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Marktstudie: Relationale Datenbanken auf dem Prüfstand
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(Februar 2006)
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Inhalt dieses Artikels:
Weitverbreitetes Know-how | Oracle hängt alle ab | Bundesweit gesucht | Domäne der Jüngeren | Stabil aber unterdurchschnittlich | Positionen klar verteilt |
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Open-Source-Datenbanken, allen voran mySQL, würden zukünftig auch für größere Unternehmensanwendungen immer interessanter, liest man. Zwar gibt es bei ihrem Einsatz immer noch Grenzen, aber es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch diese überwunden sind. Nach wie vor haben die drei großen kommerziellen Datenbanken Oracle, DB2 (IBM) und SQL-Server (Microsoft) den Markt fest in der Hand. Jedoch zeigen sie erste Reaktionen auf die steigende Popularität der quelloffenen Konkurrenz: So haben bereits alle drei Datenbanken Ende 2005 kostenfreie Varianten ihrer Produkte vorgestellt oder angekündigt, z.B. "SQL-Server 2005" oder "Oracle 10g Express Edition".
Und auch sonst ist bei den großen relationalen Datenbanken einiges in Bewegung: So macht Oracle schon seit mehreren Jahren durch Übernahmen anderer Software-Unternehmen von sich reden: Neben Retek, PeopleSoft oder Siebel ist auch das finnische Softwarehaus Innobase Oy davon betroffen, dessen Open-Source-Produkt "InnoDB" Kernbestandteil der mySQL-Datenbank ist. Mit Blick auf Oracles Kampfansage im ERP-Bereich baut SAP seine Allianz mit IBM auch weiterhin aus: Im letzten Jahr wurde z.B. eine an SAP Business-Applikationen angepasste Version der DB2-Datenbank angekündigt. Und auch mySQL verbindet mit SAP seit längerem eine Partnerschaft und erwarb dadurch das Recht an der Weiterentwicklung und der Vermarktung neuer Releases von SAP DB, der Open-Source-Datenbank für den Unternehmenseinsatz der SAP AG. Die neue Datenbank adressiert unter dem neuen Namen MaxDB.
Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie die vier Datenbanken im IT-Projektmarkt positioniert sind. Zeichnen sich neue Entwicklungen ab, welche Veränderungen zeigen sich? GULP unterzieht die Datenbanken Oracle, DB2, SQL-Server und mySQL in der vorliegenden Markstudie einer genauen IST-Analyse, denn vielleicht ist ja die Zeit für IT-Spezialisten mehr als reif beim Thema Datenbanken umzusatteln. |
| Weitverbreitetes Know-how |
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In der GULP Profiledatenbank sind aktuell über 58.000 IT-Freiberufler registriert und nicht wenige von ihnen verfügen über Kenntnisse in mindestens einer der hier untersuchten Datenbanken:

Oracle ist bei den IT-Selbstständigen das populärste Datenbank-Skill, gefolgt von SQL-Server und mySQL. Bei beiden hält sich der Anteil der IT-Selbstständigen mit entsprechender Qualifikation in etwa die Waage. Deutlich weniger Freiberufler verfügen über DB2-Know-how. Interessant ist auch das Verhältnis von IT-Freiberuflern mit Datenbank-Erfahrung und den ausgesprochenen Spezialisten unter ihnen. Während bei Oracle über ein Drittel (37,4 %) aller IT-Freiberufler zu den Spezialisten zählen, sind es bei mySQL gerade einmal 12,1 %. Auch bei DB2 und SQL-Server ist der Anteil der Experten mit 29,2 % und 14,1 % weitaus überschaubarer.
Bis auf Oracle scheint eine Spezialisierung in den drei anderen Datenbanken weniger erstrebenswert zu sein, wofür Projektangebote oder auch die Finanzsituation mitverantwortlich sein dürften. Ob es tatsächlich so ist, zeigt zunächst der Blick auf die Verteilung der Projektangebote im Jahr 2005.
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| Oracle hängt alle ab |
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Wenn es um Projektangebote geht, stehen Oracle-Spezialisten immer noch am besten da. Für sie gab es auch im Jahr 2005 mit durchschnittlich 15,8 % die mit Abstand meisten Projektangebote im Vergleich zu den anderen Datenbanken. Demgegenüber entwickelten sich die Projektangebote bei den Datenbanken DB2 und SQL-Server mit im Schnitt 4,9 % bzw. 2,2 % auf wesentlich geringerem Niveau. Obwohl klares Schlusslicht, ist mySQL mit einem durchschnittlichen Projektanteil von 1,2 % der Datenbank SQL-Server nah auf den Fersen. In der zweiten Jahreshälfte wurden bis auf DB2 alle Datenbanken stärker nachgefragt, wobei auch hier wieder der Datenbankriese Oracle mit einer Steigerung um über einen Prozentpunkt die Nase vorn hatte.
Und auch das Verhältnis von Projektanfragen und IT-Spezialisten der hier genannten Datenbanken verdeutlicht, mit welchem der vier Skills sich die besten Projektchancen ergeben.
Verhältnis von Projektanfragen und IT-Spezialisten je Datenbank im Jahr 2005
Skill |
Projektanfragen |
IT-Spezialisten |
Verhältnis von
Projektanfragen und
IT-Spezialisten |
| Oracle |
13.340 |
6.380 |
~ 2,1 |
| DB 2 |
3.593 |
2.624 |
~ 1,4 |
| SQL-Server |
2.257 |
2.127 |
~ 1,1 |
| mySQL |
1.250 |
1.912 |
~ 0,7 |
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Bei dieser Gegenüberstellung zeigt sich wieder ein ganz klarer Vorteil für IT-Freiberufler mit Oracle-Know-how, denn hier erhält jeder IT-Spezialist im Schnitt zwei Projektanfragen und damit dreimal so viele wie mySQL-Experten. |
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| Bundesweit gesucht |
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Heutzutage kommt kaum ein Unternehmen und eine Branche ohne Datenbanksystem aus. Welche Datenbank letztendlich verwendet wird, orientiert sich vor allem an den Aufgaben, die im Unternehmen bewältigt werden müssen. Zwar werden Datenbank-Spezialisten bundesweit gesucht, aber es sind Konzentrationen einzelner Datenbanken in bestimmten Regionen feststellbar:

Prozentual am häufigsten richteten sich im vergangenen Jahr Projektanfragen an Datenbankspezialisten im Postleitzahlenraum D6. Hier befindet sich mit Frankfurt am Main der Hauptsitz vieler Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen. Auch in der Region D8 (Bayern) sind Fachleute mit Kenntnissen in mindestens einer der hier untersuchten Datenbanken ebenfalls noch stark nachgefragt. Damit folgt die regionale Verteilung der Projektanfragen einer allgemein bekannten Regelmäßigkeit im IT-Projektmarkt, zählen doch die Regionen D6 und D8 zu den Ballungsräumen im IT-Projektmarkt. Bis auf diese Gemeinsamkeiten gibt es auch eindeutige regionale Unterschiede:
So werden DB2-Spezialisten außer im Gebiet D6 besonders oft auch im Raum D7 (Heilbronn-Freiburg-Stuttgart) sowie der Schweiz gesucht. Oracle führt im bayerischen Raum (D8) sowie in D4 (Osnabrück- Essen-Düsseldorf) das Feld an. SQL-Server liegt nur im Nordwesten D2 (Flensburg-Hamburg-Oldenburg) knapp vor den anderen drei Datenbanken. Der Nordosten der Republik D1 ist die deutliche Domäne der quelloffenen Alternative mySQL, wobei hier sicher die Metropole Berlin eine nicht unwesentliche Rolle spielen dürfte: Diese zieht vor allem die jüngere Generation an, die sich bekanntermaßen stärker im Open-Source-Umfeld spezialisiert wie auch die Altersverteilung beim Datenbankvergleich zeigt. |
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| Domäne der Jüngeren |
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Im Schnitt sind die bei GULP registrierten Freiberufler 39,7 Jahre alt. Bis auf die Oracle-Experten weichen die anderen Datenbank-Spezialisten von diesem Durchschnittsalter ab:
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Oracle-Experten: 39,7 Jahre |
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DB2-Experten: 43,2 Jahre |
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SQL-Server-Experten: 38,6 Jahre |
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mySQL-Experten: 36,6 Jahre |
DB2 ist ganz klar das Datenbanksystem der älteren Semester: Der Anteil der über 40-Jährigen liegt hier bei fast der Hälfte (47,9 %). Im Vergleich dazu ist mySQL dagegen deutlich der jüngeren Generation vorbehalten: Von ihnen ist über die Hälfte (55,9 %) zwischen 20 und 34 Jahre alt. In etwa ähnlich ist die Altersverteilung bei Oracle und SQL-Server: Hier befindet sich der größte Teil mit 57,6 bzw. 56,7 % in der Altersklasse 30 bis 39 Jahre.
Danach betrachtet, seit wann es die Datenbanken auf dem Markt gibt, zeigen sich durchaus Zusammenhänge mit der Altersverteilung. Die Oldster bei den Datenbanksystemen sind Oracle und DB2, die bereits seit Ende der 1970er Jahre auf dem Markt sind. Die erste Version des SQL Servers erfolgte gut zehn Jahre später. MySQL wurde erst Mitte der 90er Jahre auf den Markt gebracht. Zudem findet mySQL besonders oft Anwendung im Bereich neue Medien (Internet), der vor allem Betätigungsfeld der jüngeren Generation ist.
Die Tatsache, dass Oracle- und DB2-Experten älter und damit in der Regel auch berufserfahrener sind, sollte sich auch in ihrer finanziellen Situation niederschlagen.
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| Stabil aber unterdurchschnittlich |
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Aktuell betragen die durchschnittlichen Stundensatzforderungen der
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Oracle- und DB2-Spezialisten: 66 Euro, |
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SQL-Server-Spezialisten: 62 Euro, |
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mySQL-Spezialisten: 56 Euro. |
Damit liegen sie alle unter den durchschnittlichen Stundensatzforderungen aller IT-Freiberufler von derzeit 67 Euro. In Anbetracht dessen, dass vor allem bei Oracle die Projektchancen erfolgversprechend sind, sollte es sich auch mit einem Stundensatz von 66 Euro gut leben lassen. Zudem zeigt die Grafik der Stundensatzforderungen eine überaus positive Tendenz, denn bei den marktführenden Datenbanken sind die Honorarforderungen seit nunmehr über einem Jahr stabil. Auch bei mySQL hat sich die Situation nach dem Rückgang im ersten Quartal 2005 wieder entspannt: Gemeinsam mit DB2 verzeichnet der Skill sogar eine Stundensatzsteigerung um einen Euro.
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| Positionen klar verteilt |
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In alter Tradition setzte sich Oracle auch im Jahr 2005 wieder unangefochten an die Spitze der relationalen Datenbanken. Hinsichtlich der Positionierung der Datenbanken im IT-Projektmarkt ist also alles beim Alten. Bei Konkurrenzsituation, Angebot und Nachfrage sowie Finanzen hatten Oracle-Spezialisten die besseren Karten. Der zweitplazierte DB2 überzeugte durch stabile Projektangebote, jedoch ohne sichtbare Weiterentwicklung. Bei den Finanzen ziehen DB2-Experten derzeit gleichauf mit Oracle-Spezialisten und gehören damit zu den Besserverdienern bei den untersuchten Datenbanksystemen, was vor allem auch ihrem fortgeschrittenerem Alter Rechnung trägt. Da sich besonders ältere Semester im DB2-Bereich tummeln und in spätestens 15 Jahren fast 30 % der heutigen Experten bereits in Rente sind bzw. kurz davor stehen, ist DB2 auf lange Sicht gesehen sicher eine überlegenswerte Perspektive für Neueinsteiger.
MySQL als Alternative für kommerzielle Datenbanken hat im IT-Projektmarkt noch keine
wirklich durchschlagenden Auswirkungen. Da der Mitbewerb im Vergleich zum Anteil der Projektangebote bei diesem Skill sehr hoch ist, sind Projektauslastung und auch Finanzen hier weitaus weniger attraktiv als bei den kommerziellen Datenbanken. Bestätigen sich aber die Prognosen, dass Unternehmen zukünftig verstärkt auf mySQL als kostengünstige Alternative setzen werden und die Datenbank dahingehend weiter optimiert wird, birgt dieser Skill sicherlich das größte Entwicklungspotenzial. Auf lange Sicht gesehen, kann sich der rechtzeitige der Erwerb von mySQL-Qualifikationen also durchaus rentieren.
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Kommentare zu diesem Artikel:
"Gute Information, danke. (Januar 2007)"
"Fand ich sehr gut. Hoffe aber, dass sich der Markt für db2 verbessert. (April 2006)"
"Sehr informativer und für die Selbsteinschätzung wertvoller Artikel. Hoffentlich stimmt auch die tröstliche Kunde für die älteren Semester (bin Jg. 1950), dass ihr Wissen in den nächsten Jahren eher mehr als weniger (für den einzelnen) nachgefragt wird. Die letzten Jahre waren ja alles andere als rosig. (Februar 2006)"
"Schöner Vergleich....super! (Februar 2006)"
"Schade, dass Sie nicht auch die Datenbank PostgreSql mit in Ihren Vergleich einbezogen haben. (Februar 2006)"
"Bezüglich des Trends von Interesse. (Februar 2006)"
"Gelungener und aufschlussreicher Vergleich. Vielleicht hätte man die Projekte noch näher vergleichen sollen, z.B. Auftragsgröße/-dauer der jeweiligen Projekte, Ansiedlung der Projekte (Finanzsektor, Internet, etc.) u.ä. (Februar 2006)"
"Nicht ganz klar wird mir in dem Artikel, woran sie den Unterschied zwischen normalem Skill und Spezialistenkenntnisse festmachen! Aus meiner Consultingtätigkeit muss ich leider sagen, dass viele, die sagen 'Kenntnisse zu besitzen', Datenbanken mehr schlecht als recht administrieren und noch schlechteres Datenbankdesign abliefern. Von vernüftigen SQL-COde will ich da gar nicht sprechen! Viel zu häufig wird versucht Datenbankprobleme mit 'Hardware zu erschlagen'. (Nach 1-3 Quartalen kommt das Problem wieder...) (Februar 2006)"
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