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Billiger ist nicht gleich besser:
Trends im Softwareentwicklermarkt 2006

(Juni 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Kundenpotenzial für externe Entwickler | Prozesswissen erfolgsentscheidend | Kostenvorteile vs. Qualität
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Im Zuge der Globalisierung drängen verstärkt Anbieter aus Ländern mit niedrigem Lohnniveau wie etwa Indien oder Polen auf den deutschen Markt für Softwareentwicklung. Viele dieser Dienstleister haben in den letzten Jahren ihre technische Kompetenz gesteigert und verfügen heute über große Kapazitäten von qualifiziertem Personal bei niedrigen Kosten. Auf welche Anbieter setzen Unternehmen in Deutschland tatsächlich, wenn es um die Anwendungsentwicklung geht? Wie werden Aufwand und Performance von Offshoring, Nearshoring und heimischen Dienstleistern im Vergleich bewertet? Mit welchem Profil können sich deutsche Softwareentwickler im globalen Wettbewerb behaupten? Eine Umfrage des IT-Dienstleisters adesso AG beschäftigte sich genauer mit Trends im Softwareentwicklermarkt 2006. GULP stellt die wichtigsten Resultate dieser Umfrage näher vor.

Insgesamt beteiligten sich 156 Unternehmen aller Größen von "unter 50" bis "über 500" Mitarbeitern aus 15 verschiedenen Branchen an der Umfrage "Trends im Softwareentwicklungsmarkt 2006". Unter ihnen dominierten große Unternehmen (71 %) mit mehr als 500 Mitarbeitern.

 

Kundenpotenzial für externe Entwickler nach oben
   

Drei Viertel der Umfrageteilnehmer (75 %), und damit die deutliche Mehrheit, ist der Meinung, dass die von ihrem Unternehmen getätigte Anwendungsentwicklung ganz oder zumindest in Teilen auch von externen Dienstleistern durchgeführt werden kann. Da aber nur rund 38 % der Befragten ihre Individualsoftware tatsächlich extern entwickeln lassen, ergibt sich für Entwicklungs-Dienstleister ein Kundenpotenzial von etwa 37 % der teilnehmenden Unternehmen, die momentan zwar noch nicht auf externe Entwickler setzen, dies aber grundsätzlich für möglich halten. Lediglich 15 % der Befragten sehen keinerlei Möglichkeit zum Outsourcing ihrer Anwendungsentwicklungsprozesse.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede bei den verschiedenen Stufen der Anwendungsentwicklung.

 
   
Welche Prozesse Ihrer Anwendungsentwicklung halten Sie für Outsourcing geeignet  
   

Nur 12 % der Befragten sind bereit, auch das Fachkonzept ihrer Anwendungen von externen Dienstleistern erstellen zu lassen. Weitere 35 % sehen Software-Entwurf und Realisierung als Outsourcing geeignet und zusätzliche ca. 29 % können sich vorstellen, nur die Realisierung von Außenstehenden durchführen zu lassen.

 

 

Prozesswissen erfolgsentscheidend nach oben
   

Vor dem Hintergrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbs, mit dem sich deutsche Softwareentwicklungsunternehmen konfrontiert sehen, stellt sich die Frage, wie das vorhandene Marktpotenzial genutzt werden kann und welche Positionierung für deutsche Anbieter erfolgsversprechend ist. Können sie überhaupt mit den Dienstleistern aus Südasien oder Osteuropa konkurrieren? Auf welche Anbieter setzen deutsche Unternehmen beim Outsourcing von Anwendungsentwicklung?

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, ein Softwareentwickler müsse nur über technisches Know-how verfügen, gilt die Kenntnis fach- und unternehmensspezifischer Prozesse unter den befragten IT-Entscheidern als entscheidendes Kriterium für die Anwendungsentwicklung. Nahezu alle Teilnehmer der Umfrage (99 %) messen dem Prozesswissen eine wichtige bis erfolgsentscheidende Bedeutung bei. Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass sich das Anforderungsprofil an externe Dienstleister in den letzten Jahren offensichtlich gewandelt hat. Gerade bei dieser als sehr wichtig eingeschätzten Kompetenz wird das Leistungsgefälle zwischen inländischen und Offshore- Entwicklern besonders deutlich: Fast 30 % der Teilnehmer geben den Offshore-Anbietern hier die Noten 5 und 6. Inländische Softwareentwickler hingegen werden zu mehr als zwei Dritteln mit "sehr gut" und "gut" bewertet. Ein deutliches Signal, mit welchen Qualitäten deutsche Anbieter punkten können.

 

 

Kostenvorteile vs. Qualität nach oben
   

Insgesamt bewerten 70 % der befragten Unternehmen die Leistung inländischer Software-Entwickler als "gut" oder "sehr gut". Die Nearshore-Unternehmen erhalten diese Noten nur von etwa 27 % der Teilnehmer und werden damit wesentlich schlechter als heimische Unternehmen bewertet; allerdings können sie noch einmal einen deutlichen Vorsprung vor Offshore-Unternehmen vorweisen. Diese bewerten nur noch ca. 19 % der Teilnehmer mit der Note 1 oder 2, ein "mangelhaft" oder "ungenügend" vergaben ca. 12 %.

Ähnlich deutlich fiel auch die Beurteilung von 100 Projektanbietern bei einer GULP Umfrage zum Thema "Offshore: Ist billiger gleich besser?" aus. Der Großteil von ihnen (60 %) beurteilte die Qualität von Offshore-Entwicklungen im Gegensatz zu deutschen Entwicklungen als schlechter. Nicht wirklich einig waren sie sich hingegen bei der Frage, ob das Preis-/Leistungsverhältnis von Offshore-Projekten wirklich zur Kostensenkung führt: 36 % waren davon überzeugt, 31 % dagegen bewerteten Offshore letztendlich als teurer. Im Gegensatz dazu sehen die Teilnehmer der adesso-Umfrage die größten Kostenvorteile, wenn Offshore entwickelt wird. Insgesamt knapp die Hälfte der Teilnehmer bewertet das Preisangebot der Offshore-Anbieter mit der Note 1 oder 2 – gegenüber etwa 20 % für die inländischen Dienstleister.

Die größten Probleme in der Zusammenarbeit mit Offshore-Entwicklern sehen die Umfrageteilnehmer bei Fach- und Prozesswissen (69 %), aber vor allem auch in der Kommunikation und Abstimmung (ebenfalls 69 %) sowie bei der daraus resultierende Softwarequalität (40 %).

 
   
Wo sehen Sie die größten Probleme in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern?  
   

Die Stärken von Offshore-Anbietern werden eher im Bereich technikgetriebener Standardentwicklungen mit nur geringem Bedarf an Prozesskenntnis gesehen. Als Schlussfolgerung ergeben sich für deutsche Anbieter, die absolute Budgettreue garantieren können, erkennbare Vorteile gegenüber ausländischen Dienstleistern. Zudem wird das Kostenrisiko in der Softwareentwicklung mittlerweile durch den hohen Anteil von Projekten, die auf Festpreis-Basis realisiert werden, deutlich gesenkt. Mangelhafte Budgettreue wird damit als Kritikpunkt zukünftig sicherlich an Bedeutung verlieren.

Die Ergebnisse der adesso-Umfrage zeigen deutlich, dass für deutsche Softwareentwicklungsunternehmen auch im Vergleich mit Offshore- und Nearshore-Anbietern großes Potenzial besteht, wenn sie sich auf Stärken wie Fach- und Anwendungswissen, Qualitätsbewusstsein und kommunikative Kompetenz konzentrieren und ihre Budgettreue weiter verbessern. Offshore- oder Nearshore-Dienstleistern wird hinsichtlich des Know-hows bei fach- und unternehmensspezifischen Prozessen deutlich weniger Vertrauen entgegen gebracht.

 

 

Nähere Informationen zum Umfrage-Ergebnis erhalten Sie bei Manuela Gruhn.
Die adesso AG behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Ist doch prima: Da Fehleranalyse und -aufarbeitung mit hohem Kommunikationsaufwand verbunden sind, Qualität zudem keine Offshore-Domäne ist, bleibt langfristig genug (Aufräum-)Arbeit für uns Einheimische. Mit etwas Galgenhumor geht das schon. ;-) Die Erfahrung zeigt: Sogar konzeptionell arbeiten kann man auf den Trümmern anderer, man muß nur die Gelegenheiten selbstständig ergreifen. Die Wunschvorstellung eines schönen Projekts sieht natürlich anders aus ... (Juli 2006)"

"Die erheblich niedrigeren Personalkosten der Offshore-Anbieter üben einen enormen Wettbewerbsdruck aus. Dies kann nicht dauerhaft "ignoriert" werden. Ein Richtig / Falsch Diskussionsansatz hilft allerdings wenig. Gefragt sind Strategien, welche die Stärken von Offshore auf der einen sowie Kundennähe / Prozesswissen und Qualität auf der anderen Seite intelligent miteinander verbinden können. Die Studie ist ein Anfang und liefert wichtige Fakten. Es sind einmal mehr die Manager gefordert geignete Schlussfolgerungen zu ziehen. (Juli 2006)"

"Das Hauptproblem besteht doch nach wie vor, bzw. in zunehmendem Maße, im mangelndem Entwicklungs- bzw. zugehörigem Prozesswissen der Projekteigner. Als Entwickler ist man doch wieder und wieder mit folgender Frage der Projekteigner konfrontiert: "Wir (Projekteigner) wissen zwar nicht genau, was wir entwickelt haben wollen, du (Entwickler) musst uns aber verläßlich Auskunft darüber geben, was das kostet und wann du damit fertig bist." (Juni 2006)"

"Als Freiberufler mit spezifischer Fachkenntnis sehe ich immer mehr, wohin die Reise geht. Es kommt NUR auf die Kosten an, die Leistung tritt vollkommen in den Hintergrund (und damit auch das Ergebnis!). Eine Effizienzkontrolle und QS findet nicht statt. Oft scheitert dies schon allein an der Tatsache, dass Entscheider keine Fachkenntnis (mehr) besitzen, sondern aus dem Controlling stammen. Frei nach dem Motto, wenn wir letztes Jahr 20% IT-Kosten einsparen konnten, warum dieses Jahr nicht noch einmal. (Es läuft doch alles). (Juni 2006)"

"Meine persönlichen Erfahrungen mit Offshore Entwicklung (Indien/Kanada) decken sich mit den hier vorgestellten Ergebnissen. Besonders die Kommunikationsprobleme (besonders Sprache und Zeitversatz) führen zu großen Schwierigkeiten. Die bemängelte Budgettreue resultiert nach meiner Erfahrung aus dem Kostendruck, dem einheimische Anbieter ausgesetzt werden, wenn sie, besonders in großen, Projekten mit Near- oder Offshore Anbietern konkurieren müssen. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. (Juni 2006)"

"Die zweite Grafik zeigt deutlich, dass Unternehmen zwar die Fachkompetenz nationaler Anbieter zu schätzen wissen, aber diesen Mehrwert einfach nicht mehr bezahlen wollen. So kommt es dann zu den qualitativ weniger guten Lösungen aus dem Ausland, die zu teueren Nachbasserungen führen und so letztendlich das Produkt teurer machen. Nicht zuletzt geht ein Stück Kundenzufriedenheit verloren, wenn immer wieder SW Fehler auftreten. Aber daran denken die wenigsten Unternehmen heute. (Juni 2006)"


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