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Indes: der Trend zu Entlassungen größeren Ausmaßes richtet sich
in den USA nicht nur gegen die Mitarbeiter in den jungen Internet-Unternehmen.
Die Beschäftigten in den klassischen Wirtschaftszweigen der "Old
Economy" trifft es in absoluten Zahlen weit härter. Das ist allerdings
ein schwacher Trost, galt doch die neue Internet-Ökonomie als das
Paradebeispiel einer Zugmaschine für die gesamte Wirtschaft - und
als Jobmaschine mit bis dato nicht gekannter Kraft. Wurde diese
Jobmaschine in der allgemeinen Wachstumseuphorie schlichtweg überdreht
und hat Überkapazitäten produziert? Dann hätten es die Amerikaner
"nur" mit einer Kapazitätskorrektur zu tun. Leider ist es anders.
Allein die Pleitenquote von 20 Prozent bei den entlassenden Unternehmen
weist zumindest auch auf strukturelle Ursachen hin.
Deutsche IT-Mitarbeiter und -Freiberufler können ins Grübeln kommen,
was das Ganze für sie bedeuten wird. Ob IT-Experten auf lange Sicht
die gefragteste Spezies auf dem Arbeitsmarkt bleiben oder ob erste
Wolken aufziehen? Es hängt von der Substanz der Unternehmen ab.
Im Mutterland des Venture Capital ist eine riesige Party zu Ende
gegangen. Allzu viele hatten dieselbe Vision vom schnellen Reichtum
mit fremden Geld. Ein nüchterner Kopf hat auch sein Gutes. Damit
erhalten die fachlichen und betriebswirtschaftlichen Fundamente
wieder einen höheren Stellenwert: Kenntnisse und Erfahrungen in
Organisation, Finanzen, Vertrieb, Marketing etc. Wer sicheren Boden
unter den Füßen hat, kann auch Visionen entwickeln.
Im Vergleich zwischen den USA und Deutschland sind einige Parallelen
nicht wegzuwischen. Mittlerweile haben wir lernen müssen, dass auch
hierzulande einige New Economy-Unternehmen nur solange existieren,
bis das Venture Capital verfeuert ist. Viele ehemalige Highflyer
am Neuen Markt sind bereits böse abgestürzt, und sie haben den gesamten
Nemax mitgerissen. Der Pleite von Gigabell, der ersten eines Nemax-Unternehmens,
sind weitere gefolgt. Für einige Geschäftsführer interessiert sich
die Staatsanwaltschaft. Konkursverwalter berichten von chaotischen
Bilanzierungsgebaren.
Dennoch: Amerikanische Verhältnisse sind nicht eins zu eins auf
Deutschland übertragbar. Spektakuläre Negativ-Beispiele ausgeblendet,
sind die deutschen IT-Unternehmen, auch die Start-Ups, überwiegend
auf festem Fundament gebaut. Hier räumt beispielsweise eine Studie
des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) mit einem aus Amerika
ungeprüft übernommenen Mythos der Generation @ auf. "Weder jung
noch hip" skizziert die c't das Ergebnis der Studie. Das Klischee
vom Helden der Branche, der sich von der Schulbank oder aus dem
Hörsaal ins Unternehmerdasein gestürzt hat, stimmt nur für eine
Minderheit unter den IT-Selbstständigen, so die IAT-Studie. Die
Mehrheit hat Berufserfahrung als Angestellter, oft mit Leitungsfunktion.
Drei Viertel der Befragten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Das
Profil eines Traumtänzers sieht anders aus.
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