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Green Card-Programm wird verlängert: 3 Fragen an den BVSI

(Juli 2003)
 
Eigentlich sollte das Green Card-Programm am 31.Juli 2003 auslaufen, jetzt hat das Bundesinnenministerium aber die Frist der Initiative verlängert und in Aussicht gestellt, dass das gesamte Programm sogar ausgedehnt werden soll. GULP stellte dazu dem Bundesverband der Selbständigen in der Informatik (BVSI) e.V. drei Fragen – die Antworten gab BVSI-Vorstand Dr. Dirk Bisping:

 

GULP Das Green Card-Programm wird ausgeweitet, andererseits ist der IT-Projektmarkt derzeit alles andere als einfach - was halten Sie von der Fristverlängerung des Bundesinnenministeriums?
Dr. Bisping Der Bundesverband der Selbständigen in der Informatik steht einer Verlängerung der Green Cards mit völligem Unverständnis gegenüber. In dieser katastrophalen Situation, in der fast jeder zweite IT-Berater hierzulande ohne Projekt da steht, ist es kontraproduktiv und wirtschaftsschädigend, weiterhin ausländische IT-Fachkräfte anzuwerben.
GULP Was bedeutet die Entscheidung Ihrer Meinung nach für den IT-Projektmarkt? Welche Folgen wird sie haben?
Dr. Bisping Die Entscheidung für die Zuwanderung ausländischer IT-Fachkräfte verstärkt die massive Krise der IT-Branche - mit allen Konsequenzen, die das für das deutsche Steuersäckel bedeutet. Denn wenn Firmen pleite gehen und Berater verschuldet aufgeben, müssen letztendlich die Steuerzahler die Zeche zahlen.

GULP

Würde der Berufsverband Selbständige in der Informatik e.V. es anders machen? Und wenn ja, wie?
Dr. Bisping Der BVSI wendet sich strikt gegen die Green Card für ausländische IT-Fachkräfte. Sie ist ein Hohn für viele ansässige hochkompetente IT-Experten, die sich momentan in einer existenzbedrohenden Lage befinden, weil es kaum Aufträge gibt. Hier versagt die Fürsorgepflicht des Staates gegenüber der eigenen Bevölkerung.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Regierung an der Green Card festhält, die sich in jeglicher Hinsicht als Flop erwiesen hat. Denn angesichts der Tatsache, dass viele angeworbene IT-Kräfte aus dem Ausland bereits wieder arbeitslos sind, ist es widersinnig, den Zuzug ausländischen IT-Personals weiterhin zu fördern.
Der BVSI fordert von der Regierung zupackendes Handeln zugunsten von Freiberuflern. Die rot-grüne Regierung hat zwar die Förderung von Selbstständigen auf ihre Fahnen geschrieben. Doch das Gegenteil ist der Fall: ab 2004 plant die Regierung, die Gewerbesteuerpflicht für Selbstständige einzuführen und diese Klientel damit noch mehr zu belasten. Die Gewerbesteuerpflicht für Selbstständige muss zurückgenommen werden, fordert der BVSI e.V..

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Als Nachfrager von IT Projekten kann ich Herrn Bisping nicht zustimmen. Der Aufwand einer Green Card Applikation ist immer noch derart hoch, dass man diesen Weg nur gehen wird, wenn man in Deutschland (oder Europa) niemand findet, der die Aufgabe zu vernünftigen Stundensätzen erledigen kann. Die Nachfrage wird das Problem also von alleine lösen. Andererseits wäre es fatal, wenn wir Projekte hier nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen realisieren könnten. Dann müssten wir irgendwann die ganze Technik der Firma ins Ausland verlagern, was sicher den deutschen Freiberuflern nicht helfen würde. (Januar 2004)"

"finde es sehr lobenswert, dass gulp auch etwas zu aktuellen streitthemen hier bringt. (August 2003)"

"Ich bin völlig der gleichen Meinung. Schon als die Greencard ins leben gerufen wurde, hatte ich kein Verständnis dafür. Angesichts der derzeitigen Marktsituation frage ich mich nach dem Sinn. Sollten nicht zunächst die Freiberufler im eigenen Land unterstützt werden ? Mit solchen Maßnahmen sowie mit der Gewerbesteuerpflicht kann man wohl kaum von einer wirtschaftsfördernden Politik sprechen. (Juli 2003)"

"Als Arbeitgeber, der früher selber freiberuflich tätig war, der mit festangestellten Green Card Inhabern UND auch mit Freiberuflern Projekte im Jahr 2003 abwickelt, muss ich Dr. Bisping wiedersprechen. Man darf nicht vergessen, daß in Jahre 2000 keine Freiberufler verfügbar waren. Da wir damals auf die Green Cardler zurückgreifen könnten und diese weiter beschäftigen, können wir jetzt überhaupt auch Freiberufler in unseren neuen Projekten beschäftigen können. Ohne unsere Green Card Festangestellten aus den Jahren 2000/2001 würden wir es in keinem Fall schaffen weil uns Resources und Kapital fehlen würde. Schade daß: 1. die Vergangenheit von Dr. Bisping gar nicht erwähnt wird 2. es Freiberufler gibt, die nicht die Chance genutzt haben in den vergangenen Jahren sich fortzubilden um jetzt einfach besser sein als Green Card Inhaber 3. es Freiberufler gibt, die sich der jetzigen Situation immer noch nicht angepasst haben was die Stundensatzhöhe angeht und dann sich wundern, daß einzelne Projekte aus Budgetgründen nicht stattfinden oder aber entweder im Ausland oder mit Green Cardlern realisiert werden 4. die Green Card Inhaber jetzt plötzlich als eine der Ursachen für die Krise auf dem IT-Markt verstanden werden Thomas Ochmann, AKRA GmbH (15 Festangestellte, davon 4 Green Card Inhaber, 13 Freiberufler) (Juli 2003)"

"Wenn ausländische Spezialisten nicht besser oder billiger wären, würden sie in der aktuellen Situation nicht nachgefragt. Man sollte auch mal in andere Branchen schauen: Trotz der kompletten Verlagerung der Fertigung von Fussbällen, Bekleidung etc. geht es den Deutschen gut. Das hat auch die Endkundenpreise gedrückt. Wir sollten besser und produktiver sein als Werttbewerber, dann behalten wir auch unsere Arbeit. Sonst haben wir es nicht verdient, für schlechte und teure Arbeit von unseren Kunden diese hohen Stundensätze zu verlangen. (Juli 2003)"

"Ich stimme dem voll zu. Es passt nicht zusammen, dass die Auftragsbücher vieler Freiberufler leer sind, oder viele unter Zugzwang geraten auch niedrigst dotierte Projektaufträge anzunehmen und andererseits wird die Greencard verlängert. (Juli 2003)"

"100 % richtig. Endlich traut sich mal einer sich gegen diesen unsinnigen Zuzug von Arbeitskräften auszusprechen. Hoffentlich entstehen dem Staat durch das Vernichten von Freiberufler-Existenzen recht viele Steuerausfälle. (Juli 2003)"

"Ich stehe voll hinter der Meinung von Dr. Bisping. Durch die Einführung der gewerbesteuerpflicht für Freiberufler wird Geld in die Länderkassen gespült, das vorher die Bundesregierung für die Steuerersenkung abgezweigt hat. Das bedeutet schlußendlich, dass die Zeche dann die Freiberufler zahlen sollen. Ich für meine Seite bin wirklich am überlegen, ob ich nicht wieder in eine Festanstellung gehen soll. Denn durch sinkende Stundensätze und Projektdrücke verdienen die Freiberufler nicht mehr, als in der Industrie. (Juli 2003)"


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