Marktklima aktuell

März 2010

GULP beleuchtet seit dem Jahr 2006 die Befindlichkeiten im IT-Projektmarkt: Die Artikelreihe "Marktklima aktuell" wird auf Basis der Einträge der IT-Freiberufler in die GULP Weiße Liste Passwort geschützter Bereich erstellt.

"Marktklima aktuell" ist der Gradmesser für das Verhältnis von IT-Freiberuflern und Projektanbietern - und richtet den Blick auch dorthin, wo es weh tut.
Datenbasis (Stand: März 2010)
Grundlage der Auswertung ist die GULP Weiße Liste Passwort geschützter Bereich, in der IT-Freiberufler bisher über 8.600 Bewertungen zu Projektanbietern in 25 Kategorien abgegeben haben. Tragen auch Sie Ihre Erfahrungen ein!
 
Marktklima aktuell: Projektangebote bleiben finanziell attraktiv
 
Dumping-Angebote noch und noch? Sinkt die Schmerzgrenze der Projektanbieter? Nein, zeigt diese Marktklima-Auswertung aus der GULP Weißen Liste Passwort geschützter Bereich. Das Ergebnis wird einige überraschen, denn die aktuellen Kommentare zu unseren Artikeln und im GULP Forum hätten andere Zahlen erwarten lassen.
Das Projektangebot war finanziell...
 

Die Honorarforderungen der bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler, das zeigt die aktuelle GULP Stundensatz-Auswertung, stagnieren derzeit. Mitte 2009 waren sie leicht gesunken, nun sind sie auf dem Niveau von August 2007 eingefroren. Die Auslastung der IT-Freiberufler ist 2009 laut einer aktuellen GULP Umfrage unter 853 Freiberuflern im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Aber auch Projektanbieter haben ein holpriges Jahr hinter sich: Bei 46 Prozent von ihnen ist der Gewinn 2009 geringer ausgefallen als erwartet.

Trotz allem: Die Projekte, die es 2009 gab, waren finanziell (fast) nicht weniger interessant als 2008. 51,3 Prozent der von Freiberuflern in der GULP Weißen Liste bewerteten Projektangebote aus dem Jahr 2009 wurden als finanziell attraktiv eingeschätzt, das sind nur 2,8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Der aktuelle Wert liegt deutlich über dem Niveau von 2006 (45,0 Prozent) und 2007 (41,1 Prozent).

Attraktivität ist relativ

Was "finanziell attraktiv" ist, ist relativ und von mehreren Faktoren abhängig. Ein Freiberufler, der nur mäßig ausgelastet ist, nimmt eine Reduzierung des Honorars vielleicht von vornherein in Kauf, um einen Auftrag zu erhalten. Dann mag ihm ein Auftrag finanziell interessant erscheinen, den er 2008 oder 2007 nicht angetreten hätte. Andererseits sollte ein Freiberufler seine persönliche Untergrenze auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten nicht unterschreiten. "Wer zu miesen Stundensätzen anbietet, braucht sich nicht zu wundern, wenn es noch weniger gibt. Gute Arbeit soll gutes Geld bringen", ist der Kommentar eines Freiberuflers zum Umfrage-Ergebnis "Projektauslastung 2009".

Partnerschaftlich durch die Krise

Dennoch wird klar: Projektanbieter haben im letzten Jahr nicht einfach blind auf den Stundensatz gedrückt. Insgesamt, das zeigt der GULP IT-Projektmarktindex, gab es 2009 weniger Projekte für Freelancer als 2008 – aber mehr als die Hälfte davon war von Stundensatz-Seite her interessant. Projektanbieter haben auch unter der wirtschaftlich schlechten Lage glitten, den Kampf aber nicht nur auf dem Rücken der Freiberufler ausgetragen. Zumindest die seriösen unter ihnen haben sich anscheinend an die Regeln der partnerschaftlichen Zusammenarbeit gehalten.

Haben Sie selbst Erfahrungen gemacht – egal ob sehr gut, mittelmäßig oder schlecht? Bewerten Sie Ihren Projektanbieter in der GULP Weißen Liste Passwort geschützter Bereich!

 
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Die Stundensätze sind schon alleine deshalb nicht mehr attraktiv, weil man zunehmend mehr Leerlauf zwischen Projekten hat. Rechnet man das ein, müßten die Sätze über 100 Euro liegen um noch auf einen akzeptablen Jahresumsatz zu kommen. (Juni 2010)"

"Bei mir fängt finanziell attraktiv bei etwa 100 Euro an. Die Stundensätze sinken, ich decke mit 70 Euro gerade so meine Kosten ab. Ein grosser Anteil machen auch die Reisekosten aus. Gerade eben wurde mir ein Angebot für 55 Euro angeboten, rechnet man die Reisekosten ab, kommen gerade mal so 40 Euro heraus. (Mai 2010)"

"Die guten Auftraggeber(Zahler) wechseln alle paar Jahre. Ein Guter will irgendwann mal sparen und wird dann langsam ein Schlechter. Dann wechselt man zu einem Schlechten, der gerade am einsehen ist, dass man mit niedrigen Stundensätzen doch keine Kosten sparen kann. Ein ewiger Kreislauf mit einem 5/6 Jahre-Zyklus. (März 2010)"

"Ich traue der Statistik nicht. Den Basis z.B. als Vorjahr (der sowieso schlecht war) zu nehmen ist schon mal falsch. Seit der Euro-Einführung sind die Stundensätze fast halbiert worden. Hierzu sollten die letzten Durchschnittswerte der 3-Jahre der DM-Zeiten als Basis genommen werden. Besonders die Vermittlerfirma drücken die Spesen durch All-In-Sätze einfach weg und schon deshalb hat der Freiberufler seit der EURO-Wende um den Spesenanteil an Stundensatz eingebüsst. Seit EURO-Wende beträgt der Durchschnitts-All-In-Satz um 70 EUR. Und das ist die reine Abzocke. (März 2010)"

"Die Stundensätze sind attraktiv (auch und gerade im Vergleich zu den Gehältern der Angestellten) aber viele Freiberufler haben anscheinend auf eine Veränderung am Markt noch nicht reagiert. Man kann heute nicht mehr vier Monate pro Jahr mit Urlaub, Krankheit, Fortbildung und Akquise verbringen und in der produktiven Zeit riesige Reisekosten produzieren. Stattdessen gilt es, lokal ansässige Stammkunden aufzubauen und 1800 - 2000 Stunden p.a. incl. Learning-on-the-job zu verkaufen. Für mich funktioniert das Geschäft auf diesem Weg sehr gut, regelmäßig Einkommen >100.000 Euro bei mittleren Stundensätzen, so in etwa wie sie der Gulp-Kalkulator ausrechnet. (März 2010)"

"Zu Zitat: "Ich stimme 100% mit dem ersten Kommentar überein..." Es scheinen wirklich einige nicht imstande zu sein, "attraktiv" von "FINANZIELL attraktiv" unterscheiden zu können. Ausserdem muss ich meinem Vorredner ("Dass die Projekte finanziell attraktiv seien...") dahingehend voll zustimmen, dass sicher der Begriff "Kalkulation" ein völliges Fremdwort für die meisten ist, denn "finanziell Attraktiv" kann nur bei Stundensätzen über 80 EUR beginnen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass in 2009 über 51% der Freiberufler solche Stundensätze eingefahren haben. Die hier gezeigte Auswertung zeigt nicht die finanzielle Attraktivität der Projekte sondern das Unvermögen der eigenen Einschätzung der meisten Teilnehmer. (März 2010)"

"Ich stimme 100% mit dem ersten Kommentar überein. Laufzeit, Erfüllungsort (ideal: Home-Office), Vergütung der tatsächlichen Arbeitszeit (Stichwort: kostenlose Anreise zum Projektort). Der Stundensatz ist völlig überbewertet. (März 2010)"

"Dass die Projekte finanziell attraktiv seien (was mangels objektiven Nachweises doch nur subjektiv ist), zeigt nur, dass die meisten nicht richtig kalkulieren können oder zumindest nicht zugeben wollen, dass sie schlecht bezahlt sind. Wenn man die bei GULP halbjährlich untersuchten Stundensätze in Gehälter von Angestellten umrechnet (z.B. über die IGM-Entgeltstudie für die ITK-Branche), dann zeigt sich, dass sich die Stundensätze schon seit Jahren nicht mehr lohnen. (März 2010)"

"Die Auswertung kann ich so nicht nachvollziehen. Es gab in den letzten Wochen einige Angebote die ich absagen musste weil der Stundensatz zum Teil im 30,-€ Bereich lag. In den Gesprächen hat sich herausgestellt das die Auftraggeber nicht mehr bezahlen wollten. ich habe den Eindruck das viele Unternehmen sich die wirtschaftliche Situation zunutze machen und die Stundensätze kräftig drücken. (März 2010)"

"Zu Zitat: "Ob ein Projekt finanziell attraktiv ist, ... ": ich habe selten so einen Unsinn gelesen. Finanziell attraktiv heisst schlicht und einfach, es bleibt vom erzielten Stundensatz nach Abzug aller Bertriebsausgaben ordentlich was übrig und mehr nicht. Daher ist der Stundensatz der alles entscheidende Faktor. (März 2010)"

"Ob ein Projekt finanziell attraktiv ist, richtet sich in erster Linie nach der Laufzeit, nach dem Standort, nach der Zahlungssmoral des Kunden - erst danach kommt der Stundensatz. (März 2010)"