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Umfrage-Ergebnis:

Good bye Deutschland?

(Dezember 2006)
 

Immer mehr junge und gut ausgebildete Menschen kehren Deutschland den Rücken und suchen ihr Glück im Ausland, warnte Mitte Oktober der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Ist Auswandern auch für selbstständige IT-Spezialisten ein Thema? GULP hat bei ihnen nachgefragt.

Im vergangenen Jahr verabschiedeten sich rund 145.000 hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Land der Dichter und Denker. Das ist die höchste registrierte Abwanderung seit 1954. Erstmals seit Ende der 60er Jahre gab es damit wieder mehr Fortzüge als Zuzüge nach Deutschland. (Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Pressemeldung, 6.07.2006) Als zentrale Ursache für diese Entwicklung sieht DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun, dass es in anderen Ländern oft bessere Standortbedingungen gäbe als in Deutschland: "Die hohen Steuer- und Abgabenlasten hier zu Lande, ein wenig durchlässiger Arbeitsmarkt und Defizite in der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur sind nur eine Auswahl von Bereichen, in denen allein schon viele europäische Nachbarn die Nase vorn haben." (Quelle: DIHK, Pressemeldung, 23.10.2006).

Auch viele der bei GULP registrierten IT-Selbstständigen denken immer wieder darüber nach, sich in einem anderen Land niederzulassen. Von 1.049 befragten IT-Spezialisten ist für rund drei Viertel (73 %) Auswandern ein aktuelles Thema. Jeder Zehnte (12 %) hat diesbezüglich schon konkrete Pläne getroffen.

 
Spielen auch Sie mit diesem Gedanken?
Nein, bin hier zufrieden. 16%

Nein, obwohl ich unzufrieden bin. 11%

Ja, immer wieder. 61%

Ja, es gibt konkrete Pläne. 12%

 
Damit besteht bei dieser hochqualifizierten Berufsgruppe ein großes Abwanderungspotenzial. IT-Selbstständige müssen jobbedingt flexibel sein, viele sind das Arbeiten rund um den Globus gewohnt und finden sich auf fremden Territorium zurecht. Zu den beliebtesten ausländischen Einsatzorten der bei GULP registrierten IT-Freiberufler gelten die deutschsprachigen Nachbarländer Österreich und Schweiz. Neben der USA sind das laut DIHK die Hauptauswanderungsziele der Deutschen.

Sehr aufgeschlossen für IT-Projekte im Ausland zeigen sich vor allem die Altersklassen jenseits der 40: Je älter die IT-Spezialisten sind, umso höher ist ihre Bereitschaft zeitweise im Ausland zu arbeiten. Geht es um einen kompletten Neustart in der Ferne, zeigt sich die ältere IT-Fraktion ebenfalls risikofreudiger.

 
Altersverteilung der IT-Spezialisten, die auswandern bzw. nicht auswandern würden.
 

Das Durchschnittsalter der befragten IT-Selbstständigen, die nicht auswandern würden, beträgt rund 40 Jahre. Mit im Schnitt 41 Jahren sind die auswanderungsbereiten IT-Spezialisten geringfügig älter. Offenbar markiert ein Alter von Mitte bis Ende 40 Jahre für IT-Selbstständige den besten Zeitpunkt, über eine neue Existenz in der Ferne nachzudenken: Für nahezu alle der befragten IT-Spezialisten (89,1 %) in dieser Altersklasse ist Auswandern ein Thema. Der Anteil derjenigen, die ihre Heimat nicht verlassen würden, ist unter den 30- bis 34-Jährigen prozentual am höchsten (34,1 %).

Betrachtet man zusätzlich noch die Berufserfahrung aller befragten IT-Experten wird schnell klar, dass vor allem langjähriges IT-Know-how in andere Länder verloren geht bzw. ginge.

 
Berufserfahrung der IT-Spezialisten, die auswandern bzw. nicht auswandern würden.
 

So nimmt der Anteil der IT-Selbstständigen, die immer wieder über Auswandern nachdenken bzw. hierzu schon konkrete Pläne geschmiedet haben, mit zunehmender Berufspraxis immer weiter zu. Mehr als drei Viertel von ihnen sind bereits über 15 Jahre im Geschäft. Dagegen ist der Anteil der IT-Spezialisten, die in keinem anderen Land leben möchten, bei einer Berufspraxis von fünf bis neun Jahren (34,3 %) prozentual am höchsten.

Angesichts des demografischen Wandels ist der Wegzug hochqualifizierter Jahrgänge prekär für die Wirtschafts- und Innovationskraft Deutschlands. So lässt sich im IT-Bereich seit längerem ein Rückgang der Studierenden in den einschlägigen Fachrichtungen wie z.B. Informatik beobachten. Branchenverbände wie BITKOM e.V. und VDE e.V. gehen davon aus, dass die Zahl der Hochschulabsolventen den prognostizierten Fachkräftebedarf zukünftig nicht decken kann. Mittlerweile ist jeder zweite IT-Selbstständige älter als 40 Jahre. Wandern die anteilsstarken und erfahrenen Jahrgänge auch noch ins Ausland ab, würde sich der von den Branchenverbänden zitierte Fachkräftemangel weiter verschärfen. Die Lücke mit hochqualifizierten Einwanderern zu schließen, scheitert am hohen Mindestgehalt von derzeit 85.000 Euro, an die laut Zuwanderungsgesetz das Bleiberecht in Deutschland gekoppelt ist.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"nix wie raus aus deutschland, sagen wir dem raubritter staat goodbye !!!!! (Juli 2008)"

"Man sieht hier sehr oft Begriffe wie qualifiziert, engagiert etc. Was solls: Der Fokus liegt auf einem ledigen Spezialisten/Spezialistin, der zwei abgeschlossene Studiengänge, einen DR.Titel, mindestens 15 Jahre Praxiserfahrung, Teamfähigkeit und Engagement nur auf Abfrage, 3 Sprachzertifizierungen, mindestens 5 Jahre Auslandserfahrung vorweisen kann und nicht über 26 ist. Eine stündliche Kündbarkeit sowie die Möglichkeit der Selbstversorgung (Speesen, Reisen, optimal auch Gehaltszahlungen) runden das Bild ab. Apropos Reisen, Selbstversorgung: Günstige Flüge ins Ausland gibt es fast an jedem Kiosk. Projekte in diversen Ländern auch. Einen guten Flug und angenehmen Neustart! Deutschland? - ein selbstgefälliger Zirkus! (Februar 2007)"

"Ich hatte auch vor wegzugehen. Hatte Wohnung und Job in der Schweiz gefunden...und dann alles abgesagt und meine "Liebe" zu Deutschland entdeckt. Ein wunderbares, offenes Land und mit etwas positivem Denken wird Deutschland wieder das Paradies, das es mal wahr...einfach dran glauben...Ich bleibe Deutschland treu!Auch hier gibt es Möglichkeiten, man muss sie nur ergreifen! Und sich nicht auf den Staat verlassen...Good luck Germany! Ich bin froh, in einem Land zu leben mit doch so einem offenen Geist... (Februar 2007)"

"Wenn die deutschen Großfirmen bzw. das sich wohl selbst am meisten feiernde Controlling oder Management irgendwann einmal einsehen würden, dass auch der best ausgebildete Externe eine gewisse Zeit braucht, um sich in Projekte und Prozesse zu integrieren, würde sich ein Freiberufler vielleicht nicht mehr nur als "wandelnder Kostenfaktor" vorkommen. Rechnen können bedeutet, nicht nur am Jahresende eine steigende Linie vorweisen zu können! Mehrkosten durch ständigen Wechsel auf "günstigere" Externe bereitet dem Gesamt-Projekt riesige (Mehr-)Kosten. Deutschland? An dieses Land habe ich einst auch geglaubt. Hier passiert nichts, außer tolle Kurven bei den Meetings. Das Management ist zu unflexibel und an anderer Stelle wieder mit dem "Langen Arm" dabei. Hauptsache, die Bilanz stimmt. Diesen Ruf haben wir schon seit Jahrhunderten. Naja, eine Form der Kontinuität, auf die man ja auch stolz sein kann... (Februar 2007)"

"Wir haben jetzt ne Greencard und ich suche aktiv nach nem Job/Aufträgen in USA. Sobald wir irgendwie sehen, dass da was stabiles rauskommen kann, sind wir weg. (Januar 2007)"

"Ich arbeite gerne, wenn mir Job und Kunde gefallen; wenn man mich vernünftig arbeiten lässt, und nicht mit sinnlosen Vorschriften ständig gängelt. Dennoch denke ich schon seit 25 Jahren ans Abhauen. Mittlerweile weiß ich auch ziemlich genau, wohin. Nur dort habe ich in der ganzen Zeit leider keine brauchbare Arbeitsmöglichkeit gefunden, sonst wäre ich schon weg. Also schiebe ich die Sache vor mir her, bis mir in hoffentlich wenigen Jahren das Geld reicht, um mich als Privatier einstufen zu lassen und endlich dahin zu ziehen, wohin mein Herz gehört. (Januar 2007)"

"Ich arbeite seit nunmehr 14 Jahren als Freiberufler in Deutschland, aber je deutscher, eingesessener und größer das Unternehmen ist, desto eher bekommt man den Eindruck, als Freiberufler Bürger zweiter Klasse zu sein. Es wird einem nicht mal zugetraut, Entscheidungen Pro des Unternehmens zu treffen. Dazu kommt, dass man gegen den Preisverfall und die steigenden Kosten (Steuern, Vericherungen, etc.) bald nicht mehr anverdienen kann. Die paar Projekte, ich ich im Ausland gemacht habe, waren einfach anders und würde meine Familie mitspielen, wäre ich wohl schon weg... (Dezember 2006)"

"Die Zahlen sind mitnichten so kritisch, wie sie hier aussehen. Gerade an der Gruppe der 45-49 sieht man es am deutlichsten. Mitten in der Mid-Life-Crisis haben viele Menschen das Gefühl etwas verpasst zu haben und begreifen dieses Alter als erneute Chance (letztmalig?) etwas neues anzufangen - wie viele dann auch konkret werden, sieht man in der nachfolgenden Gruppe. Die Fragestellung gibt nämlich gerade keinen Aufschluss darüber, ob schon konkrete Schritte geplant sind. Vom ersten Gedanken (habe ich auch) bis zum "ich fliege mal nach Norwegen und schau mich um" ist es ein (sehr) weiter Weg. (Dezember 2006)"

"Dieser Artikel und noch einige Kommentare bringen es auf den Punkt: Als über 40- bzw. wie in meinem Fall über 50-jährigem wird einem sowohl von Vermittlerseite als auch von Auftraggeberseite dauernd signalisiert, dass man angeblich zu alt, zu unflexibel, nicht auf dem aktuellen Stand (trotz aktuellster SAP-Zertifizierung!), und selbst mit einem Stundensatz von 50 Euro (weniger als die 100 DM in 1993) zu teuer sei. Ich arbeite jetzt in der Schweiz als Freelancer, und bin von meinem derzeitigen Kunden bereits auf eine Festanstellung angesprochen worden - trotz meines 'biblischen' Alters von 52! In Deutschalnd dagegen findet ein IT-Gipfel statt, dessen Thesen in meinen Ohren der Gipfel der Frechheit sind. So wie sich das einige auf dem IT-Gipfel vorgestellt haben, gibt es dann keine deutschen IT-ler mehr, sondern nur noch ausländische - die sind ja billiger! Dann aber 'Gute Nacht, Deutschland!'. (Dezember 2006)"

"Ich bin ebenfalls bereits ausgewandert, obwohl ich mich in Deutschland im Großen und Ganzen sehr wohl gefuehlt habe und auch niemals Probleme hatte, als Freiberufler Arbeit zu finden. Aber das Arbeitsklima ist im Ausland oft viel besser. In Deutschland werden Ueberstunden geschoben bis zur totalen koerperlichen Ueberlastung, die Unternehmen bauen unglaublichen Druck auf ihre Mitarbeiter aus, und jeder glaubt das Glueck darin zu finden, moeglichst viel Geld zu verdienen und eine tolle Karriere zu machen, selbst wenn man dann halt erst abends um 22:00 heim kommt. Kann das das Leben sein? Ich meine: nein. Wo ich jetzt lebe, gibt es kaum jemanden (egal in welcher Branche), der auch nur auf die Idee kommen wuerde, regelmaessig laenger als 17:00 oder maximal 18:00 Uhr zu arbeiten. Ausnahmefaelle, Releasetermine, Notfallsituationen etc. natuerlich ausgenommen. Freizeit und Familie sind enorm wichtige Bestandteile der Gesellschaft, und diese Werte gelten auch fuer Manager und Unternehmensfuehrungen, die Entscheidungen bzgl. Ihrer Mitarbeiter treffen. Mitarbeiterzufriedenheit ist ein wichtiges Kriterium, und die Firmen legen großen Wert darauf, dass Ihre Mitarbeiter den Lifestyle realisieren koennen, denn sie sich wuenschen. D.h. flexible Arbeitszeit, unbezahlter Urlaub ist keineswegs ungewoehnlich, 3-4 Tage Wochen auch kein Problem etc. Gleichzeitig hat das Land eine gut laufende Wirtschaft und viel weniger Arbeitslose als Deutschland... es wird also durchaus etwas geschafft. Doch zufriedene, entspannte Mitarbeiter sind produktiver als gestresste, unter Druck arbeitende Frustrierte. Wenn die Unternehmen in Deutschland das endlich kapiert haben, dann komme ich vielleicht zurueck. (Dezember 2006)"

"Es gibt Länder mit sehr viel höheren Abwanderungsquoten als in Deutschland. Diese Umfrage beweist vor allem, dass wir nicht mehr das Land der Dichter und Denker sind, sondern das Land voller Jammerlappen, die nicht mehr wissen, was Zufriedenheit bedeutet. Gerade wir IT-Freiberufler stehen (noch) sehr weit neben dem "System" und zahlen keine Arbeitslosen- oder gesetztliche Rentenversicherung. Ich finde, es geht uns verdammt gut hier. Zufrieden! (Dezember 2006)"

"Das hätte man Frau Merkel zum IT-Gipfel präsentieren sollen! (Dezember 2006)"

"Gemäß Statistik sind 145.000 Deutsche ausgewandert. Auch ich denke immer wieder darüber nach, im Ausland zu arbeiten. Woher aber die Behauptung kommt, bei diesen 145.000 würde es sich sämtlich um hochqualifizierte handeln, ist mir unerklärlich. Tatsächlich sind darin auch die Rentner, die nach Spanien gehen enthalten. Und die in Deutschland eingebürgerten Ausländer, die jetzt wieder in ihre Heimat zurückkehren. Und die Studenten, die länger als ein 1/2 Jahr im Ausland studieren. Zieht man all diese ab, bleiben vielleicht noch 20-30 TSD qualifizierte übrig. Ich glaube wir können noch viel dazu zu lernen in Deutschland - zum Beispiel nicht an jede Statistik zu glauben. (Dezember 2006)"

"Als ein seit über 30 Jahren in Deutschland lebender Amerikaner (+20 IT Erfahrung) habe ich die Hochs und Tiefs in der deutschen IT-Branche sehr gut miterlebt. Mein Beratungsangebot umfasst insbesondere innovative Technologien und Methoden im Bereich der Online Kommunikation und Mobilität, die hier zu Lande äußerst zögerlich Anklang finden. Die Diasporasituation in Deutschland ("je weiter weg von Berlin, desto besser die IT Spezialisten") läßt mich immer wieder darüber nachdenken, selbst den Schritt ins Ausland zu wagen. USA käme wegen dem Essen für mich (siehe anderen Beitrag) auch nicht in Frage - dann doch eher Kanada. (Dezember 2006)"

"Ich finde, das Treffen von Angela Merkel vor Kurzem mit IT-Verantwortlichen hätte man sich sparen können. Um Deutschland auf diesem Gebiet wieder zur Weltspitze zu führen, braucht man sich doch fast nur des Potentials der hiesigen Leute zu bedienen, auch und gerade der älteren und damit i.d.R. sehr erfahrenen Fachkräfte. Und das ist Aufgabe der Firmen und nicht des Staates! Steuergelder zum Ausbügeln der immer noch anhaltenden Versäumnisse? Nein, danke! (Dezember 2006)"

"Ich arbeite seit mehreren Jahren als Freiberufler in der Schweiz, während meine Familie in Deutschland ist. Ich hatte nicht geplant in der Schweiz zu bleiben, doch angesichts der immer noch prekären Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und der allgemein unsicheren Reformpolitik werden wir uns wohl wider Willen für das Auswandern entscheiden. (Dezember 2006)"

"In fast allen Branchen ist den Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden in den letzten Jahren in Deutschland signalisiert worden, dass sie entbehrlich seien. Kein Wunder, dass diejenigen, die mit diesem Lebensgefühl nicht glücklich werden, anfangen nach Alternativen zu suchen. (Dezember 2006)"

"Auch wenn man nicht an permanentes Auswandern denkt, so sind doch ausländische Märkte teilweise attraktiver als deutsche. In meinem Bereich z.B. sieht die Auftragslage in der Schweiz oder auch in England wesentlich besser aus und ich nehme regelmäßig Aufträge in England an (50%), wenn in Deutschland mal wieder nichts zu bekommen ist. Auch das Arbeitsklima ist dort besser. Trotzdem würde ich nicht permanent auswandern. (Dezember 2006)"

"Ab 50 kann die Qualifikation noch so hoch sein, da bekommen sie nicht mal ein Vorstellungsgespräch! Kein Wunder, dass man da ans Auswandern denkt. (Dezember 2006)"

"Fachkräftemangel weil die Zahl der Hochschulabsolventen zurück geht. Freiberufler, Selbstständige oder auch Arbeitssuchende über 40. Drängt sich mir die Frage auf, ob die Menschen nicht mehr als qualifiziert genug angesehen werden. (Dezember 2006)"


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