Finanzielle Gewissensfragen, die auf einer partnerschaftlich-fairen
Zusammenarbeit bauen, standen im Mittelpunkt einer Umfrage, zu der
62 Projektanbieter Stellung nahmen: Würden sie sich auf das
Angebot eines IT-Freiberuflers einlassen, dass er leistungsabhängig
bezahlt werden möchte?
Im April 2004 wollte GULP von den IT-Freiberuflern wissen, ob man
bereit wäre, sein Können auf den monetären Prüfstand
zu stellen und damit seinen Kunden eine Art von Zufriedenheitsgarantie
zu gewähren? 701
Teilnehmer gaben ein deutliches Votum dafür ab, dass sie
es bevorzugen würden, nach Leistung bezahlt zu werden. Das
war die eine Seite, aber wie steht´s mit der anderen Seite,
den Projektanbietern?
Ein Freiberufler schlägt Ihnen vor: Seinen
normalen Stundensatz und 30 Prozent Aufschlag bzw. Abzug bei sehr
guter bzw. schlechter Leistung. Die Arbeit beurteilt der Projektleiter
monatlich. Was halten Sie davon?
Bin absolut dafür. 21 %
Kommt durchaus in Frage. 52 %
Ist mir egal. 2 %
Kommt nicht in Frage. 26 %
Das Ergebnis lässt an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig:
Für 73 Prozent der teilnehmenden Projektanbieter hat die leistungsabhängige
Bezahlung offensichtlich große Vorteile – darunter wahrscheinlich
auch die Option, bei schlechten Leistungen ein finanzielles Druckmittel
zu besitzen.
Zum Vergleich: Bei der entsprechenden Frage an IT-Freiberufler
versammelte das „Dafür“ ebenfalls den Großteil
der Antworten (66 Prozent) auf sich.
Ein Freiberufler wirbt mit einer Zufriedenheitsgarantie:
Wenn der Kunde innerhalb von zwei Wochen nach Projektbeginn wegen
fachlicher Nicht-Eignung die Zusammenarbeit beendet, verzichtet
der Freiberufler von sich aus auf die Bezahlung. Wäre das für
Sie ein Argument?
Ja, diesen Freiberufler würden wir bevorzugen.
38 %
Ist ein interessanter Ansatz. 34 %
Wäre uns egal. 5 %
Kommt nicht in Frage. 22 %
Angetan von einer Zufriedenheitsgarantie durch den Freiberufler
zeigten sich insgesamt 72 Prozent der Teilnehmer – wobei für
38 Prozent dieses "Rückgaberecht bei Nichtgefallen"
gar den Ausschlag bei der Projektvergabe geben würde.
Zum Vergleich: Immerhin 36 Prozent der IT-Freiberufler gaben bei
derselben Frage an, dass dieses Abkommen für sie nicht in Frage
kommen würde.
Überraschung? Überraschung!
Das Thema ist durchaus heikel, wie bereits die kontroversen Reaktionen
auf die erste Umfrage (für IT-Freiberufler) im GULP Forum zeigten.
Ein Statement forderte eben diese Umfrage auch für Projektanbieter
– kaum verkennbar in der Erwartung, dass das Ergebnis sich
deutlich von den Antworten der IT-Freiberufler unterscheiden würde.
Überraschend: Sowohl Projektanbieter als auch IT-Freiberuflern
stimmten mit überragender Mehrheit für eine flexible Stundensatzgestaltung
nach dem Leistungsgebot. Es bleibt die offene Frage: Wie funktioniert
ein solches Abkommen in der Praxis? Funktioniert es überhaupt?
Kommentare zu diesem Artikel:
"Freiberufler mit Zufriedenheitsgarantie sind eine Interressante Besetzung für kleinere Projekte, die bis zu 10 Manntagen Aufwand benötigen. (September 2004)"
"Leistungsabhängige Vergütung für freie Mitarbeiter? Was für ein Quatsch.
Wer sich als Projektleiter mit einer monatlichen(!) oder mehr oder minder frequenten Bewertung von freien Mitarbeitern auseinandersetzen kann, sollte seinen Job überdenken.
(August 2004)"
"Wie definiert man die Zufriedenheit oder wie misst man sie?
Hat man nicht genau für dieses Zahlungsmodell schon das Festpreisprojekt "erfunden"?
Sicherlich ist es in einer gut funktionieren Zusammenarbeit möglich die Bezahlung variabler zu gestalten, allerdings braucht man dafür eine exakte Messbarkeit der Leitstung und die klare Definition der (Etappen-) Ziele => wie bei Fließbandarbeit.
(August 2004)"
"Aus Erfahrung: in kleinen ueberschaubaren, abgegrenzten und beeinflussbaren (Teil-) Projekten durchaus machbar und attraktiv. Je groesser die Projekte, desto unueberschaubarer, unbeeinflussbarer und unvorhersagbar wird die Gesamtprojektleistung fuer den einzelnen und ist deshalb ein hohes Risiko, nicht nur fuer den einzelnen Freiberufler, sondern auch fuer den Endunden. (August 2004)"
"In der Praxis sieht das leider ganz anders aus, wird das Budget knapp oder stellt sich der Projekterfolg nicht ein (meist aus organisatorischen Gründen)liegt das selbstverständlich an den Freiberuflern und die werden dann auch sofort "frei-"gesetzt. (August 2004)"
"Überflüssiges Theater! Wenn die Chemie nicht stimmt oder die fachliche Seite ein Reinfall ist, dann ist der Freiberufler eh ganz fix weg vom Fenster. So ist das im richtigen Leben! (August 2004)"
"Sehr guter Ansatz! Das Modell steht und fällt mit der Messbarkeit des Kriteriums "Zufriedenheit". Hier müssen Parameter gefunden werden, die für beide Seiten sauber nachvollziehbar/messbar sind (z.B. Einhaltung von Milestones/Budgets), und der variable Anteil der Bezahlung sollte nicht zu hoch sein.
Denkbar wäre auch eine Art Beteiligung am messbaren finanziellen Projekterfolg, wie z.B. Einsparungen... (Juli 2004)"
"Muss man in den Kommentaren denn nebulöse Andeutungen zu irgendwelchen Gerichtsverfahren veröffentlichen, die in dieser Form für keinen Leser nachvollziehbar und damit uninteressant sind? Hier könnte die Gulp-Redaktion doch den "Leserbrief" leicht kürzen, ohne dessen Sinn zu entstellen. (Juli 2004)"
"Ein Freiberufler bietet seine Leistung auf Stundenbasis an und ist vom Auftraggeber jederzeit kündbar. Auch ist die "politische" Seite einer Beurteilung immer präsent. (Juli 2004)"
"Sehr gut ! Das Thema ist natürlich von zwei Seiten aus zu betrachten. Es öffnet einem Projektleiter, der auf Kosten seiner Freiberufler das Projekt-Budget drücken will, Tür und Tor für eine "unsaubere Lösung". Eine davon ist schon aktenkundig bei Gericht und endete mit einer strafrechtlichen Ahndung des Projektleiters. Besser ist es, dies bereits bei Vertragsabschluss zu definieren und am besten von einem Außenstehenden beurteilen zu lassen, also z.B. einem Gutachter. Ansonsten ein guter Ansatz, denn damit erwirbt sich diese Tätigkeit einen ähnlich guten Ruf wie z.B. Maschinenbau-Ingenieure, bei denen solche Methoden seit fast 100 Jahren gelten.
Mfg
Alfons Warschburger
UNiPART GmbH, Baden-Baden
aw@unipart.de (Juni 2004)"
"Die flexible, leistungsabhängige Vergütung war schom immer - auch bei Festangestellten - in der Praxis problematisch: Welche "objektiven" Kriterien sollen zur Beurteilung herangezogen werden? Da der Kunde sowieso immer das ultimative Druckmittel (tägliche Kündigung im Falle der Unzufriedenheit ... quasi 100% Abschlag) in der Hand hält, halte ich die ganze Diskussion für überflüssig. (Juni 2004)"