| GULP |
Herr Joneleit, wird
die Deutsche Bank auch in der gegenwärtigen Konjunkturkrise
in eine ausgereifte IT-Struktur investieren? |
| Joneleit |
Natürlich. Dabei hat sich unser
Haus dafür entschieden, im Sinne eines klareren Bildes für
Prioritäten in zwei Richtungen tätig zu sein, die sich
gegenseitig ergänzen. Zum einen gibt es das sogenannte „Run
the bank“, was nichts anderes als die Maßnahmen beinhaltet,
die nötig sind um den täglichen Betrieb aufrecht zu halten. |
| GULP |
Und was geschieht hier? |
| Joneleit |
Hier versuchen wir, mit automatisierten Prozessen den
Aufwand, auch den finanziellen, zu konsolidieren und zu reduzieren. |
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GULP
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Also doch Sparmaßnahmen? |
| Joneleit |
Nicht nur, denn die dadurch frei gesetzten
Kapazitäten werden auch genutzt für „change the bank“ – also
den Bereich, in dem die Deutsche Bank aktiv in die Zukunft geht bzw.
auf die marktpolitischen Anforderungen reagiert. In der heutigen
Zeit ist dies eine Grundvoraussetzung, um im Markt mittel- und langfristig
erfolgreich zu sein. |
| GULP |
Und deshalb werden z.
B. IT-Projekte nur noch scheibchenweise vergeben? |
| Joneleit |
>> Der Erfolg steht absolut
im Vordergrund. <<
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Im Gegensatz zu früher, als Projekte
oftmals ohne Zeitlimit in Gang gesetzt wurden und manchmal zu einem
Fass ohne Boden wurden, steht jetzt der Erfolg absolut im Vordergrund.
Das heißt, dass es Teilprojekte gibt, an deren Ende gefragt
wird: Wo stehen wir und wie geht es weiter? |
| GULP |
In der Folge gibt
es also nur kurze Projekte für externe IT-Berater? |
| Joneleit |
Dazu möchte ich einmal grundsätzlich
anmerken, dass das Arbeiten in befristeten Projekten ja auch dem
Berufsbild entspricht, das der IT-Berater sich bewusst ausgesucht
hat. Und wir gehen damit absolut d´accord, denn externe Unterstützung
soll keineswegs ein Produktionssupport, sprich eine „verlängerte
Werkbank“ sein. |
| GULP |
Aus welchen Gründen
setzen Sie dann externe IT-Spezialisten ein? |
| Joneleit |
Sie sollen nicht dazu dienen, Personal
zu ersetzen. Vielmehr setzen wir sie gezielt ein, wenn wir eine zeitlich
begrenzte Zusatzbelastung auffangen möchten oder wenn wir ausgewiesene
Experten mit Spezialkenntnissen benötigen. |
| GULP |
Und wer entscheidet
bei der Deutschen Bank über den Einsatz von IT-Beratern? |
| Joneleit |
Auch hier gilt: Wenn die Vorarbeiten beizeiten
und gut gemacht worden sind, ist es im Bedarfsfall ein schnelles
und einfaches Vorgehen. So haben bei der Deutschen Bank der Einkauf
und die IT zusammen ein Set von Lieferanten evaluiert, von denen
wir wiederum ein paar wenige strategische Partner ausgewählt
haben. Die fachlichen Kriterien bei der Evaluierung definierte die
IT, der Einkauf hat dann bereits im Vorfeld die Basiskriterien für
die Preisgestaltung mit den Agenturen verhandelt. |
| GULP |
Eine klassische Aufgabenverteilung
also? |
| Joneleit |
>> Eine saubere Prozesskette,
in die jede Abteilung ihre Kernkompetenz einbringt. <<
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Sicherlich in dem Sinne, dass jede Abteilung
ihre Kernkompetenz einbringt. Aber uns geht es hier nicht so sehr
um die Aufgabenverteilung, sondern um eine saubere Prozesskette,
die gewährleistet, dass das interne Handling der Beschaffung,
das früher manchmal sehr aufwendig war, nun schnell und effizient
funktioniert. Die Vorteile eines solchen Prozessmanagements, in dem
die Wege vorab definiert worden sind, liegen außerdem in der
Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen – was
wiederum den einzelnen Mitwirkenden ein beträchtliches Maß an
Verantwortung lässt. |
| GULP |
Wie rekrutieren Sie
externe IT-Berater? |
| Joneleit |
Ausschließlich über die Agenturen,
die unsere strategischen Partner sind. Durch den Aufbau solch langfristiger
Partnerschaften sichern wir konsolidierte Wege, einen reibungslosen
Workflow sowie schnelle und zuverlässige Prozesse. |
| GULP |
Und was zeichnet einen
strategischen Partner der Deutschen Bank aus? |
| Joneleit |
Unabdingbar ist, dass es eine professionelle
Agentur ist, die uns externe IT-Berater mit den geforderten Qualifikationen
schnell und zuverlässig vermitteln kann. Darüber hinaus
ist es entscheidend, dass die Agentur ein solides und seriöses
Geschäftsgebaren aufweist und auch gegenüber den IT-Beratern
verlässlich und stabil agiert. Wir sehen die Beziehung IT-Berater – Agentur – Deutsche
Bank als ein Gesamtes, das in sich schlüssig den gleichen Ansprüchen
gehorcht. |
| GULP |
Gab es denn schon andere,
negative Erfahrungen mit Agenturen? |
| Joneleit |
Die gab es selbstverständlich – und
gerade die negativen Erfahrungen sind sicherlich auch eine Ursache
dafür, dass wir uns für das Modell „Strategische
Partnerschaften“ entschlossen haben. |
| GULP |
Glauben Sie eigentlich,
dass verschiedene Agenturen die Marktflaute nicht überstehen
werden? |
| Joneleit |
>> Unseriöse Unternehmen
werden früher oder später auch wieder verschwinden. <<
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Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass
es diesbezüglich schon eine positive Entwicklung am Markt gibt.
Die Goldgräberstimmung im IT-Projektmarkt in den vergangenen
Jahren hat leider auch viele unseriöse Unternehmen hervorgebracht.
Und die, davon bin ich fest überzeugt, werden früher oder
später auch wieder verschwinden. |
| GULP |
Was ja in der Folge
auch für die IT-Berater Vorteile bringt. |
| Joneleit |
Genau, denn sie können sich dann
sicher sein, dass die Agentur, über die sie vermittelt werden,
auch für sie ein seriöser Partner ist. |
| GULP |
Wenn nun eine Agentur
mit einem IT-Berater bei Ihnen im Einkauf zum Interview erscheint
... |
| Joneleit |
Moment, das gibt es bei der Deutschen
Bank nicht mehr. Auch wenn ich mich wiederhole: Unser Ansatz der „strategischen
Partnerschaft“ beinhaltet ein gehöriges Maß an Vertrauen
in die betreffende Agentur. Deren Aufgabe ist es, den von uns festgesetzten
Preis mit dem IT-Berater abzuklären, dessen fachliche Fähigkeiten
nachzuprüfen und die Softskills zu bewerten. Anschließend
erfolgt der direkte Kontakt mit dem Fachbereich. Wir verlangen hier
große Ehrlichkeit – u. a. auch, dass uns die Agentur
mitteilt, dass sie im Moment nicht den passenden IT-Spezialisten
zur Verfügung hat. |
| GULP |
Schneidet sich eine
Agentur damit nicht ins eigene Fleisch? |
| Joneleit |
Im Gegenteil. Mit dieser Ehrlichkeit
untermauert sie nur ihre Glaubwürdigkeit und stärkt damit
nachhaltig ihre Position bei der Deutschen Bank. Sehen Sie, wenn
uns eine Agentur fahrlässig oder vielleicht sogar bewusst einen
offensichtlich ungeeigneten IT-Berater vermitteln würde, hätte
die strategische Partnerschaft ganz schnell einen Riss. |
| GULP |
Was ist für Sie
eigentlich bei einem IT-Berater wichtiger – die Fachlichkeit
oder der Preis? |
| Joneleit |
Beides und zwar, indem das Preis-Leistungsverhältnis
stimmt. Das heißt, es wird mehr bezahlt, wenn exzellente Arbeit
geleistet wird; ich bin aber auch der Meinung, dass für ein
Wissen, das schnell gelernt werden kann oder bei dem das Angebot
des Marktes mehr als groß ist, auch geringere Stundensätze
gezahlt werden dürfen. |
| GULP |
Und wie können
Sie das einschätzen? |
| Joneleit |
>> Gemeinsam mit den Agenturen
ein innovatives Preismodell geschaffen. <<
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Ich habe bereits auf die enge Zusammenarbeit
mit der internen IT hingewiesen. Die Kollegen dort wissen, welche
Anforderungen erfüllt werden müssen. Außerdem haben
wir gemeinsam mit den Agenturen ein innovatives Preismodell geschaffen. |
| GULP |
Und wie sieht solch
ein innovatives Preismodell aus? |
| Joneleit |
Mit den strategischen Agenturen wurde
ein „Cost-Plus“-Verfahren vereinbart. Damit können
die Agenturen, die den Markt am besten kennen, bereits im Vorfeld
mit dem interessierten und für unser Projekt interessanten IT-Berater
den Stundensatz aushandeln. |
| GULP |
Bei IT-Beratern, bevorzugen
Sie da bekannte Gesichter? |
| Joneleit |
Natürlich hat die Beschäftigung
eines schon bewährten IT-Beraters seine Vorteile – man
kennt seine Fähigkeiten und die Einarbeitungszeit ist oftmals
kürzer. Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass wir
zuvorderst Fachwissen einkaufen. Ich habe etwas gegen Automatismen,
die an eine Person gebunden sind. Dies widerspricht meines Erachtens
auch völlig dem Charakter des IT-Freiberufler-Marktes und würde
zudem nicht der aktuellen Gesetzeslage entsprechen. |
| GULP |
Was bedeutet das genau? |
| Joneleit |
Ganz einfach, dass bei jedem Projekt neu überprüft
wird, wo das beste Preis-Leistungsverhältnis zu finden ist.
Ich denke, das ist auch nur fair gegenüber allen IT-Beratern,
die ein Projekt suchen. |
| GULP |
Und hat solch ein suchender
IT-Berater eine Chance, bei der Deutschen Bank ein Projekt zu leiten? |
| Joneleit |
>> Projektleitung ist eine
Kernkompetenz, die intern liegen soll. <<
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Zugegeben, das ist schon vorgekommen,
ist aber alles andere als unser Ziel. Denn Projektleitung bedeutet
ja vor allem auch immer ein hohes Maß an Verantwortung – und
diese ist eine Kernkompetenz, die bei der Deutschen Bank intern liegen
soll. |
| GULP |
Ein IT-Berater will
ein Projekt bei der Deutschen Bank. Wie erhöht er seine Chancen? |
| Joneleit |
Indem er sich an den Prozess hält,
und der läuft über einen unserer strategischen Partner.
Was heißt, die Unsitte, selbst dann noch einmal bei uns nachzufragen,
führt ins Gegenteil. Des weiteren kann ich einem IT-Berater
nur empfehlen, auf seine Skills zu achten, sein Profil aktuell zu
halten und ansonsten den Kontakt mit der jeweiligen Agentur zu pflegen. |
| GULP |
IT-Berater klagen
zunehmend über
zu niedrige Stundensätze. Was sagen Sie dazu? |
| Joneleit |
Ich denke, dass für IT-Berater mit
entsprechender Qualifikation ein gesundes Selbstbewusstsein wichtig
ist. Bei einigen allerdings fehlt es, auch wenn es manche sicher
nicht gerne hören, teilweise an der Bereitschaft, den Markt
und auch ihre Skills darin realistisch einzuschätzen. Es gab
in der Vergangenheit nicht selten maßlose Forderungen, die
während des IT-Booms auch gezahlt worden sind. Aber es gibt
derzeit keinen IT-Boom – und es ist ein Fehler bei einigen
IT-Freiberufler die damals überhöhten Stundensätze
auch heute noch als Selbstverständlichkeit anzunehmen. |
| GULP |
Stichwort "IT-Berater
im Projekt" – wird es denn solche bei der Deutschen Bank
wieder verstärkt geben? |
| Joneleit |
>> Erfolgsorientierte Projekte
mit kürzeren Laufzeiten. <<
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Wir sind ja gerade dabei, möglichst
viele Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln und uns zum anderen
auf unsere IT-Kernkompetenzen im Prozessmanagement zu besinnen. Hier
gibt es sicher noch genügend Projekte, im Rahmen derer wir IT-Berater
benötigen werden. Wie eingangs erwähnt, werden diese Projekte,
entsprechend unserer neuen Philosophie, kürzere Laufzeiten haben
und stärker erfolgsorientiert sein. |
| GULP |
Sehr geehrter Herr
Joneleit, wir danken Ihnen für das Gespräch. |