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Jobmaschine Internet zeigt in den USA Verschleißspuren

Mit deutschen Verhältnissen kaum vergleichbar

(Dezember 2000)
Inhalt dieses Artikels:
Einfache Korrekturen und strukturelle Probleme | Neue und alte Wirtschaft | IT-Fachkräfte dürfen gelassen bleiben
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Was ist in den nächsten Monaten auf dem Markt für IT-Fachkräfte zu erwarten? Bei Internet/Dotcom werden die Alarmsignale vom amerikanischen Arbeitsmarkt immer schriller. Eine Entlassungswelle von noch nicht absehbarem Ausmaß hat dort den IT-Sektor erfasst, vor allem die doch angeblich ungebremst boomende Internetbranche. In Zahlen: 16.000 Arbeitnehmer sollen bis Ende September dieses Jahres bereits ihren Job verloren haben. Und bis zum Jahresende soll es noch dicker kommen, so der Branchendienst Challenger, Gray und Christmas. Allein im Oktober stieg die Zahl der Entlassenen um weitere 6.000 auf 20.000. Die Talfahrt beschleunigt sich rapide. Schlagzeilen wie "Dotcom-Entlassungswelle reißt nicht ab" sind mittlerweile bezeichnend für die Stimmung. Sollte die amerikanische Entwicklung auf Deutschland überschwappen, sähe es finster aus. Erste Anzeichen sind erkennbar.

 

Gemisch aus einfachen Korrekturen und strukturellen Problemen nach oben
   

Indes: der Trend zu Entlassungen größeren Ausmaßes richtet sich in den USA nicht nur gegen die Mitarbeiter in den jungen Internet-Unternehmen. Die Beschäftigten in den klassischen Wirtschaftszweigen der "Old Economy" trifft es in absoluten Zahlen weit härter. Das ist allerdings ein schwacher Trost, galt doch die neue Internet-Ökonomie als das Paradebeispiel einer Zugmaschine für die gesamte Wirtschaft - und als Jobmaschine mit bis dato nicht gekannter Kraft. Wurde diese Jobmaschine in der allgemeinen Wachstumseuphorie schlichtweg überdreht und hat Überkapazitäten produziert? Dann hätten es die Amerikaner "nur" mit einer Kapazitätskorrektur zu tun. Leider ist es anders. Allein die Pleitenquote von 20 Prozent bei den entlassenden Unternehmen weist zumindest auch auf strukturelle Ursachen hin.

Deutsche IT-Mitarbeiter und -Freiberufler können ins Grübeln kommen, was das Ganze für sie bedeuten wird. Ob IT-Experten auf lange Sicht die gefragteste Spezies auf dem Arbeitsmarkt bleiben oder ob erste Wolken aufziehen? Es hängt von der Substanz der Unternehmen ab. Im Mutterland des Venture Capital ist eine riesige Party zu Ende gegangen. Allzu viele hatten dieselbe Vision vom schnellen Reichtum mit fremden Geld. Ein nüchterner Kopf hat auch sein Gutes. Damit erhalten die fachlichen und betriebswirtschaftlichen Fundamente wieder einen höheren Stellenwert: Kenntnisse und Erfahrungen in Organisation, Finanzen, Vertrieb, Marketing etc. Wer sicheren Boden unter den Füßen hat, kann auch Visionen entwickeln.

Im Vergleich zwischen den USA und Deutschland sind einige Parallelen nicht wegzuwischen. Mittlerweile haben wir lernen müssen, dass auch hierzulande einige New Economy-Unternehmen nur solange existieren, bis das Venture Capital verfeuert ist. Viele ehemalige Highflyer am Neuen Markt sind bereits böse abgestürzt, und sie haben den gesamten Nemax mitgerissen. Der Pleite von Gigabell, der ersten eines Nemax-Unternehmens, sind weitere gefolgt. Für einige Geschäftsführer interessiert sich die Staatsanwaltschaft. Konkursverwalter berichten von chaotischen Bilanzierungsgebaren.

Dennoch: Amerikanische Verhältnisse sind nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Spektakuläre Negativ-Beispiele ausgeblendet, sind die deutschen IT-Unternehmen, auch die Start-Ups, überwiegend auf festem Fundament gebaut. Hier räumt beispielsweise eine Studie des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) mit einem aus Amerika ungeprüft übernommenen Mythos der Generation @ auf. "Weder jung noch hip" skizziert die c't das Ergebnis der Studie. Das Klischee vom Helden der Branche, der sich von der Schulbank oder aus dem Hörsaal ins Unternehmerdasein gestürzt hat, stimmt nur für eine Minderheit unter den IT-Selbstständigen, so die IAT-Studie. Die Mehrheit hat Berufserfahrung als Angestellter, oft mit Leitungsfunktion. Drei Viertel der Befragten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Das Profil eines Traumtänzers sieht anders aus.

 

 

Kein Gegensatz sondern Ergänzung: "neue" und "alte" Wirtschaft nach oben
   

Daher wundert es nicht, dass in Deutschland die New Economy sehr eng mit der "old one" verzahnt ist. Salopp ausgedrückt: anders als in Amerika fliegen hier weniger Luftballons im freien Raum umher. Dafür spricht eine ausgesprochene B2B-Orientierung deutscher Internet-Unternehmer, gepaart mit - trotz spektakulärer Ausnahmen - einer größeren Vorsicht der Geldgeber. Erst neulich meinte DIHT-Präsident Hans-Peter Stihl, dass der B2C-Bereich in Deutschland noch Stiefkind der Internet-Anwendungen sei. Das wundert nicht, denn hier ist das Konsumentenverhalten schwierig abzuschätzen Diese Scheu vor dünnem Eis spricht nicht für eine ausgeprägte Hasadeursmentalität - ganz gleich wie alt die "Economy" ist.

Internetfirmen sowie kleine und mittlere Software- und Systemhäuser sind in großer Zahl als Outsourcing-Projekte der großen Konzerne entstanden und weiter mit ihnen verbunden. Oder Neugründer orientieren sich von Vornherein an den Bedürfnissen ihrer potentiellen Auftraggeber, um gezielt die real nachgefragten Dienstleistungen anbieten zu können. Auf der anderen Seite steht "die verstärkte Umstellung traditioneller Branchen, wie insbesondere der Finanz- und Automobilwirtschaft aufs elektronische Geschäft." (Internet Home World). Bei DaimlerChrysler zum Beispiel beiträgt der dafür Verantwortliche, Olaf Koch den Titel "Vice President Corporate E-Business". In einem Zeitschrifteninterview (InformationWeek) erklärte er das E-Business zur Chefsache.

 

 

IT-Fachkräfte dürfen gelassen bleiben nach oben
   

Schon in zwei Jahren sollen eine Million Arbeitsplätze mit dem Internet zu tun haben, gegenüber 1998 eine Steigerung von 75 Prozent. Wenn der Trend anhält, kann es nicht mehr lange dauern, bis das Internet die Automobilindustrie als Schlüsselindustrie abgelöst hat. Vielleicht hängt in wenigen Jahren jeder sechste bis siebte Arbeitsplatz vom Internet ab statt vom Auto. Quintessenz für Freiberufler: Es gibt allen Grund, weiter auf das Internet zu setzen. Es geht auch gar nicht anders. Die Verknüpfung des Internet mit der kommerziellen Datenverarbeitung ist unlösbar.

Summa summarum wollen die Unternehmen nach wie vor dramatisch mehr IT-Fachkräfte beschäftigen, wenn sie denn könnten. Bekanntlich gibt einfach zu wenige von ihnen. Die Auswertungen der GULP-Projekt- und Freiberuflerdatenbanken, die umfassendsten in Deutschland, zeigen eine ungebremste Aufwärtsentwicklung bei Projektvermittlungen www.gulp.de/kb/mt/ebusiness.html . Nicht die Anzahl der angebotenen Projekte, eher die Verfügbarkeit der Freiberufler kann als Engpass gesehen werden.

 

 


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