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| Bestandsaufnahme: Wo
bleibt der IT-Nachwuchs? |
| (September
2005) |
Inhalt dieses Artikels:
Zu wenig Informatiker und Ingenieure
| Deutschland im
internationalen Vergleich | Gründe
für den Fachkräftemangel |
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| Deutschland droht ein massiver Fachkräftemangel
im ITK-Sektor. Zum einen entscheiden sich trotz guter Arbeitsmarktperspektiven
zunehmend weniger Abiturienten für ein Informatik- oder Ingenieurstudium.
Zum anderen kann die Zahl der Absolventen den Bedarf der Wirtschaft
bereits jetzt kaum decken. Zusätzlich verschärft wird
dieser Trend durch die anstehenden Pensionierungswellen der älteren
und zahlenmäßig überlegenen Generation.
Doch nicht nur die demografische Lücke gilt es zu schließen.
Auch dem durch Strukturwandel, Innovationsdruck und Wirtschaftswachstum
hervorgerufenen Mehrbedarf muss begegnet werden. Ein aussichtsloses
Unterfangen, vergegenwärtigt man sich die Zahlen. |
| Zu
wenig Informatiker und Ingenieure |
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| Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes ist die
Zahl der Studienanfänger in den Fächergruppen Mathematik-Naturwissenschaften
und Ingenieurwissenschaften seit 2003 rückläufig. Vor allem
der Studiengang Mathematik-Naturwissenschaften ist mit einem Rückgang
um neun Prozent besonders betroffen. Die stärksten Spuren hat
der Rückgang in den Fächern Informatik, Elektrotechnik und
Maschinenbau-Verfahrenstechnik hinterlassen. |
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Quelle: Statistisches Bundesamt, Hochschulstatistik
2004 (Stand: 29.11.2004). |
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Nach einer Berechnung des Bundesverbandes Informationswirtschaft,
Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) benötigen ITK-Firmen
und IT-Abteilungen in Unternehmen mittelfristig pro Jahr etwa 15.000
bis 17.000 Absolventen. Doch an den Hochschulen in Deutschland wird
einfach zu wenig Nachwuchs ausgebildet. Vor allem die Erstsemesterzahlen
in der Informatik sind seit längerem rückläufig:
Nach einer absoluten Hochphase im Jahr 2000 ging die Zahl der informatikinteressierten
Abiturienten bis 2004 um ein Viertel zurück.
Erschwerend kommt hinzu, dass gerade in der Informatik oder Elektrotechnik
viele Studierende ihr Studienziel nicht erreichen: Jeder Zweite
von ihnen bricht erfahrungsgemäß das Studium vorzeitig
ab. Zu den Gründen für ein vorzeitiges Aufgeben zählen
unter anderem die fehlende Identifikation mit dem Studium, falsche
Vorstellungen vom gewählten Studiengang und der Hochschule
an sich sowie ein zu hoher Schwierigkeitsgrad der Studieninhalte
und Prüfungsanforderungen. Auch der Spagat zwischen Studium
und Finanzierung des Lebensunterhaltes fordert seinen Tribut. (Quelle:
TU Berlin 2003)
Das bedeutet, dass voraussichtlich nur die Hälfte der Studierenden
das Ausbildungsziel überhaupt erreicht und dem IT-Markt in
naher Zukunft zur Verfügung steht. Wie es sich mit den Absolventenzahlen
tatsächlich verhält, zeigen aktuelle Ergebnisse des Statistischen
Bundesamtes. Obwohl die Zahl der Hochschulabsolventen in der Informatik
im Jahr 2004 um 36 Prozent gestiegen ist, kann ihre absolute Zahl
den von BITKOM prognostizierten Bedarf von 15.000 bis 17.000 Fachleuten
nicht decken. |
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Studienfach |
Absolventen
2003 |
Absolventen
2004 |
Veränderung
in % |
| Informatik
|
7.990
|
10.856
|
+
36,0 |
| Elektrotechnik
|
6.956
|
7.427
|
+
6,8 |
| Maschinenbau/Verfahrenstechnik
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12.331
|
13.118
|
+
6,4 |
| Quelle: Statistisches
Bundesamt, Hochschulabsolventen 2004 (Stand: 12.09.2005).
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| Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik
und Informationstechnik (VDE) rechnet in seiner "VDE-Ingenieurstudie
2005" für dieses Jahr mit circa 8.000 Elektrotechnik-Absolventen.
Bis zum Jahr 2008 werden 10.000 Absolventen jährlich erwartet,
die aber den Fachkräftebedarf der Wirtschaft kaum decken könnten.
In den nächsten Jahren werde die Nachfrage nach Ingenieuren
der Elektro- und Informationstechnologie aufgrund des Innovationstempos
und den sich wandelnden Anforderungsprofilen in der Branche weiter
steigen. Bereits jetzt könnten 20 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen
ihre offenen Stellen nicht mehr qualifiziert besetzen, insbesondere
in der Forschung und Entwicklung sowie im IT-Bereich der Firmen.
Neue Arbeitsfelder, zum Beispiel in den Bereichen Automotive oder
Medizintechnik, würden die Situation zudem verschärfen.
Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sei der Mittelstand.
Sowohl BITKOM als auch VDE gehen davon aus, dass bei weiterhin
rückgängigen Studierendenzahlen in Zukunft verstärkt
Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ins Ausland verlagert
werden müssten. Hier zeichnet sich eine zukünftige Abwanderung
von Arbeitsprozessen nicht nur aus Kostengründen, sondern zunehmend
aufgrund des Fachkräftemangels ab. |
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| Deutschland
im internationalen Vergleich |
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| Im internationalen Vergleich stellt
die VDE-Studie für Deutschland einen relativ geringen Studentenanteil
in den Ingenieurstudiengängen insgesamt sowie einen vergleichsweise
niedrigen Frauenanteil bei den Studierenden fest. Traditionell sind
Frauen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen
unterrepräsentiert. Im Wintersemester 2004/2005 lag ihr Anteil
in der Fächergruppe Mathematik-Naturwissenschaften bei 36%,
in den Ingenieurwissenschaften bei 21%. In den Studienfächern
Informatik und Elektrotechnik stagniert er seit längerem bei
18% bzw. unter zehn Prozent.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt
in seinem Bericht "Zur
technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2005"
fest, dass der Anteil Hochqualifizierter mit Studium oder Promotion
in Deutschland im internationalen Vergleich mit 22% bis 23% recht
niedrig ausfällt. Dagegen ist der Anteil mittlerer Qualifikationen
(qualifizierter Schul- oder Berufsabschluss) in der Bundesrepublik
mit 60% besonders hoch. In anderen westlichen Ländern ist dagegen
ein Trend zur Höherqualifizierung zu verzeichnen sowie der
Bildungsstand junger Menschen meist höher als bei der älteren
Generation (z.B. in Japan oder Spanien).
Der Bildungsvorsprung, den Deutschland gegenüber vielen anderen
Ländern zu Beginn der 90er Jahre noch hatte, wird somit stetig
kleiner. Als problematisch erweist sich hierbei auch die geringe
Studierneigung deutscher Schülerinnen und Schüler: Obwohl
es im Schuljahrgang 2003/2004 erstmals seit 1995 wieder mehr Abiturienten
gab, ging im Jahr 2004 (Sommersemester 2004 plus Wintersemester
2004/05) die Zahl der Erstsemester mit 356.000 um sechs Prozent
zurück. Und gerade die Motivation für ein mathematisch-naturwissenschaftliches
oder technisches Studium ist bei deutschen Schulabgängern nicht
gerade groß. So belegt seit längerem nur eine Minderheit
der Oberstufenschüler Leistungskurse in Fächern wie Mathematik
oder Physik, die wiederum die spätere Entscheidung für
einen Studiengang wie Informatik stark beeinflussen.
Auch bei den Absolventenzahlen in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften
kann die Bundesrepublik im internationalen Vergleich nicht mithalten.
Gemäß BMBF erwerben in Deutschland jährlich rund
7 von 1.000 jungen Menschen einen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen
Abschluss. Nur in Italien und den Niederlanden sind die Absolventenquoten
noch niedriger. In allen anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften
liegen die Abschlusszahlen signifikant höher oder stiegen sogar
an. Zu den absoluten Spitzenreitern gehören Finnland mit 18
und Großbritannien mit 17 von 1.000 Absolventen. |
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| Gründe
für den Fachkräftemangel |
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Bislang blieb die noch relativ junge ITK-Branche
von Pensionierungen verschont. Doch die ersten Ruhestandswellen
rollen. Laut BMBF-Bericht gehen in den kommenden Jahren viele hochqualifizierte
Experten in den Ruhestand. Engpässe erwartet das BMBF vor allem
bei den Ingenieuren, bei denen der Anteil älterer Beschäftigter
(57 bis
64-Jährige) mit 10% besonders hoch ist.
Auch die Altersverteilung der bei GULP registrieren IT-Freiberufler
spricht eine deutliche Sprache: Bereits jetzt ist jeder Zweite älter
als 40 Jahre. |
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Quelle: Stundensatzauswertung, August
2005. |
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| In den nächsten zehn Jahren werden
rund 14 Prozent der Freiberufler älter als 60 Jahre sein und
sich damit langsam aus dem Erwerbsleben verabschieden. In 20 Jahren
wird die Entwicklung noch weitaus dramatischer sein, denn bis dahin
erreicht ungefähr die Hälfte der heute zur Verfügung
stehenden IT-Experten das Rentenalter. Fraglich, wie die dadurch
entstehenden Lücken angesichts des seit Jahrzehnten anhaltenden
Geburtenrückgangs geschlossen werden sollen.
Auf kurze Sicht gesehen ist die sich abzeichnende Entwicklung für
IT-Spezialisten sicher ein Grund zum Jubeln. Bedeutet das verknappte
Angebot an Fachkräften doch mehr Aufträge und letztendlich
auch mehr Geld für die greifbaren Spezialisten. Allerdings
werden die Projektanbieter nach Alternativen suchen, die sie vornehmlich
im Ausland finden werden.
Langfristig behindert der Fachkräftemangel das Innovationspotenzial
Deutschlands und somit den gesamten Technologiestandort. |
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