Je länger ein Projekt dauert, umso mehr finanzielle Sicherheit bedeutet das für den freiberuflichen IT-Spezialisten. Dabei richtet sich der Einsatz externer IT-Projektmitarbeiter u.a. auch danach, ob sie nur zum schnellen Ausgleich von Lastspitzen engagiert werden oder zum langfristigen Kompensieren von Know-how-Defiziten innerhalb eines Unternehmens. GULP interessierte, ob es Branchenunterschiede bei der Einsatzdauer freiberuflicher IT-Spezialisten gibt. Im dritten Teil der Serie "Branchen im Vergleich" steht somit nach den gezahlten Stundensätzen und den Vermittlungsprovisionen nun die Projektdauer auf den Prüfstand.
Datenbasis des Branchenvergleichs sind die Einträge freiberuflicher IT-Experten in die Liste "Stundensätze in der Praxis" [Zugriff nur mit Profil-Account]. Für die aktuelle Auswertung wurden rund 2.000 Angaben von IT-Spezialisten zu ihren Projekten in den Jahren 2000 bis 2005 untersucht.
Wie lange werden freiberufliche IT-Spezialisten in Projekten eingesetzt?
Bei den hier untersuchten Branchen waren IT-Freiberufler durchschnittlich 10,8 Monate im Projekt beschäftigt. Am längsten dauerte ihr Einsatz bei Versicherungen, im Handel und der IT/EDV mit mehr als elf Monaten. Mit einer Projektdauer von 10,8 Monaten positionieren sich die Banken, auf die ein Großteil der Projekte entfällt, gemeinsam mit der Elektronikbranche im guten Mittelfeld. Die Projekte mit der kürzesten Laufzeit gab es mit durchschnittlich 8,5 Monaten im Dienstleistungssektor, der damit am weitesten von allen anderen Branchen abweicht.
Bei Projekten mit langer Laufzeit sind IT-Freiberufler laut einer GULP Umfrage bereit,
einen Rabatt von durchschnittlich 10,9 Prozent auf ihren Stundensatz zu gewähren. Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der durchschnittlich gezahlten Stundensätze aller Branchen in Abhängigkeit von der Projektdauer:
Wie hoch liegen die Stundensätze je nach Projektdauer?
Auf den ersten Blick stehen die Stundensatzzahlungen im Widerspruch zu dem oben zitierten Umfragewert, denn mit zunehmender Projektlaufzeit steigen auch die Honorarforderungen. Jedoch muss bei der Interpretation der Werte berücksichtigt werden, dass es sich bei einer langen Einsatzdauer externer Projektmitarbeiter in der Regel um sehr komplexe Projekte handelt, die höher spezialisierte IT-Experten mit überdurchschnittlichen Stundensätzen von 70 Euro und mehr erfordern. Hier werden also externe Fachkräfte und somit spezialisiertes Know-how ins Unternehmen geholt, um Defiziten langfristig entgegenzuwirken. Für kürzere Zeit eingesetzte externe IT-Mitarbeiter dienen hingegen vor allem dazu, kurzfristig, schnell und unkompliziert Lastspitzen auszugleichen, die von den eigenen Mitarbeitern aus Zeitmangel nicht bearbeitet werden können. Darunter fallen beispielsweise das Erstellen von Webdesigns oder auch standardmäßige Testvorgänge.
Kommentare zu diesem Artikel:
"Was ist mit den Mehrjährigen? Bei meinen Kunden ist ein nicht unerheblicher Teil der Externen mehr als zwei Jahre da. Ich bin jetzt bald 8 (!) Jahre beim gleichen Großkunden, übrigens noch immer über den gleichen Vermittler. (März 2006)"
"Leute, die Ihre Arbeitskraft günstiger anbieten als mein Kunde seine Inder einkauft (ca. 20-25 EUR), wie der sog. "EDV-Dozent" hier, sind hier bei GULP meines Erachtens fehl am Platze (dafür gibt es Studenten- und 400 EUR Teilzeitbörsen) und sollten wenigstens damit nicht öffentlich hausieren gehen... (März 2006)"
"Der Artikel ist interessant, deckt aber sicherlich nicht die moegliche Bandbreite in einem Großunternehmen ab. Für einen erstklassigen Projektleiter werden u.U. vierstellige Beträge pro Tag bezahlt, auch bei einer Projektlaufzeit >12M. Für einen Programmierer liegen wir bei einer Größenordnung von ca. 50 bis 80 Euro/pro Stunde je nach Erfahrung und vorhandenem know-how. (März 2006)"
"Die Aussage des Artikels steht im Widerspruch zu den Stundensätzen der letzten Monate. Selbst Projekte über GULP
liegen im Schnitt bei 45-55 Euro, dies trotz längerer Laufzeit. Von 62 Euro für kurze Tasks - von Projekten kann man hier kaum noch reden - kann man trotz guter Qualifikation nur träumen. (März 2006)"
"Ich kenne auch eher die Einstellung des Anbieters bei längeren Laufzeiten die Stundensätze zu drücken, da der Freelancer ja eine höhere Planungssicherheit usw. hat.
(Februar 2006)"
"Gerne wird bei längeren Laufzeiten versucht, den Preis zu drücken. Ich entgegne gerne, dass ich dann länger gebunden bin und u.U. sehr lukrative Angebote ausschlagen müsste. Außerdem bin ich auch wegen der Flexibilität Freelancer geworden. (Februar 2006)"
"Bei langfristigen Projekten bilden die externen Mitarbeiter teilweise sogar einen nicht unerheblichen Teil der Projektleitung. Natürlich sind da die Stundensätze höher.
Einfache Aufgaben werden im jetzigem Projekt hauptsächlich nach Indien vergeben.
(Februar 2006)"
"Dem Kollegen EDV-Dozenten kann man nur raten, die Branche zu wechseln oder etwas für seine eigene Weiterbildung zu tun und bei solchen Preisen auch einmal "Nein!" zu sagen. Wenn man nicht gerade "wie bediene ich die Windowsoberfläche" oder "wie schicke ich eine Email ab" lehrt, sollte mehr verlangen und auch bekommen. Ich kenne auch Anbieter, die ständig versuchen, zu solchen Preisen einzukaufen. Für diese arbeite ich auch, aber nur ca. einmal im Jahr und dann mindestens zum >=3-fachen des hier genannten Preises. (Was auch noch geschenkt ist und ich nur wg. der lokalen Nähe mache!) (Februar 2006)"
"Ich arbeite als EDV-Dozent zur Zeit an sehr kurzen Projekten zu absoluten Niedrigpreisen (14 - 17 Euro/h) (Februar 2006)"
"Mich verwundert diese Darstellung. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Auftraggeber bei längeren Projektlaufzeiten gerne den Stundensatz drücken und sich auch - angesichts der höheren finanziellen Sicherheit für den Freelancer - durchsetzen können. (Februar 2006)"
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