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Umfrage-Ergebnis

Die Chancen der EU-Osterweiterung

 
(April 2004)
 

Zum 1. Mai 2004 wird die Europäische Union um zehn Staaten größer und zählt dann auf einen Schlag 25 Mitglieder. Was vor allem Politiker als das Ende der Teilung Europas feiern, sehen Wirtschaftsexperten als beginnende Gratwanderung zwischen Chancen und Risiken. Die Befürchtungen der selbstständige IT-Experten angesichts der EU-Osterweiterung hat GULP bereits unter die Lupe genommen – bei der jüngsten Umfrage ging es um neue Chancen, zu denen insgesamt 182 Teilnehmer Stellung genommen haben.

Die EU-Osterweiterung wirkt sich negativ auf den IT-Projektmarkt aus, das war das unzweifelhafte Ergebnis der GULP Umfrage im Januar 2003. Relativiert wurde die ausgesprochen negative Einschätzung Monate später bei der Umfrage Auftragskiller, welche die EU-Osterweiterung nach Ansicht der IT-Freiberufler kaum schuld an fehlenden Aufträgen sah. Wenige Wochen vor dem 1. Mai schließlich traf die jüngste Umfrage bei den Teilnehmern auf einen allgemein differenzierteren Wissensstand zum Thema, denn über alle Medien hinweg wurden und werden die Beitrittsländer mittlerweile bis ins kleinste Detail vorgestellt. Und hier eine wichtige Erkenntnis vorab: Bei der EU-Osterweiterung sind Pauschalisierungen mit größter Vorsicht zu betrachten – zu verschieden sind die Bedingungen in den Beitrittsländern.

 

Mit der EU-Osterweiterung steigen die Möglichkeiten auf neue Projekte durch:
Neue Niederlassungen von Firmen in Deutschland. 5%
Niederlassungen deutscher Firmen in den Beitrittsländern. 26%
Aufträge in den Beitrittsländern. 16%
Erwarte keine Projekte. 53%

 

Ganz klar: Die Zuversicht, dass die EU-Osterweiterung in naher Zukunft auch einen Anstoß für den IT-Projektmarkt geben könnte, ist deutlich begrenzt. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer erwartet keine neuen Projekte, die durch den EU-Beitritt der acht Staaten Mittel- und Osteuropas sowie Maltas und Zyperns verursacht würden.

Immerhin 42 Prozent sehen aber auch neue IT-Projekte in den Beitrittsländern – und zwar sowohl von einheimischen als auch von deutschen Firmen. Die größte Hoffnung liegt dabei auf den Niederlassungen deutscher Firmen, die eventuell IT-Freiberufler aus deutschen Landen rekrutieren; zumindest setzt darauf rund ein Viertel der Befragten. Daran wiederum schließt sich beinahe zwangsläufig die Frage, ob IT-Freiberufler denn auch bereit sind für ein Beitrittsland.

 

Würden Sie für ein Projekt in die Beitrittsländer gehen?
Ja sofort. 13%

Bei einem attraktiven Projekt schon. 70%

Auf keinen Fall. 17%

 

Eine grundsätzlich höhere Mobilität, die schwierige Marktsituation und vielleicht auch der Reiz neuer Länder – die Bereitschaft, in einem Beitrittsland zu arbeiten, ist bei 83 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage vorhanden. Allerdings gilt es festzuhalten, dass bei 70 Prozent die Mobilität an die Attraktivität des Projektes gebunden ist. Das jedoch spielt für 17 von 100 Freiberuflern keine Rolle: Für sie führt kein Weg in ein Beitrittsland.

 

Welches Beitrittsland hat das größte Potenzial für IT-Projekte?
Estland. 2%

Lettland. 1%

Litauen. 2%
Malta. 3%
Polen. 25%
Slowakei. 4%
Slowenien. 7%
Tschechien. 27%
Ungarn. 28%
Zypern. 1%

 

Wenig überraschend sind die Einschätzungen, wo denn nun die meisten IT-Projekte starten könnten. Ungarn und Tschechien gelten gewissermaßen als die Musterknaben unter den osteuropäischen Reformländern – hier haben bereits viele deutsche Firmen Niederlassungen eröffnet. Die geographische Nähe zu Deutschland sowie die Tatsache, dass hier ein großer Teil der Bevölkerung auch Deutsch spricht, sind weitere Argumente, warum man hier die schnellste Annäherung an die Standards westlicher Industrienationen erwartet.

Ein zusätzlicher Anreiz für „wanderwillige“ IT-Freiberufler ist der Umstand, dass Ungarn wie Tschechien nicht mehr zu den reinen Billiglohnländern gehören – ergo deutsche IT-Freiberufler bei einem etwaigen Projekt nicht zu große finanzielle Rückschritte befürchten.

Polen ist das dritte Beitrittsland, dem laut Umfrageergebnis ein erwähnenswertes Potenzial für IT-Projekte zugetraut wird. Glaubt man den Berichten der Wirtschaftsexperten in den Medien, dann hängt hier unternehmerischer Erfolg auch daran, wie gut die persönlichen Kontakte gerade innerhalb der „inoffiziellen“ Strukturen sind – was wiederum die Zurückhaltung vieler grundsätzlich interessierter Firmen fördert.

Drei Länder mit Potenzial – und dann lange nichts mehr. Das Votum hinsichtlich Attraktivität der Beitrittsländer für den IT-Projektmarkt beschränkt sich weitgehend auf die Trias Ungarn, Tschechien und Polen. Nur Slowenien und Slowakei werden als Nationen mit IT-Motorenfunktion noch in Ansätzen ernst genommen, alle anderen sehen die Teilnehmer an der Umfrage zumindest im Moment noch als wenig interessant an.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"ich sag nur eins kein komentar (Mai 2004)"

"Eine Bestätigung das die Freiberufler in Deutschland Spracharm oder inflexibel sind?? (Mai 2004)"


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