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Produktzertifizierungen - Mehr Schein als Sein?

(Januar 2002)
Inhalt dieses Artikels:
Produktzertifizierung - Was ist das? | Der Zertifizierungsboom | Produktzertifizierungen: Pro... | ...und Contra | Ramponierter Ruf | Braindumps | Schulungsanbieter: Viel Spreu, wenig Weizen | Musterschuler: Sylvan Prometric und VUE | Vorbereitung und Prüfung | Zuschüsse und Rabatte | Pro und Contra Produktzertifizierungen | Fazit: Was taugen Produktzertizierungen
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Alleine auf dem deutschen Markt tummeln sich inzwischen mehrere hundert Produktzertifizierungen. Hersteller und Schulungsanbieter werden zwar nicht müde, deren Vorzüge anzupreisen, ob aber eine solche - zumeist sündhaft teure - Urkunde letztlich ihr Geld auch wert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Der Grundlagenartikel beschreibt, was Produktzertifizierungen überhaupt sind, welchen praktischen Nutzwert sie für IT-Profis haben und wie der Markt der hiesigen Schulungsanbieter ausschaut.

 

Produktzertifizierung - Was ist das? nach oben
   

Eine Produktzertifizierung ist ein vom Software-Hersteller oder von einem unabhängigen Institut ausgestellter Nachweis, demzufolge der Absolvent an einem Herstellerzertifizierungsprogramm teilgenommen und dessen Prüfungen bestanden hat. Ein Zertifizierungskurs besteht aus selten mehr als zwölf Teilnehmern: Nach einem etwa zwei- bis fünftägigen Kurs folgt meist die individuelle Vorbereitung auf eine Prüfung, die je nach Engagement bis zu einem Jahr später erfolgt. Eine gehörige Portion Eigeninitiative und Selbststudium ist also notwendig, um die teils recht schwierigen Examen zu bestehen. Viele Tests prüfen online und (derzeit noch) im Multiple-Choice-Verfahren. Unterlagen und Prüfungen kosten im Allgemeinen zwischen 500 EUR und 10.000 EUR. Trotz teilweise gravierender Unterschiede in punkto Qualität, Zielsetzung, Kosten, Aufwand und Marktrelevanz weisen Produktzertifizierungen etliche Gemeinsamkeiten auf:

> Produktzertifizierungen dienen als Nachweis von Kenntnissen und Fähigkeiten einer Technologie oder eines Produktes.
> Produktzertifizierungen definieren einen Studiengang. Dazu gehören Seminare, Materialien zum Selbstlernen, Kursmaterialien, computergestütztes Training und Fachbücher. Diese Schulungen enden stets mit einer oder mehreren zumeist computergestützten Prüfungen, die von autorisierten Prüfungszentren angeboten werden.
> Nach bestandener Prüfung wird der Teilnehmer für die Dauer der Zertifizierungsperiode (normalerweise bis zu zwei Jahre) zertifiziert. Wenn neue Produkte oder Technologien die alten Standards ersetzen, muss sich der Teilnehmer zumeist erneut qualifizieren, um die Gültigkeit der Zertifizierung zu erhalten.
> In den Zertifizierungskursen muss der Teilnehmer kostenpflichtige Prüfungen in einer überwachten Umgebung ablegen. Jede Prüfung - ob bestanden oder nicht - ist gebührenpflichtig.
> Manche Zertifizierungsangebote beschränken die Prüfungsversuche innerhalb einer bestimmten Zeit auf eine limitierte Anzahl. Alle Programme erlauben dem Teilnehmer jedoch beliebig viele Versuche.
> Zertifzierungsinhaber bekommen ein entsprechendes Logo zur freien werblichen Verwendung.
> Zertifizierungsinhaber dürfen häufig auf die Support-Teams der jeweiligen Softwarehersteller oder Organisationen zurückgreifen. Dazu gehören auch spezielle Rabatte und Informationen, die der Allgemeinheit nicht zugänglich sind.
> Zertifizierungsinhaber kommen häufig in den Genuss von Vorabversionen neuer Softwareprogramme und nehmen an Beta-Testprogrammen teil.
 

 

Der Zertifizierungsboom nach oben
   

Der Firma Novell extern blieb es vorbehalten, im Jahr 1989 mit dem Certified Netware Engineer (CNE) das allererste offizielle Zertifizierungsprogramm überhaupt aufzulegen. Seitdem erlebte die IT-Branche einen wahren Zertifizierungsboom. Inzwischen bieten neun von zehn IT-Hersteller über 300 Produktzertifizierungen an und praktisch im Wochentakt stoßen neue hinzu. Darüber hinaus buhlt eine unüberschaubare Vielzahl von vielen tausend Schulungsanbietern um die Gunst der zertifizierungswilligen Kundschaft. Der weltweite Jahresumsatz im Zertifizierungsgeschäft beläuft sich denn auch auf derzeit 2,5 Milliarden Dollar und bis zum Jahr 2003 rechnet das US-amerikanische IT-Marktforschungsinstitut Gartner sogar mit einer Steigerung auf satte vier Milliarden Dollar. Umso erstaunlicher ist es angesichts dieses gigantischen Marktes, dass detaillierte Statistiken und unabhängige Studien, die über den tatsächlichen Nutzwert der einzelnen Produktzertifizierung informieren Mangelware sind.

 

 

Produktzertifizierungen: Pro... nach oben
   

Glaubt man den Eigenaussagen der Hersteller und Schulungsanbieter, öffnen sich für den stolzen Inhaber eines Produkt-Zertifikats neue Berufswelten. So amortisieren sich laut der Deutschen Privaten Akademie für Wirtschaft CDI extern die Kosten einer Novell-Zertifizierung nach durchschnittlich neun Monaten und der normale IT-Freiberufler erhält mit einer Produktzertifizierung durchschnittlich rund 60 Prozent mehr Auftragseingänge. Nach Aussage des weltgrößten Zertifikat-Schulungsanbieters Sylvan Prometric extern sind 85 Prozent der Firmenmanager der Ansicht, dass der Erwerb eines Zertifikats echte Vorteile bezüglich Produktivität und Wissen einbringt. Microsoft kommt (auf der Basis einer eigenen Untersuchung extern) zu

>>zwei Drittel aller IT-Profis können dank einer Produktzertifizierung ihr Einkommen steigern<<
dem Schluss, dass zwei Drittel aller IT-Profis dank einer Produktzertifizierung ihr Einkommen steigern konnten - die Hälfte davon sogar um mehr als 25 Prozent. Eine weltweit durchgeführte IT-Zertifizierungsstudie der Gartner Consulting Group kam zu dem selben Schluss wie die Microsoft-Studie: Eine Befragung von rund 18.000 IT-Fachkräften ergab, dass über 66 Prozent der Teilnehmer ihr Einkommen durch Produktzertifizierungen signifikant steigern konnten. Last but not least empfehlen laut Oracle 96 Prozent sämtlicher Oracle-Zertifikatsinhaber ihre Zertifizierung weiter und erhalten durchschnittlich 40 Prozent mehr Wartungsanfragen als ihre nichtzertifizierten Kollegen.
 

 

...und Contra nach oben
   

So weit ein paar offizielle Stimmen über den Nutzen von Produktzertifizierung. Wie aber schaut es für den IT-Freiberufler in der Praxis aus? In einer GULP-Umfrage vom Sommer 2001 waren gerade mal mickrige 9 Prozent der Projektanbieter der Ansicht, dass Zertifikate am besten dafür geeignet wären, die Marktchancen eines IT-Freiberuflers zu steigern. Zum Vergleich: Exakt gleich viele Projektanbieter, nämlich ebenfalls 9 Prozent, sprachen dem Selbststudium diese Relevanz zu, während 59 Prozent der befragten Projektanbieter der Ansicht waren, Referenzen seien das beste Instrument zur Steigerung der eigenen Marktchancen. Für viele Projektanbieter sind Produktzertifizierungen also allenfalls eine hübsche Dreingabe, aber keinesfalls ein entscheidendes Einstellungskriterium.

>>...sind diese Tests doch vielmehr eine zusätzliche Einnahmequelle der Softwarefirmen und weniger eine echte Qualifizierung<<

Auch die Kommentare der IT-Freiberufler im GULP-Forum bestätigen den eher begrenzten Nutzwert von Produktzertifizierungen: "Aus fachlicher Sicht erscheint (eine Java-Zertifizierung) nur dann als Einstieg sinnvoll, wenn man keine Projekterfahrung mit Java vorweisen kann." - "Zertifikate? Schön und gut. Aber gerade bei einem Freiberufler finde ich Referenzen wichtiger. Wenn bei einer Vorstellung Zweifel bestehen (und die bestehen eigentlich immer beim potentiellen Kunden), dann hilft mir der Satz " fragen sie doch mal bei XY von der Firma AB nach, da hatte ich was Ähnliches gemacht" mehr als jedes Zertifikat." - "Also ich (selbst OCP Oracle-zertifiziert) halte von diesen Multiple-Choice (Zertifikats)-Tests nicht sehr viel." - "... sind diese Tests doch vielmehr eine zusätzliche Einnahmequelle der Softwarefirmen und weniger eine echte Qualifizierung."

Die vollmundigen Statistiken und Analysen von Schulungsanbietern und Herstellern über den vermeintlichen Nutzwert von Produktzertifizierungen sollten also mit einer gewissen Skeptik betrachtet werden. Denn die dort angesprochenen durch Zertifikate ermöglichten Einkommenssteigerungen mögen vielleicht auf Berufseinsteiger und fortbildungswillige Angestellte zutreffen, keinesfalls aber auf den erfahrenen IT-Freiberufler.

 

 

Ramponierter Ruf nach oben
   

Und noch ein Nachteil von Produktzertifizierungen darf nicht unerwähnt bleiben: Durch die inflationäre Verbreitung mancher Zertifikate sinkt deren Ansehen im IT-Markt teils ins Bodenlose. So gibt es mittlerweile alleine in Deutschland fast 20.000 IT-Fachkräfte, die sich mit dem Titel "Microsoft Certified Systems Engineer" (MCSE) schmücken dürfen. Eine der wesentlichsten Ursachen für die exorbitant hohe Zahl dürfte sein, dass Fragen und Antworten der MCSE-Prüfung schon seit geraumer Zeit im Internet zu finden waren und dieses Zertifikat damit auch ohne das eigentlich erforderliche Hintergrundwissen relativ problemlos zu erwerben war. Entsprechend gering ist denn auch der Ruf, den dieses Zertifikat bei Personalverantwortlichen und Headhuntern genießt: "Für einen Großteil der MCSE-Besitzer hat dieses Zertifikat nur mehr Papierwert, da die Prüfungen zuletzt zur Farce gerieten" so der Kommentar der Computerwoche zu diesem Vorgang.

 

 

Braindumps nach oben
   

Insbesondere Braindumps sind hauptverantwortlich für den Imageverlust etlicher Zertifizierungen. Betroffen davon sind hauptsächlich Zertifizierungen von Microsoft. Braindumps sind sozusagen "Gehirnablagerungen" in Gestalt von Internet-Postings von Prüfungsabsolventen, die ein Examen hinter sich gebracht haben und sich im Nachhinein an die Fragen (zu) erinnern (versuchen). Auf die korrekte Wiedergabe der Fragen und Antworten sollten Sie daher nicht unbedingt vertrauen. Ein typisches Beispiel einer Braindump-Site sehen Sie hier extern.

Vor allem aus solchen Gründen ist derzeit auch ein Umbruch bei den Schulungsinhalten feststellbar. Bestanden viele Prüfungen bislang nur aus Multiple-Choice-Tests, in denen auswendig gelerntes Wissen abgefragt wurde, so enthalten neuerdings zunehmend mehr Zertifizierungsprüfungen praktische Live-Simulationen und Fallstudien, die nur mit einem grundlegenden Verständnis der jeweiligen Materie gelöst werden können. So wurde etwa in die neue Prüfung zum Microsoft Certified Solution Developer (MCSD) eine detaillierte Fallstudie eingearbeitet und die prestigeträchtige Cisco Certified Internetwork Expert-Zertifizierung (CCIE) um einen umfangreichen Praxistest erweitert. Das Novell-Zertifikat Certified Directory Engineer (CDE) umfasst nun ebenfalls eine Prüfung in einer Online-Laborumgebung. Dieser Trend weg von Ankreuzfragen und hin zu praxisrelevanten und herstellerübergreifenden Verständnisfragen wird sich künftig sicherlich noch verstärken und langfristig (hoffentlich) dazu beitragen, den etwas ramponierten Ruf vieler Zertifizierungen entscheidend aufzubessern.

 

 

Schulungsanbieter: Viel Spreu, wenig Weizen nach oben
   

Hierzulande darf jeder Weiterbildungsanbieter auch ohne Autorisierung vom jeweiligen Softwarehersteller Zertifikats-Lehrgänge anbieten. Solche nichtautorisierten Zertifikate haben für den IT-Profi meistens einen Nutzwert, der sehr stark gegen Null tendiert. Man erkennt nichtautorisierte Zertifikate daran, dass sie vom jeweiligen Schulungsanbieter ersonnene Fantasienamen tragen wie etwa "Geprüfter Microsoft-Anwender" oder "Lotus-Experte". Da kein Hersteller einem Weiterbildungsanbieter verbieten kann, derartige Lehrgänge anzubieten und weder die Schulungsunterlagen, noch die für die Schulung eingesetzten Referenten unabhängigen Qualitätskriterien unterliegen, ist das Niveau der einzelnen Schulungen und damit auch der Marktwert der jeweiligen Zertifizierung oftmals mehr als zweifelhaft. Das entscheidende Qualitätskriterium für einen Anbieter von Produkt-Zertifizierungen ist daher, ob er vom jeweiligen Software-Hersteller eine offizielle Autorisierung besitzt. Seriöse Zertifikate werden in der Regel von IT-Herstellern wie Microsoft oder Novell konzipiert. Das Training sowie die Zertifizierungsvorbereitung und -abnahme erfolgt über autorisierte, aber unabhängige Schulungszentren. Autorisierte Trainingsanbieter müssen strikte Kriterien erfüllen und erhalten gegen eine jährliche Gebühr an den Hersteller den begehrten Status etwa als Microsoft Technical Education Center (CTEC), Novell Authorized Education Center (NAEC) oder als Lotus Authorized Education Center (LAEC). Durch die Verpflichtung zum Einsatz von Original-Schulungsunterlagen kontrollieren die IT-Hersteller Inhalte und Qualität der Zertifizierungskurse bei ihren autorisierten Schulungspartnern. Eine Ausnahme bilden dabei SAP und Oracle, die ihr Produkt- und Technologietraining als eigenständigen Geschäftsbereich mit eigenen Trainingszentren betreiben.

 

 

Musterschuler: Sylvan Prometric und VUE nach oben
   

Den lukrativen Markt der Prüfungsdurchführung für die meisten offiziell autorisierten, produktbezogenen IT-Zertifikate haben zwei Firmen mehr oder weniger unter sich aufgeteilt: Sylvan Prometrics extern und VUE extern(Virtual University Enterprises) . Diese Unternehmen lizensieren ihrerseits weltweit eigenständige Trainingsunternehmen als autorisierte Testzentren. Sowohl bei Sylvan Prometric als auch bei VUE kann man online das nächstgelegene, offiziell autorisierte Testinstitut ermitteln und sich bei Bedarf auch gleich anmelden. Mit einem Netz von offiziell autorisierten Schulungs- und Prüfungseinrichtungen ist es möglich, die Prüfungen dezentral vor Ort und trotzdem weltweit einheitlich durchzuführen. In jeder größeren Stadt gibt es lizensierte Prüfungseinrichtungen, wo die Prüfungen am Computer abgelegt und anschließend online zur Auswertung übermittelt werden. So verfügt VUE nach eigenen Angaben weltweit über ein Netzwerk von 2500 Testzentren in über 110 Ländern. Standardmäßig werden die Prüfungen in englisch abgehalten, die meisten auf Wunsch aber auch in zahlreichen Übersetzungen. Für fast jedes Zertifikat lässt sich auf der entsprechenden Hersteller-Website klären, welche Voraussetzungen für die Anmeldung zur Prüfung erfüllt sein müssen, etwa ob vor der Anmeldung Vorabschulungen zu absolvieren sind. Schulungen dauern je nach Kurs in der Regel zwischen drei und fünf Tagen, wobei die meisten Institute auch die Unterbringung in Hotels oder Pensionen anbieten. Wer sich das Wissen per Selbststudium beigebracht hat, muss einfach Kontakt mit dem entsprechenden Schulungsanbieter aufnehmen, sich für die entsprechende Prüfung anmelden - und diese bestehen.

 

 

Vorbereitung und Prüfung nach oben
   

Bei den meisten Zertifikaten spielt es keine Rolle, wie der Aspirant sein Wissen erworben hat. Wer sich als Praktiker zutraut, aufgrund seiner Erfahrung unvorbereitet in eine Prüfung zu gehen, der kann das tun. Viele Schulungsinstitute bieten entsprechende Vorbereitungskurse an, aber auch wer sich autodidaktisch vorbereiten will, ist auf die entsprechenden Kursunterlagen und Skripte der Hersteller angewiesen. Außerdem gibt es - insbesondere für die populären Microsoft-Prüfungen - im freien Buchhandel reichlich Literatur zur Vorbereitung, die zumeist um einiges günstiger ist als die Original-Skripte der Hersteller. Sie bekommen solche Bücher sowohl bei allgemeinen Buchhändlern wie beispielsweise Amazon extern, als auch bei Spezialverlagen, etwa bei dem auf IT-Fachinformationen spezialisierte MITP-Verlag extern.
Eine weitere Vorbereitungsmöglichkeit sind Selbsttestprogramme, wie zum Beispiel von 'Selftest Software' oder Transcender extern, die kostenpflichtige Kataloge von realistischen Prüfungsfragen und Beispieltests enthalten. Damit werden echte Prüfungen simuliert, wobei anhand der Ergebnisse der eigene Wissensstand ermittelt werden kann.
Wer nicht mit dem Produkt real am Computer arbeitet, dem fehlt der Hintergrund, die meisten Fragen zu beantworten. Denn die Testentwickler haben aus der Kritik am Abfragen von auswendig gelerntem Wissen gelernt. Zwar schwirren immer noch im Internet Fragebögen mit "anscheinend" richtigen Antworten umher, mit sturem Auswendiglernen kommt man da jedoch inzwischen meistens nicht mehr sehr weit. So wird in den aktuellen Prüfungen immer mehr ein grundsätzliches Verständnis für die jeweilige Thematik vorausgesetzt, welches man ohne Kenntnis der Software-Umgebung kaum haben kann. Typische Frageinhalte sind daher Problem- und Situationsbeschreibungen, die täglich im Arbeitsleben - etwa eines Netzwerkadministrators - vorkommen können. Der Prüfling muss dabei nachweisen, dass er nicht nur das Wissen über die Funktion einer Software hat, sondern auch, wie sie situationsgerecht optimal eingesetzt wird. Dies bedeutet, dass eine theoretisch korrekte Antwort als falsch gewertet wird, wenn es eine pragmatischere, also eine schnellere oder ökonomischere Lösung gibt
Aber nicht nur die Prüfungsinhalte einzelner Zertifikate, sondern auch die meisten Zertifizierungsprogramme selbst unterliegen ständigen Neuerungen von der kleinen Nachbesserung bis hin zu tiefgreifenden Änderungen, die insbesondere durch die Einführung neuer Software zustande kommen: So lag der Fokus des in vielen Varianten erhältlichen MCSE-Zertifikats bislang auf Windows NT 4.0, seit der Einführung von Windows XP aber auf letztgenanntem Betriebssystem. Die Auswahl der Schulungsanbieter ist ebenfalls eine Wissenschaft für sich, so arbeitet Microsoft derzeit alleine in Deutschland mit 168 Schulungsanbietern zusammen. Eine Bewertung der einzelnen Institute ist schon allein aus diesem Grund unmöglich. Auf der sicheren Seite sind Sie aber, wenn Sie sich an eine der beiden bereits erwähnten Schulungsinstitute Sylvan Prometric respektive VUE wenden. Aktuelle und zumeist sehr umfangreiche Informationen über einzelne Produktzertifizierungen erhalten Sie außerdem auf den offiziellen Websites der jeweiligen Software-Hersteller.

 

 

Zuschüsse und Rabatte nach oben
   

Nur in Ausnahmefällen unterstützt das Arbeitsamt eine Produktzertifizierung. Ob und in welcher Höhe ein Zuschuss gewährt wird, bleibt allerdings letztlich dem jeweiligen Beamten überlassen, eine entsprechende Anfrage bei Ihrem Arbeitsamt könnte sich also durchaus lohnen. Gute Chancen auf öffentliche Fördermittel hat man beispielsweise bei drohender Arbeitslosigkeit. Der europäische Sozialfonds gewährt in einigen Fällen ebenfalls Zuschüsse. Eine weitere Möglichkeit bietet das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz extern (auch "Meister-BaFöG" genannt), das in bestimmten Fällen Produktzertifizierungen mit günstigen Darlehen fördert. Auch die freie Wirtschaft fördert betriebsinterne Schulungen mit speziellen Programmen. Mit Beziehungen und etwas Verhandlungsgeschick kann sich der Freiberufler in ein solches firmeninternes Schulungsprogramm einklinken. Einige Ausbildungsinstitute bieten zudem auf Nachfrage Rabatte für Sofortzahler und zinsgünstige Ratenzahlungen an. Selbstverständlich lassen sich Zertifizierungskosten grundsätzlich steuerlich absetzen.

 

 

Pro und Contra Produktzertifizierungen nach oben
   
  Pro
> weltweit einheitlich und anerkannt.
> dezentrale Durchführung.
> autodidaktische Vorbereitung möglich.
> problemorientierte Prüfungsfragen.
> wertvoll insbesondere für Berufseinsteiger.
> hilfreich insbesondere beim Auslandseinsatz.
> drei Tage Schulung statt drei Jahre Ausbildung.
> Qualifikationsnachweise für Autodidakten.
> Insider-Infos vom Zertifizierer.
> belegter Nachweis für aktuell erworbenes Wissen.
> Rabatte für Messen und technische Veranstaltungen.

  Contra
> teils exorbitant hohe Kosten.
> Zertifikate müssen regelmäßig per kostenpflichtigem Update-Kurs erneuert werden.
> Berufserfahrung und Referenzen werden von Projektanbietern höher eingestuft.
> Das produktbezogene Wissen veraltet relativ schnell.
> aufgrund der inflationären Verbreitung wurden insbesondere populäre Zertifikate stark entwertet.
> insgesamt allenfalls als Zusatzqualifikation geeignet.
 

 

Fazit: Was taugen Produktzertifizierungen nach oben
   

Angesichts dieser Umstände und Fakten stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die Bedeutung von Produktzertifizierungen - zumindest was den im Projektmarkt tätigen IT-Profi anbelangt - nicht deutlich überschätzt wird. Insbesondere für erfahrene IT-Profis zahlt sich eine Produktzertifizierung denn auch nur im Ausnahmefall aus - etwa beim Einstieg in einen neuen Fachbereich. Es gilt die Faustregel, nach der Produktzertifizierungen einen begrenzten Mehrwert darstellen, der mit steigender Berufserfahrung abnimmt.

>>Der MCSE verschafft Dir das Vorstellungsgespräch, aber die Erfahrung verschafft dir dann auch den Job<<

Die wichtigste Ausnahme von dieser Regel bildet die Berufsgruppe der IT-Trainer, denn die meisten Firmen, die ihre Mitarbeiter zur Schulung schicken, verlangen vom Dozenten ein Trainer-Zertifikat des jeweiligen Software-Herstellers. Für Berufs- und Quereinsteiger dagegen können Produktzertifizierungen als wertvoller Beleg für vorhandenes Wissen dienen. Entsprechendes gilt für Auslandseinsätze, denn Produktzertifizierungen genießen im Unterschied zu vielen nationalen Ausbildungsabschlüssen weltweite Gültigkeit. Das - auf praktisch sämtliche Produktzertifizierungen übertragbare - Schlusswort spricht denn auch ein weiterer GULP-Forum-Benutzer: "Der MCSE verschafft Dir das Vorstellungsgespräch, aber die Erfahrung verschafft Dir dann auch den Job."

 

 

Kommentar zu diesem Artikel:

"Als langjähriger IT-Trainer kann ich nur sagen: Wer meint, ein zertifizierter Trainer sei der bessere, ist selbst Schuld. Microsoft schreibt einem MCT so detailliert vor, was er wie zu unterrichten hat, das ein Eingehen auf die Bedürfnisse der Teilnehmer kaum möglich ist. Der Unterricht ist allzu syntax-orientiert. (Oktober 2007)"

"Für Quereinsteiger in z.B. die Entwicklung (Programmierung) durch gute autodidaktische Lehrmittel ein guter Weg, sich immer wieder auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Und zwar für relativ wenig Geld mit relativ wenig Zeitaufwand! Die Zertifizierung in einem neuen Thema ist dann wichtig, um in diesem Bereich auch einen Job oder Auftraggeber zu finden. (Dezember 2005)"

"Ist zu negativ! Die positiven Seiten der Zertifizierung werden zu wenig dargelegt. (März 2005)"

"Sehr gute Beschreibung der jetzigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. (Januar 2004)"

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Als langjähriger IT-Trainer kann ich nur sagen: Wer meint, ein zertifizierter Trainer sei der bessere, ist selbst Schuld. Microsoft schreibt einem MCT so detailliert vor, was er wie zu unterrichten hat, das ein Eingehen auf die Bedürfnisse der Teilnehmer kaum möglich ist. Der Unterricht ist allzu syntax-orientiert. (Oktober 2007)"

"Für Quereinsteiger in z.B. die Entwicklung (Programmierung) durch gute autodidaktische Lehrmittel ein guter Weg, sich immer wieder auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Und zwar für relativ wenig Geld mit relativ wenig Zeitaufwand! Die Zertifizierung in einem neuen Thema ist dann wichtig, um in diesem Bereich auch einen Job oder Auftraggeber zu finden. (Dezember 2005)"

"Ist zu negativ! Die positiven Seiten der Zertifizierung werden zu wenig dargelegt. (März 2005)"

"Sehr gute Beschreibung der jetzigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. (Januar 2004)"


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