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Unter der Lupe: Was ist mit Linux?
Von der Spielwiese für Freaks zur Anwendungsrealität.
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(Februar 2002)
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GULP Information Services untersuchte im IT-Projektmarkt die
aktuelle Situation für das Linux-Betriebssystem. Die vorliegende
Marktanalyse fasst die wesentlichen Ergebnisse der im
GULP-o-meter, GULP Trend Analyzer
und GULP Stundensatz Kalkulator
errechneten Trends zusammen und vergleicht die Daten mit den Ergebnissen
der ersten GULP Marktstudie, welche die Entwicklung von Linux bis
November 2000 unter die Lupe nahm: Der
Pinguin lernt langsam fliegen.
Als ein auf Linux spezialisierter IT-Freiberufler braucht man
einen langen Atem: Im IT-Projektmarkt geht die Nachfrage für
Linux wieder nach unten - das Betriebssystem befindet sich derzeit
abgeschlagen auf Platz 6 in der Rangliste der von Projektanbietern
am meisten nachgefragten Betriebssysteme. Im Durchschnitt sind in
nur 2,5 Prozent aller Projektanfragen Linux-Kenntnisse gefordert.
Eine mögliche Ursache: Ein Großteil der Endkunden steht
dem Einsatz von Linux immer noch skeptisch gegenüber. Der Unix-Variante
haftet noch zu sehr der Hacker- und Bastlergeruch an. Neue Daten
von GULP belegen die untergeordnete Rolle von Linux im IT-Projektmarkt.
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| Der Markt: Die
monatlichen Projektanfragen |
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Wie sieht die aktuelle Situation für Linux auf dem IT-Projektmarkt
aus? Diese Frage läßt sich durch eine Online-Berechnung
im GULP Trend Analyzer beantworten.
Um das Bild abzurunden, haben wir zusätzlich Unix, als Vater
der Unix-Plattformen, und Solaris, das Unix-Derivat von Sun, mit
in die Untersuchung aufgenommen. Abbildung 1 fasst das Ergebnis
der Analyse von 38.583 Projektanfragen, die seit November 2000 über
die GULP Profiledatenbank gingen, grafisch zusammen.
Im Zeitraum von November 2000 bis Januar 2002 zeigt die Trendanalyse
eine recht konstante Marktsituation für Linux, das von Linus
Torwalds und vielen freien Entwicklern weltweit entwickelt wird.
Der Anteil der Projektanfragen, die im Linux-Bereich angesiedelt
waren, variierte in dieser Zeit kaum. Nur im September 2001 könnte
man von einem Erfolgsmonat des frei verfügbaren Betriebssystems
sprechen. Denn Linux konnte zu diesem Zeitpunkt immerhin 5,6 Prozent
aller Projektanfragen für sich verbuchen. Doch diese Woge glättete
sich schnell. Der Anteil an den Projektanfragen schrumpfte in den
darauf folgenden Monaten wieder auf durchschnittlich 2,5 Prozent.
Linux verharrt auf einem niedrigen, aber stabilen Niveau.
Diese Stabilität können Unix und Solaris nicht nachweisen.
Wurden im Januar 2001 noch in 18,5 Prozent der Projektanfragen Unix-Experten
gefragt, waren es im Januar diesen Jahres nur noch 12,7 Prozent.
Gleiches gilt für Solaris: Im Januar 2001 waren noch 15,7 Prozent
aller Anfragen an Solaris-Spezialisten gerichtet, im Januar 2002
ging dieser Anteil auf 8,7 Prozent zurück.
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Linux
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Solaris
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Unix
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Abbildung 1: Die monatliche
Entwicklung der Projektanfragen in Prozent für Linux,
Unix und Solaris.
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Die Nachfragesituation für Linux im IT-Projektmarkt
hat sich trotz verstärkter Marktingaktivitäten der Anbieter
von Komplettlösungen auf Basis des Open-Source-Betriebssystems
und steigender Marktdiffusion seit der letzten Linux-Marktstudie
von Dezember 2000 (Der Pinguin
lernt langsam fliegen?) kaum geändert: Wie damals, im letzten
Quartal 2000, kann Linux zur Zeit im Schnitt nur 2,5 Prozent aller
Projektanfragen für sich verbuchen.
Aber wie sieht die Angebotsseite aus? Immerhin 21,87
Prozent aller Vollzeit-Freiberufler bei GULP geben in ihren Profilen
an, Linux-Kenntnisse (egal ob bloßes Grundwissen oder fundiertes
Know-how) zu besitzen. Allerdings bezeichnen derzeit nur 1,73 Prozent
aller IT-Freiberufler Linux als ihren fachlichen Schwerpunkt - eine
Diskrepanz, die zu Vermutungen anregt. Bietet der Open-Source-Gedanke
zuwenig Anreize, sich als IT-Freiberufler in ein neues Betriebssystem
einzuarbeiten? Sind die gezahlten Stundensätze ein Hemmschuh?
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| Das Geld: Die Stundensätze
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In aller Kürze:
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Der durchschnittliche Stundensatz der
Linux-Spezialisten liegt bei EUR 70,9. |
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Das Stundensatzniveau im Unix-Bereich
liegt bei EUR 75,3 und das im Solaris-Umfeld sogar bei
EUR 76,8. |
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Linux-Experten gehören zu den "Underdogs" der IT-Branche,
das belegt auch eine Analyse über den GULP
Stundensatz Kalkulator. Nur 12 Prozent der Stundensätze
in den Projektanfragen für den Linux-Bereich waren mit Beträgen
ab EUR 90 angesetzt. Ganze 80 Prozent der Linux-Projekte bewegten
sich aber im Stundensatzbereich zwischen EUR 60 und EUR 80. Über
ein Drittel (35,5 Prozent) der Freiberufler erhalten EUR 70 für
ein Linux-Projekt. In 8 Prozent der Projektanfragen lagen die Honorare
sogar ab EUR 50 abwärts.
Das Stundensatzniveau für Unix, bzw. Solaris ist höher
angesiedelt. Mit Anteilen von 32,5, bzw. 34,6 Prozent sind hier
Stundensätze um EUR 80 am häufigsten, sogar 21,3 bzw.
25 Prozent erhalten einen Stundensatz von über EUR 90. In nur
5,1, bzw. 4,1 Prozent der Fälle lagen die Stundensätze
unter EUR 50.
Das Thema OSS liefert Linux ein klares Profil zur Abgrenzung gegen
Unix und Solaris. Jedoch verdienen die Anhänger der Open-Source-Bewegung
im Schnitt 6,7 Prozent weniger als freiberufliche Spezialisten für
Unix und dessen kommerzielle Derivate. Die gezahlten Stundensätze
im Linux-Bereich fördern nicht gerade die Bereitschaft, sich
mit dem freien System zu beschäftigen.
Abbildung 2 zeigt die prozentuale Verteilung der Stundensatzforderungen
im Vergleich.
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Linux
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Solaris
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Unix
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Abbildung 2: Die
prozentuale Verteilung der Stundensatzforderungen für
Linux, Unix und Solaris.
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Wie sieht nun die Entwicklung der Stundensätze für Linux im Zeitvergleich
aus? Für diese Statistik wurden die Profile derjenigen IT-Freiberufler,
bzw. freiberuflichen Softwareentwickler ausgewählt, die ihren
fachlichen Schwerpunkt auf das Betriebssystem Linux gelegt haben.
Die Abbildungen 3 und 4 illustrieren die Entwicklung der Stundensätze
im Vergleich mit der durchschnittlichen Honorarforderung aller bei
GULP eingetragenen IT-Freiberufler, bzw. freiberuflichen Softwareentwickler.
Linux-Spezialisten verdienen weniger als andere Freiberufler-Kollegen.
Die Stundensätze der Freiberufler mit fachlichem Schwerpunkt
Linux lagen im November 2000, zum Zeitpunkt der letzten Linux-Marktstudie,
noch bei DM 129, also EUR 65. Zu Beginn des Jahres 2000 fiel der
durchschnittliche Stundensatz auf EUR 60. Seither steigen die Honorarsätze
jedoch stetig an. Derzeit liegt der marktübliche Stundensatz
eines Linux-Experten bei EUR 71, das sind über 5 Prozent weniger
als das Durchschnittshonorar aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler.
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Stundensatz
IT-Freiberufler mit fachlichem Schwerpunkt Linux
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Stundensatz
aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler
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Abbildung 3: Entwicklung
des Stundensatzes für einen IT-Freiberufler mit dem fachlichen
Schwerpunkt auf Linux im Vergleich zu den Stundensätzen
aller bei GULP eingetragenen hauptberuflichen IT-Freiberufler.
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Für Softwareentwickler mit fachlichem Schwerpunkt Linux sieht
die Entwicklung ähnlich aus. Übertrafen hier die Honorare
früher noch teilweise die durchschnittlich gezahlten Stundensätze
aller freiberuflichen Softwareentwickler, so liegt das Niveau im
Januar 2002 jetzt bei EUR 70. Die Entwicklung von Software für
die Linux-Umgebung bringt also im Schnitt EUR 2 weniger ein. Damit
verdient ein auf Linux spezialisierter freiberuflicher Softwareentwickler
6,6 Prozent weniger als alle bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler.
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Stundensatz
IT-Freiberufler mit
fachlichem Schwerpunkt Linux
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Stundensatz
aller bei GULP
eingetragenen IT-Freiberufler
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Abbildung 4: Entwicklung
des Stundensatzes für einen freiberuflichen Softwareentwickler
mit dem fachlichen Schwerpunkt auf Linux im Vergleich zu
den Stundensätzen aller bei GULP eingetragenen freiberuflichen
Softwareentwickler (Hauptberuflich).
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| Fazit und offene
Fragen |
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Abbildung 5: Verteilung
der Linux-Projektnachfragen nach Ländern und Postleitzahlgebieten
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Linux-Projektanfragen
gesamt
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Linux-Projektanfragen
der Banken
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Abbildung 6: Die
monatliche Entwicklung der Linux-Projektanfragen gesamt
und aus der Bankbranche.
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Linux-Projekte sind im Vergleich zur Nachfrage für andere
Unix-Plattformen weit weniger häufig. Die Analyse der regionalen
Verteilung der Projektanfragen für Linux zeigt, dass das offene
Betriebssystem vorrangig im Postleitzahlbereich 6 gefragt ist. Über
ein Viertel der Projektanfragen stammen aus dem Frankfurter Raum.
Die Vermutung liegt nahe, dies resultiert aus einer ungewöhnlich
hohen Nachfrage der Bankhäuser, was ein Blick auf Abbildung
6 bestätigt.
Im Schnitt kommen fast ein Drittel aller Linux-Projektanfragen
aus dem Bankenumfeld. Die Kreditinstitute - so scheint es - haben
ihre Scheu vor dem Einsatz von Linux abgelegt. Macht also gerade
die seriöse Bankbranche die ehemalige Spielwiese für Freaks
und Hacker salonfähig? Jedoch ist auch zu erkennen, dass die
Linux-Aktivitäten der Banken im Januar 2002 praktisch auf Null
zurückgefahren wurden. Geht der Open-Source-Bewegung nun die
Luft aus? Oder gibt es bereits neue Impulse?
Eine Arbeitsgruppe des Ältestenrates des Deutschen Bundestages
wurde eingesetzt, um ein neues Betriebssystem für den Bundestag
zu suchen. Die IuK-Kommission (Informations- und Kommunikationstechnik)
soll am 28. Februar 2002 eine Empfehlung für ein Betriebssystem
aussprechen. Die endgültige Entscheidung zwischen Linux und
Windows muss allerdings der Ältestenrat des Bundestages treffen.
Termin dafür ist wahrscheinlich die Sitzung vom 14. März
2002.
Egal wie die endgültige Lösung für Berlin aussieht
- vielleicht trägt allein die Diskussion über die Einführung
von freier Software im Deutschen Bundestag dazu bei, die Position
von Linux weiter zu stärken.
Oder es wird sich die These bestätigen, dass Pinguine gar
nicht fliegen können...
1. Nachtrag vom 28.02.2002: Heute wurde die mit Spannung
erwartete Empfehlung für die künftige IT-Ausstattung des
Deutschen Bundestages vorgestellt. Der Entwurf sieht vor, dass die
rund 5000 Arbeitsplatzrechner auf Windows XP umgestellt werden.
Im Backend hält dagegen in weiten Bereichen quelloffene Software
Einzug: Die Server für E-Mail, Groupware sowie Datei- und Druckdienste
sollen unter Linux laufen; die Anwendungen für die Authentifizierung,
Datenbanken und Backup werden ebenfalls auf Open Source umgestellt.
Als Verzeichnisdienst soll dabei "OpenLDAP" und nicht
das von Microsoft favorisierte "Active Directory" dienen.
2. Nachtrag vom 15.02.2002: Der Ältestenrat des Deutschen
Bundestages hat gestern mit den Stimmen von SPD und Grünen
dem Vorschlag der Kommission für Informations- und Kommunikationstechnik
(IuK) bezüglich der IT-Infrastruktur zugestimmt: Auf den rund
150 Servern des Bundestags wird die Microsoft-Software durch das
freie Betriebssystem Linux ersetzt. Die Kosten für die nun
beschlossene Umstellung werden von Experten auf rund 9,5 Millionen
Euro geschätzt.
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| Die Stichprobe |
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Die vorliegende Marktanalyse beruht auf der statistischen Auswertung
der GULP Dienste zur Vermittlung von IT-Freiberuflern. Untersucht
wurden 38.583 Projektangebote, die IT-Freiberuflern im Zeitraum
November 2000 bis Jnuar 2002 über den GULP Server zugestellt
wurden. Das Datenmaterial wird durch Informationen aus den Profilen
der 30.560 (Stand: Januar 2002) bei GULP eingetragenen IT-Freiberuflern
und Angaben zum Nachfrageverhalten großer IT-Anwenderfirmen
vervollständigt. Insgesamt repräsentiert die Datenbasis
der vorliegenden Marktanalyse etwa 88 Prozent des deutschen IT-Projektmarktes.
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