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Marktstudie: IT-Freiberufler im Mittelstand

(August 2004)

Inhalt dieses Artikels:
Die Dominanz der Konzerne | Ein überzeugter Universalist | Parallel mehrere Projekte sind normal | Auch der Mittelstand kennt die "Blaue Banane" | Fachliches Know-how und bevorzugte Positionen | Reife Semester bevorzugt | Die Zukunft: Chancen und Schwierigkeiten

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Dies ist eine Marktstudie aus dem IT-Projektmarktindex, dem Marktindex für IT-Projekte.
 

Hoffnungsträger Mittelstand. Die Ansicht, der IT-Projektmarkt besitze gerade in diesem Bereich ein ausgeprägtes Wachstumspotential, hat viele Anhänger. Die GULP Marktstudie beleuchtet die Anforderungen an und die Chancen von IT-Freiberuflern in mittelständischen Betrieben.

Eine erste Schwierigkeit: Im Angesicht unterschiedlichster Definitionen stellt sich schon früh die Frage, wer denn eigentlich der Mittelstand sei? Vom Sägewerk mit 50 Mitarbeitern bis zum Touristikunternehmen mit 500 Mitarbeitern – der Mittelstand ist hinsichtlich Branche, Struktur, Geschäft und Anforderungen ausgesprochen heterogen und im Ganzen nur begrenzt zu erfassen.

 

Die Dominanz der Konzerne
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Von den über 1.400 GULP Kunden gehören derzeit gerade mal 74 mittelständische IT-fremde Unternehmen zu den so genannten Endkunden. Der IT-Projektmarkt ist aber in erster Linie ein Vermittlermarkt, was heißt: Neben den Großkonzernen und zahlreichen Softwarehäusern und IT-Dienstleistern nutzen die GULP Profiledatenbank vor allem Vermittlungsagenturen, die im Auftrag ihrer Kunden wiederum externe IT-Spezialisten über GULP rekrutieren.

Die Kundenstruktur der Agenturen wiederum ist GULP en detail nicht bekannt, jedoch ist unbestritten: Noch sind es zuallererst die Konzerne, die freiberufliche IT-Spezialisten anheuern.

 

 

Ein überzeugter Universalist
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Heiner Kook
Heiner Kook
"Auch wenn das Bild mittlerweile etwas abgedroschen ist, auf den Mittelstand trifft es zu: Wenn ein externer IT-Spezialist gesucht wird, dann soll er doch bitte die Qualitäten einer eierlegenden Wollmilchsau haben." Heiner Kook weiß, wovon er spricht – seit 1987 ist er für mittelständische Unternehmen tätig und hat in dieser Zeit unter anderem zwei Ausgründungen von IT-Dienstleistungen, zwei DV-Umstellungen und umfassende Beratungen von sechs mittelständischen Unternehmen "angesammelt".

Eine freiberufliche Karriere, ganz typisch für IT-Experten mit Fokus auf den Mittelstand: Kook, 47 Jahre alt mit Wohnsitz in Velbert, machte sich nach mehr als zehn Jahren Festanstellung 2000 als IT-Berater selbstständig – von Beginn an waren neben den herkömmlichen Programmierleistungen vor allem seine Fähigkeiten in Konzeption, Entwicklung und Organisation von IT-Infrastrukturen bei den vornehmlich mittelständischen Kunden gefragt. "Das eine bedingt das andere und umgekehrt", begründet Kook seine Nähe zum Mittelstand: "Als überzeugter Universalist fand und finde ich leichter Aufträge in Unternehmen mit weniger Hierarchiestufen. Diese wiederum suchen IT-Profis, welche die gesamte Palette abdecken."

 

 

Parallel mehrere Projekte sind normal
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Aber nicht nur Universalisten sollen es sein – eine weitere schwierige Anforderung stellen mittelständische Unternehmen an die IT-Freiberufler: Einerseits reicht in der Regel die Arbeit nicht für eine Vollzeitbeschäftigung, andererseits will man eine kontinuierliche Betreuung durch einen vertrauten IT-Experten.

Eine Situation, die auch Kook bestens kennt: "Gerade im Moment habe ich ein größeres Projekt beendet, daneben laufen aber zwei kleinere Projekte weiter." Um parallel für mehrere Kunden tätig sein zu können, müsse man laut Kook von Projekt- und Selbstmanagement folglich "mehr als nur etwas Ahnung haben". Die Schwierigkeiten hinsichtlich unterschiedlicher Örtlichkeiten der Kunden ("Von Frankfurt am Main bis Rügen") bekomme er zum Beispiel auch deshalb in Griff, weil er mindestens 50 Prozent seiner Arbeit vom Homeoffice aus erledigt: "Das ist natürlich Vertrauenssache von Seiten der Kunden, letztlich kann man aber hier recht bald mit der Leistung bzw. dem Ergebnis überzeugen."

Kook ist einer von 1.454 IT-Freiberuflern, die in ihrem bei GULP eingestellten Profil explizit den Mittelstand als speziellen Fokus angegeben haben. Auch die meisten anderen der über 50.000 bei GULP eingetragenen Freiberufler haben keine Probleme, für ein mittelständisches Unternehmen zu arbeiten, und sie tun es ja auch – allerdings bei der Suche nach Aufträgen liegt die Konzentration eher auf den Großaufträgen.

 

 

Auch der Mittelstand kennt die "Blaue Banane"
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Ob Konzern oder Mittelstand – hinsichtlich der geografischen Konzentration der Projekte und damit auch des Wohnsitzes der IT-Freiberufler gibt es kaum Unterschiede:

 
Wohnsitz der IT-Freiberufler mit Fokus Mittelstand: Regionale Verteilung
Wohnsitz der IT-Freiberufler mit Fokus Mittelstand: Regionale Verteilung

 


Die Wirtschaftsgeografen sprechen von einer "Blauen Banane" (bildhafter Ausdruck für die auf Wettbewerb beruhende Konzentration von Wirtschaftskraft), im Fall des IT-Projektmarktes für den Mittelstand bedeutet dies, dass sich die "Blaue Banane" entlang der wirtschaftlich starken Zentren durch Deutschland – von Süden entlang der Rheinschiene im Westen bis zu den Hansestädten im Norden – zieht und das vereinigte Deutschland wieder in zwei Gebiete teilt: Das eine mit sehr vielen mittelständischen IT-Projekten und -Freiberuflern, das andere mit weit weniger Projektaktivitäten.

In dem sichtbaren West-Ostgefälle polarisieren die Region 0 als Niemandsland für IT-Freiberufler auf der einen Seite sowie auf der anderen Seite die Großräume Frankfurt am Main und München, wo vor allem die Branchen Banken, Automobil, IT und Telekommunikation auch die Ansiedelung vieler mittelständischer Unternehmen bedeuten. Gerade die typischen Zulieferbetriebe müssen oftmals auch den IT-Vorgaben ihrer großen Kunden folgen, was dann Projekte für Freiberufler ergibt.

 

 

Fachliches Know-how und bevorzugte Positionen
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"Von der Verkabelung bis zur Unterstützung im strategischen Management", für Kook liegt die Frage im Mittelstand weniger darin, welches Betriebssystem oder welche Programmiersprache der externe IT-Experte nun vorweisen könne, denn: "Die üblichen fachlichen Qualifikationen sind meist geforderter Standard".

Das wiederum bestätigen die entsprechenden Eintragungen bei GULP, wo neben dem Mittelstand die Kenntnisse in Unix, Java, Oracle, C++, SAP oder Linux nicht selten gehäuft in einem Profil anzutreffen sind.

Aufschlussreicher ist die Betrachtung der bevorzugten Positionen, welche die IT-Freiberufler in ihren Profilen angeben, denn hier weichen die Daten der Mittelstand-Spezialisten deutlich vom Durchschnitt aller IT-Freiberufler ab:

 
   
Bevorzugte Position freiberuflicher IT-Spezialisten
 
   

29,2 zu 21,4 Prozent und 22,1 zu 17 Prozent – gerade bei den Positionen "Beratung / Consulting" und "Projektleitung / Koordination" ist bei den IT-Freiberuflern mit Fokus Mittelstand ein deutlich höherer Anteil zu verzeichnen – und stimmt so mit der Einschätzung von Kook überein, dass für Projekte im Mittelstand die externen IT-Spezialisten verstärkt Konzeptions- und Organisationsstärke sowie Führungsqualitäten mitbringen müssen. Kook: "Der Controlling-Aspekt in der mittelständischen IT sowie die zunehmende Bedeutung des Risikomanagements erfordern häufig IT-Experten, die auch den Kostenfaktor verantwortlich im Auge behalten können."

 

 

Reife Semester bevorzugt
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Im Gegensatz zur Festanstellung, wo für Arbeitgeber jünger oft gleich besser bedeutet, steht im IT-Projektmarkt die Erfahrung der freiberuflichen Spezialisten im Vordergrund. Durchschnittlich 39 Jahre zählt der IT-Freiberufler – bei den Mittelstandsspezialisten ist der Durchschnitt mit 40 Jahren sogar noch etwas höher, wobei den Ausschlag die 40- bis 45jährigen geben.

 
   
Altersstruktur freiberuflicher IT-Spezialisten
 
   

Mit 47 Jahren liegt Kook zwar über dem Durchschnitt, er gehört aber auch nach Ansicht seiner Kunden noch lange nicht zum "alten Eisen". Die Attraktivität bei den Projektanbietern liege vor allem in der fundierten Erfahrung, die erst die Berufsjahre bringen können: "Die Kombination aus einem gesunden Grundlagenwissen und der Fähigkeit, sich schnell Spezialkenntnisse anzueignen, ist ausschlaggebend."

Und wenn dann noch eine gereifte Persönlichkeit mit ausreichend sozialer Kompetenz hinzu kommt, dann ist das Alter tatsächlich im IT-Projektmarkt weit mehr ein Vorteil als ein Nachteil.

 

 

Die Zukunft: Chancen und Schwierigkeiten
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IT-Freiberufler mit Erfahrung im Mittelstand fordern derzeit einen durchschnittlichen Stundensatz von 70 Euro – und liegen damit um beachtliche sechs Euro über dem Schnitt aller bei GULP erfassten Freiberufler. Das allerdings ist auch nicht verwunderlich, wenn man die bereits angeführten Hauptaufgaben betrachtet.

Die Zukunft – Kook will seiner Devise treu bleiben: "Immer wieder über den Tellerrand schauen und sich permanent um seine fachliche Attraktivität kümmern. Preise dem Markt anpassen, aber sich dem Dumping verweigern. Und wissen, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Qualität und Zuverlässigkeit sich letztlich durchsetzen werden." Denn gerade im Mittelstand würden bei einer Auftragsvergabe nicht allein die reinen Zahlen entscheiden, sondern auch "das Vertrauen" in den freiberuflichen IT-Experten.

Ob der IT-Projektmarkt nun im Mittelstand seine goldene Zukunft findet – bei jenen derzeit gerne verkündeten Prognosen ist Skepis berechtigt. Natürlich hat der Mittelstand seine Wichtigkeit als potentieller Projektanbieter für IT-Freiberufler. Er wird aber sicherlich in dieser Funktion so schnell kein Ersatz für die Großkonzerne, die allein wegen ihrer weit komplexeren internen IT auch in absehbarer Zukunft die größere Anzahl von Projekten bereit stellen werden.

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Eine sehr gute Studie, der ich in ihrer Kernaussage beipflichten kann. Einen Push durch den Mittelstand sehe ich auch nicht, doch eine Möglichkeit für alle Freelancer, die vielleicht auf etwas Honorar verzichten wollen, dafür aber statt in anonymen Großkonzernen zu arbeiten eine persönliche Umgebung schätzen. Nach Erfahrungen sowohl hier als auch da suche ich nur noch in mittelständischen Betrieben, denn hier kann man außerdem auch ohne Vermittler einen Job finden. (November 2004)"

"Die gemachten Erfahrungen decken sich leider nicht mit meinen. Insbesondere in der Akquise müssen besondere Hindernisse überwunden werden. Im Mittelstand wird gern auf bekanntes und subjektiv 'sicheres' zurückgegriffen. Ich bin überzeugter Mittelständler und stelle fest, das der Mittelstand die großen Chancen (Qualität, Preis) mit der Einbeziehung von Freiberuflern nicht intensiver genutzt wird. Der Mittelstand ist gegenüber den Konzernen noch sehr weit von sachlichen Kosten-Nutzen-Effizienz-Gedanken in der Organisation und unterstützenden IT entfernt. Kleiner Auszug aus den Standardaussagen der mittelständischen Entscheider: 'Die Leistungen eines Beraters werden intern erbracht' oder 'Unsere Fachabteilungen halten externe Unterstützung nicht für überflüssig'.  Dieses eher konservative, reservierte Verhalten prägt den Mittelstand sehr und wird diese Unternehmen mittelfristig auf dem Weg zur Globalisierung oder Modernisierung behindern. (August 2004)"

"Der Bericht ist sachlich, glaubwürdig und auf den Punkt. Es gelingt euch der Spagat zwischen statistischer Werthaltigkeit (bei der von euch gewohnten Glaubwürdigkeit) und der letztendlich nur für jeden IT-Berater individuell erklärlichen Mehrwert-Betrachtung für dessen Klientel.  (August 2004)"

"GUT (August 2004)"

"Eine sehr gute Zusammenfassung und Überblick. (August 2004)"


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