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"Kreativ und optimistisch im schwierigen Markt"

Interview mit Catarina Heppe, Geschäftsführerin der QUEST GmbH

(Februar 2003)

Foto: Catarina Heppe - Quest GmbH

Catarina Heppe, Geschäftsführerin der QUEST GmbH Softwaredienstleistung

In der GULP Weißen Liste bewerten IT-Freiberufler die Projektanbieter, Noten gibt es in den "Fächern" Angebote, Stundensätze, Verträge, persönlicher Eindruck, Service und Projektmitarbeit. Mit einem Notendurchschnitt von 1,71 im Januar ist die QUEST GmbH zum wiederholten Male der Klassenprimus - im Gespräch mit GULP sprach Geschäftsführerin Catarina Heppe über den kleinen, aber feinen Unterschied im schwierigen Markt.

Die QUEST GmbH, 1997 gegründet, ist der einzige IT-Dienstleiter und Know-how Broker, der sich ausschließlich auf die Banken im Frankfurter Großraum spezialisiert hat. Mit Erfolg, denn das Unternehmen ist mittlerweile strategischer Partner von allen Frankfurter Großbanken.

 

GULP Frau Heppe, QUEST wurde in der GULP Weißen Liste mit Abstand von den Freiberuflern als sehr empfehlenswert eingestuft ...

Heppe

Und dafür erst einmal ein herzliches Danke an alle für das positive Feedback und die Mühe, Ihren GULP Fragenkatalog zu beantworten. Und: Den Dank streichen Sie bitte nicht aus dem Interview, weil es unserem Team wirklich wichtig ist.

GULP Gerne, wenn es für Sie so wichtig ist ....

Heppe

Ja, denn genau um das geht es doch: wie man miteinander umgeht. Höflichkeit, Freundlichkeit und Fairness gehören einfach zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit, ob im Team, gegenüber den Projektanbietern oder im Kontakt mit unseren Beratern.

GULP Womit wir schon beim Erfolgsrezept von QUEST sind?

Heppe

Ja, die Art, wie wir mit unseren Partnern umgehen, ist sicher ein wesentlicher Teil unseres Erfolges. Ich selbst bin seit 1990 in der Branche tätig und ich habe gerade in den ersten Jahren so viel gesehen, was schief laufen kann. Die ganze Atmosphäre war damals geprägt vom englischen Markt und einem Misstrauen zwischen Agenturen und Freiberuflern, Knebelverträge waren an der Tagesordnung - ja, zuweilen gab es richtige Hassgefühle zwischen den Parteien.

GULP Und dann kam QUEST?

Heppe

Wir haben 1997 QUEST sicher auch mit dem Ziel gegründet, es eben anders zu machen. Offene Kommunikation, Fairness, Teamgeist, Transparenz gerade bei den Verträgen, überhaupt das Bewusstsein für Partnerschaft - wir versuchten einfach, den kleinen, aber feinen Unterschied zu etablieren.
GULP Und sind dabei überall auf Begeisterung gestoßen?

Heppe

» Wir überzeugen, indem wir unsere Unternehmensphilosphie glaubwürdig vorleben. «

Anfangs waren mitunter Ungläubigkeit und Zweifel da, ob man tatsächlich so offen und direkt miteinander umgehen kann und ob dieses "Smilie-Image" sich durchsetzt. Aber wir haben schon bald Auftraggeber und Berater dadurch überzeugt, dass wir unsere Unternehmensphilosophie glaubwürdig vorleben. Erfolgreiche Partnerschaft kann halt wie ein Vogel nur fliegen, wenn beide Flügel professionell und motiviert funktionieren.
GULP Das hört sich einfach an, aber funktioniert es auch in schwierigen Zeiten?

Heppe

Ich bin der festen Überzeugung, dass es immer funktioniert - gerade in schwierigen Zeiten. Schauen Sie, QUEST wurde - wie übrigens GULP auch - nicht in den boomenden Markt hinein gegründet. Wir mussten von Beginn an genau überlegen, wie wir uns dauerhaft positionieren. Und der partnerschaftliche Ansatz, all unsere Soft Skills also, werden gerade in Krisenzeiten besonders wichtig. Wenn viele Regeln außer Kraft gesetzt werden und bei allen involvierten Marktpartnern daher große Unsicherheit herrscht, ist QUEST als Vermittler und Puffer zwischen den Fronten gefordert.
GULP Und das sieht dann so aus, dass momentan kaum ein Berater seinen geforderten Stundensatz durchsetzen kann. Und dennoch wird QUEST in der Weißen Liste von den IT-lern in allen Bereichen ausgezeichnet bewertet - arbeiten Sie mit Hypnose?

Heppe

Ein origineller Gedanke, aber unsere Verhandlungen haben nichts mit Hypnose oder Hexenwerk zu tun. Vielmehr liegt es an unserer fokussierten Marktausrichtung, die wir pflegen. Da wir viele Kontakte zu Auftraggebern über Jahre hinweg besitzen, können wir früh genug einschätzen, welche Forderung realistisch ist und den Berater und QUEST im Gespann gemeinsam zum Erfolg führt. Und das sagen wir unseren IT-Beratern auch, so dass sie schon frühzeitig Bescheid geben können, ob sie das Projekt mit allen bekannten Rahmenbedingungen (Inhalt, Teamgröße, Stundensatz, Location etc.) machen würden oder nicht.
GULP Damit vermeidet man schwierige Situationen im Interview.

Heppe

» Wir fragen schon vorher: Können Sie damit leben? «

Das stimmt. Dass Berater erst im Interview oder nachher preislich gedrückt werden, das gibt es bei uns nicht. Wir fragen schon vorher: Können Sie damit leben? Denn nur jeder selber kennt seine eigenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und kann das entsprechend einschätzen.
GULP Und wenn er/sie damit leben kann?

Heppe

Dann hört der persönliche Kontakt noch lange nicht auf. Wir reden miteinander in aller Offenheit, wie uns überhaupt der gerade Weg der liebste ist. Das gilt vor allem auch für die Verträge, die bei uns sehr verständlich formuliert und keine 20 Seiten mit Kleingedrucktem sind. Außerdem beinhalten unsere Verträge gegen eine kleine Gebühr eine Haftpflicht für die Berater. Denn diese haben die meisten nicht, weil es für eine einzelne Person zu teuer wäre. Das alles wissen unsere Berater sehr zu schätzen.
GULP Und nehmen dann auch Einbußen bei den Stundensätzen in Kauf. Sind denn generell die Forderungen der IT-Berater derzeit zu hoch?

Heppe

Man kann natürlich lange über problematische Selbsteinschätzung, Ungerechtigkeiten bei den Stundensätzen etc. philosophieren und es stimmt sicherlich auch, dass viele Berater derzeit unterbezahlt sind - aber es ändert nichts an der Tatsache, dass jedes Know-how im Markt so viel wert ist, wie dafür bezahlt wird.
GULP Und gerade die Banken haben die Preise in den vergangenen Monaten sehr gedrückt. Woran liegt`s?

Heppe

» Die Banken sind derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt. «

Nun, die Banken haben gemerkt, dass sie immer über Industrieniveau bezahlt hatten, was auch daran gelegen hatte, weil sie bei den Freiberuflern neben dem IT-Wissen auch ganz spezialisiertes Banken-Zusatzwissen benötigen. Jetzt aber haben die Auftraggeber eine weit größere Auswahl, weshalb die Stundensätze angeglichen worden sind.
GULP Nur angeglichen?

Heppe

Leider ist man manchmal auch über das Ziel hinausgeschossen. Die Folge waren und sind Stundensätze, die in keiner Relation zur geforderten Qualifikation stehen. Ich kann vor einem solchen Vorgehen nur warnen, denn letztendlich schneiden einige Banken sich mit diesem Vorgehen mittel- und langfristig entscheidendes Know-how ab.
GULP Frau Heppe, ist Ihrer Meinung nach der Tiefpunkt im IT-Projektmarkt erreicht?

Heppe

Da sage ich nichts mehr dazu, denn ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Das gesamte Jahr 2002 über haben die Fachleute vorausgesagt, dass der Markt besser wird - und alle mussten früher oder später ihre Prophezeiungen korrigieren.
GULP Es wird also nicht mehr besser?

Heppe

Eines ist klar: Die goldene Zeit des IT-Projektemarktes ist vorbei. Man muss aber auch mal ganz nüchtern feststellen, dass die Jahre des Internet-/Euro-/JTW-Booms von 1998 bis 2001 nicht der Normalzustand waren. Das war im übertragenen Sinne das reinste Hochwasser, das Projekte en masse mit sich führte.
GULP Jetzt haben wir allerdings Niedrigwasser.

Heppe

Stimmt. Und gerade für IT-Berater, die während des Booms angefangen haben, ist es heute natürlich sehr schwierig, damit umzugehen. Das Pendel ist von extrem positiv nach extrem negativ umgeschlagen. Wir gehen davon aus, dass der Markt sich im Laufe diesen Jahres wieder in eine gesunde und "normale" Richtung entwickeln wird. Gesund und normal heisst, dass externes Know-how wieder aus den zwei Gründen eingesetzt wird, die diesen Markt haben überhaupt entstehen lassen: 1.) Einkauf von echtem Expertenwissen für einen dezidierten Projekteinsatz, um nicht-vorhandenes Wissen im eigenen Team auszugleichen, oder 2.) Einkauf von zusätzlicher Arbeitsleistung, um einen bestimmten, zeitkritischen Projekttermin halten zu können.
GULP Wohin werden denn bei den Banken die Trends gehen?

Heppe

Derzeit ist es zumindest in unserem Bereich so, dass die Banken vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Themen wie Basel 2, International Accounting Standards (IAS), Controlling, Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, Systemmanagement oder auch Data Warehousing sind ganz aktuell - eben alles, was mit Gesetzesvorgaben oder Sparen zu tun hat.
GULP Und während die Banken ihre Abläufe überprüfen, gibt es weniger bzw. keine Projektaufträge?

Heppe

Grundsätzlich stimmt das und es stimmt auch, dass derzeit Projekte weniger langfristig, sondern scheibchenweise vergeben werden. Aber selbst die zunehmenden Outsourcing-Aktivitäten zeigen auch, dass die Arbeit ja nicht weg fällt - es wird nur seine Zeit dauern, bis viele Aufträge vergeben werden. Meines Erachtens wird das in einem Jahr und später geschehen.
GULP Wie kann sich ein Berater darauf vorbereiten?

Heppe

Über einzelne Qualifikationen Auskunft zu geben, ist sehr schwierig. Unsere Erfahrungen haben aber gezeigt, dass diejenigen die besten Chancen haben, die in ihren laufenden Projekten die Zeit nutzen, um auch mal über den Tellerrand ihrer eigentlichen Aufgabe hinauszuschauen. Außerdem muss jeder, der vorwärtskommen will, permanent lernen und sich weiterbilden. Offenheit, Interesse und Flexibilität sind und bleiben Eigenschaften, die Vorsprung schaffen.
GULP Inwieweit beraten Sie hier die IT-Berater fachlich?

Heppe

» Niedrige Stundensätze sind keine persönliche Sache. «

Wir sind selbst keine IT-Projektmanager und kein Software-Haus, weshalb wir uns in der fachlichen Betreuung zurückhalten. Wir sind Know-how Broker, die auch in schwierigen Zeiten versuchen, für Auftraggeber die genau passenden Berater zu finden und umgekehrt. Dazu gehört es auch, bei den Beratern das Verständnis zu schaffen, dass niedrigere Stundensätze keine persönliche Sache sind, sondern von den wirtschaftlichen Vorgaben aus Controlling und Finanzbuchhaltung bestimmt werden.
GULP Ihr Ansprechpartner sind also nicht mehr die Projektleiter in den Fachabteilungen?

Heppe

Doch, aber sie haben Vorgaben aus den Einkaufsabteilungen, die die Vergabe von Projekten zentralisiert haben und natürlich auch für mehr Transparenz sorgen. Das hat Vor- und Nachteile: Diese Zentralabteilungen sehen jetzt genau, welche Anfragen rausgehen und welche Angebote dazu hereinkommen. Gerade, wenn ein Beraterprofil doppelt oder dreifach, womöglich noch mit unterschiedlichen Stundensätzen angeboten wird, kommt es oftmals zum Durcheinander, das sich meist negativ auf den Berater auswirkt, denn das CV wird meist einfach abgelehnt. Daher ist es für Berater besonders wichtig, sich bei den Projektdienstleistern genau zu informieren, zu welchem Kunden ihr CV gesandt wird. Nicht jeder nennt, wie es für uns selbstverständlich ist, stets Ross und Reiter und holt sich das O.k. des Beraters ein. Andererseits haben unsere Freiberufler nun auch die Möglichkeit, sich selbst mehr Überblick zu schaffen - nicht zuletzt deshalb, weil QUEST ein strategischer Partner von allen Großbanken in Frankfurt ist.
GULP Letztendlich aber bleibt festzuhalten, dass das Controlling und der Einkauf in den Banken die Vorherrschaft über die IT-Abteilungen übernommen haben?

Heppe

Richtig, aber nur als verlängerter Arm rund um Shareholder Value. Außerdem ist es doch leider so, dass derjenige die Macht hat, der das Geld hat. Und in der gegenwärtigen Situation sind das die Abteilungen, die für die Sparmaßnahmen verantwortlich sind. Ich bin mir aber sicher, dass sich das auch schnell wieder ändern wird, wenn Fachabteilungen wieder Geld verdienen und ihre Projekte wieder angehen wollen und können.
GULP Nehmen wir die Dresdner Bank als Beispiel. Sie war früher ein Hauptauftraggeber für Freiberufler, momentan läuft wenig. Was hat sich nach der Fusion mit der Allianz geändert?

Heppe

Die Dresdner Bank soll ja positive Wertbeiträge für die Allianz generieren, nur hat sie derzeit - wie alle Banken - keinen Markt, wo man Geld verdienen kann. Also gilt auch hier, dass erst einmal die Kostenstellen geprüft und optimiert werden. Aufträge für IT-Freiberufler wird es danach wieder verstärkt geben, irgendwann.
GULP Und die Deutsche Bank? Fällt sie nach dem IT-Outsourcing an IBM als Auftraggeber komplett weg?

Heppe

» Die Arbeit ist ja grundsätzlich nicht weg, sondern nur woanders. «

Zum einen ist es so, dass nur Teile des Rechenzentrums outgesourct wurde, zum anderen betone ich abermals: Mit solchen Maßnahmen ist die Arbeit ja nicht grundsätzlich weg, sondern nur woanders.
GULP Die Arbeit ist also da - aber was passiert, wenn im Zuge der EU-Osterweiterung weitere Konkurrenz auf deutsche IT-Freiberufler zukommt?

Heppe

Ich kann nur für den Bankenbereich sprechen und hier ist die EU-Osterweiterung kein großes Thema. Das liegt vor allem daran, dass hier an die IT sowohl bankenspezifische als auch ganz deutschspezifische Anforderungen gestellt werden - und von den entsprechend hochqualifizierten IT-Spezialisten gibt es in Deutschland inzwischen genug. Außerdem darf man die Sprachproblematik nicht außer acht lassen.
GULP Zum Schluss: Drückt der schwierige Markt bei QUEST auf die Stimmung?

Heppe

Foto: Das QUEST Team

Das QUEST Team
Klar, wir merken den Druck natürlich. Allerdings gelingt es uns, dem mit Optimismus, tollem Berater- und Kundenfeedback entgegen zu treten. Das liegt daran, dass bei uns das Team absolut im Vordergrund steht. Und weil wir uns nicht vergraben, sondern kreativ und optimistisch an die Zukunft herangehen und dabei auch den Spaß nicht vernachlässigen. Oder kurz gesagt - wir halten uns einfach an unsere Grundsätze:
fun, professionalism and profit!
GULP Wir bedanken uns für das informative Gespräch.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"In Quest wird gelebt, was andere nur als Lippenbekenntnisse vom Stapel lassen. Gerade 2009 ist diese Philosophie aktueller denn je. (Juni 2009)"

"Klasse Artikel! (November 2005)"

"Acuh ein Jahr nach Veröffentlichung immer noch ein gutes, strukturiertes Interview mit einer intelligenten und schlagfertigen Frau, die weiter denkt als viele andere. (Mai 2004)"

"Die Frau weiß, wovon sie spricht. Ich denke, sie wird auf Dauer Recht und Erfolg damit haben, sich nicht nur ums Geld, sondern auch um die Menschen zu kümmern. Denn was bringt das Huhn, das goldene Eier legt, noch, wenn es geschlachtet wurde. (Juli 2003)"

"Tolles Interview ! (März 2003)"

"Als EX-Questie, kann ich allem in diesem Artikel gesagten nur zustimmen! Herzlichen Glückwunsch an Catarina Heppe! (Februar 2003)"

"Klasse Einschätzung de derzeitigen Marktsitutation. Ich hoffe nur, daß sich die Prognosen auch bewahrheiten. Und ich hoffe, daß so manches Bankenhaus diesen Beitrag intensiv gelesen hat. (Februar 2003)"

"Ich kenne diese Agentur (meine Bewertung war auch entsprechend), und was Fr. Heppe da sagt, spiegelt 1:1 Ihre Meinung wie auch Vorgehensweise wieder!!! (Februar 2003)"

"Inhaltlich informativ und journalistisch professionell geschrieben. Es hat Spaß gemacht, den Artikel zu lesen.  Mit einem lieben Gruß  Wolfgang Hinze GENT GmbH  (Februar 2003)"

"Sehr interessant und informativ (Februar 2003)"

"Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel Schön, dass noch jemand optimistisch in die Zukunft blicken kann! (Februar 2003)"


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