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Frankreich: Pays Imaginaire - auch für
IT-Freiberufler?
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(September 2002)
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Inhalt dieses Artikels:
Der französische
IT-Markt | Der
IT-Arbeitsmarkt | Stundensätze
in Frankreich | IT-Standorte
| Situation der
IT-Freiberufler | Anlaufstellen
zur Projektvermittlung | Fazit:
Frankreich - lohnenswertes Ziel für Freie?! |
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Hat das Land der Börsensprache den Markt im Griff? Bietet
es bessere Perspektiven für interessierte IT-ler im Vergleich
zu anderen Ländern? GULP hat sich für Sie umgeschaut.
Laut einem Zwischenergebnis der neuesten GULP Umfrage
haben neun Prozent von bislang 230 befragten Freiberuflern
schon einmal in Frankreich gearbeitet. 21 Prozent
von 441 vor kurzem Befragten möchten gerne
dort tätig sein (siehe auch Umfrage-Ergebnis:
Projekte im Ausland? Ja, yes, sì, oui!)
. Aus deutscher Sicht hat Deutschlands wichtigster
Handelspartner Frankreich also seinen Reiz. Verlockend
sind räumliche Nähe, französische
Lebensart, guter Wein und im Süden mediterraner
Flair. Wer könnte da nicht schwach werden?!
Dazu sind so wichtige Grundnahrungsmittel wie Vin
de table bei den Kooperativen gleich literweise
für wenig Geld zu haben. Auch Grund und Boden
kann man dort schon zu kleinem Preis erstehen -
was will man mehr?! Jetzt fehlt nur noch die "Lizenz
zur Freiberuflichkeit!"
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| Der französische
IT-Markt |
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Der französische ITK-Markt umfasst nach einer Studie der OECD
für das Jahr 2001 mehr als 9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes
und ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent der drittgrößte
ITK-Markt Europas nach Großbritannien und Deutschland.
Im Allgemeinen unterliegt der französische
ITK-Markt derselben Entwicklung, die weltweit zu
beobachten ist. Nach einer Wachstumsphase von 1991
bis 2000, die Anfang der neunziger Jahre einen kleinen
Knick erfuhr, war das Jahr 2001 der Wendepunkt,
an dem das Wachstum der französischen IT-Branche
sich verlangsamt hat. Auch für das Jahr 2002
zeichnet sich keine Trendwende ab: im Jahr 2001
wuchs der französische ITK-Markt nach Angaben
des European Information Technology Observatory
(EITO
)
immerhin um 14,4 Prozent. Aber mit den Pleiten im
Telekommunikationsbereich war dieses Wachstum nicht
zu halten. Für das laufende Jahr wird deshalb
nur ein Wachstum von 11,6 Prozent prognostiziert
- und zwar zu relativ gleichen Teilen in den informations-
und kommunikationstechnischen Bereichen. Damit steht
Frankreich deutlich besser da als Deutschland, denn
laut EITO wird der deutsche Markt mit klarem Schwerpunkt
auf dem kommunikationstechnischen Bereich nur um
8,5 Prozent wachsen.
Gedrosseltes Wachstum sagen auch andere Institutionen voraus. So
wird laut Syntec
Informatique
(französisches Pendant zur deutschen BITKOM) beispielsweise
der französische Software- und Dienstleistungsmarkt im laufenden
Jahr nur um acht Prozent wachsen - das sind fünf Prozentpunkte
weniger als im Vorjahr. Damals war dieser Markt noch zusammen mit
dem spanischen Europäischer Spitzenreiter.
Bislang verläuft die Marktflaute für Frankreich also
vergleichsweise glimpflich. Fachkräfte sollten entsprechend
gute Chancen haben.
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| Der
IT-Arbeitsmarkt |
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Der französische IT-Arbeitsmarkt belief sich nach Angaben
des Instituts National de la Statistique et des Etudes Economiques
(INSEE )
1999 auf 645.000 Arbeitnehmer und erwies sich mit einem Wachstum
von 7,6 Prozent in den Boomjahren von 1996 bis 1999 als wachstumsintensivster
Wirtschaftszweig des Landes. Der Anteil der Freiberufler in diesem
Sektor wird auf nur 20.000 geschätzt (Auskunft der Association
des Freelances en Europe ).
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| Stundensätze
in Frankreich |
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Klare Aussagen zu der tatsächlichen Zahl der
Freiberufler und den Verdienstmöglichkeiten
des Freiberufler-Marktes kann INSEE nach eigenen
Angaben aber nicht machen, da dem Institut - im
Gegensatz zu den genau geführten Gehaltsstatistiken
im Bereich Festanstellungen - keine eindeutigen
Zahlen zu den Einkünften aus freiberuflicher
Tätigkeit vorliegen. Entsprechend mit Vorsicht
zu betrachten ist auch eine Schätzung der Association
des Freelances en Europe, wonach IT-Freiberufler
je nach Skill, Ausbildung und Position Tagessätze
zwischen 450 und 750 EUR verlangen. Bei IT-Spezialisten
mit beratender Funktion sind 750 EUR eher die Untergrenze.
Damit ist natürlich noch nichts über den
Stundensatz gesagt. Nimmt man an, dass ein Arbeitstag
durchschnittlich 9 Stunden umfasst (sehr optimistisch
geschätzt), entspricht das einem Stundenlohn
zwischen 50 und 83 EUR. Anderen Quellen zufolge
falle der durchschnittlich zu erwartende Stundensatz
gar ein bis zwei Fünftel geringer aus als in
Großbritannien (dort werden momentan durchschnittlich
33 bis 60 EUR gezahlt, vgl. auch Blick
ins Nachbarland Großbritannien)! Dabei
sind die Lebenshaltungskosten in Frankreich im Vergleich
zu Deutschland höher, sieht man mal von dem
Grundnahrungsmittel Wein ab.
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| IT-Standorte |
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Neben Paris Stadt und Umland ist der bekannteste IT-Standort an der Côte D'Azur in der Nähe von Nizza zu finden: die "Technopolis" Sophia Antipolis . Auch in anderen großen französischen Städten wie Lille, Toulouse oder Bordeaux sind viele Unternehmen der IT-Branche angesiedelt.
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| Situation
der IT-Freiberufler |
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Allgemein wird es Menschen, die in Frankreich freiberuflich tätig
sein wollen, vom Staat nicht leicht gemacht. Und trotz des in Frankreich
vorherrschenden Fachkräftemangels gilt dies auch für IT-Spezialisten.
Für Mitglieder der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
ist es grundsätzlich möglich, in Frankreich
freiberuflich tätig zu sein (wer sich weniger
als drei Monate dort aufhält, braucht auch
keine Aufenthaltserlaubnis). Verlegt man seinen
Hauptwohnsitz nach Frankreich und wird dort sesshaft,
muss man zunächst - wie jeder französische
IT-Freiberufler auch - eine Erlaubnis für die
selbstständige Tätigkeit bei der französischen
URSSAF
(Union de Recouvrement des cotisations de Sécurité
Sociale et d'Allocations Familiales) beantragen.
Der Antrag wird überprüft. Die zentrale
Frage ist für URSSAF dabei, ob der Antragsteller
gegenüber seinem Auftraggeber in einem Abhängigkeitsverhältnis
steht, also an dessen Weisungen gebunden ist. Das
ist wohl in den meisten Fällen so, denn natürlich
besteht eine Abhängigkeit des Freiberuflers
von seinem Auftraggeber. Einmal zu diesem Ergebnis
gekommen, stuft URSSAF den Antragsteller als Angestellten
ein. Eine gerichtliche Auseinandersetzung hilft
einem abgeblitzten Antragsteller wenig, da auch
die französische Justiz diesen Sachverhalt
restriktiv auslegt. Ist der Antrag erst mal abgewiesen,
kann ein Widerspruch dagegen zu einer wahren Odyssee
werden, wenn URSSAF nämlich daran geht, den
Auftraggeber zu überprüfen. Damit ist
dann der Auftrag verloren und der Kunde noch dazu.
Die Hintergründe für diese restriktive Handhabung der
Freiberuflichkeit liegen im Protektionismus des Staates gegenüber
den Arbeitnehmern und dem Wunsch - ähnlich wie bei der deutschen
oder britischen Regelung zur Scheinselbstständigkeit - die
Einnahmen aus Sozialabgaben zu sichern. Um sich unnötige Sozialabgaben
zu sparen, versuchen viele Arbeitgeber, Arbeiten nach außen
zu geben. Der Staat wiederum versucht, durch die restriktive Definition
von Freiberuflichkeit diesem Trend entgegenzuwirken und sich damit
auch zukünftig Sozialabgaben zu sichern.
Daneben gibt es noch andere Möglichkeiten,
freiberuflich Projekte durchzuführen, zum Beispiel
über Projektvermittler oder - speziell in Frankreich
sehr gefragt - über sogenannte "Sociétés
de Portage". Dabei handelt es sich um Gesellschaften,
die für Freiberufler, die einen Auftraggeber
akquiriert haben, die Abrechnung übernehmen.
Der Freiberufler hat dann den Status eines Angestellten
gegenüber der Société und vermeidet
alle Unannehmlichkeiten mit URSSAF, mit dem Nachteil,
dass er einen Großteil seiner Einkünfte
in Form von Gebühren und Steuern an die Gesellschaft
zahlt. Das kann bis zur Hälfte des Verdienstes
ausmachen - Einkommensteuer nicht eingerechnet.
Eine dritte Möglichkeit besteht darin, ein
französisches Projekt aus der Ferne abzuwickeln.
Möchte man dies über längere Zeiträume
(mehr als drei Monate am Stück) so halten und
die oben skizzierte Problematik vermeiden, ist es
am sinnvollsten, als Grenzgänger zu arbeiten.
Grenzgänger kann offiziell nur sein, wer regelmäßig
(täglich oder wöchentlich) zwischen Deutschland
und Frankreich pendelt. Dank der Regelung zur Freizügigkeit
in der EU steht diese Alternative jedem europäischen
IT-Freiberufler offen und funktioniert, solange
man den Hauptwohnsitz nicht nach Frankreich verlegt.
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| Anlaufstellen
zur Projektvermittlung |
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Es gibt eine Vielzahl an Online-Stellenbörsen
und Projektvermittlungen im Internet, die nackte
Daten gegen Geld offerieren, ohne ihrem Klientel
zusätzlich Informationen zu Marktlage bzw.
Angebot und Nachfrage als Orientierung zu bieten.
Bei einigen löblichen Ausnahmen wird man einen
Einblick in den Markt gewinnen können, wobei
nirgends klare Anhaltpunkte über die Einkommensmöglichkeiten
zu finden sind. So bietet HiTechPros
ständige Marktbeobachtungen für den Bereich
SSII (Sociétés des Services et d'
Ingénierie Informatiques - das sind Systemhäuser
bzw. Softwareunternehmen), an denen die Nachfrage
und das Angebot der einzelnen Bereiche abgelesen
werden kann. Die meisten Angebote gibt es nach ihrer
Aussage derzeit (Stand: Aug/Sept 2002) in den Bereichen
Client/Server (21 Prozent), System- und Netzwerkmanagement
(16,6 Prozent), neue Technologien (13,9 Prozent)
und Mainframes (12,9 Prozent). Zudem suchen 8,9
Prozent der Endkunden vermehrt Spezialisten für
ERP-Systeme.
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Angebote
seitens SSII
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Nachfrage
Endkunden
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| Fazit: Frankreich
- lohnenswertes Ziel für Freie?! |
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Drei Dinge machen es IT-Freiberuflern schwer, Frankreich ins Auge
zu fassen: die Sprachbarriere (so haben nur 23,6 Prozent der bei
GULP eingetragenen Freiberufler Kenntnisse
in Französisch), das Einkommensniveau und das staatliche
Misstrauen gegen selbstständige Tätigkeit.
Dass Frankreich nicht das beliebteste Pflaster
für IT-Spezialisten ist, zeigt auch der unlängst
erschienene FLOSS
(Free/Libre and Open Source Software)-Report, der
eine internationale Umfrage unter Open Source Softwareentwicklern
enthält. Danach arbeitet zwar der größte
Anteil aller Befragten (15,4 Prozent) derzeit in
Frankreich, aber auf der Beliebtheitsskala der Wunscharbeitsziele
rangiert die Grande Nation abgeschlagen an letzter
Stelle hinter Russland, Spanien, Belgien und Indien.
Ein Indiz dafür, dass das wunderschöne
Urlaubsland Frankreich es bislang sträflich
vernachlässigt hat, auch arbeitsmarktpolitisch
ein attraktives Image aufzubauen und damit weltweit
qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben. Kaum
jemandem ist bewusst, dass Frankreich eine der führenden
europäischen Nationen im Bereich Informations-
und Kommunikationstechnologie ist und eines der
größten Wachstumspotenziale hat.
Demgegenüber stehen der Reiz des Landes und
einmalige soziale Errungenschaften im Bereich der
Familienpolitik. Vor allen Dingen deutschen Familien
mit Kindern muss die dort übliche reibungslose
und kostengünstige Kinderbetreuung ab der 6.
Lebenswoche paradiesisch erscheinen. Besonders für
Frauen, die ihre Karriere nicht mit der Mutterschaft
an den Nagel hängen und Alleinerziehende, die
sich durch ihre Elternschaft nicht an den Rand des
sozialen Abgrunds drängen lassen wollen, ist
Frankreich ein Traumziel.
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