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| Unter der Lupe:
Generationenkonflikt bei Oracle
Release-Wechsel wirft Oracle aus der Bahn |
| (Dezember
2002) |
| Inhalt dieses
Artikels:
Oracle8i fährt auf's
Abstellgleis | Oracle9i
hat Verspätung | Weichenstellung:
Release or not release |
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| Trotz der allgemeinen Unsicherheit
über die Branchenentwicklung besteht der Trend zu immer kürzer
werdenden Produkt-Lebenszyklen: IBM lässt den Vertrieb von
OS/390 demnächst einstellen, Microsoft verweigert den Support
von Windows NT und auch Oracle lässt seine Unterstützung
zu seiner Datenbank 7.3.4 mit Jahresfrist auslaufen. Viele Kunden
fragen sich mit Blick auf ihre knappen IT-Budgets, wohin dieser
Trend führen soll.
Das Datenmaterial vorliegender Marktstudie basiert auf den Statistiken
der GULP Dienste zur Vermittlung von IT-Freiberuflern und den Berechnungen
der GULP Service Tools GULP-o-meter,
GULP Trend Analyzer und GULP
Stundensatz Kalkulator. |
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Oracle 8i fährt auf's Abstellgleis |
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Larry Ellison gründete Oracle
1977, um die erste relationale Datenbank zu entwickeln und schon
1979 wurde diese SQL-Datenbank verkaufsfertig. Seither verdient
Oracle sein Geld einerseits aus den Lizenzeinnahmen für die
Software, andererseits aber auch mit Beratung, Unterstützung
und Schulung der Kunden. Nach Angaben von Oracle umfasst der Geschäftsbereich
Beratung, Ausbildung und Services heute rund 57 Prozent des Gesamt-Umsatzes
(Quelle: IDC
).
Oracle trieb die konsequente Weiterentwicklung seiner relationalen
Datenbank immer weiter voran. Oracle Version 7 wartete dann 1992
mit einer Reihe wichtiger Neuerungen gegenüber Oracle 6 auf.
Hierzu zählten beispielsweise "Cooperative Server"
zur Kooperation vernetzter Rechner und Automatisierung der Zugriffe
auf verteilte Datenbanken. Version 7.3.4 war schließlich die
letzte von Oracle unterstütze Version vor der neuen Version
8.
Kaum war 1998 Oracles Datenbank 8.0.5 als entscheidende Neuerung
gegenüber der Vorgängerversion 7.3.4 auf dem Markt etabliert,
demonstrierte die Datenbank Oracle 8.1 im März 1999 mit dem
Namenszusatz "i" ihre Internet-Tauglichkeit. Oracle 8i
war die weltweit erste Internet-Datenbank. Mit Oracle 8i lassen/ließen
sich direkt innerhalb der Datenbak produktive Internet-Anwendungen
entwickeln und verwalten, da alle erforderlichen Komponenten wie
Java-Programme, Websites und Internet-Funktionen in das Datenbanksystem
integriert sind. Eine Migration auf Oracles i-Generation schien
aus diesem Grund im E-Commerce-Zeitalter zwingend erforderlich.
Doch schon im Frühjahr 2001 folgte Version 2 (Release 8.1.6)
unter anderem mit Java2- und XML-Support.
Nur wenige Monate später stellte Oracle im Juni 2001 dann
seine neue Datenbank 9i offiziell vor. Zu den wichtigsten Neuerungen
gehörten hier die Clustering-Technik "Real Application
Clusters" sowie integrierte Analyse-Werkzeuge in Richtung Data-Warehousing.
Das Release 2 der Datenbank Oracle 9i ist dann planmäßig
im Mai 2002 auf den Markt gekommen und enthält unter anderem
Verbesserungen beim Umgang mit XML-Daten sowie der Leistung von
Data Warehouses.
IT-Freiberufler, die sich nur auf Oracle 8i spezialisiert haben,
benötigen daher in absehbarer Zukunft ein Know-how-Update.
Denn die Projektanfragen für die Generation 8i befinden sich
seit Anfang 2001 im Rückgang und ihre Nachfolgerin 9i erobert
spätestens seit Mitte 2002 große Marktanteile auf Kosten
ihrer älteren Schwester (siehe Abbildung 1).
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| Oracle
7.3.4 |
Oracle
8i |
Trendkurve
8i |
Oracle
9i |
| Abbildung
1: Entwicklung der Projektanfragen zu verschiedenen Oracle
Datenbank-Releases |
Kaum Luft geholt plant Oracle nach Informationen von 'Wall
Street & Technology Online' derweil wieder ein
Update seiner Datenbank mit Verbesserungen in punkto Kapazität
und vor allem im Bereich Clustering. Diese nächste Datenbank-Version,
intern als Oracle 10i bezeichnet, soll Mitte 2003 vom Stapel laufen.
Wird der Neuling auf dem Markt
schnell Fuß fassen können? |
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Oracle 9i hat Verspätung |
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| Produktlebenszyklus
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| Das Modell des Produktlebenszyklus
unterstellt, dass jedes Produkt von der Markteinführung
bis zur Einstellung des Angebotes einen Lebenszyklus durchläuft.
Dieser besteht aus den vier Phasen Einführung, Wachstum,
Reife & Sättigung und Rückgang, auch Degenerationsphase
genannt. Das Produkt ist dann technisch überholt
oder wirtschaftlich veraltet und entspricht nicht mehr
den aktuellen Bedürfnissen. |
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Oracles Datenbank 8i startete 1999 zu einem kometenhaften Aufstieg.
Gerade mal 9 Monate nach ihrer Markteinführung erreichte Oracles
erste internettaugliche Datenbank fast 50 Prozent mehr Marktanteil
als ihre jüngere Schwester 9i in den 18 Monaten ihres Daseins
bisher erzielen konnte. Oracle 9i hatte seit ihrer Markteinführung
im Juni 2001 einige Anlaufschwierigkeiten und kam bis Februar 2002
nicht aus den Startlöchern. Das Produkt wurde augenscheinlich
nicht schnell genug aus der Einführungs- in die Wachstumsphase
hinübergeleitet, um daraus gleichbleibend viele Projektanfragen
zu generieren.
Mit schlimmen Folgen: Oracle verlor seit Jahresbeginn 2002 stetig
Marktanteile. Die 8er-Serie war schon längst ein alter Hut,
die 9er-Version aber noch nicht vollständig im Markt etabliert.
Im Juli 2002 ist es dann passiert: IBMs Datenbank DB2 überholte
mit 13,3 Prozent aller Projektanfragen ihre im Formtief befindliche
Konkurrentin Oracle mit nur 12 Prozent und belegte somit erstmals
seit 1999 Platz 1 der gefragtesten Datenbank-Systeme (siehe Abbildung
2).
Oracles wieder erstarkter Marktanteil von 18,4 Prozent im August
2002 konnte nur durch die aus dem zweiten Release heraus gesteigerte
Nachfrage nach 9i-Experten erreicht werden (vgl. Abbildung 1). Nun
geht die Schere wieder auseinander: IBMs DB2 gibt die "geraubten"
Marktanteile wieder an Oracle zurück, wobei sich die altgediente
8i-Datenbank aufs Altenteil zurückzieht und Platz macht für
die mit Neuerungen vollgestopfte 9i-Version. Oracles Marktanteil
betrug im November 2002 immerhin wieder 14,6 Prozent, was aber trotz
allem noch unterhalb des Jahresdurchschnitts liegt.
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| Oracle |
DB2 |
| Abbildung
2: Oracle vs. IBM: Wer hat die meisten Projektanfragen? |
Wird sich dieses Szenario wiederholen, wenn Oracle seine nächste
Datenbank-Version wie geplant Mitte 2003 vom Stapel laufen lässt?
Die Frage ist berechtigt, denn noch hat Oracle 9i nicht die Hochform
der 8er-Version erreicht und befindet sich gemessen an den prozentualen
Marktanteilen am IT-Projektmarkt eher noch in der Wachstumsphase.
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Weichenstellung: Release or not release |
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| Ständige Release-Wechsel werfen
die IT-Budgetpläne etlicher Kunden über den Haufen und
das Einstellen von Support-Leistungen für ältere Produktgenerationen
erzeugt zusätzlichen Ärger. Was von den Softwareschmieden
als zukunftsweisender Warnschuss gedacht ist, könnte in der
derzeit angespannten Wirtschaftslage nach hinten losgehen, denn
die Zeichen in der Branche stehen schlecht. IT-Entscheider winken
beim Thema Migration angesichts leerer Kassen dankend ab. Unbeeindruckt
davon plant Oracle derweil für nächstes Jahr ein weiteres
Update seines derzeitigen Datenbank-Flagschiffs 9i.
Gerade in punkto Release-Wechsel zeigen sich die Unternehmen besonders
zurückhaltend und sehen sehen in ihrer Abstinenz ein effektives
Mittel zur Kostensenkung. Denn für jede neue Version werden
mehr Ressourcen als für die Vorgängerversion benötigt.
Und dann sind bei den Unternehmen nicht nur Hardware-Nachrüstungen
erforderlich - auch die Mitarbeiter der IT-Abteilungen benötigen
ein Technologie-Update, denn schließlich müssen sich
die Anwender mit der neuen Umgebung eingehend vertraut machen.
Da jedes neue Release mit Hunderten Änderungen beziehungsweise
Neuerungen gegenüber dem Vorgängerprodukt aufwartete,
musste dem Release-Wechsel auch eine entsprechend lange Umstellungsphase
zugestanden werden. Der Lernaufwand ist dabei jedes Mal sehr hoch
und nicht zu vernachlässigen, sollen Administratoren und Entwickler
die zum Teil neu ausgeklügelten Funktionen voll ausschöpfen.
Hier können nur externe Berater und freiberufliche Trainer
bei der Schulung des firmeneigenen festen DV-Stabs helfen.
Vor dem Hintergrund der auch in Zukunft unsicheren Branchenentwicklung
und des zu erwartenden Lernaufwandes bei der Einarbeitung in die
neue Oracle Version 10i, heißt die Devise erst einmal abwarten.
Denn die Mehrheit der Unternehmen sucht nach Einsparmöglichkeiten.
Prioritäten haben dabei Maßnahmen zur Kostenreduzierung,
die den reibungslosen Geschäftsablauf nicht gefährden.
An neuer Hard- und Software wird daher (neben Personalkosten) wieder
gespart.
Investitionsentscheider machen verstärkt Kosten/Nutzen-Rechnungen
auf. Neue Produktgenerationen legen sich die Unternehmen nur noch
zu, wenn der Nutzen die zu erwartenden Investitionen den Release-Wechsel
rechtfertigen. Also wenn durch eine Migration irgendein Geschäftsprozess
so optimiert werden kann, dass die entstehenden Investitionen (Anschaffung
zusätzliche Ressourcen, Mitarbeiterschulung aufgrund steiler
Lernkurve) gerechtfertigt werden können.
Ergeben sich aus dem Kauf eines neuen Releases keine entscheidenden
Vorteile gegenüber dem Mitbewerb, läuft die IT im Unternehmen
stabil und sind Ersatzinvestitionen nicht zwingend erforderlich,
so gibt es für einen IT-Entscheider kaum einen Grund, sich
für eine Investition auszusprechen. Viele Unternehmen versuchen
daher mehr aus der bestehenden Firmen-IT herauszuholen oder durch
Konsolidierungsprojekte einzusparen.
Auch die 2001 beschlossene Verkürzung der Abschreibefrist
von vier auf drei Jahre für IT/TK-Anlagen auf Grundlage der
"üblichen Nutzungsdauer", ist dem nicht wirklich
hilfreich. Den Betrieben sollte es hiermit ermöglicht werden,
schneller auf den technologischen Wandel zu reagieren und neue Informationstechnologie
anzuschaffen. Doch durch den ab 2003 zu erwartenden Kostendruck
dürfte so manches IT-Budget fürs neue Jahr weiter schrumpfen
und die von der IT-Krise gebeutelten Unternehmen werden sich bei
Migrations-Projekten stark zurückhalten - auch bei Oracle 10i. |
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| Die Stichprobe |
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| Die vorliegende Marktstudie beruht
auf der statistischen Auswertung der GULP Dienste zur Vermittlung
von IT-Freiberuflern. Die Entwicklung der Projektanfragen beruht
auf der statistischen Auswertung von 83.968 Projektangeboten, die
IT-Freiberuflern seit April 1999 über den GULP-Server zugestellt
wurden. Das Datenmaterial wird durch Informationen aus den Profilen
der über 38.550 bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler (Stand:
November 2002) ergänzt. Damit repräsentiert die Datenbasis
der vorliegenden Marktanalyse mehr als 85 Prozent des deutschen
freiberuflichen IT-Projektmarktes. |
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Kommentare zu diesem Artikel:
"eine interessante Betrachtung des DB Marktes. Fraglich ist allerdings die Notwendigkeit schneller Wechsel im Zusammenhang mit den Applikationen - Stichwort collaborative Business. Eine 8i oder 9i DB wird die Anforderungen nicht erfüllen. (April 2003)"
"'Mit schlimmen Folgen: Oracle verlor seit Jahresbeginn 2002 stetig Marktanteile. Die 8er-Serie war schon längst ein alter Hut, die 9er-Version aber noch nicht vollständig im Markt etabliert.' Oracle 8i ist längst kein alter Hut. Ich gehe Wette ein, daß 90% der '9i-Anfragen' bei ihnen, auch mit 8i KnowHow zu bewältigen sind, schließlich nutzen die meisten noch nicht einmal einen Bruchteil der 8i-Funktionalität. Die bräuchten gar kein 9i, wollen aber auf der sicheren Seite und UpToDate sein. Ich wette, daß ein Großteil der großen DB-Anwendungen noch alle unter 8i laufen. Kein Wunder, daß die Nachfrage nach 9i längst nicht so groß ausfällt wie die damalige nach 8i. Ist doch der Sprung von 7.3.4 auf 8i ein ganz anderer als der von 8i auf 9i gewesen. Daß Oracle Marktanteile verliert, liegt daran, daß andere Produkte einfach preiswerter sind, die vielen Funktionen gar nicht benötigt werden und es sich um eventuelle politische Entscheidungen handelt; ob da nun etwas früher oder später rauskommt ist völlig egal! Fazit beliebt trotzdem, daß die Oracle DB derzeit die DB mit dem größten technischen Funktionsumfang darstellt. (Januar 2003)"
"Sehr informativ und 'Neutral' (Dezember 2002)"
"Sehr nützliche Informationen für Entscheidungsfindung (Dezember 2002)"
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