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2004: Im Osten geht die Sonne auf ...
Was könnte die geplante EU-Osterweiterung
für den IT-Projektmarkt bringen?
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(November 2002)
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Inhalt dieses Artikels:
Die Fakten | IT
Markt im Osten | Flut von Billiglöhnern
| Chancen im Osten | Fazit
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Mit dem "Ja" der Iren zum Nizzavertrag ist auch die
Frage danach, was die EU-Osterweiterung für den IT-Projektmarkt
bringen wird, unter den Freiberuflern erneut entbrannt. Im GULP
Forum werden die möglichen Folgen angeregt diskutiert, die
Ansichten reichen dabei von Boomträumen bis zu Katastrophenszenarien.
Wird es eine Flut von hungrigen, flexiblen, leistungsbereiten und
-fähigen Menschen aus dem Osten geben, die ihre IT-Skills zuhause
nicht vermarkten können und die endlich wieder Bewegung in
westlichen Markt bringen, wie ein Forumsteilnehmer meint? Oder werden
sie den Markt mit Dumping-Preisen endgültig kaputt machen,
wie ein anderer Diskussionsteilnehmer befürchtet? Wird es überhaupt
einen Zustrom geben? Und welche neue Perspektiven eröffnen
sich für Freiberufler in den Beitrittsländern?
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| Die
Fakten |
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Für die Osterweiterung gibt es dreizehn potenzielle Beitrittskandidaten,
von denen nach dem Urteil der EU derzeit 10 Länder die Voraussetzungen
(die Kopenhagener Kriterien) für einen Beitritt im Jahr 2004
erfüllen - entsprechend sollen diese beim Gipfeltreffen der
Europäischen Union im Dezember 2002 in Kopenhagen offiziell
aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um Polen, Tschechien,
Ungarn, Slowenien, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, sowie Malta
und Zypern. Zwei weitere Anwärter - Bulgarien und Rumänien
- sollen die Vollmitgliedschaft bis 2007 schaffen. Die Türkei
verbleibt weiterhin ohne Beitrittstermin auf der Liste der Wunschkandidaten,
da nach Einschätzung der EU dort zwar die Entwicklungen in
die richtige Richtung gehen, aber nach wie vor nicht weit genug
fortgeschritten sind.
Wenn alle Länder Teil der Staatengemeinschaft geworden sind,
wird die EU geografisch um ein Drittel gewachsen sein und ca. 105
Millionen Menschen zusätzlich integriert haben. Damit hat sich
die EU ein Vorhaben von bislang noch nie da gewesenen Ausmaßen
vorgenommen. Entsprechend ist die Sorge der Beteiligten verständlich,
ob dieses "Experiment" überhaupt glücken kann
und wer das in wirtschaftlich angespannten Zeiten finanzieren soll.
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| Informationstechnologie:
Was gibt es im Osten "zu holen"? |
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In seinem jüngsten Update zur ITK-Marktsituation schätzt
EITO
das Volumen des osteuropäischen ITK-Marktes für das Jahr
2002 auf knappe 45 Milliarden Euro - das ist gerade mal ein Vierzehntel
des Gesamtvolumens des westeuropäischen Marktes (641 Milliarden).
Entsprechend ist das Potenzial groß. Nach der optimistischen
Schätzung der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG
)
wird Osteuropa im Jahre 2010 das derzeitige Niveau von Westeuropa
erreicht haben. EITO prognostiziert ein verhalteneres Wachstum von
um die 9 Prozent pro Jahr in den kommenden zwei Jahren. Egal wie
rasant der Markt nun wächst, die EU-Erweiterung hat zur Folge,
dass damit der größte geschlossene IT-Markt der Welt
entsteht. Für Günther Krumpak, Projektmanager bei der
OCG, ist Slowenien von allen Beitrittsaspiranten das am weitesten
entwickelte Land. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den
IT-Indikatoren, die Eurostat
für die Beitrittskandidaten ermittelt hat. Hier liegt Slowenien
in fast allen Punkten vorne - sei es nun die Anzahl der PCs, der
Internet Hosts, oder der Internetnutzer (vgl. Abbildung 1). Ein
weiterer klarer Technologieführer nach diesen Indikatoren ist
daneben Estland. Aufgrund der schieren Landes- und Bevölkerungsgröße
sind Polen, Tschechien und Ungarn die größten Wachstumsmärkte.
Polen und Tschechien dürfte dabei aus Deutscher Sicht aufgrund
der unmittelbaren örtlichen Nachbarschaft besondere Bedeutung
zukommen.
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Hosts
(länderspez. Top-Level Domains)
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Internetnutzer
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PCs
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Abbildung: Informationstechnologische
Daten zu den EU-Beitrittskandidaten je 100 Einwohner (Stand:
2001). Quelle: Eurostat

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Nach Ansicht der BITKOM
haben deutsche Unternehmen das Marktpotenzial im Osten bislang gründlich
verschlafen. Illustriert wird dies am Beispiel von Russland. Die
BITKOM kritisiert, dass deutsche Unternehmen Programmieraufträge
lieber nach Asien outsourcen als zum Beispiel nach Russland. Und
das, obwohl dort sehr gut ausgebildete Programmierer verfügbar
sind.
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| Eine Flut von Billiglöhnern? |
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Was den befürchteten "Exodus" von Fachkräften
aus dem Osten nach Westen betrifft, wird es den nach Ansicht der
Bitkom nicht geben. Bereits in den neunziger Jahren, als Deutschland
noch mit der Wiedervereinigung beschäftigt war, hat dieser
Exodus nämlich in Richtung USA stattgefunden. Die Vereinigten
Staaten haben damals massiv Spezialisten abgeworben. Geblieben ist,
wer für sich Perspektiven gesehen hat und beim Aufbau helfen
wollte. Diese Einschätzung wird auch durch Litauens Sicht der
Dinge gestützt. Angaben des Hamburger
Abendblatts
zufolge weist Litauens Präsident Valdas Adamkus Befürchtungen
westeuropäischer Länder, sie könnten von arbeitswütigen
Spezialisten aus dem Osten überlaufen werden, zurück.
Es stimme zwar, dass Litauen zu seinem Leidwesen bereits 200.000
Menschen seiner 3,5 Millionen Einwohner verloren habe, aber die
meisten seien in die USA und nicht etwa in die EU ausgewandert.
Nach Angaben der BITKOM hat Deutschland innerhalb von 2 Jahren
12.400 Green Cards vergeben. Davon gingen der Bundesregierung
zufolge (Stand März) 40 Prozent an osteuropäische Spezialisten
- das heißt, aus dem Osten kamen im Zeitraum von 24 Monaten
gerade mal 5.000 Profis, um vorwiegend in mittelständischen
oder Kleinunternehmen auf fünf Jahre befristet zu arbeiten.
Aber um trotzdem auf der sicheren Seite zu sein, fordert Deutschland
als Anrainerstaat eine Übergangsfrist von maximal sieben Jahren,
bis arbeitswilligen Menschen aus dem Osten die volle Freizügigkeit
in Westeuropa gewährt wird. Es ist geplant, mit den Beitrittsländern
dazu jeweils individuelle Vereinbarungen zu treffen. Im Gegenzug
werden westeuropäische Länder für einen begrenzten
Zeitraum vom Erwerb von Grundbesitz in den einzelnen Beitrittsländern
ausgeschlossen sein. Der Gedanke hinter diesen angedachten Vereinbarungen
basiert durchaus auf Gegenseitigkeit, so die Argumentation der Bundesregierung:
damit solle einem möglichen Exodus an Vorort benötigten
Arbeitskräften und dem "Ausverkauf" der wirtschaftlich
schwächeren Länder vorgebeugt werden. Daneben gibt es
aber bei manchen Beitrittsländern auch eine andere Sicht der
Dinge. Beispiel Tschechien: dort wird dieser deutsche Vorschlag
als äußerst arrogant empfunden und man befürchtet,
als EU-Mitglied zweiter Klasse behandelt zu werden.
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| Sehen
IT-Freiberufler aus dem deutschsprachigen Raum Chancen im Osten? |
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Das Interesse an den osteuropäischen Ländern ist ungebrochen.
In einer GULP
Umfrage vom August 2002 können sich 17 Prozent der Befragten
Freiberufler vorstellen, einmal in einem Projekt im osteuropäischen
Raum tätig zu sein. Einer weiteren Umfrage
im September 2002 zufolge waren 9 Prozent der Umfrageteilnehmer
bereits in einem osteuropäischen Projekt tätig. Und auch
bei der Einsatzortwahl der Freiberufler rangieren die Beitrittsländer
unter den Top 30, allen voran das benachbarte Tschechien.
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| Fazit |
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Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: mit der EU-Osterweiterung
wird weltweit der größte zusammenhängende ITK-Markt
entstehen. Die Beitrittsländer sind alle bemüht, die politischen
und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Vollmitgliedschaft
in der EU zu erfüllen. Das allein bürgt schon dafür,
dass die ITK-Märkte auch in Osteuropa Wachstumsmärkte
sein werden. Ob damit auch Boomträume für den deutschen
Markt wahr werden oder im Gegenteil das Disaster hereinbricht, wagt
niemand vorherzusagen. Tatsache ist: viele osteuropäische Länder
verfügen über eigene exzellent ausgebildete Spezialisten
und sind nur begrenzt auf westliches Know-how angewiesen. Die geforderte
Zuzugsverzögerung von sieben Jahren wird all jene beruhigen,
die sich Sorgen um ein abruptes Preis-Dumping und schlechtere Projektchancen
im eigenen Land machen. Fraglich bleibt, ob die Bundesregierung
mit Einsetzen dieser Übergangsfrist auch plant, das Green-Card-Programm
auszusetzen, um die Beitrittsländer nicht ihrer Spezialisten
zu berauben ...
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