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Umfrage-Ergebnis

Auftragskiller im IT-Projektmarkt

(Oktober 2003)
 

Es gibt kein Projekt. Wer ist der Schuldige? Es sitzen zwölf Verdächtige auf der Anklagebank. Zwischen dem 10.9. und dem 10.10.2003 gaben insgesamt 442 Nutzer des GULP-o-meters ihre Aussagen zu Protokoll:

Welcher Umstand bringt Sie um neue Projektaufträge?
Was ist der Auftragskiller Nr. 1 im IT-Projektmarkt?
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Green-Card-Programm 5%
Scheinselbstständigkeit 3%
Gewerbesteuer 1%
Kettengeschäfte 2%
Off-Shore-Programmierung 3%
Outsourcing 4%
EU-(Ost-)erweiterung 2%
Bundesregierung 10%
Festangestellte, die Projekte übernehmen 8%
Preisdumping der Konkurrenz 14%
allg. Wirtschaftslage 25%
"cost cutting" bei Unternehmen 24%
 
Zuerst die gute Nachricht: Von dem Dutzend potentiellen Auftragskillern scheinen nur vier wirklich bedrohlich zu sein. Acht der Angeklagten sind höchstens Strauchdiebe, stehlen aber kaum Projektaufträge. Zu ihnen gehören in aufsteigender Reihenfolge der Nennungen: Die Gewerbesteuer (1%), EU-Osterweiterung (2%), Kettengeschäfte (2%), Scheinselbstständigkeit (3%), Off-Shore-Programmierung (3%), Outsourcing (4%), das neu aufgelegte Green-Card-Programm (5%) und Festangestellte, die Projekte übernehmen mit 8 Prozent aller Antworten.

Nun die schlechte Nachricht: Vier Auftragskiller haben sich anscheinend die Arbeit untereinander aufgeteilt, um dem IT-Projektmarkt die Projekte zu nehmen. Es sind die üblichen Verdächtigen, von denen die Bundesregierung noch am harmlosesten ist: Nur jeder zehnte Umfrage-Teilnehmer (10 Prozent) hält die Rot-Grüne-Koalition für den Auftragskiller Nummer eins.

Eine härtere Gangart pflegt da schon die eigene Konkurrenz. Gnadenlos werden Preise im Kampf um Projektaufträge unterboten. 14 Prozent der Befragten machen das Preisdumping der Mitbewerber für die Misere auf dem IT-Projektmarkt verantwortlich.

Nicht Mecki Messer, sondern scharfe Einschnitte im IT-Budget ist die am zweithäufigsten genannte Ursache, die den IT-Markt um (seine Projekte) bringt. 24 Prozent der Teilnehmer glauben, dass das "cost cutting" in den Unternehmen schon viele Opfer gefordert hat - und noch fordern wird.

Der absolute Profi unter den Berufsmördern ist derzeit eine bekannte Dame: die allgemeine Wirtschaftslage, auch Wirtschaftskrise genannt. Sie erledigt ihren Job präzise, perfekt und zuverlässig - und fast keiner bleibt verschont. Ein Viertel der Befragen (25 Prozent) geben ihr die Schuld an den wenigen Projektaufträgen. Und jeder hofft, sie wird sich künftig bessern.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Alle genannten Gründe stimmen in gewisser Weise. Dennoch ist es bei uns wie in anderen Berufssparten auch: Kannst Du die Situation nicht ändern, passe Dich ihr an! So gesehen hilft Ihr Beitrag, die Situation besser einzuschätzen. Es wird Zeit, daß es ein Qualitätssiegel für 'Freischaffende' gibt. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen... (März 2004)"

"Wir hatten am meisten mit der Konkurrenz zu kämpfen. Offensichtlich versuchen die grossen Firmen wie IBM oder HP die Mitarbeiter die sie in ihren Auffangagenturen deponiert haben, wo es nur geht in andere Projekte zu drücken. Sie machen nichtmal vor Kleinstprojekten von KMUs halt. Gegen diese Marketing-Giganten kommt man als einzelner Freelancer gar nicht an. (Januar 2004)"

"Wirtschaftslagen entstehen nicht aus heiterem Himmel. Sie sind das Produkt der Marktmächte und des eingreifenden Staates. Die rot-grüne Regierung macht hier so ziemlich alles falsch.  Warum sollte jemand investieren, wenn er nicht weiß , wie sein Gewinn besteuert wird. Jetzt soll ja auch der Bestand besteuert werden.  EDV - Güter, auch EDV - Beratung fallen in die Abteilung Investitionsgüter. Keine Investition, keine IT.    (November 2003)"

"Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel  Ich denke die Branche hat sich zum grössten Teil selbst geschädigt mit immensen Tarifen für Berater frisch ab Presse (sprich Studium). die Firmen sind nicht mehr bereit hohe Tarife zu zahlen weil sie mehrfach mit sogenannten 'Beratern' übers Ohr gehauen wurden von den Beratungsunternehmen. Jetzt liegt es an uns diese Geschichte wieder gerade zu biegen und den Unterschied zwischen Erfahrung sprich 'schein oder sein' aufzuzeigen. Ich denke für jeden efahrenen Berater ist nach wie vor Arbeit auf dem Markt wenn auch mit realistischren Preisen. (November 2003)"

"Ihren Artikel kann ich nur bestätigen. Für erfahrene und langjährige Freiberufler im Mainframebereich kommt auch noch das Lebensalter hinzu. (Oktober 2003)"

"Selbst schuld, wer beim Preisdumping mitspielt.   Zugegeben, die goldene Ära ist vorbei und damit auch die Möglichkeit für Heissdüsen horrende Stundensätze einzufordern. Aber dennoch, Qualität hat Ihren Preis.  Ich gebe meine Ausbildung und Berufserfahrung nicht wie schales Bier weg und trage zudem Unternehmerrisiko und Kosten für Weiterbildung. Wie auch eine Bericht hier bei Gulp ('Die Mär' von sinkenden Stundensätzen'?) treffsicher aufzeigte, bekommt der Endkunde fast nichts von sinkenden Preisen mit.    (Oktober 2003)"

"Die 10% für die Bundesregierung scheint mir doch etwas geschönt :-( Deren Verunsicherungspolitik trägt nämlich nicht dazu bei, in einer schwierigen Lage Orientierung zu geben. Realer dürften auch die Erstzugriffsrechte der internen Ressourcen sein. Dagegen scheint mir das 'Preisdumping' eher ein Ziel bei Verhandlung seitens der Anbieter zu sein (erfolgreich, obwohl nicht immer ein Mitbewerber mit vor der Tür stand ?!) (Oktober 2003)"

"Na und ? Die Gründe sind jeder klar. Die Frage bleibt, ob es um einen Tief handelt, oder einfach wie Schmidte, einen Beruf stirbt aus.  (Oktober 2003)"

"Aus meiner Sicht ist die Umfrage nicht unbedingt repräsentativ. Die Risiken des Themas Offshore und Scheinselbstständigkeit kommen vielleicht bei manchen Freiberuflern gar nicht richtig an. Wenn alle Aufträge, die unsere Kunden nach Indien verlagern, in Deutschland gemacht würden, hätten wir eine Menge Projektanfragen. (Oktober 2003)"

"Interessant, dass gerade die Freiberufler zu 14 % Preisdumping als Auftragskiller benennen, wo doch gerade diese Berufsgruppe den etablierten Firmen die Preise kaputt macht. (Oktober 2003)"

"Der Artikel untermauert nur meine eigenen Erfahrungen.  Aber es ist gut zu wissen, dass ich nicht alleine diese Meinungen und Erfahrungen teile. (Oktober 2003)"


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