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Welchen Freiberufler hätten Sie
denn gerne?
Interview mit Logica pdv
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(Juli 2001)
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Exklusiv mit GULP sprach die renommierte Unternehmensberatung
Logica pdv über die wichtigsten Tugenden eines erfolgreichen
IT-Freiberuflers von heute und seinen Arbeitsmarkt von morgen.
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| GULP |
Ein exquisiter IT-Freiberufler
muss über reichlich Fachwissen und jede Menge Berufserfahrung
verfügen. Aber welche Zusatzeigenschaften verwandeln ihn eigentlich
für den Projektanbieter in einen Traumkandidaten? |
| Herr Porger |
Das Zauberwort heißt Soft Skills. Viele Projektanbieter
übersehen kleinere fachliche Lücken eher als große
Defizite in den sogenannten Soft Skills. Die Wichtigkeit dieser sozialen
Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit, Fleiß, Problemlösungsfähigkeit
und Kompromissbereitschaft wird künftig sogar eher noch zunehmen
und kann gar nicht überschätzt werden. |
| GULP |
Es existieren ja viele Soft Skills
- welche sind denn für den Projektanbieter besonders wichtig? |
| Herr Porger |
| >> "Ein guter IT-Freiberufler muss
unter anderem ein sehr guter Moderator sein"
<< |
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Ein guter IT-Freiberufler, insbesondere ein Projektleiter, muss
unter anderem ein sehr guter Moderator sein, auch an seine Kommunikationsfähigkeit
wird eine hohe Anforderung gestellt. Wohlgemerkt: Dies sind keine
"Nice-to-have"- Zusatzqualifikationen! Sie gehören
zu den wichtigsten Eigenschaften, die ein moderner IT-Freiberufler
mitbringen muss.
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GULP
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Ist denn der erfolgreiche Projektabschluss
nicht von weitaus größerer Bedeutung als beispielsweise
eine ausgewiesene Teamfähigkeit? |
| Herr Porger |
Doch, natürlich! Sie sollten sich aber einer Tatsache
bewusst sein: Es passiert gelegentlich, dass uns ein Kunde bittet,
ihm einen bestimmten Freiberufler nicht anzubieten, obwohl er soeben
bei ihm ein Projekt fristgerecht und erfolgreich fertiggestellt hat.
Und das nur, weil es ihm eben erheblich an Sozialkompetenz mangelte.
Darüber hinaus dürfen Sie auch nicht die Kontakte vergessen,
die viele Unternehmen untereinander pflegen. So ist es durchaus üblich,
dass sich ein Projektanbieter bei einem zweiten über die Soft
Skills eines Freiberuflers erkundigt und letzterer bei einer negativen
Auskunft einen schon sicher geglaubten Auftrag wieder verliert. |
| GULP |
Da ist dann aber doch der Willkür
Tür und Tor geöffnet, denn die Bewertung solch schwammiger
Eigenschaften wie "Teamfähigkeit" oder "Leistungsbereitschaft"
ist doch erstens stark situationsabhängig und zweitens ziemlich
subjektiv. |
| Herr Porger |
Das ist vielleicht die dunkle Seite der Medaille, es
gibt aber auch eine helle. Andererseits wird nämlich ein Freiberufler,
der z.B. hinsichtlich seiner Teamfähigkeit einen branchenweiten
guten Ruf genießt, auch schon mal unbesehen von Projektanbietern
engagiert. Ja, es kommt sogar vor, dass ein Anbieter sein Projekt
verschiebt, nur weil der Traumkandidat zum ursprünglich geplanten
Projektstart nicht verfügbar war. |
| GULP |
Wie bedeutend sind denn Soft Skills
im Bereich Telearbeit? |
| Herr Porger |
Telearbeit wird zwar von vielen Freiberuflern angeboten,
aber nur wenig nachgefragt. Die meisten Kunden bevorzugen das sogenannte
"Köpfe zählen". Das heißt der Kunde will
normalerweise die Leute auch sehen, für die er bezahlt. Das gilt
selbst dann, wenn ein Pauschalbetrag vereinbart wurde. Zugegebenermaßen
verhalten sich deutsche Firmen im Bereich Telearbeit eher konservativ
und das dürfte sich in absehbarer Zeit auch nicht wesentlich
ändern. |
| GULP |
Und wie schaut der Markt für
Teilzeitkräfte aus? |
| Herr Porger |
Der ist verschwindend klein und wird es wohl in absehbarer
Zeit auch bleiben. Dies gilt insbesondere für Aufträge aus
dem Bankensektor, die in aller Regel eine tagesfüllende Beschäftigung
bieten. Ein typisches Projekt aus dieser Branche schaut so aus, dass
zwei Banken fusionieren wollen und dadurch zwei sehr große,
originär inkompatible Systeme miteinander verschmolzen werden
müssen. Und hier ist dann wieder die besagte Moderationsfähigkeit
gefragt. |
| GULP |
Inwiefern? |
| Herr Porger |
Nun, im Allgemeinen hat jede der zu verbindenden Banken
ihre eigenen Ansprüche. Die Folge sind manchmal unterschiedliche,
eventuell sogar widersprüchliche Pflichtenhefte für ein
und dasselbe Projekt. Um hier zu einem Konsens zu kommen, muss der
Freiberufler einfach vor Ort sein und die unterschiedlichen Interessen
unter einen Hut bringen, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.
Für solch eine diffizile Aufgabe wird eine Menge diplomatisches
Fingerspitzengefühl benötigt. Die lässt sich in aller
Regel auch weder in Teilzeit, und schon gar nicht von daheim aus bewältigen. |
| GULP |
Zurück zum Stichwort "Der
ideale IT-Freiberufler". Wie sehen die Marktchancen für
Studenten aus, die ja immerhin in punkto Bezahlung unschlagbar günstig
sind? |
| Herr Porger |
Für die schaut es leider ziemlich schlecht aus,
da hilft auch der Dumpingpreis nicht weiter. Praktisch sämtliche
Firmen setzen ausschließlich auf erfahrene Kräfte, die
über eine ausgewiesene, fachliche Qualifizierung verfügen
und sind ohne Weiteres bereit, dafür tiefer in die Tasche zu
greifen. Naturgemäß können nur die wenigsten Studenten
Projekterfahrungen oder wenigstens einen Abschluss vorweisen. Daher
ist es auch kaum vorstellbar, dass sich die Marktchancen für
Studenten künftig entscheidend verbessern werden. |
| GULP |
Apropos Erfahrungen. Bis zu welchem
Alter bleibt ein IT-Freiberufler eigentlich für den Kunden noch
attraktiv? |
| Herr Porger |
Das ist keine Frage der Lebensjahre sondern hängt
ganz entscheidend von den vorhandenen Kenntnissen ab. Gerade viele
ältere Freiberufler haben Spezialkenntnisse, die heutzutage weder
von Universitäten noch von Fachhochschulen in ausreichender Weise
vermittelt werden. Das beste Beispiel bietet derzeit Cobol. Hier ist
die Situation so, dass sich die Kenner nach und nach in den Ruhestand
begeben. An Nachwuchskräften mangelt es aber an allen Ecken und
Enden, und zwar weil Cobol an Universitäten und Fachhochschulen
kaum noch gelehrt wird. Dieser Mangel an "alten Hasen",
die sich noch mit den klassischen Techniken auskennen, ist praktisch
für den gesamten Großrechner-Bereich feststellbar. Wir
gehen daher davon aus, dass diese Fachkräfte - ganz unabhängig
von ihrem Alter - in den kommenden Jahren sogar eher noch stärker
nachgefragt werden. |
| GULP |
Welche Kenntnisse sollte sich
ein IT-Freiberufler aneignen, damit er auch in Zukunft noch ein gefragter
Mann ist? Oder anders gefragt, wohin geht der Trend? |
| Herr Porger |
Wir sprechen jetzt mal nur für den Bankbereich
und setzen voraus, dass kein revolutionäres und universal einsetzbares
Banksystem in naher Zukunft verfügbar sein wird. Zumindest in
den kommenden fünf bis zehn Jahren werden dort ganz klar Cobol
sowie Kenntnisse über IBM-Großrechneranlagen sehr gefragt
sein, wahrscheinlich sogar noch gefragter als heute. Denn wie bereits
erwähnt gehen immer mehr Fachkräfte aus diesen Bereichen
in Rente, Nachwuchs rückt kaum nach, aber der Bedarf bleibt bestehen.
Aus diesem Grund wird der Großraum Frankfurt dank seiner Konzentration
an Finanzhäusern auch in den nächsten Jahren einer der attraktivsten
Standorte für IT-Freiberufler sein. |
| GULP |
Woher kommt eigentlich dieser
Projektboom bei Bankhäusern? |
| Herr Porger |
Da gibt es vor allem zwei Hauptgründe: Zum Ersten
fällt natürlich durch die Euro-Umstellung viel Arbeit an,
und die wird uns sicherlich noch eine ganze Weile lang beschäftigen.
Zum Zweiten aber gab es in den letzten Jahren eine wahre Fusionierungswelle
bei den Banken. Nur die allerwenigsten Geldhäuser legen sich
ein komplett neues System zu, wenn sie mit ihrem neuen Partner verschmelzen.
Die meisten wollen einfach entsprechende Erweiterungen und Add-ons
haben, um zuvor nicht kompatible Systeme a) grundsätzlich beizubehalten,
aber b) dennoch miteinander zu koppeln. |
| GULP |
Könnte in Zukunft nicht die
Green Card für einen Auftragsschwund sorgen? |
| Herr Porger |
| >> "Die Erfahrungen mit der Green
Card sind leider nicht immer positiv." <<
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Das ist kaum anzunehmen, denn die Erfahrungen mit der Green Card
sind leider nicht immer positiv. So fehlen den allermeisten Green
Card-Besitzern schlicht und einfach die erforderlichen deutschen
Sprachkenntnisse und ohne die geht hierzulande fast gar nichts.
Zwar gilt Englisch international als allgemeine Umgangssprache,
aber Deutschland ist da eher konservativ. Abgesehen von wenigen
Ausnahmen kommunizieren die hiesigen Unternehmen in Deutsch, und
das gilt auch für Dokumentationen und Pflichtenhefte. Außerdem
werden oftmals Kenntnisse des deutschen Wirtschaftssystems benötigt,
welche die Green Card-Besitzer fast nie mitbringen. Viele ausländische
IT-Fachkräfte wissen beispielsweise nicht mal, was eine Überweisung
ist, weil es so was in ihrem Heimatland einfach nicht gibt. Wie
sollen sie sich dann bei einem Bankprojekt in die Erfordernisse
einer brauchbaren Datenbank reindenken?
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| GULP |
GULP bedankt sich für das
informative Gespräch. |
Das
durch den Zusammenschluss von Logica und der pdv Unternehmensberatung
GmbH entstandene Unternehmen Logica pdv hat seinen Hauptsitz in Hamburg
und beschäftigt an über 20 Standorten in Deutschland rund
1.500 Mitarbeiter. Als Full-Service-Anbieter für Kunden aus allen
Bereichen der Wirtschaft weist Logica pdv Spezialisierungen in den
Bereichen Finanzdienstleistung, Telekommunikation, Public Sector,
Versorgungswirtschaft, Industrie, Handel und Logistik auf. Unser Gesprächspartner
Herr Thorsten Porger ist bei Logica pdv als Recruitment Manager tätig. |
Kommentare zu diesem Artikel:
"Der Hinweis auf die vorhandenen Integrations-Probleme mit GreenCard-Inhabern kann ich aus eigenen Erfahrungen NICHT bestätigen (Dezember 2009)"
"Schoener Artikel. Bitte eine Aktualisierung bezüglich dem alten vergammelten COBOL! (Juni 2009)"
"Es wäre wirklich hilfreich, das gleiche Interview heute nochmals zu führen. Ich kann zwar bestätigen, dass viele Anfragen eingehen, aber es trifft wohl auch die Honorarfrage zu. Ich bin seit 1981 als Freiberufler tätig und muss feststellen, dass ich mit meinem Stundensatz zumindest 'stehen' geblieben bin. So ca. seit 1995. Was zwischendrin mal erwähnt wurde über das Eingehen auf Dumping-Preise, kann ich nur bestätigen, aber wenn ein Freiberufler mal 12 Monate ohne Einkommen war, dann ist er mürbe gekocht und auch bereit auf 'Dumping-Preise' einzugehen. Zur Zeit werden ja wohl nicht nur COBOL-Leute, sondern auch PL1-Leute gesucht. (Februar 2008)"
"Ein sehr gutes Interview, leider nicht mehr ganz aktuell. (Oktober 2007)"
"Das mag so anno 2000/2001 gegolten haben. Wer beantwortet aber die Frage, wie es heute zugeht? Fazit: Was früher mal gut war, muss nicht ewig gut bleiben. (September 2006)"
"Dieser ALTE Artikel zeigt, dass Herr Porger wie wohl viele andere Recruiter mit ihren Prognosen völlig falsch lagen. Heute geht es aus meiner Sicht nur noch um den Preis und um das Alter des Freelancers. Wenn ich einen Recruiter höre, der mir sagt, er habe eine Top Programmierer, der für 30 Euro/Std arbeitet, dann frage ich mich, wohnt der Programmierer noch bei Mama und fährt mit der U-Bahn zur Arbeit oder wie kann der für diesen Satz arbeiten? Das Ergebnis erlebe ich dann bei Firmen, die 5 Jahre einen solchen Top Programmierer hatten - und ich soll dann aus dem Spaghetticode ein zukunftsweisendes Produkt zaubern. Ein gewaltiger Fehler liegt hier aber auch bei den Freelancern selbst, die die Stundensätze und damit die Qualität für alle dadurch kaputmachen, dass sie sich auf das Preisdumping einlassen nur um beschäftigt zu sein. Immerhin verkaufen die Kunden die vom Freelancer erbrachte Leistung heute auch für einen höheren Preis als vor 5 Jahren und die Vermittler Firmen nehmen mindestens die gleiche Zwischenprovision oder mehr. Warum sollte der Freelancer also seine Leistung für 40 oder 50% weniger verkaufen als bisher? Immerhin wird vom Freelancer ja auch erwartet, dass er immer auf dem neusten Stand der Technik bleibt und das auf seine eigenen Kosten. Und für die Altersversorgung und die Gesundheit muss er heute auch mehr zahlen als früher. Gute Qualität hat und hatte immer ihren Preis. Meine Oma hat schon gesagt: Billiges kann ich mir nicht leisten! (März 2005)"
"Ich finde den Artikel ausgezeichnet, würde mir aber eine Neuauflage des Gesprächs wünschen, die neuere Marktendenzen berücksichtigt. (02.02.2004) (Februar 2004)"
"Ja, an diesem Interview sieht man wie der Zahn der Zeit genagt hat: soft skills sind heute primär nicht mehr relevant. Durch das Nachrücken der 'jungen Garde' (Absolventen mit 3-5 Jahren Berufserfahrung) in die Reihen der Projektleiter, kann man in diesem 'Tun und Denken' erst die Hilflosigkeit und Unerfahrenheit dieser Leute sehen. Was lernt man heute an der UNI? Doch sicherlich nicht, soziale Kompetenzen zu beurteilen und einzuschätzen. Wer will es ihnen dann verübeln, wenn sie das als Bemessungsgrundlage heranziehen, was sie auch wirklich gelernt haben - eben alles fachlich. Schade eigentlich. (Januar 2004)"
"Die Fragen und Antworten passen auch zum derzeitigen Zeitpunkt noch sehr gut. Meine persönlichen Erfahrungen sind jedoch, dass neben dem Fachwissen und der sozialen Kompetenz immer wieder folgende Fehler gemacht werden durch: fehlendes Einfühlungsvermögen gegenüber Kunden (Arroganz), fehlende Flexibilität und Kompromissbereitschaft. Wer die Fähigkeit hat, zu beobachten und zu reagieren (Anpassung an den Kunden), der hat binnen kürzester Zeit den gewünschten Erfolg und damit verbunden auch die Akzeptanz und das passende Einkommen. Anders funktioniert es nicht! (September 2003)"
"Ein gewisses Maß an Softskills ist natürlich notwendig und auch wünschenswert, sollte aber nicht überbewertet werden. Leider wird das Thema auch zu oft mißverstanden. Ich halte Offenheit und Direktheit für sehr wichtig für erfolgreiches Arbeiten in allen Bereichen der EDV, ist aber mit vielen Soft-Skills nicht vereinbar, wird sogar leider als negativ bewertet. Verschleierung halte ich für einen (leider regelmäßigen) tötlichen Fehler für jedes EDV-Projekt (auch eigene Erfahrung). Wünsche mir, ich würde mal einen wirklich erfolgreichen Projektabschluß ohne große Komplikationen erleben. Übrigens, für die wichtigste Sanf-Eigenschaft halte ich einfach 'wirklich produktiv arbeiten' !!!! (Dezember 2002)"
"Der Artikel ist gut, aber leider etwas überholt, da sich seit 07/01 die Situation doch sehr verändert hat. Ein einfaches Beispiel aus eigener Erfahrung: die nötigen 'Soft-Skills' sind zwar vorhanden, aber die Nachfrage ist derart eingebrochen, daß es nur noch darum geht, mit dem Preis runterzugehen. Schade eigentlich, denn es kann doch nicht sein, daß wirklich fast alle Projekte auf Eis gelegt wurden (ich rede hier hauptsächlich auch vom Bereich Weiterbildung). Vielleicht könnte man jetzt noch einmal eine Bestandsaufnahme machen? (Oktober 2002)"
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