| GULP |
Herr Neuffer, Sie
sind ja bereits lange im Geschäft. Wie sehen Sie die Entwicklung
des IT-Projektmarktes in der Bankenbranche? |
| Neuffer |
Für alle sicht- und spürbar
ist der IT-Arbeitsmarkt in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich
schlechter geworden. Das Jahrtausendwechsel-Problem und die Euro-Einführung
haben ihn zunächst angeheizt, weil Technik und Software auf
den aktuellen Stand gebracht werden mussten. Doch das Ende des Internet-Booms
hat die strukturellen Probleme der Banken dann wieder aufgedeckt
und zu noch immer andauernden Überreaktionen geführt. |
| GULP |
Und nachdem diese
Aktualisierungen geschafft worden sind, gibt es keine Projekte
und Aufträge mehr? |
| Neuffer |
Im Moment stimmt das nicht ganz, denn die damals neu
eingeführten Systeme sind inzwischen in die Tage gekommen und
werden wieder wartungsintensiver. Das hat eine leichte Belebung des
Marktes zur Folge. |
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GULP
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Nur eine leichte Belebung? |
| Neuffer |
>> Die Banken denken vor
allem darüber nach, wie Kosten gespart werden
können. <<
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Nun, die Banken denken vor allem darüber
nach, wie Kosten gespart werden können, z. B. mit Outsourcing.
Dabei wird das Kostensparen oftmals so weit getrieben, dass die Funktionsfähigkeit
der IT gefährdet und die notwendigen Innovationen nicht mehr
gewährleistet sind. |
| GULP |
Ist Outsourcing denn
die Lösung? |
| Neuffer |
Es wird nach meiner Meinung noch einige
Zeit dauern, bis die Bankenvorstände merken, das ihre Firmen
durch Outsourcing unflexibler werden und im Endeffekt langfristig
meist höhere Ausgaben haben als vorher. Erste Studien bestätigen
inzwischen diese Einschätzung. Erst wenn diese Erkenntnis sich
auch bei den Banken durchsetzt, wird sich der IT-Markt im Bankenbereich
für Freiberufler wieder verbessern. |
| GULP |
Eine Thema, über
das derzeit rege diskutiert wird, sind Basel II und seine Auswirkungen.
Welche Folgen wird die internationale Kapitalvereinbarung auf die
IT-Struktur in den Banken haben? |
| Neuffer |
Der Einfluss auf die Organisationsstruktur
der IT-Abteilungen ist eher gering. Innerhalb der Banken wurden zwar
neue Projekte zur Umsetzung von Basel II aufgesetzt, die aber zumeist
in bestehende Strukturen integriert werden. |
| GULP |
Also keine Probleme
mit Basel II? |
| Neuffer |
Im Gegenteil, denn da es in Folge von
Basel II für viele Unternehmen schwieriger wird, sich Kredite
zu beschaffen, wird künftig wohl auch weniger Geld für
IT-Projekte außerhalb des Bankenbereichs zur Verfügung
stehen. Und das belastet den Markt für IT-Freiberufler.
Interessant
aus mehrerer
Hinsicht ist das 4. Finanzförderungsgesetz,
das unabhängig von Basel II alle Banken und Finanzdienstleister
verpflichtet, vollständige
Informationen über Kunden, Konten-
und Depotbewegungen an das BAFin zu liefern. Dadurch werden
die
Kerndaten der Banken offengelegt und an einer Stelle konzentriert.
>> Kein Bankgeheimnis
mehr. <<
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Damit existiert in Deutschland –zumindest dem Staat gegenüber-
kein Bankgeheimnis mehr. Für den IT Markt hat das Gesetz positive
Auswirkungen, da die Banken große Anstrengungen unternehmen
müssen um dieses Gesetz erfüllen zu können und selbst
externe Dienstleister heranziehen, um die Transaktionen in Richtung
BAFin abzuwickeln.
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| GULP |
Kommen wir zu den bankenspezifischen
Anforderungen an IT-Freiberufler. In welchen Betriebssystemen sollte
er sich auskennen? |
| Neuffer |
Bei Betriebssystemen werden im Serverbereich
Solaris, AIX, Windows 2000/XP und zunehmend auch Linux eingesetzt.
Auf der Client Seite löst derzeit Windows noch immer die Unix
basierenden Workstations ab, wobei erste Tendenzen sichtbar werden,
aus Kostengründen Linux als Thinclient einzusetzen. |
| GULP |
Und welche fachlichen
Skills erhöhen sonst noch die Chancen auf ein Projekt? |
| Neuffer |
Bevorzugte Programmiersprachen sind C,
C++, Java, Perl und andere Sprachen in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet.
Als Datenbanken schließlich werden meist Sybase, Oracle und
DB2 eingesetzt. |
| GULP |
Warum werden eigentlich
externe IT-Spezialisten eingesetzt? |
| Neuffer |
>> Häufig nicht bereit,
sich als Interne binden zu lassen. <<
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Bestimmte Spezialisten sind oftmals nur
auf dem Freien Markt zu erhalten. Ein wichtiger Grund, externe Spezialisten
einzusetzen, ist auch, dass sie teilweise nur befristet gebraucht
werden. Häufig sind die gesuchten Spezialisten auch nicht bereit,
sich als Interne binden zu lassen. |
| GULP |
Thema Outsourcing – beschränkt
sich diese Tendenz nur auf standardisierte Leistungen oder auch auf
Anwendungsentwicklung? |
| Neuffer |
Wenn Outsourcing, dann sollte es sich
meiner Meinung nach auf standardisierte Leistungen beschränken.
Anwendungsentwicklung und -betreuung sollten nur dann outgesourced
werden, wenn sichergestellt werden kann, dass kein fataler “Braindrain” entsteht
und das Fachwissen verloren geht. Das aber findet in der Praxis oft
statt. |
| GULP |
Der Weg zum Projekt – führt
er den IT-Freiberufler direkt zum Endkunden oder über eine Agentur? |
| Neuffer |
Es ist schwierig für den Freiberufler,
Projektverträge ohne Vermittlung einer Agentur abzuschließen.
Oftmals scheitert dies an den Bestrebungen der Einkäufer, sich
auf wenige Anbieter zu beschränken, um so über Rahmenverträge
bessere Rabatte aushandeln zu können. Nur wer bei einer Fachabteilung
schon gut bekannt ist, hat eine Chance direkt Verträge abzuschließen.
Dazu muss sich jedoch auch die Fachabteilung gegenüber dem Einkäufer
durchsetzen können! |
| GULP |
Was erwarten Sie von
einer Agentur? |
| Neuffer |
>> Wir wollen eine gute
Zahlungsmoral. <<
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Die Freiberufler erwarten von einer Agentur umfassende
Unterstützung, auch bei Problemen mit dem Auftraggeber. Und
natürlich wollen wir eine gute Zahlungsmoral. |
| GULP |
Welche Erfahrungen haben
Sie bis jetzt mit Agenturen gemacht? |
| Neuffer |
Sowohl gute als auch schlechte. Und das
war unabhängig von deren Größe. |
| GULP |
Ist der Markt transparent? |
| Neuffer |
Der IT-Markt an sich ist intransparent.
Ohne Insider-Kenntnisse und ein gutes Netzwerk trifft man nur selten
auf inhaltlich attraktive Projekte. Eine wichtige Rolle bei der Auswahl
der Agentur spielt die Mundpropaganda – ein Qualitätssiegel
ist sie jedoch nicht. Eine gute Hilfe ist die Weiße Liste von
GULP. |
| GULP |
Und wie läuft
ein gutes Interview ab? |
| Neuffer |
Eine interessante Frage, die immer wieder
sehr kontrovers diskutiert wird. Ich bevorzuge ein Gespräch,
in dem Ansprüche an den Berater und Erfahrungen des Beraters
aus seiner bisherigen Arbeit ausgetauscht und abgeglichen werden
können. Die vielfach praktizierten „Prüfungen“ oder „Verhöre“,
in denen der Berater abgefragt oder auch durch Trickfragen getestet
werden sollen, erzeugen nur einen schlechten Eindruck. |
| GULP |
Welche Ansprüche
haben Projektanbieter an IT-Berater? |
| Neuffer |
>> Die Zeit der Primadonnen
ist vorbei. <<
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Ein Berater sollte sein Fachgebiet kennen
und auch offen zu seinen Schwächen stehen können. Wissenslücken
sind nichts Schlechtes, denn niemand weiß alles, insbesondere
nicht in der IT. Bereitschaft, sich ständig weiter zu bilden
und Teamfähigkeit sind wichtig. Die Zeit der Primadonnen ist
derzeit vorbei. |
| GULP |
Und welche IT-Freiberufler
werden gesucht? |
| Neuffer |
Gesucht werden hauptsächlich Entwickler,
Administratoren mit Weitblick und Berater. Spezialisierung ohne Scheuklappen
ist für den Markt immer noch sehr attraktiv. Projektleiter werden
dagegen eher intern gestellt. Natürlich hätten die Banken
gerne den preisgünstigen 20-jährigen mit den Kenntnissen
30-jähriger Berufserfahrung. |
| GULP |
Und was ist wichtiger:
Die fachliche Kompetenz oder der Preis? |
| Neuffer |
Im Moment liegt der Vorzug der Einkäufer
auf dem Preis. Der für die Freiberufler ungünstige Markt
gibt ihnen dabei die Chance, gute Fachleute billig einzukaufen. |
| GULP |
Ist die Chance auf
ein Projekt größer, wenn man bei der Bank bereits bekannt
ist? |
| Neuffer |
Wenn man einen guten Eindruck hinterlassen
hat, sicher. Denn oftmals greifen die Banken bei der Projektvergabe
auf bekannte Gesichter zurück. Man kann sie leichter einschätzen,
die Einarbeitungszeit ist kürzer und die Zusammenarbeit meist
problemloser. |
| GULP |
Ihr Tipp an Freiberufler-Kollegen? |
| Neuffer |
>> Sich von schlechter
Marktlage nicht abschrecken lassen.<<
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Berater sollten sich durch die schlechte
Marktlage nicht abschrecken lassen und selbstsicher und offen auftreten.
Auch wenn man unter hohem Druck steht, einen neuen Auftrag zu bekommen,
sollte man sich das nicht anmerken lassen. |
| GULP |
Wie lange dauern denn
derzeit die Projekte? |
| Neuffer |
Im Schnitt dauern die Projekte sechs
Monate bis zu einem Jahr, wobei Abweichungen nach oben und unten
möglich sind. Im Moment geht die Abweichung nach meinem Eindruck
eher nach unten – die Projekte werden kürzer. Die Projektdauer
wird jedoch auch stark beeinflusst durch die Einstellung des Beraters:
Die einen möchten lieber kurze Projekte machen, andere ziehen
längere vor. |
| GULP |
Ist es nicht grundsätzlich
besser, in schwierigen Zeiten längere Projekte anzustreben? |
| Neuffer |
Probleme macht hier die steuerrechtliche
Behandlung längerfristiger Verträge, denn es besteht die
Gefahr, als scheinselbständig eingestuft zu werden. Hier halte
ich Gesetzesänderungen für dringend notwendig! |
| GULP |
Und wie ist im Alltag
das Verhältnis von internen und externen IT-Spezialisten? |
| Neuffer |
Ideal wäre es, wenn Interne und Externe
auf möglichst vielen Gebieten gleichrangig zusammen arbeiten
würden. Oft werden Externe jedoch deutlich schlechter behandelt.
Manche Auftraggeber versuchen leider, Externe wie „Fußabtreter“ zu
behandeln, was nur zu bösem Blut und schlechter Arbeitsmoral
der Externen führt. |
| GULP |
Ist es schlecht, wenn
mehr Externe als Interne im Projekt sind? |
| Neuffer |
>> Integrität, Professionalität
und Loyalität. <<
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Die Quote zwischen Internen und Externen
ist letztlich egal - solange dafür gesorgt wird, dass kein Braindrain
entsteht, wenn Externe den Betrieb verlassen. Ich persönlich
habe schon in Firmen gearbeitet, in denen ganze Abteilungen fast
nur aus Externen bestanden haben. In einem Beispiel haben allein
Externe über hohe Budgets entschieden. Das hat hervorragend
funktioniert, da das Vertrauen der Auftraggeber hoch und die Identifizierung
der Externen mit dem Betrieb vollständig war. Das Verhalten
des Beraters und auch seines Auftraggebers sollten sich durch Integrität,
Professionalität und Loyalität auszeichnen. SAGE hat hierzu
eine Richtschnur publizert,
die es Wert ist gelesen zu werden. |
| GULP |
Haben Sie schon im Homeoffice
an einem Projekt gearbeitet? |
| Neuffer |
Ja, und ich habe bereits sehr gute Erfahrungen
damit gemacht. Wenn man ohne ständige direkte Interaktion mit
Kollegen sein kann und nicht ständig physikalische Dokumente,
eben Papiere, bearbeiten muss, spricht nichts dagegen, von zu Hause
zu arbeiten. Die Realität sieht schon heute so aus, dass System-
und Anwendungsbetreuung bzw -wartung nachts und an Wochenenden meist
von zu Hause aus geschehen |
| GULP |
Wenn Sie die derzeitige
Situation eines IT-Beraters betrachten – lässt seine Motivation
nach, weil die Stundensätze geringer werden? Oder ist er besonders
motiviert, weil die Konkurrenz größer geworden ist? |
| Neuffer |
Beides. Das Ergebnis ist nach meiner Erfahrungen,
dass die IT-Berater schneller ausbrennen. Auch von daher hoffe ich,
dass sich der Markt für die Berater zügig erholt. Ich hoffe
auch, dass die derzeitige Marktbereinigung dazu führt, dass
vor allem die schlecht qualifizierten Berater, die in Boom-Zeiten
von hohen Stundensätzen aus anderen Berufen angelockt worden
sind, den IT-Bereich wieder verlassen. Dann bessert sich nicht nur
die Qualität und das Image des Sektors, sondern auch die wirtschaftlichen
Chancen der „Berater aus Leidenschaft“. |
| GULP |
Sehr geehrter Herr
Neuffer, wir danken für das Gespräch. |