| GULP |
Die Goetzfried AG
ist bereits seit rund 15 Jahren im Projektgeschäft tätig.
Mit welcher Zeit lässt sich die heutige Situation im Projektmarkt
vergleichen und wie ging es damals weiter? |
| Herr Goetzfried |
Die Situation erinnert mich an den Anfang
der 90er Jahre, als kein Kunde mehr Geld für Individualsoftware
ausgeben wollte. Der Umschwung kam dann, als Microsoft seinen Siegeszug
antrat und dadurch z.B. viele Systeme auf grafische Oberflächen
umgestellt werden mussten. Die aktuellen Probleme sind in dem Punkt
ähnlich, dass durch die sinkenden Profite der Unternehmen überlegt
wird, wie viel Geld eigentlich für individuelle IT-Projekte ausgegeben
wird und warum. Das ist auf mittel- bis langfristige Sicht ein gesunder
Prozess und schafft eine Basis für neues Wachstum, denn es wird
immer wieder gerne vergessen, dass es so etwas wie ein ununterbrochenes
Wachstum einfach nicht gibt. |
| GULP |
Steckt der IT-Projektmarkt
derzeit in einer Krise und wann ist eine Besserung zu erwarten? |
| Herr Goetzfried |
Aus unserer Sicht gibt es keine Krise. Es sind halt nur weniger
Projekte und dadurch steigt auch der Aufwand, neue Aufträge
zu akquirieren. Insgesamt gibt es ein langsameres Wachstum und aufgrund
der niedrigeren Stundensätze auch weniger Profit.
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>>Aus unserer Sicht gibt
es keine Krise<<
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Ab Herbst 2002 wird nach meiner Einschätzung wieder in solche
Projekte eingestiegen, die Unternehmen nach vorne bringen. In vielen
Unternehmen laufen derzeit die Analysen um herauszufinden, was wirklich
gebraucht wird und wie Synergieeffekte geschaffen werden können,
z.B. durch Konsolidierung von Projekten. Schwierig ist die derzeitige
Situation für IT-Firmen, die sich zu sehr auf einen Kunden,
eine Technologie oder ein Produkt versteift haben. Hier gibt es
schon seit Mitte letzten Jahres viel Angriffsfläche. Überleben
werden nur diejenigen, die wirklich etwas für den Kunden tun,
einen Mehrwert bieten und nicht nur Phantasie verkaufen. Im Bereich
der Projektbesetzung von externem Personal haben es die Unternehmen
sehr schwer, die nur auf die Vermittlungsmöglichkeiten aufgesprungen
sind und dem Kunden keinen sonstigen Support bieten können.
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GULP
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Ist also bei den Vermittlern
derzeit eine Art Marktbereinigung im Gange? |
| Herr Goetzfried |
Ja, das kann man durchaus so sagen. Gerade Vermittler, die nur
an einer großen Gesellschaft dranhängen - also sozusagen
scheinselbstständige Vermittler - werden es sehr schwer haben
zu überleben. Es kam gerade in der Vergangenheit des Öfteren
vor, dass sich Mitarbeiter eines Vermittlers, die vielleicht Kontakte
zu gerade mal einem einzigen Großunternehmen unterhielten,
selbstständig gemacht haben. Sobald es besagter Großfirma
schlecht geht, hat dieser Vermittler kaum noch eine Überlebenschance,
zumal es zur Zeit äußerst schwierig ist, Neukunden zu
gewinnen.
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>>Wir erhalten in steigendem
Maße Anrufe von Vermittlern, die Kettengeschäfte
aufbauen wollen<<
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Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass wir in den
letzten Monaten in steigendem Maße Anrufe von Vermittlern
erhalten, die Kettengeschäfte aufbauen wollen, also einen Freiberufler
über mehrere Stationen vermitteln wollen. Falls es sich dabei
nicht um völlig exotische Skills handelt, für die man
auf direktem Weg niemand findet, lehnen wir solche Geschäfte
dankend ab.
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| GULP |
Woran erkennt denn
der Eingeweihte, dass ein Vermittler in Schwierigkeiten stecken könnte. |
| Herr Goetzfried |
Vor allem am jeweiligen Webauftritt, der
ja stets eine Art Visitenkarte des Unternehmens ist. Wenn die Homepage
eines Unternehmens veraltet ist und keine aktuellen Informationen
bietet, ist das schon ein deutliches Warnzeichen. Solche Firmen bieten
dann den Endkunden häufig unterirdische Stundensätze an,
die für professionelle Arbeiten einfach nicht realistisch sind.
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| GULP |
Wie kommentieren Ihre
Endkunden die derzeitige Situation im Projektmarkt? |
| Herr Goetzfried |
Viele Kunden können jetzt nicht mehr
so, wie sie möchten, da die jeweilige Unternehmensleitung die
Budgets für geplante Projekte nicht oder nicht in der zuvor geplanten
Höhe freigegeben hat. Das ist für viele frustrierend, aber
angesichts roter Zahlen ist auch jedem klar, dass es nicht um die
eigene "Spielwiese" geht, sondern gute Argumente gesammelt
werden müssen, weshalb gerade das eigene Projekt unverzichtbar
ist |
| GULP |
Ist die momentane
Lage im Projektmarkt inzwischen "Standard"? Müssen
sich also alle darauf einstellen, dass die vor ein, zwei Jahren herrschende
"Goldgräber"-Stimmung im Projektmarkt nur ein temporärer,
durch Dot.com-Boom, Y2k etc. verursachter Ausnahmezustand war? |
| Herr Goetzfried |
Es wird sicher wieder einen Boom geben,
aber wer jetzt schon weiß, wann und durch was dieser Boom initialisiert
wird, den beneide ich. Vielleicht wird nicht mehr so vieles zusammenkommen
- Dot.com, Euro, Y2K liefen ja praktisch gleichzeitig ab - aber Firmen
werden für ihre individuellen Geschäftsprozesse immer Projekte
aufsetzen müssen, wenn sie besser als der Wettbewerb sein wollen. |
| GULP |
Was ist mit den aufgeschobenen
Projekten? Werden sie durchgezogen oder auf die lange Bank geschoben? |
| Herr Goetzfried |
Wie bereits erwähnt, werden einige
Projekte auf der Strecke bleiben, weil sich einfach nicht genügend
entscheidende Argumente für sie finden lassen. Wir wissen aber
auch von vielen wichtigen, nur aus Budgetgründen aufgeschobenen,
Projekten, die sicherlich realisiert werden müssen - aber halt
etwas später. |
| GULP |
Werden Unternehmen
künftig verstärkt auf Festangestellte setzen oder die zu
erwartenden personellen Engpässe vorzugsweise mit Freiberuflern
überbrücken? |
| Herr Goetzfried |
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>>Der Trend ist klar: Es
wird mehr auf Festangestellte gesetzt.<<
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Von Wiedereinstellungen bei größeren Gesellschaften hat
man ja kürzlich schon in den Medien erfahren und bei GULP erschien
ja kürzlich auch eine interessante Umfrage
zu diesem Thema. Der Trend ist klar: Es wird mehr auf Festangestellte
gesetzt. Sowohl unser Vertrieb als auch unser Telemarketing bekommen
in letzter Zeit von unseren Kunden wesentlich öfters die Antwort,
dass nur noch Interesse an festangestellten Mitarbeitern besteht.
Zur Zeit ist in vielen Firmen einfach zu wenig Geld für Freiberufler
da. |
| GULP |
Welche Freiberufler-Skills
werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Monaten besonders stark nachgefragt,
welche weniger? |
| Herr Goetzfried |
SAP, Oracle und VB werden konstant nachgefragt.
Java ging stark zurück, wird aber im 3. Quartal meiner Meinung
nach wieder in Fahrt kommen. Auffällig ist auch, dass Cobol nicht
"totzukriegen" ist und sicher die nächsten Jahre konstant
nachgefragt wird. Nachfrage besteht generell verstärkt nach Beratern,
die auch Fach-Skills mitbringen - das öffnet viele Türen.
Weitere diesbezügliche Hinweise liefert ja im Übrigen auch
Ihr GULP-o-meter. |
| GULP |
Sollten sich Freiberufler
aufgrund der derzeit erschwerten Projektmarktsituation verstärkt
um die Fortbildung bemühen? |
| Herr Goetzfried |
Was zählt, ist die Projekterfahrung.
Sicher wurde und wird von Freiberuflern in vielen Projekten Lehrgeld
bezahlt. Das ist jetzt wesentlich schwieriger geworden. Ich halte
viel davon, wenn sich ein Freiberufler weiterqualifiziert, er sollte
aber seiner Linie treu bleiben. Wenn jemand, der etwa seit 15 Jahren
Cobol programmiert, nun plötzlich eine Microsoft-Entwicklung
aufsetzen will und dann da bei Adam und Eva anfängt, wird er
es schwer haben. Viele haben sich auf den Java Hype gestürzt,
darüber ein paar Bücher gelesen und vielleicht vor Jahresfrist
relativ problemlos sogar ein erstes Projekt bekommen. Aber heutzutage
wird in diesem Bereich ein Senior Level erwartet, den diese Leute
halt nicht mitbringen. Die Anforderungen sind insgesamt sicherlich
gestiegen. Für diese Freiberufler kann es daher aus heutiger
Sicht nur entweder heißen: "Back to the roots" oder
sie müssen versuchen, mit einer Eigenqualifizierung weiterzukommen.
Ohne einen entsprechenden Nachweis verkauft sich allerdings Eigenqualifizierung
oftmals schlecht. Wenn in einem CV nur die schlichten Worte "
3 Monate Weiterbildung" stehen, kann das auch heißen, dass
er in der Zeit kein Projekt gefunden oder vielleicht eine Weltreise
gemacht hat. Wir beobachten übrigens auch bei unserem eigenen
Schulungsprogramm einen gewissen Rückgang, denn die Firmen stellen
derzeit lieber ihre Mitarbeiter frei, statt sie wie zuvor auf eine
Schulung zu schicken. Dies eröffnet natürlich den Freiberuflern
wieder gewisse Perspektiven.
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| GULP |
Wie viele Bewerbungen
von Freiberuflern treffen momentan täglich bei Ihnen ein im Vergleich
zum Zustand vor etwa einem Jahr? |
| Herr Goetzfried |
Aktuell erhalten wir etwa 50 Bewerbungen
von Freiberuflern pro Tag. Vor Jahresfrist waren es vielleicht 10
bis 20 - und das obwohl wir mehr offene Projekte hatten. Damals mussten
wir auch wesentlich mehr selbst aktiv suchen. Etwa die Hälfte
der Bewerbungen sind übrigens Blindbewerbungen. Unser größtes
Problem mit vielen dieser Bewerbungen ist ihre mangelnde Aussagekraft.
Da steht dann etwa bei Skills wortwörtlich "kann Oracle",
und mit solchen Informationen können wir überhaupt nichts
anfangen. Da wir zur Zeit wirklich genügend Bewerbungen erhalten,
machen wir uns nur im absoluten Ausnahmefall die Mühe, da nochmals
nachzufragen. |
| GULP |
Stichwort Honorare:
Wie häufig mussten Sie schon einem Freiberufler den zuvor vereinbarten
Stundensatz kürzen, weil der Endkunde sein laufende Budget reduziert
hat? |
| Herr Goetzfried |
In den letzten Monaten kam das sehr häufig vor. Über
die letzten Jahre hatten wir recht konstante VK-Preise, die Stundensätze
der Freiberufler wurden öfters erhöht, ohne dass der Kunde
mehr zu bezahlen hatte. Wenn jetzt der Kunde kommt und sagt, dass
er gemäß einer Direktive von oben weniger bezahlen kann,
bleibt gar nichts anderes übrig, als einzusparen.
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| GULP |
Betrifft das auch
Ihre eigene Marge? |
| Herr Goetzfried |
Ja, sicherlich, der Spardruck kommt von
oben - sprich vom Endkunden - und dem müssen sich alle beugen,
sowohl die Freiberufler als auch die Vermittler, denn anderenfalls
kommt einfach kein Projekt zustande. Ein gewisser Verhandlungsspielraum
existiert zwar nach wie vor, der ist aber deutlich enger geworden.
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| GULP |
Wie handhaben Sie
solche Nachverhandlungen? |
| Herr Goetzfried |
Im persönlichen Gespräch. Ich
denke jeder Freiberufler merkt, dass die Situation nicht etwa künstlich
erzeugt wurde sondern ernst genug ist, um auf ein Gespräch zu
diesem Thema einzugehen. Oftmals ist es für den Freiberufler
auch tatsächlich immer noch besser, in einem laufenden Projekt
den Stundensatz etwas zu reduzieren, als ein neues Projekt zu suchen.
In neuen Projekten ist der Stundensatz nämlich oft noch niedriger,
da es einfach viel mehr Bewerber gibt als früher. |
| GULP |
Sind die Stundensätze
der Freiberufler aus Ihrer Sicht effektiv am Sinken und wie reagieren
die Freiberufler darauf? |
| Herr Goetzfried |
Nach meinem Stand sind die Stundensätze
gesunken, und zwar um ca. zehn bis zwanzig Prozent. Ich gehe aber
davon aus, dass die Sätze nicht wesentlich weiter sinken werden.
Insbesondere die gut informierten Freiberufler zeigen auch zumeist
- wie bereits erwähnt - Verständnis und Verhandlungsbereitschaft
für die derzeit etwas schwierigere Situation.
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>>Die Stundensätze
sind um ca. 10 bis 20 Prozent gesunken<<
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Nur kürzlich hat ein Freiberufler den reduzierten Stundensatz
nicht akzeptiert, woraufhin der Vertrag gekündigt wurde, weil
das die Marge einfach nicht hergegeben hatte. Es handelte sich dabei
um ein Großprojekt und wir haben ca. sechs Wochen gebraucht,
um die Stelle neu zu besetzen, alle Seiten mussten also dadurch erhebliche
Nachteile hinnehmen. |
| GULP |
Müssen Freiberufler
ihre finanziellen Erwartungen jetzt auch langfristig etwas herunterschrauben
oder ist das nur ein vorübergehender Honorar-Knick? |
| Herr Goetzfried |
Ich glaube, ersteres trifft zu. Es ging
in der Vergangenheit mit den Stundensätzen einfach etwas zu schnell
nach oben. Im Vergleich dazu musste ja jeder Angestellte, der eine
normale Gehaltserhöhung bekam vor Neid erblassen. So was lässt
sich nicht auf Dauer fortsetzen, auch wenn es wieder mehr Projekte
gibt, werden die Sätze nicht mehr umgehend auf das alte Niveau
steigen. |
| GULP |
Macht es für
einen Freiberufler Sinn, sich zu einem niederen Stundensatz anzubieten?
Oder bringt das sowieso nichts, wenn keine Projekte da sind? |
| Herr Goetzfried |
Angebot und Nachfrage regeln den Preis
von selbst. Gibt es einen Überhang an Anbietern wie derzeit,
gehen die Preise natürlich automatisch nach unten. Da muss ein
Freiberufler schon gute Argumente haben, z.B. fachliche und/oder technische
Erfahrungen, die dem Kunden einen Mehrpreis wert sind. Auf der anderen
Seite würden wir einen Freiberufler, der nicht in das Projekt
passt auch nicht engagieren, wenn er seinen Stundensatz reduziert. |
| GULP |
Also stimmt letztlich
die alte Freiberufler-Weisheit: Was nichts kostet, das taugt auch
nichts? |
| Herr Goetzfried |
Diese Aussage trifft nach meiner Erfahrung
definitiv zu. Auch hier spielen Angebot und Nachfrage die entscheidende
Rolle. Will ich mir z.B. einen freiberuflichen Senior Java Entwickler
einkaufen, dann weiß ich, dass sich der EK-Preis in einem bestimmten
Bereich bewegt. Natürlich versuchen wir einen guten EK zu erzielen,
aber bei extremen Ausreißern nach unten gibt es meistens ein
Problem, denn kein vernünftiger Mensch verkauft sich unter Wert.
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| GULP |
Versuchen die Vermittler
die geringe Anzahl an Vermittlungen durch höhere Provisionen
auszugleichen, wie unsere Umfrage
vermuten lässt? |
| Herr Goetzfried |
Klingt interessant ;-), halte ich aber
für unrealistisch. Es bringt nur schlechte Stimmung, wenn der
Vermittler die Situation ausnutzt und dem Freiberufler mehr kürzt,
als der Kunde reduziert. Wird so was bekannt - und davon kann man
getrost ausgehen - ist das Vertrauen zerstört. |
| GULP |
Vor kurzem haben Freiberufler
noch ihre Angebote auf dem Silberteller serviert bekommen. Was muss
ein Freiberufler heute unternehmen, um an ein Projekt zu kommen? |
| Herr Goetzfried |
Das mit dem Silberteller trifft tatsächlich
zu. Von entscheidender Bedeutung sind nun für den Freiberufler
die Vertriebs- und Kommunikationsqualitäten, über die er
verfügt. |
| GULP |
Könnten Sie das
ein wenig näher erläutern? |
| Herr Goetzfried |
Sehr wichtig ist ein aussagekräftiges
Profil. Mir ist es vollkommen unverständlich, weshalb viele Profile
so spärlich sind. Wenn ein Freiberufler monatelang in einem Projekt
war und dem Profil dann ganze zwei Zeilen widmet, ist das einfach
ein Armutszeugnis und man kann heute damit nicht erfolgreich sein.
Ich möchte als Auftraggeber keine Romane lesen, aber eine aussagekräftige
Beschreibung der Projekte ist doch nicht zuviel verlangt und kostet
den Freiberufler einmalig etwas Zeit, mehr nicht. Hierdurch wird auch
die Trefferquote erhöht, wenn in Jobbörsen eine Volltextsuche
gemacht wird. Das Profil muss zudem auch realistisch sein.
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>>Wenn jemand im Profil
alle Datenbanken aufgelistet hat, die es gibt, dann
werden wir ihn bestimmt nicht anfragen<<
|
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Wenn jemand im Profil alle Datenbanken aufgelistet hat, die es gibt,
dann werden wir ihn bestimmt nicht anfragen. Sie wissen sicher, was
ich damit meine. Der Freiberufler braucht sich nur in die Lage des
Kunden zu versetzen und zu fragen, ob er sich selbst auf Basis dieses
Profils anfragen würde. |
| GULP |
Abgesehen vom aussagekräftigen
Profil, worauf sollte der Freiberufler noch achten? |
| Herr Goetzfried |
Wichtig sind auch realistische Stundensätze.
Jeder muss das natürlich für sich selbst entscheiden, aber
die Zeit für Stundensätze nach dem Motto "man kann
es ja mal versuchen" ist definitiv vorbei. Eine Anmerkung noch
zum Themenfeld Kontakte und Kommunikation: Obwohl ich GULP sehr schätze
und als unangefochtene Nummer 1 der Jobbörsen betrachte, empfehle
ich auch den Eintrag in anderen Jobbörsen oder Freelance-Foren
und natürlich auch die aussagekräftige eigene Homepage,
welche die Visitenkarte jedes Freelancers sein sollte. Neben dieser
passiven Art des Angebotes ist auch ein aktives Kontaktieren von potentiellen
Kunden/Vermittlern erfolgversprechend. Wir prüfen jede Bewerbung
auf unserer Mailadresse jobs@goetzfried-ag.com,
ob diese für ein aktuelles Projekt passt. Wenn nicht, erfassen
wir den Bewerber in unserer Datenbank und er wird sicher beim nächsten
eingehenden Projekt, das auf ihn passt, von uns angefragt. Nicht zuletzt
ist natürlich das Know how entscheidend. Ein Freiberufler der
langfristig Erfolg haben möchte, muss immer das "Ohr am
Markt" haben und nicht auf dem Stand von vorgestern stehen bleiben.
Hier ist es oft klüger ein Projekt, das zwar ein hohes Honorar,
aber keinerlei Lernperspektive bietet zugunsten eines weniger lukrativen,
aber innovativen Projektes abzulehnen. |
| GULP |
Was halten Sie in
diesem Zusammenhang von den GULP Kleinanzeigen und den Referenzen?
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| Herr Goetzfried |
All das sind nützliche Instrumente,
die aus GULP die führende Jobbörse gemacht haben, ganz einfach
weil sie einen Mehrwert bieten. Durch solche "Goodies" stellt
sich der Erfolg fast von selbst ein. Wir haben extra einen Mitarbeiter
nur dafür abgestellt, dass er die GULP
Kleinanzeigen sorgfältig durchschaut und bei GULP täglich
nach Neueintragungen und Profil-Aktualisierungen fahndet. Der GULP
Stundensatz-Kalkulator ist uns ebenfalls ein Begriff, denn der
gibt die Marktwerte schon realistisch wieder und wird von Freiberuflern
während der Honorarverhandlungen sehr häufig als Argumentationshilfe
hergenommen. |
| GULP |
Können Sie aus
heutiger Sicht einem Festangestellten oder Studenten den Gang in die
Freiberuflichkeit überhaupt guten Gewissens empfehlen? |
| Herr Goetzfried |
Das kommt darauf an. Ja, wenn genügend
Projekterfahrung auf Basis moderner Technologien vorhanden ist - damit
meine ich mindestens drei Jahre in anspruchsvollen Projekten. Vor
allem aber sollte die Person auch in der Lage sein, sich zu verkaufen.
Idealerweise gibt es einen ersten Vertrag mit mind. sechs Monaten
Laufzeit. Natürlich muss jeder individuell entscheiden, was er
riskiert, wenn er eine Festanstellung oder ein Studium aufgibt. Ich
kenne viele Leute, die es heute bereuen, ihr Studium abgebrochen haben.
Ein Diplom wird nämlich immer ein Türöffner sein und
zeigt zudem, dass jemand in der Lage ist, "ein Projekt"
zu Ende zu bringen. |
| GULP |
Sehen sie einen verstärkten
Trend, demzufolge Freiberufler wieder zurück in die Festanstellung
wechseln (wollen)? |
| Herr Goetzfried |
Den Trend gibt es klar und deutlich. GULP
hat ja auch die nützliche Information eingeführt, ob ein
Freiberufler an einer Festanstellung interessiert ist oder nicht,
zudem hat GULP weitere Dienste rund um die Festanstellung eingeführt.
Viele Freiberufler hatten jahrelang nichts mit der Projektsuche zu
tun gehabt und werden nun plötzlich mit der Situation konfrontiert,
dass es auch mal ein "Loch" geben kann. Diesen wesentlichen
Risikofaktor im Vergleich zum "sicheren Hafen" Festanstellung
hat es ja in den vergangenen Jahren nicht wirklich gegeben. Die aktuelle
Situation führt dazu, dass sich viele Freiberufler über
ihre Zukunft Gedanken machen und auch an Festanstellungsangeboten
interessiert sind. |
| GULP |
Haben Sie oder Ihre
Kunden bereits Erfahrungen mit Freiberuflern, die in die Festanstellung
gewechselt sind?
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| Herr Goetzfried |
Ja. Wir haben bereits einige freiberufliche
Mitarbeiter in die Festanstellung übernommen und führen
auch dementsprechende Verhandlungen. Schwierig ist, wie Sie sich denken
können, der finanzielle Part in der Vertragsgestaltung. Wenn
ein Freiberufler jahrelang mit steigenden Stundensätzen voll
ausgelastet war, ergibt sich daraus eine für eine Festanstellung
schwer zu realisierende Verhandlungsbasis. Im Übrigen kann ich
ein altes Vorurteil, dem zufolge sich ehemalige Freiberufler als Festangestellte
mit der Teamintegration schwer tun, nicht bestätigen. Solche
oder auch andere signifikanten Unterschiede zu den "normalen"
Festangestellten sind uns nicht aufgefallen und wurden bislang auch
von niemandem moniert. |
| GULP |
Ist in Sparzeiten
die Green Card noch oder wieder ein Thema für Sie? Wie sind Ihre
diesbezüglichen Erfahrungen? |
| Herr Goetzfried |
Wir haben derzeit zwei "Green Cardler"
im Einsatz, die wir aus vielen Bewerbern ausgewählt haben und
mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Grundsätzlich berücksichtigen
wir Green Card-Bewerber, denn viele haben sehr gute Skills, allerdings
ist das Sprachproblem meist schon das K.O.-Kriterium. Nachdem die
internationalen Großprojekte in englischer Sprache rar geworden
sind, erwarten unsere Kunden sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache.
In fast allen Projekten sind außerdem deutschsprachige Konzepte
und Dokumentationen zu verfassen. Manche Green Card-Bewerber träumen
zudem noch von den Anfangsgehältern, die ihnen im Wesentlichen
von den großen Beratungshäusern gezahlt wurden. Die haben
die Green Cardler als erste ins Land geholt und nach Rückgang
der Projekte auch als erste wieder entlassen. |
| GULP |
Wir bedanken uns für
das informative Gespräch. |