| GULP |
Herr Selck, Sie sind
56 Jahre alt. Spielt Ihr Alter generell eine Rolle bei der Gewinnung
von Projekten? |
| Selck |
Bis vor kurzem spielte es keine Rolle
und die Projektgewinnung war eigentlich unproblematisch. Ich war
mir aber darüber klar, dass ich ein Angestelltenverhältnis – wenn
ich es denn gewollt hätte – in meinem Alter nur schwer
bekommen würde – auch bei den Firmen, die mich gerne als
Freiberufler hatten. Für mich ist das ein Beweis, dass die Schwierigkeit,
die ältere Arbeitnehmer haben, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen
hauptsächlich auf den gesetzlichen Arbeits-Regelungen – wie
z. B. Kündigungsschutz – beruhen, die bei mir ja Gott
sei Dank keine Rolle spielen und nicht auf verringertem Nutzen für
die Unternehmen. |
| GULP |
Sie sagten "bis
vor kurzem"? |
| Selck |
Na ja. Da die Zeiten generell schwieriger geworden
sind, macht man sich schon etwas Gedanken darüber. |
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GULP
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Gibt es konkrete Erfahrungen? |
| Selck |
Vor kurzem hatte ich eine Projektausschreibung
erlebt, die von meinem Skill sehr gut gepasst hätte, die aber
ausdrücklich auf Kollegen unter 45 Jahren ausgeschrieben war.
Das löste auch bei den Vermittlern ziemliches Kopfschütteln
aus. |
| GULP |
Wie erklären
Sie sich diese Anforderung? |
| Selck |
Für mich gibt es da zwei mögliche
Gründe: Entweder wurden diese Anforderungen statt von der Einkaufsabteilung
von der Personalabteilung aufgestellt, die dann ihre Anforderungen
für Festanstellungen da rein geschrieben hatte - oder man war
der Meinung, ein Team aus Gleichaltrigen würde besser funktionieren. |
| GULP |
Die meinten, die
würden
sich besser untereinander verstehen? |
| Selck |
>> Teams leben gerade von
Unterschieden. <<
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So etwa. Man kann dann beim Essen eher über
gemeinsame Themen, wie Hausbau oder Kindererziehung, reden. Themen
also, die für mich inzwischen schon erledigt sind.
Aber so funktionieren
Teams ja nicht. Teams leben gerade von unterschiedlichen Interessen
und von Unterschieden. Teams sind auch immer bereit, unterschiedliche
Mitglieder zu integrieren, egal ob es Unterschiede im Alter, Geschlecht
oder in sonst was gibt. Man muss natürlich den Willen mitbringen,
sich zu integrieren.
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| GULP |
Sich integrieren? Was
muss man da zum Beispiel tun? |
| Selck |
(lacht) Also, ich habe mir zum Beispiel
mal die Kindersendung "Teletubbies" angesehen, weil ein Kollege immer
erzählte, wie begeistert sein Sohn davon war. Da meine Kinder
aus dem Alter heraus waren, kannte ich sie natürlich nicht. |
| GULP |
Aber das kann doch nicht
das Wesentliche sein? |
| Selck |
Natürlich nicht. Wichtig ist, dass
man sich fachlich versteht. |
| GULP |
Welche Vorteile haben
Sie da in Ihrem Alter? |
| Selck |
Wir Freiberufler müssen uns immer
wieder schnell in neue Projekte einarbeiten. Dazu muss man bestehende
Designs verstehen, sich die benutzte Vorgehensweise aneignen und
sich in ein unbekanntes Team hineinfinden. Da ist ein Fundus an Erfahrungen
natürlich sehr wertvoll. Obwohl jedes Projekt einzigartig ist,
gibt es doch genügend Anknüpfungspunkte an vorherige Projekte.
Fast jedes Problem hat man schon einmal irgendwo erlebt. |
| GULP |
Aber die IT-Welt ändert
sich doch sehr schnell, wie kann da alte Erfahrung noch von großem
Nutzen sein? |
| Selck |
>> Nicht alles ändert
sich gleich schnell. <<
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Nicht alles ändert sich gleich schnell.
Es gibt schnelle und langsame Innovationszyklen. Die Erfahrung, die
sich auf langsame Innovationszyklen beziehen, sind natürlich
die wertvollsten. |
| GULP |
Können Sie da
Beispiele geben? |
| Selck |
Die schnellen Zyklen in der PC-Hardware
sind uns ja allen bekannt. Trotzdem ist der allgemeine Aufbau des
PC’s relativ konstant. Programmiersprachen haben schon ein
relativ langes Leben, viele Prinzipien für die prozeduralen
Sprachen waren schon zu meiner Studienzeit die gleichen wie heute.
Das gilt ebenso für die Grundfunktionen der Betriebssysteme,
nur dass die Betriebssysteme damals auf größerer Hardware
liefen als heute.
Im Design habe ich zwei große Zyklen erlebt. Zuerst hatten
wir den Strukturierten Ansatz, dann kam die Objektorientierung. Das
erste Mal hörte ich 1986 über Objektorientiertes Vorgehen,
jetzt haben wir so etwas wie einen Höhepunkt in OOD/OOA – es
war also genügend Zeit um sich darauf einzustellen.
Die Vorgehensmodelle
sind ein anderes veränderliches Feld.
Ich hatte früher viel im militärischen Bereich gearbeitet,
in dem eine geordnete, dokumentierte Vorgehensweise selbstverständlich
war. Vergleichsweise dazu sind manche Firmen heute noch sehr chaotisch.
Dann
sind da Zyklen von tools und frameworks, die sich alle paar Jahre ändern.
Beide Gruppen sind so zahlreich, dass man nur einige kennen kann
und sich dann auf Prinzipien verlassen muss.
Generell kann man sagen,
je kürzer der Innovationszyklus ist
umso leichter muss die Einarbeitung durch gute Dokumentation und
Oberflächen möglich sein.
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| GULP |
Das spricht dann
für
den Wert der Erfahrung auf Gebieten mit langem Innovationszyklus? |
| Selck |
Genauso ist es. Den längsten Zyklus
haben die Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Wie gehe ich mit Menschen
um? Wie organisiere ich mich und andere? Diese Fragen wird man immer
wieder gleich beantworten. Ich glaube daher, Bismarck oder Cäsar
wären auch heute noch gute Projektleiter. |
| GULP |
Welche Fehler muss man
vermeiden? |
| Selck |
>> Wichtig ist, dass man
nicht den Erzählonkel spielt. <<
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Wichtig ist, dass man nicht den Erzählonkel spielt
und dauernd alte Geschichten zum Besten gibt. Obwohl man natürlich
mit seiner Erfahrung nicht hinter dem Berg halten sollte, wenn
man gefragt wird.
Eine sehr häufig gestellte Frage der Kollegen
ist beispielsweise: Hast Du schon mal ein so chaotisches Projekt wie
dieses erlebt?
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| GULP |
Wie reagieren Sie darauf? |
| Selck |
Dann wiegele ich meistens ab und sage,
kein Projekt ist vollkommen. Solange es einigermaßen funktioniert,
kann man schon zufrieden sein.
Interessant ist, dass es oft gar nicht
die schlecht organisierten Projekte sind, die scheitern, sondern
eher die besser organisierten. |
| GULP |
Das ist aber erstaunlich.
Woran liegt das? |
| Selck |
Ich glaube das liegt daran, dass die nicht
so gut organisierten Projekte in Firmen zu finden sind, die in ihrer
Marktnische eine starke Stellung haben. Sie kommen aus ihrem Spezialmarkt
und nicht aus der Softwareentwicklung, deshalb ist ihre Softwareentwicklung
schlechter organisiert. Trotzdem können sie aber ihre Kunden
glücklich machen. An die gut organisierten Software-Firmen werden
auch von Kundenseite höhere Ansprüche gestellt und Projekte
schneller abgebrochen.
Verstehen Sie mich recht, ich möchte natürlich nicht
dem Schlendrian das Wort reden. Man würde Ursache und Wirkung
verwechseln, wenn man meinen würde, eine schlechte Projektorganisation
wäre förderlich. Es gibt aber eben Firmen, die eine schlechte
Vorgehensweise besser verkraften und bei denen der Druck auf Verbesserungen
deshalb geringer ist. |
| GULP |
Sie müssen auch
Neues lernen, wie machen Sie das? |
| Selck |
>> Das Lernen auf Verdacht
ist meistens am Bedarf vorbei. <<
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Das wesentlich Neue ergab sich für
mich immer wieder aus den Projekten. Das Lernen auf Verdacht ist
meistens am Bedarf vorbei. Man muss natürlich über Neues
grundsätzlich informiert sein, um sich dann im Vorfeld oder
Verlauf eines Projektes oder schon in der Akquisitionsphase detaillierter
zu informieren. Wenn möglich sollte man auch bei der Projektauswahl
daran denken, ob einen ein Projekt langfristig weiterbringt. Ein
Java oder C# – Projekt ist deshalb beispielsweise einem Cobol-Projekt
vorzuziehen.
Bisher hatte ich immer das Glück, dass die Projekte
sowohl Altbekanntes forderten, als auch etwas Neues mitbrachten. |
| GULP |
Wie hat sich die
Art der Kundengewinnung geändert? |
| Selck |
Ganz gewaltig. Meinen ersten Kunden hatte
ich noch durch persönliche Kontakte aus meiner Angestelltenzeit
gewonnen. Dann waren die klassischen Vertriebsmittel wie Hörensagen,
Mundpropaganda, Werbebriefe, zufällige Zusammentreffen auf Veranstaltungen
die Wege, die zu neuen Aufträgen führten. Leider ergaben
sich immer wieder Lücken. Das war umso schmerzlicher, als ich
im Rahmen von Projekten kleinere Mannschaften zusammengestellt hatte,
die sich dann auf Dauer nicht halten ließen.
In den letzten
Jahren ist dann der GULP Roboter das wesentliche Vertriebsinstrument
geworden. Durch GULP ist der Markt sehr transparent
geworden. |
| GULP |
Herr Selck, wir danken für das interessante Gespräch. |