Drei Ingenieure für ein Interview, Teil 1
Die Anforderungen an einen Ingenieur von heute. Außerdem: Warum selbstständig?
(Januar 2010)
Automatisierte Getriebe, Digitalkameras, DVD-Player, Antiblockiersysteme, elektronische Fahrzeug-Stabilitätsprogramme, Motorsteuergeräte und vieles mehr: Der stetige Fortschritt in der IT hat das traditionelle Berufsbild des Ingenieurs gewandelt. Ohne IT-Kenntnisse kommt mittlerweile kein Ingenieur mehr aus – und sei es nur das Beherrschen einer Konstruktionssoftware wie Pro-E oder CATIA. Wir haben drei bei GULP eingetragene Ingenieure interviewt. Im ersten Teil dieser Serie geht es zunächst um die Tätigkeiten und das Arbeitsumfeld unserer drei Interviewpartner. Welche Skills und Qualifikationen braucht ein Ingenieur heute? Welchen Prozentsatz macht die Technik aus? Was sind die Vor- und Nachteile des Schritts in die Selbstständigkeit?
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Christian Bartl
Dipl.-Ing. Fahrzeugtechnik und Wirtschaftsingenieurwesen
Fachlicher Schwerpunkt: Training, Coaching und Konstruktion im CATIA-Umfeld
22 Jahre Berufserfahrung
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Wolfgang Jahn (Homepage-Profil)
Dipl.-Ing. Elektrotechnik
Fachlicher Schwerpunkt: Elektrotechniker SPS (Simatic S5/7,HMI,WinCC), CAE (Eplan 5.x/21/P8), MSR
24 Jahre Berufserfahrung
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André Gottsmann
Dipl.-Ing. Mechatronik
Fachlicher Schwerpunkt: Qualitätssicherung Automotive und Diagnose, CAN-Bus, MOST-Bus, Embedded C (Grundkenntnisse mit Mikrocontroller M16C), Steuergeräteentwicklung
12 Jahre Berufserfahrung
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Das muss ein Ingenieur heute können
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GULP
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Herr Gottsmann, welche Tätigkeiten üben Sie in Projekten aus?
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Gottsmann
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Hauptsächlich arbeite ich im Bereich der Qualitätsverbesserung von Steuergeräten für Kraftfahrzeuge. Dazu gehört die Auswertung der gemessenen Daten am Fahrzeug. Die übernehme teilweise ich, teilweise werden die Auswertungen an den jeweiligen Steuergeräteentwickler weitergeleitet.
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GULP
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Und Sie, Herr Jahn?
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Jahn
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In den Bereichen Elektrotechnik und Mechatronik übernehme ich Planung, Projektierung, Programmierung und Automatisierung, aber auch Qualitätssicherung (FMEA, CE-Richtlinien). Zusätzlich bin ich zertifizierter technischer Trainer, Berater und Referent (E-CAD/CAE, Projektierung). In unserem Bereich sind alle Selbständigen mehr oder weniger "eierlegende Wollmilchsäue", denn vielfältige Erfahrungen, Fachkenntnisse und Kompetenzen lassen sich flexibel einsetzen. Auch deswegen wünschen sich Kunden oft solche Problemlöser.
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GULP
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Das bringt uns zu den nötigen Skills und Qualifikationen. Herr Bartl, was muss ein Freiberufler in Ihrem Tätigkeitsbereich können?
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Bartl
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Für meinen Tätigkeitsbereich wird in der Regel ein Studium der Fahrzeugtechnik oder des Maschinenbaus mit Konstruktionserfahrung erwartet und natürlich ein souveräner Umgang mit der Software, die zu unterrichten oder zu coachen ist. Außerdem muss man sich in den individuellen Produktionsprozess des Kunden einarbeiten, um sytemkonforme und kundengerechte Konstruktionsmethoden entwickeln und schulen zu können. Zusätzlich sollte man gerne mit Menschen arbeiten und Spaß an der Lösung ihrer individuellen Anwendungsprobleme haben.
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GULP
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Wo haben Sie denn den Umgang mit der Software gelernt?
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Bartl
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>> Konstruktions-Know-how wird als selbstverständlich vorausgesetzt. <<
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Ich habe zuerst als Konstrukteur mit der entsprechenden Software gearbeitet und mich dann bei einem Systemhaus beworben, das diese Software vertreibt. Dort habe ich zuerst an Anwenderschulungen teilgenommen und anschließend selbst als Trainer gearbeitet. Mit "Software" meine ich konkret CATIA und die mit diesem System korrespondierende Software, zum Beispiel Datenbanken und spezielle Datenaustauschtools. In meinem Bereich sind Spezialisten gefragt, die genau die Tools beherrschen, mit denen der jeweilige Kunde arbeitet. Ein Pro/E-Spezialist kann nicht für CATIA-Kunden arbeiten und umgekehrt. Das Tool entscheidet. Konstruktions-Know-how wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Leider kann man sich die auf dem Markt gefragten Tools nicht zuhause aneignen. Das geht nur bei Kunden, die die entsprechenden Systeme einsetzen, aber wenn diese Aufträge zu vergeben haben, muss man die nötigen Kenntnisse schon mitbringen. Insofern ist es sehr schwer das eigene Wissen aktuell zu halten, um Aufträge akquirieren zu können.
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GULP
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Hat sich das in den letzten Jahren gewandelt?
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Bartl
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>> Inzwischen lernt man die Grundlagen für die Anwendung dieser CAD-Systeme im Studium. <<
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Inzwischen lernt man die Grundlagen für die Anwendung dieser CAD-Systeme im Studium. Zu meiner Zeit gab es das noch nicht.
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GULP
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Herr Jahn, was sind die drei wichtigsten Qualifikationen und Skills in Ihrem Bereich?
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Jahn
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Technisches Verständnis und Neugier, Soft Skills und Teamfähigkeit und Methoden- und Systemkompetenz. Früher habe ich gedacht, dass die technische Kompetenz am wichtigsten ist. Mittlerweile habe ich selbst erlebt: Die Technik macht vielleicht noch 30 bis 40 Prozent aus, der Rest ist das Auskommen mit den Projektmitarbeitern über die Kommunikation und übers Projektmanagement. Auch der genialste Spezialist kann auf die Nase fallen, wenn er mit Kunden oder Kollegen nicht kann. Außerdem: Wer vor zehn Jahren angefangen hat zu studieren, dem nützt sein Wissen heute nichts mehr. Wir haben heute so viele Berufe, die es vor fünf Jahren noch gar nicht gab. Da gab es noch nicht einmal einen Namen dazu. Mechatronik zum Beispiel.
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GULP
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Stichwort Mechatronik: Herr Gottsmann, wie kann der Weg in Ihren Bereich aussehen?
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Gottsmann
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Wenn man Mechatronik studiert, stehen einem viele Wege offen. Man kann sich schwerpunktmäßig in Richtung Konstruktion oder Elektrotechnik orientieren. Zwischengebiete sind Automatisierungstechnik und Robotik. Für Robotik ist das Mechatronik-Studium sehr gut geeignet, da man in den Bereichen Mechanik sowie Elektronik/Elektrik ausgebildet wird. Mit Hilfe von Elektronik, Elektrik, Informatik und Konstruktion kann man verstehen, wie man zum Beispiel Roboter programmiert und dimensioniert. Natürlich braucht man dazu vom jeweiligen Hersteller noch Erfahrung auf Detailebene.
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GULP
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Welche Rolle spielt die Informatik in Ihrem beruflichen Umfeld?
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Gottsmann
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Die Projekte, die ich mache, sind ohne Informatik undenkbar. Aber natürlich gibt es auch reine Informatik und reine Mechanik. Man braucht auch reine Konstrukteure, die zum Beispiel Karossen so konstruieren, dass sie bei einem Unfall stabil bleiben. Der reine Elektroniker entwickelt zum Beispiel die Steuergerätehardware. Aber es gibt eben viele Sachen, bei denen Mechanik mit Elektronik zusammengeführt werden muss. Das wird sich verstärken. In Zukunft werden die Disziplinen noch mehr miteinander verschmelzen. Man braucht heute auf vielen Gebieten gutes Wissen.
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GULP
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Welche IT-Kenntnisse brauchen Sie, Herr Bartl?
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Bartl
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Implementierung, Customizing und Administration der CAx-Systeme obliegen in der Regel der IT. Für mich ist es wichtig, die je nach Kombination der korrespondierenden CAx- und PDM-Tools bestehenden Einschränkungen technischer Möglichkeiten bzw. Softwarefunktionen zu kennen und zu verstehen. Ich beherrsche die Software, die ich unterichte, von der Anwenderseite. Wie sie intern programmiert ist, davon habe ich nur Grundkenntnisse. Für die kundenspezifische Anpassung des Systems gibt es eigene Fachleute. Ich bin auf diese IT-Leute angewiesen. Wenn ein Programm nicht startet oder abstürzt oder ich keinen Datenzugriff habe, brauche ich selbst Support.
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GULP
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Herr Jahn, bei Ihnen?
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Jahn
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Es gibt viele Bereiche, in denen nur IT gebraucht wird, aber kein Engineering. Aber Engineering ohne IT ist undenkbar, und zwar in allen meinen Bereichen – egal, ob es um die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine geht, um Wissens- und Projektmanagement(-methoden) oder um Werkzeuge, also Tools, Systeme, Datenbanken und Programmiersprachen. Engineering ohne IT stelle ich mir immer vor wie Steinzeit ohne Faustkeil und Feuer. Erst danach wurden weitere Innovationen wie das Rad oder die Elektrizität möglich.
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GULP
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Welchen Anteil an Ihren Tätigkeiten nimmt die Informatik heute ein?
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Jahn
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Früher war ich deutlich mehr "praktischer" Ingenieur mit 10 bis 30 Prozent Informatik. Heute bin ich zu 40 Prozent "theoretischer" Ingenieur oder Wissensmanager und 40 Prozent Informatiker. Der Rest ist gesunder Menschenverstand. Um 1990 war man noch etwas Außergewöhnliches, wenn man programmieren konnte. Man hat damals eine Programmiersprache ein bisschen angewandt, und den Rest machten organisations- oder elektrotechnische Tätigkeiten mit Inbetriebnahme aus, also richtig praktisches Arbeiten. Das hat sich gewaltig verändert, und zwar in Richtung Software und Elektronik. Früher waren in einem Auftrag die Hardware und Elektrotechnik 10 Prozent wert. Der Rest war Maschinenbau. Mittlerweile machen Hardware und Elektrotechnik 30 Prozent aus und noch mal 20 bis 30 Prozent das Know-how und die Entwicklungsarbeit, die dahinterstecken, Maschinenbau nimmt also einen immer geringeren Anteil ein. Die Maschinen und Anlagen selbst kosten heute nur noch die Hälfte und man braucht zur Herstellung ein Viertel der Zeit.
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GULP
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Wie haben Sie die Änderungen Ihres Berufsfeldes erlebt?
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Jahn
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>> Bevor ihr in Rente geht, habt
ihr drei verschiedene Berufe durchgemacht. <<
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Ich war darauf vorbereitet. Uns wurde schon 1980 und später prophezeit: Bevor ihr in Rente geht, habt ihr drei verschiedene Berufe durchgemacht.
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GULP
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Welche Berufe waren es bei Ihnen?
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Jahn
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Ich habe immer gedacht, ich lebe und sterbe für die Elektrotechnik. Aber mittlerweile muss ich sagen, ich bin ein recht guter Mechaniker geworden – durch Erfahrung und dadurch, dass ich begeisterter Motorradfahrer bin. Außerdem musste ich mir Spezialisten-know-how zu den Geräten, mit denen ich mich beschäftigt habe, aufbauen. Desweiteren bin ich seit mehreren Jahren ausgebildeter zertifizierter Referent. Mein technisches Wissen und meine Erfahrung vermittle ich in CAE-Seminaren weiter, oft lerne ich dabei noch mal viel dazu.
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GULP
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Und Informatiker sind Sie auch noch.
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Jahn
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Wenn man Informatiker als eigenen Beruf nimmt, dann definitiv. Ich beherrsche eine Programmierfamilie als Spezialist und meine Kenntnisse einer anderen Familie reichen zum Validieren und ähnlichem.
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GULP
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Die beschriebenen Tätigkeit kann man grundsätzlich im Rahmen verschiedener Beschäftigungsformen ausüben. Warum haben Sie sich selbstständig gemacht, Herr Jahn?
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Jahn
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>> An der Selbstständigkeit schätze ich aber, dass sie
abwechslungsreicher ist und mehr Eigeninitiative möglich ist. <<
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Am allerwichtigsten war für mich in den letzten 25 Jahren, dass ich an eine tolle und faszinierende Aufgabe komme. Da war ich dann auch erfolgreich, ob als Freiberufler, Angestellter oder in Arbeitnehmerüberlassung. An der Selbstständigkeit schätze ich aber, dass sie abwechslungsreicher ist und mehr Eigeninitiative möglich ist. Als Freiberufler – wenn einem das Wasser nicht gerade bis zum Hals steht – kann man aus verschiedenen Projekten auswählen. Die Jahre 2006 bis 2008 waren in dieser Hinsicht genial, da konnte man sich die spannendsten Projekte aussuchen. Wenn es schlechter läuft, geht das natürlich nicht mehr.
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GULP
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War das bei Ihnen in letzter Zeit so, dass sich das geändert hat?
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Jahn
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Im letzten halben Jahr, ja. Ich selbst und auch Kollegen merkten die Wirtschaftskrise deutlich. Jeder hatte mehr Zeit zum Jammern.
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GULP
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Wenn Sie jetzt Festangestellter würden, was würden Sie an der Freiberuflichkeit vermissen?
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Jahn
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Gute Frage. Als Freiberufler habe ich mehr Freiheiten und mehr Möglichkeiten. Vor allem in Projekten, in denen Zeitdruck herrscht und Termine eingehalten werden müssen, weil man da die Freiheiten auch benötigt. Ein Aufgabenschwerpunkt meiner Arbeit war auch immer wieder die Produktivität zu steigern. Ich wurde öfters gerufen, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen war – typisch Feuerwehreinsatz. Solche Projekte sind faszinierend. Wenn keiner mehr an den Erfolg glaubt, erhält man Zustimmung für viele Sachen, die in einem regulären, festbetonierten Alltag keine Chance hätten. Außerdem haben Freiberufler zwischen den Aufträgen mehr Möglichkeiten – zum Beispiel für Weiterbildung oder Urlaub.
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GULP
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Wie ist das mit Kündigungsfristen und Arbeitsplatzsicherheit?
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Jahn
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Ich glaube, dass man als Angestellter auch keine bessere Kündigungsfrist und keinen sichereren Status als ein Freiberufler hat. Im Gegenteil sogar. Ich war schon in mittelständischen, größeren Firmen, in denen das Personal um 10 bis 20 Prozent reduziert wurde. Wir Freiberufler bekamen Probleme mit deren Betriebsrat, der sagte: ‚Wie kann das sein, dass unsere Festangestellten entlassen werden und es laufen bei uns in der Firma immer noch Externe rum‘. Ähnliches habe ich öfters miterlebt, auch in anderen Krisen.
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GULP
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Eigentlich haben die Angestellten doch die Kündigungsfrist, nicht die Externen.
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Jahn
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Denkt man, jawohl. Da ich aber weiß, dass ich ohnehin keine Kündigungsfrist habe, dass ich auf Goodwill drin bin, dass ich nur solange gezahlt werde, wie ich drin bin, stelle ich mich anders drauf ein. Ich lehne mich nicht zurück und sage: Ich habe einen krisensicheren Job. Es ist auch bei Festangestellten nicht mehr so wie früher, dass ich mein einmal angeeignetes Wissen mein Leben lang nutzen kann, oder dass ich in der Firma, in die ich meinen zweiten Karriereschritt mache, bis zur Rente bleibe.
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GULP
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Herr Bartl, Sie haben auch schon festangestellt bei einem Ingenieurdienstleister gearbeitet.
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Bartl
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Ja, und die Jobsicherheit als Angestellter bei Personalleasingunternehmen oder Ingenieurbüros ist nicht viel besser als bei Freiberuflern – sie beschränkt sich auch nur auf die gesetzliche Kündigungsfrist. Wenn Anschlussaufträge fehlen, wird oft sofort gekündigt und die gesetzlichen Fristen sichern nur einen kleinen Puffer. Aber das ist auch eine Mentalitätsfrage. Mir ist die Freiberuflichkeit lieber als Arbeitnehmerüberlassung oder Festanstellung.
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GULP
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Warum?
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Bartl
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Als Festangestellter habe ich neben den ganzen Abzügen vom Lohn keine Absetzmöglichkeiten mehr für Büro und so weiter. Das ist einfach eine finanzielle Geschichte.
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>> Aber ob ich jetzt bei einem Vermittler angestellt bin oder gleich freiberuflich, macht für mich persönlich nicht mehr viel Unterschied. <<
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Außerdem war es schon immer mein Traum, selbstständig zu arbeiten, schon seit dem Studium. Ich wollte mir meinen Weg selbst kreativ gestalten und hatte immer das Gefühl, dass ich das als Angestellter nicht kann. Als Freiberufler habe ich mehr Gestaltungsfreiräume für eigene Ideen und Interessen und kann eigenverantwortlicher agieren. Allerdings ist der Kunde der härtere Chef und der Akquisitionsaufwand ist erheblich. Verkaufen will gelernt sein und muß einem auch liegen. Als angestellter Mitarbeiter in meinem Bereich ist man damit normalerweise nicht befasst. Urlaubspläne richten sich nach der Auftragslage und müssen oft kurzfristig gestrichen werden. Aber ob ich jetzt bei einem Vermittler angestellt bin oder gleich freiberuflich, macht für mich persönlich nicht mehr viel Unterschied.
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GULP
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Herr Gottsmann, wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich selbstständig gemacht haben?
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Gottsmann
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Ich habe nach der FH ein Jahr in Festanstellung gearbeitet, um ins Berufsleben einzusteigen. Dort habe ich gelernt was ging, alle Tools und Arbeitsmethoden, die greifbar waren. Als nächstes schaute ich auf GULP nach, in welchen Gebieten die größte Nachfrage besteht. In diesen Bereichen versuche ich permanent mein Wissen zu vertiefen, um für den Markt interessant zu bleiben. Nach meiner Praxis im Berufsleben bekam ich dann die ersten Projektangebote, allerdings muss man am Anfang sehr flexibel sein, deutschlandweit. Aber dafür kann man auch mehr verdienen.
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GULP
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Außer dem höheren Verdienst – was schätzen Sie an der Selbstständigkeit noch?
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Gottsmann
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Ich schätze vor allem eine Art Freiheit. Ich kann meine Zeit frei einteilen. Ich brauche keinen Arbeitgeber mehr um Schulungen zu betteln, sondern ich mach sie einfach und bezahle diese auch selber. Diese Kontrolle finde ich wichtig für die eigene Weiterbildung und um am Markt bestehen zu können.
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GULP
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Haben Sie als Freiberufler mehr Druck?
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Gottsmann
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Ja der Druck ist hoch, denn man bekommt das Geld nur, wenn man seine Arbeit ordentlich abgibt. Dadurch ist man motivierter, die Arbeit zur vollen Zufriedenheit der Kunden auszuführen. Ich bin eher ein Powermensch, der auch was fertigbringen will und möglichst gut. Ich bin so ein Typ, deswegen passt es gut zu mir, Freiberufler zu sein. Ich kann etwas Risiko eingehen, muss mich allerdings auch um meine Altersvorsorge komplett selber kümmern, das ist nicht so einfach.
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Im zweiten Teil der Serie lesen Sie die Antworten der drei Ingenieure zu unseren Fragen über die Projektdetails – wie sie ihren Stundensatz finden, wie sie Geheimhaltungsvorschriften einhalten und welche Vertragsarten sie bevorzugen und warum.
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