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Telearbeit auch für IT-Freiberufler?

(März 2001)
 

Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre begann man in einigen Betrieben in den USA mit der Einführung von Telecommuting. Zunächst deshalb, weil den Unternehmen, insbesondere in Kalifornien, daran gelegen war, im Fall von Naturkatastrophen, der drohenden Ölkrise und allmorgendlich verstopften High- und Freeways das einwandfreie Funktionieren der betrieblichen Abläufe sicherzustellen. Damals fehlte die Technik noch weitestgehend, die heute für effizientes Arbeiten "Anytime und Anyplace" genutzt wird. Mit Telearbeit im heutigen Sinn hatte das noch nichts zu tun - programmiert wurde bestenfalls in Universitäten, Forschungsanstalten und großen Unternehmen, die über Großrechner verfügten.

Um herauszufinden, wie IT-Freiberufler und deren Auftraggeber Telearbeit beurteilen, führte GULP bei dieser Zielgruppe eine Umfrage zum Bekanntheitsgrad, zur Akzeptanz und zum Einsatz von Telearbeit bei IT-Projekten durch. Die Ergebnisse liegen vor und sie zeigen, dass ein Bewusstsein zur Telearbeit vorhanden ist und schon vielfach auch in IT-Projekten tele-gearbeitet wird.

 

Große Potenziale für die IT-Projektarbeit nach oben
   

Gleich zu Beginn weisen die aufbereiteten Umfrageergebnisse auf einen kleinen Widerspruch hin, genauer gesagt, eine Fehleinschätzung der Befragten: übereinstimmend meinen zwar IT-Freiberufler und Projektanbieter, dass Telearbeit nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der Projektarbeit habe - gerade mal 14 Prozent. Andererseits sagt aber jeder dritte IT-Freiberufler, er habe selbst schon als Telearbeiter in einem IT-Projekt mitgearbeitet. Hier muss die Frage erlaubt sein, was unter dem Begriff zu verstehen ist, denn eine offizielle und allgemeingültige Definition gibt es nicht.

Der Programmierer, der Teile oder den ganzen Sourcecode im Rahmen eines Projekts von zu Hause aus entwickelt und diesen dann per DFÜ zwischen seinem Home Office und dem Auftraggeber hin und her schaufelt, ist mit Sicherheit Telearbeiter. Was aber ist mit denen, die sowohl zu Hause oder irgendwo, ob im Zug, von Unterwegs oder im Hotel programmieren oder andere Projekttätigkeiten von dort aus durchführen? Und welche Projekte sind überhaupt für Telearbeit geeignet (s. Checkliste "Für welche Projekte eignet sich Telearbeit und für welche nicht?")? Eines scheint indes klar: 86 Prozent der befragten IT-Freiberufler würden einem Projekt mit höherem Telework-Anteil bei sonst gleichen Bedingungen wie in einem anderen Projekt den Vorzug geben. Projektanbieter wären laut Umfrage damit nicht so froh, denn nur 17 Prozent wären davon zu begeistern. Und das entspricht ziemlich genau der sonst üblichen Situation, die noch vielfach durch alte Managementstrukturen gekennzeichnet ist - nicht nur in IT-Projekten.

Es ist nicht die Machbarkeit, die die Projektanbieter abschreckt - auch wenn sie das gerne als Grund gegen Telearbeit ins Feld führen, sondern nicht selten deren Unvermögen, neuere Führungsstile wie beispielsweise das Management nach Zielvereinbarung (MBO, Management By Objectives), die explizit auf derlei Arbeitsformen abgestimmt sind, ein- bzw. umzusetzen. Auch wenn erwiesen ist, das Telearbeit die Motivation erhöht und die Produktivität der Telearbeitenden erheblich steigert. Selbst Einkommenseinbußen - 58 Prozent beantworteten diese Frage mit einem "Ja" - würden dafür in Kauf genommen. Denn Telearbeit senkt Kosten und spart Zeit: alleine Reise- und Übernachtungskosten sowie die aufwendigen An- und Rückreisezeiten zum und vom Einsatzort fallen weg oder können wenigstens drastisch gesenkt werden.

Ein Projekt, das mit einem höheren Anteil an telearbeitenden Spezialisten durchgeführt wird, muss organisatorisch nur leicht umstrukturiert werden. Vor allem müssen Aufgaben, Ziele und Zeiträume, die für die Zielerreichung zur Verfügung stehen, sehr exakt bestimmt werden und der oder die Projektmitarbeiter müssen in der Lage sein, selbstständig arbeiten können. Bei IT-Freiberuflern also eher der Normalfall. Ansonsten unterscheidet sich ein mit einem Anteil an telearbeitenden IT-Freiberuflern besetztes Projekt kaum von einem anderen. Auch wenn etwa die Hälfte der Projektanbieter der Ansicht ist, dass Kommunikations- und Abstimmungsprobleme ein großes Hindernis bei der Umsetzung von Telearbeitskonzepten sein könnten. Die Praxis zeigt, dass diese Annahme unbegründet ist.

 

 

Checklisten nach oben
   
  • Checkliste:
    Für welche Projekte eignet sich Telearbeit und für welche nicht?
  • Checkliste am Fallbeispiel: (.pdf 14 KB)
    Umstellung eines Dokumentenmanagement-Systems in einem Pharma-Unternehmen
 

 

Autor: Ulrich Pesch

 

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