antworten überwog mit rund 70 Prozent
deutlich die ablehnende Haltung. Nach Meinung der Bundesregierung,
des BDI und des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit
(BA), Bernhard Jagoda, ist die Green Card dagegen ein voller Erfolg.
Bis zum Sommer 2001 erwartet Jagoda, dass das bisherige Kontingent
von 10.000 Green Card-Stellen ausgeschöpft sein werde. Und
er fordert zugleich, dass die Aktion fortgesetzt wird. Die Zeitschrift
"Markt und Mittelstand" hat jetzt die Stimmungslage bei
kleinen und mittelständischen IT-Unternehmen untersucht. Die
ernüchternden Resultate bestätigen die Tendenz der GULP-Umfrage.
Gerade der Mittelstand gilt unter Wirtschaftspolitikern als breites
Rückgrat der deutschen Wirtschaft, dem zudem die Bürokratie
am meisten zu schaffen macht. Einfach, schnell und unbürokratisch
sollte die Personalbeschaffung via Greencard sein, hatte Bundeskanzler
Schröder proklamiert. Somit wäre besonders bei Mittelständlern,
die im Allgemeinen am stärksten über die Last der Bürokratie
stöhnen, die größte Begeisterung zu erwarten.
Von wegen, findet die Mittelstands-Fachzeitschrift. "Greencard
floppt beim Mittelstand", lautet die Überschrift. Nicht
einmal zwei Prozent der Mittelständler nutzten die Greencard.
Weiter im Text: "Sein Versprechen, bürokratische Hürden
zu beseitigen, hat Schröder nämlich offenbar nicht gehalten:
Jene Firmenchefs, die Mitarbeiter mit der Greencard eingestellt
haben, klagen über hohen administrativen Aufwand.
Aus den Statements einzelner Inhaber von mittelständischen
IT-Unternehmen ergibt sich ein klares Meinungsprofil, aus welchen
Gründen sich die Skepsis gegenüber der Greencard speist.
Neben dem bürokratischen Aufwand - für Arbeitsvertrag
und Aufenthaltsgenehmigung vergingen beispielsweise bis zu fünf
Monate - spricht nach übereinstimmender Ansicht vieler Befragter
die befristete Beschäftigungsmöglichkeit gegen die Greencard.
Für die meistumworbenen Inder ist Deutschland alles andere
als das gelobte Land. Sie ziehen mit großer Mehrheit die USA
vor - wenn sie denn überhaupt ihr Land verlassen wollen. In
den USA gibt es für sie keine Sprachprobleme. Englisch müssen
sie nicht erst lernen. Der Leiter der deutschen Niederlassung einer
indischen Software-Firma gibt außerdem zu bedenken: Deutschland
habe ein schlechtes Image - vor allem wegen der Ausländerfeindlichkeit.
Außerdem sei der indische Arbeitsmarkt deutschen Unternehmern
kaum bekannt, und sie wüssten nicht, wie sie passende Kandidaten
finden.
Die Illusion und -wie nicht wenige unterstellen - das wahre Motiv
für die Greencard-Initiative, im Ausland billige IT-Arbeitskräfte
zu rekrutieren, muss wohl begraben werden. Inder vor allem kennen
ihren Marktwert und ziehen auch deshalb die USA vor, weil dort die
Gehälter in der Regel höher sind. So beklagen denn auch
deutsche Unternehmen, dass sich die Gehaltsforderungen der indischen
Spezialisten an den hohen amerikanischen Maßstäben orientieren.
Für andere wiederum ist "die Greencard-Debatte ein rhetorischer
Handstand". Das globale Spiel werde längst gespielt. Ausländische
Spezialisten könnten leicht über das Internet gefunden
werden. Auch ihre Arbeiten könnten über das Netz geschickt
werden. Die Profis, zum Beispiel aus Polen, Russland und der Ukraine,
seien ohnehin kaum zu bewegen, nach Deutschland zu kommen. Die Lebenshaltungskosten
seien hier viel zu hoch. Klingt plausibel. In ihrem Heimatland können
die IT-Spezialisten sehr gut leben, auch wenn sie im Vergleich mit
dem deutschen Gehalts- und Honorarniveau 20 bis 30 Prozent preiswerter
arbeiteten.
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