Marktklima aktuell

November 2007

Jeden Monat beleuchtet GULP die Befindlichkeiten im IT-Projektmarkt: "Marktklima aktuell" wird aus den Einträgen der IT-Freiberufler in die GULP Weiße Liste ermittelt.
Auf den Punkt gebracht ist "Marktklima aktuell" der Gradmesser für das Verhältnis von IT-Freiberuflern und Projektanbietern - und richtet den Blick auch dorthin, wo es weh tut.
Datenbasis (Stand: Nov. 2007)
Grundlage der Auswertung ist die GULP Weiße Liste, in die von IT-Freiberuflern bisher über 8.000 Bewertungen zu Projektanbietern in 25 Kategorien abgegeben wurden.
 
Unterschriftsreife Verträge?
 
Den angebotenen Vertrag habe ich...
 
Verträge sind für IT-Freiberufler ein wichtiges Thema. Deshalb sollte mindestens so viel Jurist in ihnen stecken, dass sie relevante Vertragstypen wie Werk- und Dienstvertrag unterscheiden, Klauseln verstehen und richtig interpretieren können. Immerhin steht und fällt die berufliche Existenz auch mit dem beschlossenen Vertragswerk. Da zahlt es sich aus, genauer hinzuschauen, um kritische Formulierungen schnell zu erkennen.

Allerdings scheint sich im IT-Projektmarkt ein allgemein akzeptierter Standard bei Verträgen etabliert zu haben, denn die meisten IT-Selbstständigen (64 Prozent) unterschreiben diese anstandslos. Ca. ein Drittel (36 Prozent) der vorgelegten Projektvereinbarungen werden jedoch von den externen IT-Spezialisten beanstandet, wobei den Auftraggebern hier nicht gleich böse Absichten unterstellt werden sollten. Immerhin einigen sich beide Seiten in einem Viertel der Fälle (27 Prozent), so dass das Vertragsangebot nach Änderung doch noch vom IT-Experten unterschrieben wird. Bei jedem zehntem Vertrag (10 Prozent) sind die Fronten aber so verhärtet, dass es nicht zu einer Zusammenarbeit kommt.
 
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Viele Verträge sind schlicht sittenwidrig - der Prozentsatz derer die ohne Aenderung unterschreiben sollte daher sehr viel kleiner sein. (April 2008)"

"Zur Zeit arbeite ich für eine Firma ohne Vermittlung durch einen Dritten. Während des Projekts habe ich mich bei diversen Stellen registriert und bin von Vermittlern angeschrieben worden, die mir für fingierte oder nicht-fingierte (ich konnte das nicht feststellen)Projekte Rahmenverträge zur Unterschrift vorgelegt hatten. Sämtliche solcher Verträge waren mangelhaft in Bezug auf Haftung, Urheberrecht und Kündigung. Die Haftung sollte einzig und allein bei mir liegen, sämtliche Urheberrechtsansprüche sollte ich abtreten und der Vermittler hatte stets ein außerordentliches Kündigungsrecht, ich hingegen nicht. Meine Änderungswünsche wurden entweder nicht akzeptiert oder man meldete sich gar nicht mehr bei mir. Komisch, dass ich nie einen solchen Vertrag unterschrieben habe .... (Februar 2008)"

"Es scheint leider wohl Sitte geworden zu sein, Freiberufler ungerechtfertigt zu benachteiligen. Es werden ihm z.B. kein Kündigungsrecht eingeräumt - der Projektgeber/Kunde kann aber jederzeit kündigen. Er soll sich z.B. für Zeiten in 2008 verpflichten, obwohl noch gar kein Auftrag für diesen Zeitraum existiert, etc. Leider reißt diese und andere Unsitten bei Verträgen immer mehr ein - sehr bedauerlich! (November 2007)"

"Letzlich sitzt eigentlich der Freiberufler immer am längeren Hebel, wenn der Endkunde bereits zugesagt hat. Es ist doch nur fair, wenn man einen für beide Seiten akzeptablen Vertrag aushandelt. Was soll denn der Vermittler dem Endkunden sagen, wenn der Freiberufler abspringt? Trotz Zusage auf einmal doch nicht mehr verfügbar? Akzeptierte nicht meinen unangemessenen Vertrag? Ist echt lächerlich, schlechte Verträge 1:1 zu unterschreiben. Kann es nicht so recht glauben, dass 64% den Vertrag ohne Weiteres akzeptieren können. 70-80% dürften eigentlich erst nach einer Änderung unterschrieben haben.  (November 2007)"

"In der Tat ein sehr wichtiges Thema, da der Projektvertrag doch die Basis der Zusammenarbeit beschreibt. Auch wenn es in vielen Fällen nicht darauf ankommt, was im Vertrag steht, da mündlich getroffene Vereinbarungen die Situationen klären, ist es im Zweifelsfall doch entscheidend! Ich habe bisher eigentlich alle angebotenen Veträge ändern lassen, bevor ich unterschrieben habe. Über Musterverträge und/oder eine Checkliste würde ich mich auch freuen! (November 2007)"

"Auch jetzt werden noch Knebelverträge mit horrenden Strafandrohungen angeboten. Zum Glück war ich jetzt einmal in der vorteilhaften Lage, daß ich ein Projekt hatte und nur einen 'Lieferanten' brauchte. So konnte ich den anfangs angebotenen 'unschönen' Vertrag in einen für beide Seiten fairen Vertrag ändern lassen. Ich weiß nicht, ob der Vermittler mit sich hätte reden lassen, wenn ich nicht am längeren Hebel gesessen hätte. (November 2007)"

"Ich finde es auch gut, dass das Thema aufgegriffen wird. Allerdings könnten mehr Details nicht schaden, z.B. Musterverträge oder eine Checkliste für Freiberufler bzw. Projektanbieter. (November 2007)"

"Man sollte sich genau überlegen, bevor man einen Vertrag unterschreibt. Notfalls auf die Hilfe eines erfahrenen Rechtsanwaltes zurückgreifen. Dieser hilft sowohl bei der Analyse, als auch Vorbereitung oder entsprechenden Änderung eines Vertrages. Der Gang zum Spezialisten ist nicht schon am Anfang einer Geschäftsbeziehung ein Vertrauensbruch, sondern bietet Auftraggebern und Auftragnehmern Sicherheit und bewahrt vor bösen Überraschungen. (November 2007)"

"Ich finde es sehr gut, dass GULP das Thema aufgreift, denn hier sieht man nur die Spitze des Eisberges. Alle mir im ersten Wurf vorgestellten Verträge waren dazu geeignet, die Existenz eines Selbständigen zu ruinieren. Insbesondere die Frage der Haftung war unakzeptabel. Diejenigen, die immer 'blind' unterschreiben, sollten hier wirklich genauer hinschauen. (November 2007)"