| Ständige Release-Wechsel werfen
die IT-Budgetpläne etlicher Kunden über den Haufen und
das Einstellen von Support-Leistungen für ältere Produktgenerationen
erzeugt zusätzlichen Ärger. Was von den Softwareschmieden
als zukunftsweisender Warnschuss gedacht ist, könnte in der
derzeit angespannten Wirtschaftslage nach hinten losgehen, denn
die Zeichen in der Branche stehen schlecht. IT-Entscheider winken
beim Thema Migration angesichts leerer Kassen dankend ab. Unbeeindruckt
davon plant Oracle derweil für nächstes Jahr ein weiteres
Update seines derzeitigen Datenbank-Flagschiffs 9i.
Gerade in punkto Release-Wechsel zeigen sich die Unternehmen besonders
zurückhaltend und sehen sehen in ihrer Abstinenz ein effektives
Mittel zur Kostensenkung. Denn für jede neue Version werden
mehr Ressourcen als für die Vorgängerversion benötigt.
Und dann sind bei den Unternehmen nicht nur Hardware-Nachrüstungen
erforderlich - auch die Mitarbeiter der IT-Abteilungen benötigen
ein Technologie-Update, denn schließlich müssen sich
die Anwender mit der neuen Umgebung eingehend vertraut machen.
Da jedes neue Release mit Hunderten Änderungen beziehungsweise
Neuerungen gegenüber dem Vorgängerprodukt aufwartete,
musste dem Release-Wechsel auch eine entsprechend lange Umstellungsphase
zugestanden werden. Der Lernaufwand ist dabei jedes Mal sehr hoch
und nicht zu vernachlässigen, sollen Administratoren und Entwickler
die zum Teil neu ausgeklügelten Funktionen voll ausschöpfen.
Hier können nur externe Berater und freiberufliche Trainer
bei der Schulung des firmeneigenen festen DV-Stabs helfen.
Vor dem Hintergrund der auch in Zukunft unsicheren Branchenentwicklung
und des zu erwartenden Lernaufwandes bei der Einarbeitung in die
neue Oracle Version 10i, heißt die Devise erst einmal abwarten.
Denn die Mehrheit der Unternehmen sucht nach Einsparmöglichkeiten.
Prioritäten haben dabei Maßnahmen zur Kostenreduzierung,
die den reibungslosen Geschäftsablauf nicht gefährden.
An neuer Hard- und Software wird daher (neben Personalkosten) wieder
gespart.
Investitionsentscheider machen verstärkt Kosten/Nutzen-Rechnungen
auf. Neue Produktgenerationen legen sich die Unternehmen nur noch
zu, wenn der Nutzen die zu erwartenden Investitionen den Release-Wechsel
rechtfertigen. Also wenn durch eine Migration irgendein Geschäftsprozess
so optimiert werden kann, dass die entstehenden Investitionen (Anschaffung
zusätzliche Ressourcen, Mitarbeiterschulung aufgrund steiler
Lernkurve) gerechtfertigt werden können.
Ergeben sich aus dem Kauf eines neuen Releases keine entscheidenden
Vorteile gegenüber dem Mitbewerb, läuft die IT im Unternehmen
stabil und sind Ersatzinvestitionen nicht zwingend erforderlich,
so gibt es für einen IT-Entscheider kaum einen Grund, sich
für eine Investition auszusprechen. Viele Unternehmen versuchen
daher mehr aus der bestehenden Firmen-IT herauszuholen oder durch
Konsolidierungsprojekte einzusparen.
Auch die 2001 beschlossene Verkürzung der Abschreibefrist
von vier auf drei Jahre für IT/TK-Anlagen auf Grundlage der
"üblichen Nutzungsdauer", ist dem nicht wirklich
hilfreich. Den Betrieben sollte es hiermit ermöglicht werden,
schneller auf den technologischen Wandel zu reagieren und neue Informationstechnologie
anzuschaffen. Doch durch den ab 2003 zu erwartenden Kostendruck
dürfte so manches IT-Budget fürs neue Jahr weiter schrumpfen
und die von der IT-Krise gebeutelten Unternehmen werden sich bei
Migrations-Projekten stark zurückhalten - auch bei Oracle 10i. |