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Unter der Lupe: Ist MVS am Ende?

Die angespannte Situation im IT-Projektmarkt trifft den Mainframe-Bereich besonders heftig

(November 2001)
Inhalt dieses Artikels:
MVS stürzt ab | Harte Fakten | Mögliche Erklärungen | Stichprobe
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Dies ist eine Marktstudie aus dem IT-Projektmarktindex, dem Marktindex für IT-Projekte.
 

Im Oktober 2001 gehen die Projektanfragen für MVS bzw. OS/390 dramatisch zurück. GULP Information Services skizziert die aktuelle Marktsituation im Mainframe-Bereich und bietet einige Erklärungen für die gefundene Entwicklung an. Vorliegende Untersuchung fasst die wesentlichen Ergebnisse einer Analyse des IT-Projektmarktes zusammen. Das Datenmaterial basiert auf den Statistiken der GULP Dienste zur Vermittlung von IT-Freiberuflern und den Berechnungen der GULP Service Tools GULP-o-meter, GULP Stundensatz Kalkulator und GULP Trend Analyzer.

 

Oktober 2001 - MVS stürzt ab!
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Totgesagte leben länger! Diese Weisheit schien der MVS-Bereich lange Zeit eindrucksvoll zu bestätigen. Freiberufliche MVS-Experten konnten sich in den letzten Jahren - allen Unkenrufen zum Trotz, die dem Mainfame-Bereich das baldige Ende prophezeiten - über eine recht gute Marktlage freuen. Doch die jüngste Entwicklung verheißt nichts Gutes: Die Nachfrage für MVS geht in den Keller, sie fällt binnen eines Monats um 45,4 Prozent. Hat der Oldie jetzt endgültig seine Schuldigkeit getan und verabschiedet sich vom Marktgeschehen? Oder ist diese Erklärung zu einfach und stattdessen sind ganz andere Gründe für die Talfahrt von MVS verantwortlich? Diese Studie bietet einige Erklärungsansätze, die mögliche Antworten auf diese Frage geben.

 

 

Die harten Fakten
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Kurz und bündig
> MVS ist im Mai 2001 mit 14,8 Prozent das am meisten gefragte Betriebssystem.
> Im Oktober fällt die Nachfrage für MVS gegenüber dem Vormonat erdrutschartig um 45,4 Prozent.

Um dem gesteckten Anspruch Genüge zu leisten, lohnt es sich zunächstmal einen Blick auf die Entwicklung der Projektanfragen für MVS zu werfen. Macht man das und stellt die Ergebnisse zur besseren Einordnung dem Trend der Betriebssysteme Windows und Unix gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild (siehe Abbildung 1).

Die Entwicklung zeigt für MVS von Oktober 2000 bis Mai 2001 einen positiven Nachfrage-Trend. Die Projektanfragen an IT-Freiberufler mit MVS-Skills steigen tendenziell bis Mai 2001 an und erreichen dort ein Maximum: 14,8 Prozent aller Projektanfragen sind zu diesem Zeitpunkt im MVS-Bereich angesiedelt. Damit ist Mainframe im Mai 2001 das am häufigsten gesuchte Betriebssystem und liegt noch vor Windows und Unix. Nach dem frühsommerlichen Peakwert stagniert die Nachfrage auf hohem Niveau bei etwa 13 Prozent. Der September kündet dann bereits von schlechteren Zeiten: Der Anteil der MVS-Projektanfragen gibt um 9,8 Prozent nach. Doch damit nicht genug: Im Oktober 2001 stürzen die Nachfragen für MVS bzw. OS/390 in den Keller. Die Nachfrage fällt innerhalb eines Monats von 11,9 Prozent auf einen Anteil von 6,5 Prozent - das ist ein Schwund von 45,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die zum Vergleich herangezogenen Betriebssysteme Windows und Unix schlagen eine andere Entwicklung ein: Die Nachfrage für beide Betriebssysteme steigt im Oktober 2001 gegenüber dem Vormonat an.

Diagramm: Entwicklung der monatlichen Projektanfragen für MVS, Windows und Unix

MVS bzw. OS/390
Unix
Windows
Abbildung 1: Monatliche Entwicklung der Projektanfragen an IT-Freiberufler im Zeitraum Oktober 2000 bis Oktober 2001.
 

 

Mögliche Erklärungen
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Kurz und bündig
> Parallelen zu Y2k erscheinen plausibel.
> Das Abebben der Auftragsflut aus dem Banken- und Versicherungsbereich wirkt sich negativ auf die MVS-Nachfrage aus.
> Konkret bieten sich die Umstrukturierungen und Kosteneinsparungen im Bankenumfeld als Erklärung an.

Läutet dieser unverhältnismäßig starke Rückgang der Nachfrage den Anfang vom MVS-Ende ein? Wir wagen eine Ursachenforschung für den dramatischen Absturz von MVS im Oktober 2001. Ruft man sich die Situation im Großrechnerbereich zur Jahrtausendwende in Erinnerung, dann findet man zu diesem Zeitpunkt eine ähnliche Marktlage vor: Kurz vor und nach dem Jahreswechsel 1999/2000 sinken die Projektanfragen für MVS (siehe Abbildung 2). Nicht aber, weil es am Bedarf an Mainframe-Experten mangelt, sondern vielmehr weil auch dringende Projekte zurückgestellt und neue Projekte nicht gestartet werden. Ähnliches könnte man derzeit in Zusammenhang mit der anstehenden Euro-Umstellung vermuten. Die Abschlußarbeiten für den Währungswechsel sind am Laufen oder bereits abgeschlossen. Doch schieben MVS-Nutzer neue Projekte erst mal auf die lange Bank, bis Gewissheit darüber herrscht, dass die Währungsumstellung auch problemlos über die Bühne gegangen ist.


Diagramm: Entwicklung der Nachfrage für MVS im Zeitraum November 1999 bis Oktober 2001

MVS bzw. OS/390
Abbildung 2: Entwicklung der monatlichen Projektanfragen für MVS bzw. OS/390 im Zeitraum November 1999 bis Oktober 2001.

Doch kann die Euro-Einführung keinesfalls zur Erklärung des dramatischen Einbruchs der Projektanfragen für Mainframe im Oktober 2001 herhalten. An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die Marktentwicklung im IT-Projektmarkt: Im Oktober 2001 bricht der Markt erneut dramatisch ein und durchläuft in den Kalenderwochen 40 und 44 die schwächsten Phasen seit Juni 2001 (siehe: "Aktuelle Marktlage" im GULP-o-meter). Die schwache Marktlage trifft MVS diesmal besonders heftig. Warum ist das so? Führt man sich die regionale Verteilung der MVS-Projekte vor Augen, dann findet sich eine mögliche Erklärung für den erdrutschartigen Nachfrage-Einbruch:

Abbildung 3 zeigt, dass freiberufliche MVS/Mainframe-Experten insbesondere im Postleitzahlengebiet D6 zur Projektrealisierung gesucht werden. 23,3 Prozent der MVS-Projekte sind hier - wohl zumeist in der Frankfurter Bankenmeile - angesiedelt. Genau das ist nun der springende Punkt.

Diagramm: Regionale Verteilung der  MVS-Projekte

Abbildung 3: Regionale Verteilung der Projektanfragen für MVS bzw. OS/390 im Zeitraum Oktober 2000 bis Oktober 2001.

Die Situation für MVS lässt durch die tiefgreifenden Veränderungen, die derzeit im deutschen Bankwesen ablaufen erklären. Die in Angriff genommenen Umstrukturierungen sind mit weitreichenden Einsparungen verbunden: Über 20.000 Arbeitsplätze haben die Großbanken bereits gestrichen. So berichtet beispielsweise das ARD Magazin "Monitor" extern: Deutsche Bank 7.100 Arbeitsplätze gestrichen, Hypovereinsbank 2.200, Commerzbank 3.400 und die Dresdner Bank baut sogar 7.800 Arbeitsplätze ab". "Deutsche Banken auf der Kostenbremse" stellt die Financial Times Deutschland extern fest. Auch das Manager Magazin nimmt die angespannte Lage im Bankenbereich genau unter die Lupe - spricht von der "Krise der Großbanken" extern und prophezeit weltweit ein bitteres Jahr 2001. Glaubt man dem Deutsche-Bank-Volkswirt Norbert Walter, so ist letztlich jeder dritte Arbeitsplatz im Bankensektor gefährdet. Diesen massiven Kosteneinsparungen werden sich auch die IT-Abteilungen nicht entziehen können. So baut man wohl Kapazitäten ab und spart an Investitionen. Ganz klar, dass unter diesen Vorzeichen anstehende MVS-Projekte drastisch zurückgefahren werden müssen und zunächst nur das dringend Notwendige in Angriff genommen wird. Auch die geplante Großfusion des Transaktionsgeschäfts von Dresdner Bank, Commerzbank und Deutscher Bank stockt und das spricht dafür, dass vorerst keine neuen IT-Projekte gestartet werden. Man wartet ab bis die Fusion tatsächlich über die Bühne gegangen ist und die Konzeption der IT-Infrastruktur Gestalt annimmt.

Ob anstehende MVS-Projekte vorerst nur auf "Eis gelegt" wurden (was zumindest die Parallelen aus der Vergangenheit vermuten lassen), ob sie gar dem Rotstift zum Opfer gefallen sind oder MVS tatsächlich vor dem Ende steht - das wird die Zukunft zeigen müssen. Weitere Hinweise, diese Fragen zu beantworten werden die nächsten Monate geben. Alle Interessierten sind eingeladen, die weitere Marktentwicklung für MVS/Mainframe im GULP Trend Analyzer und dem GULP-o-meter mitzuverfogen. Es verspricht auf alle Fälle spannend zu werden.

 

 

Die Stichprobe
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Die vorliegende Marktanalyse beruht auf der statistischen Auswertung der GULP Dienste zur Vermittlung von IT-Freiberuflern. Untersucht wurden 59.880 Projektangebote, die IT-Freiberuflern im Zeitraum Oktober 1999 bis Oktober 2001 über den GULP Server zugestellt wurden. Das Datenmaterial wird durch Informationen aus den Profilen der 27.983 (Stand: Oktober 2001) bei GULP eingetragenen IT-Freiberuflern und Angaben zum Nachfrageverhalten großer IT-Anwenderfirmen vervollständigt. Insgesamt repräsentiert die Datenbasis der vorliegenden Marktanalyse mehr als 79 Prozent des deutschen IT-Projektmarktes.

 

 



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