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In der SAP-Welt ist die Goldgräberstimmung
verflogen. Freiberufler müssen sich verstärkt um Aufträge
bemühen. Wissen und konkrete Projekterfahrungen werden immer
wichtiger.
Nach exorbitanten Zuwächsen in den letzten
Jahren normalisieren sich nun die Verhältnisse in der SAP-Welt:
So erzielte SAP - die weltweit größte Softwareschmiede
für betriebswirtschaftliche Anwendungen - im ersten Quartal
2000 nur mehr mäßige Steigerungen im Neugeschäft
mit Lizenzen. Die massive Welle von Einführungs-Projekten bei
den Konzernen ebbt damit deutlich ab.
Zudem kommt das geplante Internet-Geschäft
der SAP mit elektronischen Marktplätzen bislang nicht vom Fleck.
Auch die Eroberung des Mittelstandes mit "Mysap.com" klappt nicht
so recht. Das alles drückt natürlich den Auftragsbestand
freiberuflicher SAP-Experten. "Ich habe eigentlich erwartet, dass
es nach der Jahr-2000-Umstellung besser wird", so Peter Heun, freier
SAP-Entwickler in Velbert. "Bislang hat sich das Geschäft nicht
wieder mit Leben erfüllt." Das ist auch die Erfahrung von Gerhard
Kamper, freiberuflicher SAP-Entwickler in Eberdingen. "Die Honorare
sind inzwischen um mindestens 30 Prozent gesunken, ebenso die Auslastung
der Kollegen. - Doch davor lagen die Preise bei mindestens 130 Prozent",
räumt Kamper ein.
"Inzwischen ist eine gewisse Normalisierung eingetreten",
stellt ebenso Horst Treuholz fest, freiberuflicher SAP-Berater für
die Logistik-Module in Herold und Sprecher des SAP-Arbeitskreises
beim Bundesverband Selbständige in der Informatik (BVSI
).
Doch trotz des allgemeinen Rückgangs erzielten
heute qualifizierte Experten höhere Honorare als in der Vergangenheit.
Berater Treuholz: "Die Extreme laufen zunehmend auseinander: Die
Qualifizierten können sich vor Aufträgen kaum mehr retten.
Die schlecht ausgebildeten Kollegen dagegen haben Probleme, noch
an lukrative Projekte ranzukommen."
Vor allem treffe dies auf Berater zu, die übers
Arbeitsamt den Weg in die SAP-Welt gefunden haben. "Viele Arbeitslose
oder Absolventen fachfremder Studiengänge wie etwa Sozialpädagogen
sind leider nur dürftig auf ihre neue Rolle als SAP-Berater
vorbereitet worden", so Treuholz weiter.
Die Schuld daran trifft die Vielzahl freier Bildungsträger,
die in den letzten Jahren "in großer Anzahl SAP-Berater und
-Entwickler auf den Markt geworfen haben", denkt auch Peter Heun.
Die überhastete Ausbildung neuer Leute hat ein schlechtes Licht
auf die gesamte Berater-Szene geworfen. "Da sind viele Kunden vergrault
worden", räumt Gerhard Kamper ein.
"Ich selbst bekomme Aufträge, weil man mich
in der Branche kennt", so Kamper weiter, der schon seit über
20 Jahren in der Entwicklung tätig ist. Vor sechs Jahren dann
sattelte er auf SAP R/3 um. Seit vier Jahren ist er als SAP-Entwickler
selbständig.
Die besten Chancen böten sich zur Zeit bei
anspruchsvollen Integration-Projekten, so Kampers Einschätzung.
"Allerdings nicht für Berater, die nur oberflächliche
Kenntnisse in R/3 besitzen." Kamper selbst arbeitet zur Zeit an
einem solchen Projekt: Für einen Fertigungsbetrieb entwickelt
er eine intermodulare Schnittstelle, über die es möglich
sein wird, Eingabewerte für bestimmte Masken, die bislang per
Hand eingetippt werden mussten, über ein Barcode-Lesegerät
einzulesen. "Dabei werden die Standard-Funktionen der jeweiligen
Eingabemaske überlagert. Eine Zwischenlogik muss geschrieben
werden, die fehlende Eingabewerte aus der Datenbank ausliest und
den jeweiligen Feldern zuweist."
"Das ist jede Menge Arbeit", so Kamper weiter.
Unerfahrene Leute bräuchten dafür bis zu zwei Jahre. "Das
aber nimmt heute kein Auftraggeber mehr hin." Kamper selber will
das Projekt in drei bis vier Monaten schaffen, zusammen mit einem
Betriebswirts, der sich "in den Tiefen des Systems" auskennt.
Auch Treuholz sieht für sich persönlich
gute Chancen: Der Berater aus Herold hat sich auf die Logistik-Module
MM, SD und PP spezialisiert. Er arbeitet seit 20 Jahren im IT-Bereich.
Zuvor hat er Mathematik, Informatik und Betriebswirtschaft studiert.
Seit über zehn Jahren ist er selbständig, seit fünf
Jahren arbeitet er als freiberuflicher SAP-Berater.
Zur Zeit optimiert Treuholz den grenzübergreifenden
Werksverkehr eines mittelständischen Unternehmens, das rund
4.500 Mitarbeiter an sieben Produktionsstandorten in Europa beschäftigt:
"Die einzelnen Werke arbeiten noch mit unterschiedlichen Release-Ständen",
erläutert der Berater. "Solange nicht alle Standorte auf der
4er-Schiene fahren, müssen hier Anpassungen vorgenommen werden.
Sonst klappt der Warenfluss nicht einwandfrei."
Treuholz sieht das größte Manko vieler
Kollegen darin, dass sie in nicht ausreichendem Maße Praxiserfahrung
gesammelt haben. "Wer in den letzten Jahren vor allem Body-Leasing
betrieben hat, bekommt sehr große Schwierigkeiten."
Unter "Body-Leasing" versteht der Berater die Tatsache,
dass in den vergangenen Jahren viele Kunden froh waren, überhaupt
einen SAP-Berater gefunden zu haben, zu gross war die Nachfrage
nach den begehrten Kräften. Treuholz: "Da wurden viele unqualifizierte
Leute aus Arbeitsamt-Maßnahmen eingestellt, die dann lediglich
ihre Zeit abgesessen haben - und damit die Kundschaft vergraulten."
Kein Wunder, dass solche Berater heute Schwierigkeiten haben, überhaupt
noch an Projekte ranzukommen. "Für viele bleibt nur die Flucht
in die Anstellung."
Die Auftraggeber können nur mit Mühe
die Qualifikation eines Beraters einschätzen. Viele Betriebe
vergeben deshalb in letzter Zeit Aufträge nur mehr an die großen
Beratungshäuser. "Bei Auftragsspitzen greifen die jedoch auf
Leute zurück, die zum Teil nur mangelhaft ausgebildet sind",
so die Erfahrung von Horst Treuholz. Der Berater empfiehlt satt
dessen den Auftraggebern, externe Mitarbeiter nicht mehr auf Zeit
zu beschäftigen. Vielmehr sollte vor der Zusammenarbeit der
Gegenstand des Auftrags klar definiert werden, etwa die Implementierung
eines bestimmten Moduls. Dann sei die Zahlung des Honorars an eine
tatsächlich zu erbringende Leistung gekoppelt.
In die gleiche Kerbe schlägt auch Peter Heun:
"Die Projektleiter der Unternehmen sollten zunächst mit neuen
Leuten nur mehr auf Probe zusammenarbeiten." Nach 14 Tagen etwa
können die Auftraggeber dann eher einschätzen, an welchen
Mann sie da gekommen sind. Ein anderer Weg ist die Teilnahme an
Weiterbildungsmassnahmen. Zwar tummeln sich auf diesem Markt viele
Anbieter. Doch können zumindest zwei Adressen empfohlen werden,
so die Erfahrung von Berater Kamper. Neben der SAP in Walldorf ist
das vor allem die Siemens Business Services (SBS). "Hier gibt es
immer Kurse aus erster Hand", urteilt Kamper.
Die SAP Partner Academie ist für Aus- und
Weiterbildung bei SAP zuständig. Sie bietet ein sehr umfangreiches
Kursangebot, das auf die jeweiligen Benutzergruppen zugeschnitten
ist. Eine Zahl verdeutlicht dies: Im Jahr 1998 wurden über
20.000 neue Zertifikate zum Berater für R/3 von Kursteilnehmern
und Externen erworben. Die Academie bietet das "klassische" Seminarspektrum,
also Basis, ABAP, Kenntnisse in den Modulen CO, FI, HR, MM, PP und
SD. Neu hinzugekommen sind nun auch Schulungen und Zertifikate als
Berater für die Module PM und SM, für das Module QM, für
PS und schließlich für SAP Business Workflow.
Zudem bietet die Academie auch Kurse für die
SAP "New Dimension Products" (etwa für das Business Information
Warehouse) und die SAP-eigenen Branchenlösungen, die "Industry
Solutions".
Nähere Informationen gibt es hier
.
Auch die Siemens Business Services (SBS) bieten
für die unterschiedlichsten Teilnehmer eigene Kurse an, etwa
für Umschüler, Arbeitslose oder Studienabbrecher, die
in den zahlreichen Trainings-Center der SBS eine Erstausbildung
zum SAP-Berater erhalten und hierfür vom Arbeitsamt gefördert
werden.
"Unser offenes Kursangebot dagegen richtet sich
an Projektteams, an Beratungsgesellschaften und freiberuflich tätige
Berater", erläutert Jens Mendler, Productmanager für Application-Training
bei der SBS, Training and Services. Diese Kurse werden in drei Schwierigkeitsgraden
unterrichtet, in Level 1 bis 3.
"Die Mehrzahl der SAP-Berater hat wohl Kenntnisse
auf Level 2", schätzt Mendler. Freiberufler können sich
also durch Level-3-Kurse fit für den Konkurrenz-Kampf machen.
Die Experten-Kurse führen zu einem vertieften Verständis
innerhalb eines bestimmten Moduls. Daneben empfiehlt es sich auch,
Kenntisse in weiteren Modulen zu erwerben.
Zudem bietet die SBS Kurse für die "New-Dimension"-Produktlinie
von SAP an, für E-Business, für Supply-Chain-Management
und Business Information-Management.
Trotz E-commerce-Euphorie ist der Kurs ABAP Workbench
nach wie vor der unangeschlagene Renner im Seminarangebot. Der Lehrgang
vermittelt in fünf Tagen einen Überblick über die
ABAP-Programmierung. Er richtet sich sowohl an Entwickler, die bereits
in anderen Sprachen gearbeitet haben, als auch an SAP-Berater und
Projektleiter, die einen Einblick in die SAP-eigene Programmiersprache
erwerben wollen. Mendler: "Auch Betriebswirtschafler müssen
bei SAP wissen, was die Entwickler eigentlich machen."
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