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Oracle + Peoplesoft: Übernahme mit Nachwehen?

(November 2005)

Inhalt dieses Artikels:
Rückgang der Projektangebote | Richtungweisende Stationen der Übernahme | Sinkende Stundensätze

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Nach einer 18-monatigen, teilweise sehr turbulenten Übernahmeschlacht hat Oracle Anfang 2005 den Konkurrenten Peoplesoft (Anbieter ERP-Software) endgültig aufgekauft. Der 1977 gegründete Datenbankriese Oracle mit Sitz in Kalifornien hat damit der SAP AG, Walldorf, im Bereich Unternehmenssoftware eine deutliche Kampfansage erteilt. Derzeit weltweit "nur" die Nummer zwei hinter SAP, will sich Oracle im Geschäft mit Business Software global und langfristig als Nummer eins im Markt etablieren.

Die langwierige und letztendlich feindliche Übernahme von Peoplesoft, behindert durch Kartellrechtsprozesse und finanzielle Uneinigkeit, hat vor allem bei Kunden und Anwendern für viel Unsicherheit und Irritation gesorgt. Inwieweit sich einzelne Stationen des Aufkaufs auf die Projektangebote für Peoplesoft sowie die Stundensätze entsprechender Experten ausgewirkt haben, verdeutlicht eine aktuelle GULP Analyse.

 

Rückgang der Projektangebote
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Im Zeitraum Januar 2003 bis Oktober 2005 gab es bei GULP insgesamt 266 Projektangebote, in denen Kenntnisse in Peoplesoft-Anwendungen gesucht wurden. Die Betrachtung nach Quartalen verdeutlicht, dass die Übernahme nicht spurlos am IT-Projektmarkt vorbeigegangen ist:  
   
Projektangebote in %
I.Quartal
II.Quartal
III. Quartal
IV.Quartal
Gesamtjahr bzw. vorläufiges Jahr
2003 1,2% 1,7% 1,5% 0,7% 1,3 %
2004 0,8% 1,0 % 0,7 % 0,6 % 0,8 %
2005 0,5 % 0,9% 0,3 %   0,6 %
 
   
Nach Bekanntgabe der Übernahme durch Oracle im Juni 2003 (II. Quartal) ging die Zahl der angebotenen Projekte in den darauffolgenden Quartalen kontinuierlich zurück. Die stärksten Rückgänge gab es vom dritten auf das vierte Quartal 2003 (- 53,3 %) und vom zweiten auf das dritte Quartal 2005 (- 66,7 %). Nichtsdestotrotz entwickelten sich die Projektangebote für Peoplesoft in diesem Jahr wieder etwas besser als noch im Vorjahr: So gab es 2005 bislang 25 Prozent weniger Projekte als noch 2004. Im Jahr 2004 waren es dagegen 38,5 Prozent weniger Projekte als noch 2003. Zwar stehen die Zahlen des letzten Quartals 2005 noch aus, jedoch sei bereits jetzt soviel verraten, dass es mit den Projekten im Oktober wieder bergauf ging.

Betrachtet man die monatliche Entwicklung der Projektangebote in den Jahren 2003 bis 2005 und vergleicht einzelne Werte mit richtungweisenden Stationen der Übernahme, so lassen sich durchaus Zusammenhänge erkennen.

 

 

Richtungweisende Stationen der Übernahme
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Juni 2003 - Bekanntgabe der Übernahme:

Im Juni 2003 reagierte Oracle mit einem feindlichen Übernahme-Angebot auf die Pläne von Peoplesoft, den Konkurrenten J.D. Edwards zu kaufen. Oracle-Chef Lawrence Ellison äußerte sich dahingehend, die Lösungen von Peoplesoft einzustampfen. Im gleichen Monat ging der Anteil der Peoplesoft-Angebote von 1,9 Prozent auf 1,1 Prozent zurück und entwickelte sich auch in den Folgemonaten auf einem geringeren Niveau, wie der Trendverlauf für das Jahr 2003 verdeutlicht.

 
   
Der Trend: Projektangebote Peoplesoft in %, Jahr 2003
 
   

Februar bis September 2004 - Kartellprozess

Das US-Justizministerium und zehn Bundesstaaten wollten die Übernahme verhindern, weil sie ein Monopol im ERP-Markt befürchteten und reichten deshalb im Februar 2004 Klage ein. Der Anteil der Projektangebote ging im Februar von ehemals 1,2 Prozent auf 0,3 Prozent rapide zurück.

 
   
Der Trend: Projektangebote Peoplesoft in %, Jahr 2004
 
   
Prozessbeginn im Juni. Des weiteren schraubte Peoplesoft im Juni seine Gewinnprognosen für das abgelaufene zweite Quartal deutlich zurück. Als Gründe wurden die negativen Auswirkungen des feindlichen Übernahmeangebots und das laufende Kartellverfahren angegeben. Insbesondere im Schlussmonat Juni habe der Kartellprozess mit Oracle die Geschäfte extrem belastet, erklärte Peoplesoft-CEO Craig Conway in einer Stellungnahme. Für Juli erwartete er noch stärkere Auswirkungen. Im Juli gab es bei GULP kein Projektangebot für Peoplesoft. Damit wurde der bisherige Tiefstwert erreicht.

Im September gab ein amerikanisches Bundesgericht grünes Licht für die Übernahme, da das Justizministerium eine wettbewerbsverzerrende Wirkung nicht nachweisen konnte. Seitdem entwickelten sich die Projektangebote zwar immer noch auf einem niedrigen Niveau, allerdings mit etwas mehr Stabilität.

Dezember 2004 - Endgültige Übernahme

Nach mehreren Kaufangeboten, mit denen Oracle seine Zahlungen für Peoplesoft immer wieder aufstockte, stimmte Peoplesoft der Übernahme schließlich zu. Oracle kostete der Aufkauf 10,3 Milliarden Dollar. Anfang Januar 2005 wurde die Übernahme endgültig abgeschlossen. Union-Investment-Fondsmanager sahen aufgrund des hohen Unsicherheitsfaktors für Peoplesoft-Kunden Vorteile für den deutschen Software-Giganten SAP.

Nachdem sich die Projektangebote nach der Urteilsverkündung leicht erholt hatten, gingen sie zum Jahreswechsel 2004/2005 wieder zurück.

Mitte Januar 2005 - Bekanntgabe Produkt Roadmap

Mitte Januar äußerte sich Oracle-Chef Lawrence Ellison erstmals zu den weiteren Plänen mit Peoplesoft. Er versprach seiner Klientel für alle Produktlinien - Peoplesoft-Produkte wie auch Software des von Peoplesoft übernommenen Anbieters J.D. Edwards - Kontinuität. Demzufolge will Oracle bis zum Jahr 2013 die Peoplesoft-Produkte unterstützen und die Software weiter entwickeln. Weiterhin arbeiten die Entwickler an einer einheitlichen und konsolidierten Business-Software-Plattform, die Oracle 2008 unter dem Namen "Project Fusion" präsentieren will. Auf Einzelheiten über die künftige Applikationslinie ging Ellison jedoch nicht ein.

Immerhin gaben diese neuen Informationen den Peoplesoft-Kunden und -Anwendern etwas mehr Sicherheit, dass es mit den Produkten weitergeht und vor allem, wie es mit diesen weitergeht. In den Folgemonaten (Februar bis Mai 2005) nahmen die Projektangebote bei GULP wieder zu.

 
   
Der Trend: Projektangebote Peoplesoft in %, Jahr 2005
 
   

Juni/Juli 2005 - Forderung nach konkreten Informationen

Die Jahresmitte 2005 läutete wieder eine Kehrtwende ein: Der zu Jahresbeginn spürbare Optimismus wich wieder aufkommenden Irritationen. In der Folge reduzierte sich der Anteil angebotener Projekte von 1,1 Prozent (Mai) auf 0,2 Prozent (September).

So wurde im Juni/Juli 2005 bekannt, dass Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Kunden mehr Informationen darüber forderten, wie es mit den Produkten weitergehe. Vor allem Kunden im Applikationsumfeld beklagten Informationsdefizite hinsichtlich Ansprechpartnern und der künftigen Produktstrategie. Thomas Zoller von der ehemaligen Peoplesoft German User Group (GUG) berichtete von Irritationen wegen der neuen Applikationsplattform "Projekt Fusion". Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Oracle Anwendergruppe (Doag) Fried Saacke wies darauf hin, dass die bekannt gegebenen Pläne bis 2013 keine ausreichende Perspektive für Unternehmen darstellten, um investitionssichere Entscheidungen treffen zu können. Vor allem mittelständische Unternehmen seien betroffen.

Indessen versuchte Oracle, seine unsicheren Kunden zu beschwichtigen und verwies darauf, dass die Beständigkeit der Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Lösungen noch nie so sicher war wie zu diesem Zeitpunkt. Diese würden bis 2013 weiter vertrieben, gewartet und unterstützt.

August/September 2005 - Konkretisierung der Pläne

Im Spätsommer präsentierte Oracle erste Einblicke in "Projekt Fusion". Wie die Computerwoche im August meldete, sei laut Oracles Senior Vice President John Wookey der Weg zu Fusion eine Evolution bisheriger Technik und das Ziel einer Service-orientierten Architektur (SOA). Derzeit gehe es vor allem darum, bisherige Tools für ein Prozess-Management von Oracle und "Peoplesoft 9" weiterzuentwickeln. Ziel sei eine Lösung, mit der sich Anwendungen (Services) flexibler einbinden und die Abläufe zwischen ihnen per Business Process Execution Language (BPEL) definieren lassen. Mehr Features für die automatisierte Konfiguration und ein standardisiertes Deployment von Anwendungen seien ebenfalls zu erwarten - ein Thema, das zuletzt auch bei Peoplesoft im Mittelpunkt der Produktentwicklung stand. Einen Vorgeschmack auf Fusion sollen die Anwendungspakete "Oracle E-Business Suite 12", "Enterprise 9" und "Enterprise One 8.12" geben. Zudem wird öffentlich, dass Oracle den CRM-Spezialisten Siebel Systems kaufen will, um im Applikationsmarkt weiter zu wachsen.

Im Oktober 2005 geht es mit Peoplesoft-Projekten wieder aufwärts. Eine Folge der Bekanntgabe konkreter Pläne?

Zwar wird der IT-Projektmarkt auch von weiteren Faktoren, wie z.B. Angebot und Nachfrage, generelles Wirtschaftswachstum, etc. beeinflusst, die aber bei der vorliegenden Analyse nicht weiter berücksichtigt wurden. Alles in allem spiegelt die Entwicklung des Trends für Peoplesoft-Projekte die starke Verunsicherung der Kunden im Zusammenhang mit der Übernahme wider. Insbesondere das Jahr 2004 war aufgrund des langandauernden Kartellprozesses und dem damit unsicheren Ausgang der Übernahme von mangelnder Investitionsbereitschaft geprägt. Warum auch in etwas investieren, wenn ein Nutzen langfristig nicht erkennbar bzw. gesichert ist?

Doch nicht nur die Kunden, auch die freiberuflichen IT-Experten mit Skills in Peoplesoft sahen sich in Folge der Übernahme veränderten Bedingungen gegenüber. Vor allem auf ihre Stundensätze hat sich das verknappte Angebot an Peoplesoft-Projekten ausgewirkt.

 

 

Sinkende Stundensätze
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Im Vergleich mit allen bei GULP eingetragenen IT-Freiberuflern verdienen Peoplesoft-Experten überdurchschnittlich gut: Aktuell liegt ihr durchschnittliches Stundenhonorar bei 90 Euro. Im Gegensatz dazu fordert das Gros der IT-Freiberufler 67 Euro. Allerdings haben Peoplesoft-Spezialisten finanziell auch schon bessere Zeiten gesehen, die jedoch allesamt vor der Oracle-Übernahme lagen.

 
   
Entwicklung der Stundensatzforderungen
 
Entwicklung der Stundensatzforderungen
 
blaue Kurve: Stundensatzforderungen Freiberufler fachlicher Schwerpunkt Peoplesoft
schwarze Kurve: Stundensatzforderungen aller Freiberufler
 
   
In der Zeit Mai bis November 2003 fiel der Stundensatz der Peoplesoft-Fachleute von 100 Euro auf 93 Euro. Eine Reaktion auf den kontinuierlichen Rückgang der Projektangebote in diesem Zeitraum. Von November 2003 bis Mai 2004 erholte sich der Stundensatz wieder, ebenso wie die Projektangebote. Danach ging es innerhalb eines Jahres stetig und ziemlich rasant bergab mit den Honoraren. Mit 86 Euro pro Stunde forderten Peoplesoft-Fachleute im Mai 2005 so wenig wie nie zuvor. Im Vergleich zum ehemaligen Spitzen-Stundensatz von 104 Euro Mitte 2002 bedeutete das Einbußen von fast 20 Euro pro Stunde. Auch der IT-Projektmarkt war in den beiden letzten Quartalen 2004 und dem ersten Quartal 2005 wieder von einem Rückgang der Peoplesoft-Projekte geprägt. Leichte Entspannung deutete sich erst im zweiten Quartal dieses Jahres wieder an. In den letzten fünf Monaten erholte sich der Stundensatz wieder und liegt vorläufig bei 90 Euro. Und das, obwohl sich die Projektangebote im dritten Quartal 2005 wieder rückläufig entwickelten.

Da die Entwicklung der Stundensätze aller Freiberufler weitaus stabiler verlief und nicht von solch extremen Stundensatzeinbrüchen wie bei Peoplesoft gekennzeichnet ist, ist ein Zusammenhang mit der Übernahme wahrscheinlich. Somit hat diese nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den IT-Freiberuflern Unsicherheit hervorgerufen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation für beide Seiten zukünftig darstellen wird.

 

 

 

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