| GULP |
Herr Schlösser, welcher Weg
führte Sie zum SAP-Spezialisten? |
| Schlösser |
Eigentlich kein sonderlich ungewöhnlicher. Ich
habe in Wiesbaden Bauingenieurwesen studiert, mit dem Diplom-Ingenieur
abgeschlossen und danach wie viele naturwissenschaftliche Studenten
mich auf den DV-Bereich konzentriert. Da habe ich erst einmal reichlich
Erfahrungen in den Bereichen Expertensysteme, Künstliche Intelligenz
und objektorientiertes Softwaredesign gesammelt – bis ich schließlich
1998 eine einjährige Weiterbildung zum SAP R/3-Berater Logistik
absolviert habe. Im Laufe der beruflichen Praxis haben sich dann
die Schwerpunkte Materialmanagement und Instandhaltung heraus kristallisiert. |
| GULP |
Und warum sind Sie Freiberufler
geworden? |
| Schlösser |
Das hört sich in der heutigen Zeit zwar etwas
priveligiert an, aber ich hatte damals tatsächlich die Möglichkeit
zu wählen:
Freiberufler oder Festanstellung. Ich plane lieber selbst, wie viel
Projektarbeit und wie viel freie Zeit
ich
habe – sofern
es der Markt zulässt.
Ich liebe da einfach meine Unabhängigkeit. Das ist vielleicht
eine Frage des Typs, vielleicht auch eine Frage der Lebensphase -
viele Faktoren spielen eine Rolle. Und je nachdem, wie man für
sich selbst die private Ortsgebundenheit, die persönliche Risikobereitschaft,
Wunsch nach Veränderungen, Sicherheitsüberlegungen oder
auch privete Verpflichtungen einschätzt, fällt die Entscheidung
aus. Jedes Modell hat Vor- und Nachteile, für mich liegen derzeit
die Vorteile eindeutig in der Freiberuflichkeit - das wiederum kann
aber in der Zukunft
auch wieder anders aussehen. |
| GULP |
Als Freiberufler hat man aber auch mehr Aufwand rund
um seine Arbeit. |
| Schlösser |
Genau das hat mich aber besonders an der Selbstständigkeit
gereizt. Sich selbst darum zu kümmern und dafür verantwortlich
zu sein, dass man Projekte findet, wo man während eines Einsatzes
wohnt bis hin zur Rechnungsstellung und Buchführung – all
das "Drumherum" bereichert einen Auftrag in meinen Augen eher als dass
es ein nachteil wäre. |
| GULP |
Und warum haben Sie sich schließlich für
SAP entschieden? |
| Schlösser |
>> Vielfältige Arbeitsfelder
und Entfaltungsmöglichkeiten. <<
|
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Mir gefällt der integrierte und modulübergreifende
Ansatz von SAP sowie die Einmal-Ablage und die zigfache
Wiederverwertbarkeit
von Daten. Außerdem bietet das CRM-System vielfältige
Arbeitsfelder und Entfaltungsmöglichkeiten. Von der normalen
Projektarbeit über Routinebetreuung und Schulungen bis zur Dokumentation
oder Programmierung – da kommt so schnell keine Langeweile
auf bzw. man läuft nicht so bald Gefahr, sich in wirklich "eingefahrenen
Bahnen" zu bewegen. |
| GULP |
Da spricht der Freiberufler, der Veränderungen
mag. |
| Schlösser |
Natürlich. Und dem kommt SAP ferner entgegen,
weil es weltweit präsent ist. Man muss nicht erst auf der Landkarte
nachschauen, ob SAP in einer Region eingesetzt wird, denn eines ist
sicher: es wird dort auch eingesetzt. Gerade für Freiberufler,
die sich hin und wieder gerne örtlich verändern, ist das
eine gute Ausgangsbasis. |
| GULP |
Ein System also, das für Flexibilität bürgt. |
| Schlösser |
Einerseits ja, andererseits aber ist es genau da stabil,
wo man es gerne hat. Weil dem System betriebswirtschaftliche Prinzipien
zugrunde liegen, ist es nicht so schnelllebig wie manches andere
in der IT-Branche. Das verspricht eine nicht zu geringe Halbwertszeit
des Erlernten, was wiederum auch beruhigend ist. |
| GULP |
Apropos Erlerntes – sind Sie SAP-zertifiziert? |
| Schlösser |
Nein. Ich habe die bereits erwähnte Qualifizierung
gemacht und muss für meine Person sagen, dass ich niemals nach
einer Zertifizierung gefragt worden bin. Ich hatte auch in keinem
Projekt das Gefühl, dass ich es gebraucht hätte. |
| GULP |
Und wie bilden Sie sich weiter? |
| Schlösser |
>> Training on the job. <<
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Natürlich informiere ich mich in den diversen
Medien über Neuerungen, aber grundsätzlich ist meine Weiterbildung
das "training on the job". Was ich im Projekt, durch
eigene Praxis und durch Kollegen lerne – das ist mehr als mir
jedes Buch bieten kann. |
| GULP |
Haben Sie viel Kontakt zu den Kollegen im Projekt? |
| Schlösser |
Ja und das ist auch einer der Vorteile von SAP. Man
hat die Möglichkeit, mit den unterschiedlichsten Mitarbeitern
eines Unternehmens zusammenzuarbeiten. Ob Anwender oder Manager – irgendwie
hat man mit allen zu tun. |
| GULP |
Sie sind SAP R/3-Berater? Was machen Sie eigentlich
genau? |
| Schlösser |
Bei Modifikationen an bestehenden Systemen oder bei
der Neueinführung gehört es zu meinen Aufgaben, Kundenprozesse
zu überprüfen, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls
neu zu gestalten. Und dann gilt es, die adäquaten Mittel zu
finden, welche diese Prozesse unterstützen, denn da bietet SAP
viele Alternativen. Und das ist nicht so einfach, zumal die richtige
grundlegende Entscheidung später viel Geld und zusätzlichen
Programmieraufwand sparen kann.
Derzeit bin ich in einem großen
Unternehmen Mittler zwischen Fachbereichen, die eine Fehlerbeseitigung
oder Neustrukturierung
von Prozessen möchten, und der Entwicklungsabteilung, die
bei der Umsetzung von Vorhaben Programmieraufgaben übernimmt.
Ich prüfe die Anliegen auf ihre Notwendigkeit und Integrationsfähigkeit,
mache gegebenenfalls zusammen mit den Fachabteilungen die Fachkonzepte,
führe die erforderlichen Customizing-Einstellungen durch und überwache
erforderliche
Programmierarbeiten. |
| GULP |
Sollte ein SAP-Spezialist Ihrer Meinung nach neben
den fachlichen Fähigkeiten auch andere Eigenschaften besitzen? |
| Schlösser |
>> Geisteswissenschaftliche
Tugenden helfen. <<
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Schwer zu sagen. Bei modulübergreifenden Tätigkeiten
helfen vielleicht sogenannte geisteswissenschaftliche "Tugenden" wie
das vernetzte Denken oder die Fähigkeit, verschiedene Interessen
zu bündeln. |
| GULP |
Sind SAP-Spezialisten eine "verschworene Gemeinschaft" bzw.
gibt es
intensivere Kontakte zwischen Vertretern dieser Gruppe? |
| Schlösser |
Verschworene Gemeinschaft nicht. Es gibt aber entsprechende
Foren von Beratern, die ich aber weniger nutze. |
| GULP |
Was hat sich nach Ihren Erfahrungen in den vergangenen
Jahren im IT-Projektmarkt geändert? |
| Schlösser |
Das ist relativ einfach zu beantworten: Die Stundensätze
sind schlechter geworden und die Stimmung rauer. |
| GULP |
Und speziell in der SAP-Landschaft? |
| Schlösser |
SAP ist nach meiner persönlichen Meinung im Vergleich
zu andern Märkten erstaunlich stabil. Meine Entscheidung, SAP-Berater
zu werden, wird dadurch nachträglich auch bestätigt. |
| GULP |
Und wie kamen Sie an Ihre Projekte? |
| Schlösser |
Eigentlich fast ausnahmslos über GULP. Meistens
bin ich über die Profiledatenbank von Projektanbietern angeschrieben
worden, ich habe mich aber auch aktiv auf Ausschreibungen beworben,
die ich auf www.gulp.de gefunden habe. |
| GULP |
Warum ist SAP der Platzhirsch auf dem deutschen IT-Projektmarkt? |
| Schlösser |
>> Eigenschaften, die zum
Erfolg führen. <<
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Weil es ein "typisch deutsches" Produkt
ist. Bitte nicht missverstehen, ich meine damit vor allem die Bündelung
folgender Eigenschaften: Exakt, konsequent, durchdacht und etwas
spröde. Typisch deutsch eben, was immer man davon halten mag.
Aber auf diesem Sektor sind das Eigenschaften, die insgesamt zum
Erfolg führen. |
| GULP |
Und warum werden nach wie vor so viele IT-Berater
benötigt? |
| Schlösser |
Weil es erfolgreich ist und weil es sehr komplex ist.
Da braucht es gerade in größeren Unternehmen in der Regel
schon einige Experten, die den reibungslosen Einsatz von SAP-Modulen
gewährleisten. |
| GULP |
Waren bzw. sind Ihre Projekteinsätze meist von
kürzerer Dauer oder sind Sie in der Regel länger vor Ort? |
| Schlösser |
Tatsächlich dauerte bei mir bis jetzt ein Projekt
nie länger als ein Jahr, was aber mit der jeweiligen Aufgabenstellung
zusammen hängt. Sind es definierte Projekteinsätze,
sind sie mit der Erfüllung der Aufgabe beendet. Derzeit aber
bin ich auch in der
Routinebetreuung tätig, es ist also keine reine Projektarbeit – und
ein Ende ist im Moment nicht festgelegt. |
| GULP |
SAP gilt als System für Großunternehmen.
Hat es auch Vorteile für den Mittelstand? |
| Schlösser |
>> Für Mittelstand
nur interessant, wenn es deutlich billiger wird. <<
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Damit es für mittelständische Unternehmen
eine wirklich interessante Lösung wird, müsste meines Erachtens
zum einen abgespeckt und zum anderen deutlich billiger werden. Was
ich in diesem Zusammenhang manchmal – von außen betrachtet – ärgerlich
finde, ist, dass kleinere Firmen mit ähnlichen Produkten aufgrund
der SAP-Marktbeherrschung fast keine Chancen haben und so auch sehr
gute Ideen in irgendeiner Schublade verschwinden. |
| GULP |
Zum Schluss eine etwas provokante Frage: Was mögen
Sie nicht an SAP? |
| Schlösser |
Gut wäre ein "Mehr" an grafischer
Unterstützung bei der Prozessgestaltung. Hier gibt es z. B.
gute Lösungen in CASE-Tools, welche die verschiedenen Prozessbeteiligten,
Prozessschritte, Stammdaten, Organisationseinheiten etc. grafisch
veranschaulichen und die bei der Abstimmung der unterschiedlichen
Abstimmungspartner hilfreich sein können. |
| GULP |
Sehr geehrter Herr Schlösser, vielen Dank für
das Gespräch. |
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