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| Basel II ab 2007 gesetzliche
Pflicht:
Schub für den IT-Projektmarkt?
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(April 2006)
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Inhalt dieses Artikels:
Bessere Kreditkonditionen durch höhere IT-Sicherheit |
Mehr Nachfrage durch mehr Investitionen? |
Schutz kleiner und mittlerer Unternehmen |
Handlungsbedarf vielerorts noch notwendig |
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| Mitte Februar dieses Jahres verabschiedete
das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Banken-
und Kapitaladäquanzrichtlinie, besser bekannt unter dem Namen
"Basel II". Damit sind Banken und Finanzinstitute in Deutschland
ab 2007 gesetzlich verpflichtet, die Vorgaben des Basel II Abkommens
umzusetzen. Für kreditsuchende Unternehmen bedeutet das vor
allem, mehr in ihre IT-Sicherheit zu investieren, denn diese spielt
für die Kreditvergabe eine noch größere Rolle als
bisher.
Mit dem gesetzlichen Inkrafttreten von Basel II werden Banken und
Finanzinstitute eine individuelle Bonitätseinschätzung
des Kreditnehmers durchführen. Anhand dieser wird ermittelt,
wie hoch das Ausfallrisiko des kreditsuchenden Unternehmens ist,
also mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kredit an die Bank zurückgezahlt
werden kann. Je höher das Ausfallrisiko ist, desto mehr eigenes
Kapital muss die Bank für den Kredit bereitstellen. Diese Pflicht
wiederum gibt sie dann durch höhere Kreditkonditionen an das
Unternehmen weiter. |
| Bessere
Kreditkonditionen durch höhere IT-Sicherheit |
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Die Bonitätsprüfung führen die Banken anhand interner und externer
Ratingverfahren durch. Neben allgemeinen Markt- und Kreditrisiken
werden im Prüfverfahren auch operationale Risiken des Kreditnehmers
berücksichtigt. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem
operationalen Risiko "IT-Sicherheit". Warum? Zahlreiche
Unternehmensprozesse hängen von einer funktionierenden IT-Infrastruktur
ab. Fällt diese aus, steht nicht selten der ganze Betrieb still.
Damit ist eine stabile, sichere IT ganz mitentscheidend für
den Unternehmenserfolg. Aus diesem Grund prüfen die Banken,
ob und inwieweit der Kreditnehmer Sicherheitsvorkehrungen getroffen
hat, die ihn vor einem IT-Ausfall schützen. Dazu zählt
aber weit mehr als nur die Installation von Antivirenprogrammen,
Firewalls oder Datensicherungssystemen, denn neben der Technik spielen
auch organisatorische und personelle Rahmenbedingungen eine wichtige
Rolle. So stellt meist der Mensch ein weitaus unkalkulierbareres
Risiko dar als die Technik. Dem muss durch entsprechende Sensibilisierung
bzw. vertragliche Regelungen ebenso vorgebeugt werden.
Seitens des Bankenausschusses oder der Regierung gibt es bislang
jedoch keinen Anforderungskatalog zur IT-Sicherheit. Der IT-Security
Consultant Stefan Reelsen von der Firma reelance it consulting empfiehlt:
"Einen guten Überblick bietet das Grundschutzhandbuch
des Bundesamts
für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) .
Das Handbuch beschreibt die Sicherheitsmaßnahmen, die in keinem
Unternehmen fehlen dürfen. Allerdings darf diese Zusammenstellung
von Anforderungen nicht als schlüsselfertige Lösung gesehen
werden, vielmehr stellt sie eine Basis dar. Das 'one-size-fits-all'
Konzept, das die individuelle Einzelbetrachtung des Unternehmens,
seiner Ziele und Risiken ersetzt, kann es nicht geben. Neben der
technologischen Sicherheitsbetrachtung ist es erfolgskritisch, das
Gesamtbild der Informationssicherheit nicht aus den Augen zu verlieren.
Kaum jemand würde beispielsweise heute noch auf die Idee kommen,
seine Haustür in Abwesenheit offen stehen zu lassen. Ebenso
ist das Thema 'Physical Security' in keinem Unternehmen mehr fremd.
Auf der anderen Seite neigen eine Reihe von Menschen dazu, einen
Zweitschlüssel unter der Fußmatte oder im nächsten
Blumentopf zu platzieren. Analog dazu sind Notizzettel mit Passwörtern
am Monitor oder unter der Tastatur in Unternehmen mindestens ebenso
gängige Praxis. Ein Sicherheitskonzept ist grundsätzlich
nur so stark, wie das schwächste Glied in seiner Kette. Und
das ist zumeist nicht die Technologie, sondern der Mensch. Nach
einer britischen Umfrage würden 71 % der auf der Straße
befragten Personen ihr firmeninternes Passwort für eine Tafel
Schokolade verraten, 37 % nannten es bereits auf bloße Nachfrage",
gibt Reelsen zu Bedenken. |
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| Mehr
Nachfrage durch mehr Investitionen? |
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Mit einem gut dokumentierten IT-Risiko-Management
können Unternehmen die Chance auf günstige Kreditkonditionen
durchaus erhöhen. Eine lückenhafte IT-Infrastruktur dagegen
ergibt eine wesentlich schlechtere Kreditsituation, da in einem
solchen Fall das Ausfallrisiko für die Bank eindeutig höher
ist. Im Klartext heißt das für Unternehmer, dass sie
sich nicht nur intensiver mit IT-Sicherheit befassen, sondern gegebenenfalls
auch mehr in diese investieren müssen, wenn sie adäquate
Kredite erzielen wollen.
Es ist also naheliegend, dass die Umsetzung der Basel II Vorgaben
die Nachfrage nach externen IT-Spezialisten vorantreibt. Die Erwartungen
sollten aber nach Ansicht von Stefan Reelsen nicht überschätzt
werden: "Der gegenwärtig zu erwartende Anstieg der Nachfrage
aufgrund von Basel II darf aus meiner Sicht nicht überbewertet
werden. Die IT-Sicherheit ist aufgrund der immer weiter steigenden
Abhängigkeit von der Informationstechnologie im operativen
Geschäft eines jeden Unternehmens ein wichtiger Faktor. Im
Bezug auf die Kreditrichtlinie handelt es sich jedoch nur um einen
Baustein unter vielen. Auf der anderen Seite ist insgesamt ein Trend
erkennbar, der der Sicherheitsthematik nicht zuletzt aufgrund steigender
Komplexibilität der Bedrohungsszenarien einen höheren
Stellenwert einräumt. Basel II wird diesen Trend zweifelsohne
befördern."
Neben Spezialisten mit produktspezifischem Know-how seien vor allem
Berater gefragt, die in der Lage sind, die gesamte Prozesskette
der Verarbeitung und Speicherung von Informationen zu betrachten
und individuelle Schutzkonzepte entwickeln und umsetzen. Hierbei
würden nichttechnische Themen eine bedeutende und oftmals unterschätzte
Rolle einnehmen, so Reelsen weiter. |
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| Schutz
kleiner und mittlerer Unternehmen |
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| Um kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) zu entlasten, hat die Regierung im Gesetzesentwurf eine sogenannte
Mittelstandskomponente eingebaut. Diese sieht vor, dass Banken Kredite
von unter einer Million Euro der Forderungsklasse "Retail"
(wie für Privatpersonen) zuordnen können. Dann erhält
der Kredit, unabhängig von der Höhe des Jahresumsatzes,
ein um 25 % niedrigeres Risikogewicht als ein Unternehmenskredit.
Mit diesem Mittelstandspaket reagiert die Regierung auf durchgeführte
Untersuchungen, nach denen KMU im Schnitt eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit
als Großunternehmen aufweisen. Deshalb wären Mittelstandskredite
mit höheren Mindesteigenkapitalanforderungen belastet als Kredite
an Großunternehmen, was schlechtere Kreditkonditionen für
den Mittelstand zur Folge hätte. |
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| Handlungsbedarf
vielerorts noch notwendig |
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| Doch Mittelstandspaket hin oder her,
insgesamt gesehen werden Unternehmen durch die gesetzliche Umsetzung
von Basel II stärker in die Pflicht genommen, ihre IT-Sicherheit
zu analysieren und gegebenenfalls zu verbessern. Doch wie stehen
Unternehmen dem Thema gegenüber bzw. ist es für sie überhaupt
eines? Der IT-Security-Experte weiß: "Basel II ist für
Unternehmen definitiv ein Thema, schließlich geht es um zukünftige
Zinsbelastungen für Investitionen im Rahmen von Bankkrediten.
Insbesondere bei mittelständischen Unternehmen besteht jedoch
bislang noch ein Informationsdefizit und damit verbunden nicht selten
dringender Handlungsbedarf."
Mit einem sprunghaften Anstieg der Investitionen für IT-Security
ist nach Meinung von Reelsen aber nicht zu rechnen. Das Wachstum
dieses Bereichs sei jedoch unverkennbar und sicherlich kein Hype,
sondern ein Basisbaustein nachhaltiger Geschäftssicherung.
"IT-Security ist ein Prozess, der in den verschiedenen Stadien
der Unterstützung unterschiedlich spezialisierter Experten
bedarf. Die meisten Unternehmen sind daher sehr gut beraten, dieses
Know-how extern einzukaufen", so Reelsen.
Die gesetzliche Verpflichtung zur Umsetzung von Basel II ab 2007
wird die Nachfrage nach entsprechenden IT-Spezialisten sicherlich
positiv beeinflussen und festigen, auch wenn der ganz große
Schub ausbleiben wird. Langfristig gesehen wird aber das Thema "IT-Sicherheit"
angesichts der wachsenden IT-Abhängigkeit sowie immer ausgefeilteren
Bedrohungsszenarien für Unternehmen eine existentielle Rolle
spielen und damit zu einem nachhaltigen Bedarf an IT-Security-Experten
führen.
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Stefan Reelsen ist
CISSP zertifiziert und arbeitet als freiberuflicher IT-Security
Consultant für Großkonzerne und mittelständische
Unternehmen, vorwiegend in Europa. In dem breiten Spektrum seiner
Tätigkeitsfelder bildet die Beratung zu Sicherheitsaspekten
im Bereich der Netzwerk- und Kommunikationslösungen einen Schwerpunkt.
Mehr Informationen zu seiner Person erhalten Sie unter http://www.reelance.com/ .
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