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"Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen"

Banken Spezial: Interview mit Bernd Joneleit, Deutsche Bank

(Juni 2003)

Bernd Joneleit von der Deutschen Bank

Bernd Joneleit,
Deutsche Bank


Ein ausgeklügeltes Prozessmanagement und strategische Partnerschaften mit Agenturen sorgen dafür, dass die Deutsche Bank schnell externe IT-Berater zur Verfügung hat, wenn sie solche benötigt. Bernd Joneleit, Vice President, verantwortlich bei der Deutschen Bank für die Beschaffung externer Dienstleistungen (Corporate Purchasing), beschreibt im Gespräch mit GULP einen Weg, der vor allem den langfristigen Erfolg aller Beteiligten gewährleisten soll.

Die Deutsche Bank Extern gehört zu den führenden internationalen Finanzdienstleistern. Mit rund 77.000 Mitarbeitern betreut die Bank mit Stammhaus in Frankfurt a. M. ihre 13 Millionen Kunden weltweit in 76 Ländern.

 

GULP Herr Joneleit, wird die Deutsche Bank auch in der gegenwärtigen Konjunkturkrise in eine ausgereifte IT-Struktur investieren?
Joneleit Natürlich. Dabei hat sich unser Haus dafür entschieden, im Sinne eines klareren Bildes für Prioritäten in zwei Richtungen tätig zu sein, die sich gegenseitig ergänzen. Zum einen gibt es das sogenannte „Run the bank“, was nichts anderes als die Maßnahmen beinhaltet, die nötig sind um den täglichen Betrieb aufrecht zu halten.
GULP Und was geschieht hier?
Joneleit Hier versuchen wir, mit automatisierten Prozessen den Aufwand, auch den finanziellen, zu konsolidieren und zu reduzieren.

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Also doch Sparmaßnahmen?
Joneleit Nicht nur, denn die dadurch frei gesetzten Kapazitäten werden auch genutzt für „change the bank“ – also den Bereich, in dem die Deutsche Bank aktiv in die Zukunft geht bzw. auf die marktpolitischen Anforderungen reagiert. In der heutigen Zeit ist dies eine Grundvoraussetzung, um im Markt mittel- und langfristig erfolgreich zu sein.
GULP Und deshalb werden z. B. IT-Projekte nur noch scheibchenweise vergeben?
Joneleit

>> Der Erfolg steht absolut im Vordergrund. <<

Im Gegensatz zu früher, als Projekte oftmals ohne Zeitlimit in Gang gesetzt wurden und manchmal zu einem Fass ohne Boden wurden, steht jetzt der Erfolg absolut im Vordergrund. Das heißt, dass es Teilprojekte gibt, an deren Ende gefragt wird: Wo stehen wir und wie geht es weiter?
GULP In der Folge gibt es also nur kurze Projekte für externe IT-Berater?
Joneleit Dazu möchte ich einmal grundsätzlich anmerken, dass das Arbeiten in befristeten Projekten ja auch dem Berufsbild entspricht, das der IT-Berater sich bewusst ausgesucht hat. Und wir gehen damit absolut d´accord, denn externe Unterstützung soll keineswegs ein Produktionssupport, sprich eine „verlängerte Werkbank“ sein.
GULP Aus welchen Gründen setzen Sie dann externe IT-Spezialisten ein?
Joneleit Sie sollen nicht dazu dienen, Personal zu ersetzen. Vielmehr setzen wir sie gezielt ein, wenn wir eine zeitlich begrenzte Zusatzbelastung auffangen möchten oder wenn wir ausgewiesene Experten mit Spezialkenntnissen benötigen.
GULP Und wer entscheidet bei der Deutschen Bank über den Einsatz von IT-Beratern?
Joneleit Auch hier gilt: Wenn die Vorarbeiten beizeiten und gut gemacht worden sind, ist es im Bedarfsfall ein schnelles und einfaches Vorgehen. So haben bei der Deutschen Bank der Einkauf und die IT zusammen ein Set von Lieferanten evaluiert, von denen wir wiederum ein paar wenige strategische Partner ausgewählt haben. Die fachlichen Kriterien bei der Evaluierung definierte die IT, der Einkauf hat dann bereits im Vorfeld die Basiskriterien für die Preisgestaltung mit den Agenturen verhandelt.
GULP Eine klassische Aufgabenverteilung also?
Joneleit

>> Eine saubere Prozesskette, in die jede Abteilung ihre Kernkompetenz einbringt. <<

Sicherlich in dem Sinne, dass jede Abteilung ihre Kernkompetenz einbringt. Aber uns geht es hier nicht so sehr um die Aufgabenverteilung, sondern um eine saubere Prozesskette, die gewährleistet, dass das interne Handling der Beschaffung, das früher manchmal sehr aufwendig war, nun schnell und effizient funktioniert. Die Vorteile eines solchen Prozessmanagements, in dem die Wege vorab definiert worden sind, liegen außerdem in der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen – was wiederum den einzelnen Mitwirkenden ein beträchtliches Maß an Verantwortung lässt.
GULP Wie rekrutieren Sie externe IT-Berater?
Joneleit Ausschließlich über die Agenturen, die unsere strategischen Partner sind. Durch den Aufbau solch langfristiger Partnerschaften sichern wir konsolidierte Wege, einen reibungslosen Workflow sowie schnelle und zuverlässige Prozesse.
GULP Und was zeichnet einen strategischen Partner der Deutschen Bank aus?
Joneleit Unabdingbar ist, dass es eine professionelle Agentur ist, die uns externe IT-Berater mit den geforderten Qualifikationen schnell und zuverlässig vermitteln kann. Darüber hinaus ist es entscheidend, dass die Agentur ein solides und seriöses Geschäftsgebaren aufweist und auch gegenüber den IT-Beratern verlässlich und stabil agiert. Wir sehen die Beziehung IT-Berater – Agentur – Deutsche Bank als ein Gesamtes, das in sich schlüssig den gleichen Ansprüchen gehorcht.
GULP Gab es denn schon andere, negative Erfahrungen mit Agenturen?
Joneleit Die gab es selbstverständlich – und gerade die negativen Erfahrungen sind sicherlich auch eine Ursache dafür, dass wir uns für das Modell „Strategische Partnerschaften“ entschlossen haben.
GULP Glauben Sie eigentlich, dass verschiedene Agenturen die Marktflaute nicht überstehen werden?
Joneleit

>> Unseriöse Unternehmen werden früher oder später auch wieder verschwinden. <<

Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass es diesbezüglich schon eine positive Entwicklung am Markt gibt. Die Goldgräberstimmung im IT-Projektmarkt in den vergangenen Jahren hat leider auch viele unseriöse Unternehmen hervorgebracht. Und die, davon bin ich fest überzeugt, werden früher oder später auch wieder verschwinden.
GULP Was ja in der Folge auch für die IT-Berater Vorteile bringt.
Joneleit Genau, denn sie können sich dann sicher sein, dass die Agentur, über die sie vermittelt werden, auch für sie ein seriöser Partner ist.
GULP Wenn nun eine Agentur mit einem IT-Berater bei Ihnen im Einkauf zum Interview erscheint ...
Joneleit Moment, das gibt es bei der Deutschen Bank nicht mehr. Auch wenn ich mich wiederhole: Unser Ansatz der „strategischen Partnerschaft“ beinhaltet ein gehöriges Maß an Vertrauen in die betreffende Agentur. Deren Aufgabe ist es, den von uns festgesetzten Preis mit dem IT-Berater abzuklären, dessen fachliche Fähigkeiten nachzuprüfen und die Softskills zu bewerten. Anschließend erfolgt der direkte Kontakt mit dem Fachbereich. Wir verlangen hier große Ehrlichkeit – u. a. auch, dass uns die Agentur mitteilt, dass sie im Moment nicht den passenden IT-Spezialisten zur Verfügung hat.
GULP Schneidet sich eine Agentur damit nicht ins eigene Fleisch?
Joneleit Im Gegenteil. Mit dieser Ehrlichkeit untermauert sie nur ihre Glaubwürdigkeit und stärkt damit nachhaltig ihre Position bei der Deutschen Bank. Sehen Sie, wenn uns eine Agentur fahrlässig oder vielleicht sogar bewusst einen offensichtlich ungeeigneten IT-Berater vermitteln würde, hätte die strategische Partnerschaft ganz schnell einen Riss.
GULP Was ist für Sie eigentlich bei einem IT-Berater wichtiger – die Fachlichkeit oder der Preis?
Joneleit Beides und zwar, indem das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Das heißt, es wird mehr bezahlt, wenn exzellente Arbeit geleistet wird; ich bin aber auch der Meinung, dass für ein Wissen, das schnell gelernt werden kann oder bei dem das Angebot des Marktes mehr als groß ist, auch geringere Stundensätze gezahlt werden dürfen.
GULP Und wie können Sie das einschätzen?
Joneleit

>> Gemeinsam mit den Agenturen ein innovatives Preismodell geschaffen. <<

Ich habe bereits auf die enge Zusammenarbeit mit der internen IT hingewiesen. Die Kollegen dort wissen, welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Außerdem haben wir gemeinsam mit den Agenturen ein innovatives Preismodell geschaffen.
GULP Und wie sieht solch ein innovatives Preismodell aus?
Joneleit Mit den strategischen Agenturen wurde ein „Cost-Plus“-Verfahren vereinbart. Damit können die Agenturen, die den Markt am besten kennen, bereits im Vorfeld mit dem interessierten und für unser Projekt interessanten IT-Berater den Stundensatz aushandeln.
GULP Bei IT-Beratern, bevorzugen Sie da bekannte Gesichter?
Joneleit Natürlich hat die Beschäftigung eines schon bewährten IT-Beraters seine Vorteile – man kennt seine Fähigkeiten und die Einarbeitungszeit ist oftmals kürzer. Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass wir zuvorderst Fachwissen einkaufen. Ich habe etwas gegen Automatismen, die an eine Person gebunden sind. Dies widerspricht meines Erachtens auch völlig dem Charakter des IT-Freiberufler-Marktes und würde zudem nicht der aktuellen Gesetzeslage entsprechen.
GULP Was bedeutet das genau?
Joneleit Ganz einfach, dass bei jedem Projekt neu überprüft wird, wo das beste Preis-Leistungsverhältnis zu finden ist. Ich denke, das ist auch nur fair gegenüber allen IT-Beratern, die ein Projekt suchen.
GULP Und hat solch ein suchender IT-Berater eine Chance, bei der Deutschen Bank ein Projekt zu leiten?
Joneleit

>> Projektleitung ist eine Kernkompetenz, die intern liegen soll. <<

Zugegeben, das ist schon vorgekommen, ist aber alles andere als unser Ziel. Denn Projektleitung bedeutet ja vor allem auch immer ein hohes Maß an Verantwortung – und diese ist eine Kernkompetenz, die bei der Deutschen Bank intern liegen soll.
GULP Ein IT-Berater will ein Projekt bei der Deutschen Bank. Wie erhöht er seine Chancen?
Joneleit Indem er sich an den Prozess hält, und der läuft über einen unserer strategischen Partner. Was heißt, die Unsitte, selbst dann noch einmal bei uns nachzufragen, führt ins Gegenteil. Des weiteren kann ich einem IT-Berater nur empfehlen, auf seine Skills zu achten, sein Profil aktuell zu halten und ansonsten den Kontakt mit der jeweiligen Agentur zu pflegen.
GULP IT-Berater klagen zunehmend über zu niedrige Stundensätze. Was sagen Sie dazu?
Joneleit Ich denke, dass für IT-Berater mit entsprechender Qualifikation ein gesundes Selbstbewusstsein wichtig ist. Bei einigen allerdings fehlt es, auch wenn es manche sicher nicht gerne hören, teilweise an der Bereitschaft, den Markt und auch ihre Skills darin realistisch einzuschätzen. Es gab in der Vergangenheit nicht selten maßlose Forderungen, die während des IT-Booms auch gezahlt worden sind. Aber es gibt derzeit keinen IT-Boom – und es ist ein Fehler bei einigen IT-Freiberufler die damals überhöhten Stundensätze auch heute noch als Selbstverständlichkeit anzunehmen.
GULP Stichwort "IT-Berater im Projekt" – wird es denn solche bei der Deutschen Bank wieder verstärkt geben?
Joneleit

>> Erfolgsorientierte Projekte mit kürzeren Laufzeiten. <<

Wir sind ja gerade dabei, möglichst viele Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln und uns zum anderen auf unsere IT-Kernkompetenzen im Prozessmanagement zu besinnen. Hier gibt es sicher noch genügend Projekte, im Rahmen derer wir IT-Berater benötigen werden. Wie eingangs erwähnt, werden diese Projekte, entsprechend unserer neuen Philosophie, kürzere Laufzeiten haben und stärker erfolgsorientiert sein.
GULP Sehr geehrter Herr Joneleit, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Herr Johneleit hat hier sicherlich eine für die Deutsche Bank einfache Strategie. Die Agenturen übernehmen nun klassisch die Rolle eines Personalpuffers für die Deutsche Bank und agieren in den vorgegebenen Honorarklassen. Es stellt sich aber die Frage, ob hier immer die Top-Berater geliefert werden können (und ob diese auch wollen), wenn ein Einsatz nur über die strategischen Agenturen möglich ist. (Juli 2003)"

"Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, finde ich es gut, dass der Banker ziemlich deutlich ist und sich nicht hinter dem üblichen 'Wir-haben-uns-alle-lieb-und-so-viel-Moral'-Blabla versteckt. (Juni 2003)"

"Unter dem Deckmantel der Maktflaute erhöht so manche Argentur heimlich ihre Marge. Ein Geld, was teilweise von der Argentur an die Bank zurückvergütet wird. Ist das 'Cost-Plus', wovon Herrn Jonoleit spricht? (Juni 2003)"

"Der Artikel gibt gute Ideen für die IT Berater und hilfreiche Tips. In der Art der Umsetzung hätte ich mir mehr Details gewünscht.  Die Aussagen bekräftigen einen professionellen Einkauf bei der Deutschen Bank, das die Kunden der Deutschen Bank sicherlich ermutigt, dass der Kurs bald wieder steigt. (Juni 2003)"

"Stundensatz total überhöht - na klar. Man studiert und bildet sich weiter, um dann soviel wie eine Kassiererin bei Aldi zu verdienen ? (Juni 2003)"

"Soweit zur Theorie. Was die Kostenseite angeht, ist so manche Argentur nicht bereit den mit der Bank ausgehandelten Preis zu veröffentlichen. 30 bis 50% Marge sind dann keine Seltenheit. Der IT-Berater fühlt sich hinterher übers Ohr gehauen und die Argentur steckt sich Geld ein, daß eigentlich der Bank gehört. Hier ist die Bank gefordert, im Interesse mit den IT-Beratern entschieden gegen solche Machenschaften der Argenturen vorzugehen, die übrigens nach meiner Erfahrung kein Einzelfall sind. (Juni 2003)"

"alle zwei Jahre eine neue Philosophie, hat man denn früher nicht so erfolgsorientiert gearbeitet. Fakt ist, es werden viele Projekte auf die lange Bank geschoben und in zwei drei Jahren ruft man wieder nach der Greencard. (Juni 2003)"


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