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Umfrage-Ergebnis:

Freiberufler bewerten ihre Projektleiter

(September 2005)
 

Der Erfolg eines Projektes steht und fällt mit der Kompetenz des verantwortlichen Projektleiters. Als Mannschaftskapitän übernimmt er das Ruder, plant, koordiniert und steuert sowohl Team als auch Aufgaben. Neben jeder Menge Fachwissen erfordert der Job vor allem Führungsqualitäten. Wie es um die Qualifikationen ihrer Projektleiter bestellt ist, bewerteten 369 Freiberufler in einer GULP Umfrage.

 

Wie beurteilen Sie die fachliche Qualifikation Ihres Projektleiters?
 
sehr gut 27%
gut 32%
ausreichend 21%
schlecht 20%
 

Annähernd 60 Prozent und damit die Mehrheit der befragten Freiberufler bescheinigt ihren Projektleitern eine gute bis sehr gute fachliche Qualifikation. Demgegenüber zeigen sich über 40 Prozent der Befragten von der Fachkompetenz des Projektleiters nicht begeistert. Somit erfüllt immerhin über ein Drittel der Projektleiter die fachlichen Erwartungen der Freiberufler nicht.

Zum Vergleich: Auch zwischen Festangestellten und ihren Chefs gibt es ähnliche Tendenzen. Laut einer Online-Umfrage des Magazins Junge Karriere und der Internet-Stellenbörse Monster Deutschland aus dem Jahr 2004 bescheinigen rund 44 Prozent der 2.110 Teilnehmer ihrem direkten Vorgesetzten fachliche Defizite. Gut ein Drittel (34 Prozent) hielt den eigenen Chef sogar für eine totale Fehlbesetzung. (Quelle: Berliner Zeitung, 24.04.04)

Unbestritten ist, dass ein Projektleiter immerhin soviel Fachkompetenz besitzen sollte, dass er den Überblick über das Projektgeschehen nicht verliert, Probleme frühzeitig erkennt und reagiert. Allerdings kann er bei der Komplexität der Aufgaben nicht auf jedem Fachgebiet der Experte sein. Zu diesem Zweck hat er sein Team. Seine Aufgabe ist es wiederum, dieses Team zusammenhalten und zu motivieren. Er muss also ein gutes Händchen in der Mitarbeiterführung haben.

 

Wie beurteilen Sie die soziale Kompetenz Ihres Projektleiters?
 
passend 51%
verbesserungswürdig 49%
 

Mit den Soft Skills ihrer Projektleiter sind die befragten Freiberufler weitaus weniger zufrieden als mit deren Hard Skills. Jeder Zweite von ihnen sieht hinsichtlich der sozialen Kompetenzen des Vorgesetzten Handlungsbedarf, indem er diese als verbesserungswürdig einstuft.

Im Vergleich dazu bewerteten laut der vorgenannten Online-Umfrage die festangestellten Mitarbeiter ihren Chef hinsichtlich seiner sozialen Fähigkeiten noch schlechter: Fast zwei Drittel (64%) von ihnen gaben an, ihr Chef könne überhaupt nicht mit Menschen umgehen. Nur ein Viertel der Befragten (25,9%) bezeichnete den eigenen Vorgesetzten als gleichermaßen menschlich angenehm und kompetent. (Quelle: Berliner Zeitung, 24.04.2004)

Somit schneiden die Projektleiter im Vergleich zu den Chefs zwar etwas besser ab, größere Defizite in der Mitarbeiterführung sind aber auch bei ihnen vorhanden. Denn nur in der Hälfte der Fälle gelingt es ihnen, aus den verschiedenen externen Einzelkämpfern ein funktionierendes und zufriedenes Team zu machen.

 

Der Projektleiter ist/war Mitarbeiter des
 
Endkunden 66%
IT-Dienstleisters 34%
 

Zwei Drittel der Freiberufler geben an, dass es sich bei ihrem Projektleiter um einen Mitarbeiter des Endkunden handelt. In einem Drittel der Fälle wird der Projektleiter von einem IT-Dienstleister gestellt. Somit wird die größte Gruppe der IT-Freiberufler mit einem internen Projektleiter konfrontiert. Gibt es bei der Konstellation "interner Projektleiter und externe Mitarbeiter" ein größeres Spannungsfeld, was sich in der schlechten Bewertung der Sozialkompetenz wiederspiegelt? Fakt ist, dass bei einer Projektbesetzung mit ausschließlich externen Fachleuten alle die gleiche Ausgangsposition haben.

Wichtiges Instrument für eine gute Zusammenarbeit ist die Kommunikation. Offen und verständig geführt, fördert sie nicht nur die Harmonie im Team, sondern auch den Arbeitsfortschritt. In welcher Form diese innerhalb des Projektes ablief - auch dazu gaben die Freiberufler Auskunft.

 

Welche Kommunikationsmöglichkeiten gibt/gab es? (Mehrfachnennungen waren möglich)
 
Email 84%
Telefon 75%
direkter Kontakt vor Ort 86%
regelmäßige Meetings 57%
 

Der direkte Kontakt vor Ort liegt noch vor dem Informationsaustausch per E-Mail. Dies impliziert, dass die Projektleiter vor Ort anwesend und auch ansprechbar sind. Vorteil: Im persönlichen Gespräch können Inhalte klarer kommuniziert und Antworten direkt eingefordert werden. Zudem kann Mimik und Gestik des Gegenübers berücksichtigt werden. Angesichts der Defizite bei den sozialen Fähigkeiten des Projektleiters könnte ein stärkerer Fokus auf regelmäßige Meetings mit dem gesamten Team Abhilfe schaffen.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass aus Sicht der befragten Freiberufler nur jeder zweite Projektleiter sowohl fachlich als auch sozial für diesen Job geeignet ist. Gute Führungspersönlichkeiten in der Projektarbeit sind also rar. Allerdings ist das Spannungsverhältnis zwischen festangestellten Mitarbeitern und ihren Vorgesetzten noch um einiges größer.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Wie sollte es auch anders sein. Je höher jemand in der Hirarchie steht, desto eher hält er/sie sich für super. Darunter leidet fast zwangsläufig die soziale Kompetenz. Ebenso ist der "Untergebene" nicht nur am Stammtisch fast immer der Meinung, dass er/sie es auf jeden Fall besser könnte als der PL ;-) Interessant wäre da mal die Gegenfrage wie sozial bzw. fachlich kompetent die Mitarbeiter von den Projektleitern eingeschätzt werden. (September 2005)"

"Der Artikel ist sehr informativ. In meinem Bereich waren zwei Vorgesetzte: Der Disziplinar - Vorgesetzte und der Teamleiter. Auch nach Meinung der anderen Kollegen eine völlige Fehlbesetzung. Oft hielten es die Team-Mitglieder nur drei Monate aus. Dann waren Sie weg. (September 2005)"


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