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Drahtlos in die Zukunft?

Mobiles Internet: Goldgräberstimmung und Fachkräftemangel

(Dezember 2000)

Der Boom des eBusiness hat gerade erst begonnen, da wird auch schon der Nachfolger beschworen: Ersetze "electronic" durch "mobile" und schon freuen wir uns auf die schöne neue Welt des mBusiness. Die Euphorie in den Führungsetagen scheint grenzenlos, um die erhofften Umsätze zu erreichen muss beim Kunden jedoch der Bedarf geweckt werden. Dazu wird neben der Hardware die Mangelware Mindware benötigt. Es ist nichts Neues: IT-Spezialisten braucht das Land!

 

mCommerce und Fachkräftemangel  
   

Das neue Begriffspaar mBusiness / mCommerce ist die logische Fortführung von eBusiness und eCommerce: der Anwender soll nun das Internet immer und überall nutzen können. Der Bedarf soll mit den heutigen (Interims-) Technologien - WAP für die Darstellung, HSCSD und GPRS für die Übertragung - geweckt werden, eine wirklich volle und komfortable mobile Nutzung des Internet wird jedoch erst mit Einführung von UMTS und den entsprechenden Endgeräten möglich sein. Damit werden dann auch WAP und Co. ihren Dienst getan haben.

Im Wesentlichen wird die kommerzielle Nutzung des Internet sich nicht verändern, sie wird sich jedoch um Aspekte erweitern, die für den mobilen Einsatz interessant erscheinen. Wer die Visionen der mBusiness-Protagonisten betrachtet, stellt oftmals enttäuscht fest, dass die anvisierten neuen Inhalte weniger mit Mobilität zu tun haben denn vielmehr mit Bandbreite: Das vermehrte Aufkommen von Videos als virtueller Showroom-Ersatz allein macht das Internet nicht beweglicher. Es bleibt fraglich, ob der Kunde in der Straßenbahn die Muße hat, das Angebot eines Modevertriebs zu "erleben" und ob die Akzeptanz des Supermarkt-Flyers steigt, wenn dieser als Multimedia-Anwendung in der Mailbox landet anstatt der Tageszeitung beizuliegen - mCommerce unterscheidet sich in den Köpfen der Planer noch nicht immer von eCommerce. Anders als Handel und Werbung haben Dienstleister und Banken deutlich konkretere Vorstellungen für mBusiness. Application Sharing für das Mobilbüro oder Mobile Banking sind denkbare Anwendungen, an denen weiterentwickelt werden muss.

Was sich sicherlich kaum ändern wird, ist der Fachkräftemangel. Europaweit fehlen derzeit 1,9 Millionen IT-Experten, für das Jahr 2003 werden 3,8 Millionen prognostiziert. Der Wandel vom e- zum mBusiness ist hier ein bedeutender Faktor. Wie Besucher der Systems in München unschwer gemerkt haben dürften, liegen die Schwerpunkte hier besonders in den Bereichen Kommunikation und Datentransfer. Datenbank- und Sicherheitsprofis sind besonders bei Handel und Banken verstärkt gefragt. Auch Netzwerkspezialisten bleiben angesichts des steigenden Vernetzungsbedarfs gesuchte Fachkräfte, z.B. um externe Mitarbeiter an das Firmennetzwerk anzubinden. Wer in diesen Gebieten Erfahrungen sammelt und Fortbildung nicht scheut, wird den wachsenden Absolventenzahlen der Hochschulen den entscheidenden Schritt voraus bleiben.

 

 

Die Technologien im Fluss der Zeit nach oben
   

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WAP: Das Wireless Application Protocol gilt als "Internet-Browser für Handies" und somit als Türöffner im mBusiness. Der WAP-Boom bleibt jedoch aus wegen der beschränkten Darstellungsmöglichkeiten moderner Mobiltelefone, die die Bedienerfreundlichkeit der speziell aufbereiteten Inhalte stark einschränken.
> HSCSD: Der erste Schritt zum schnelleren mobilen Datenverkehr. Durch High Speed Circuit Switched Data im Laptop-Modem oder Handy ist es seit Ende 1999 im Funknetz von E Plus möglich, die mobile Datenübertragung auf immerhin 38,4 kb/s (von 9,6 kb/s) zu steigern; D2 rüstet sein Netz damit ebenfalls auf.
> GPRS: die letzte Ausbaustufe der aktuellen Mobilfunknetze. Mit dem General Packet Radio Service kann der Besitzer des entsprechenden Mobiltelefons "always on" sein, D1 will das ab Ende 2000 Bundesweit mit bis zu 48 kb/s ermöglichen. Bei dieser Lösung wird zur Übertragung das Internet Protocol genutzt, die Daten zum Senden in Pakete zerlegt.
> UMTS: Der Mobilfunkstandard der dritten Generation. Universal Mobile Telecommunication Services verspricht Datentransferraten im Megabit-Bereich und ermöglicht somit auch die mobile Übertragung datenintensiver Inhalte. Ende 2001 wollen die Ersten Mobilfunkbetreiber diesen Dienst starten, bis 2005 müssen sie 50% der Bevölkerung erreichen, sollen die teuer erworbenen Lizenzen nicht verfallen.
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Parallel kommt Bluetooth: Datenaustausch im Kurzstreckenbereich. Wird die Verbindung zwischen Mobiltelefon und Laptop heute noch per Kabel oder Infrarot hergestellt, soll Bluetooth ab Ende 2000 die Hardware kabellos kommunizieren lassen. Die Standard-Reichweite beträgt zehn Meter (mit Verstärkern auf 100m erweiterbar), in der ersten Generation wird eine Übertragungsrate von 700kb/s erreicht die später auf 2Mbit/s gesteigert werden soll.

 

 

Autor: Jean-Christophe Haimb

 



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