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Unter der Lupe: Zeit für Web-Services?

Für Entwickler gibt es noch viel zu tun

(Juni 2002)
Inhalt dieses Artikels:
Web-Services | SOA: Service Oriented Architecture | Der Trend | Das Fazit
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Dies ist eine Marktstudie aus dem IT-Projektmarktindex, dem Marktindex für IT-Projekte.
 

Die Informatikwelt wurde vor nicht allzu langer Zeit um ein Thema erweitert: Web-Services. Die Erwartungen an diese neue Technologie sind hoch, Grund genug dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen. GULP stellt die wesentlichen Aspekte für Sie zusammen und untersuchte die aktuelle Situation für Web-Services im IT-Projektmarkt. Die vorliegende Marktanalyse fasst hierzu die wesentlichen Ergebnisse der im GULP-o-meter und im GULP Trend Analyzer errechneten Trends zusammen.

 

Web-Services
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Was sind Web-Services?
>

Hinter dem Begriff Web-Services verbirgt sich ein Satz von XML-basierten Standards, auf deren Basis Anwendungen einen Teil ihrer Funktionalität über standardisierte Internet-Protokolle anderen Anwendungen zur Verfügung stellen können.

   
  Quelle: Berlecon Research GmbH extern
 

Web-Services sind derzeit ein dominierendes Thema in der IT-Branche. Praktisch die gesamte Software-Industrie hat das Thema Web-Services aufgenommen. Nicht nur die großen Fünf (Hewlett-Packard, IBM, Microsoft, Oracle und Sun) haben ihre Produktpalette darauf ausgerichtet, sondern auch die Hersteller von Applikationsservern, Middleware und E-Business-Plattformen drängen mit neuen, Web-Service-unterstützenden Versionen auf den Markt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Software-Industrie - so scheint es - haben sich alle führenden Keyplayer einem offenen Standard verpflichtet. Sie haben dazu die Web Services Interoperability Organization (http://www.ws-i.org extern) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören u.a. BEA Systems, Fujitsu, Hewlett-Packard, IBM, Intel, Microsoft, Oracle und SAP. Zur Zeit umfasst die Organisation rund 50 Mitgliedsfirmen.

Web-Services sind Softwarekomponenten, die die Fähigkeit besitzen, Softwarefunktionen als so genannte Dienste oder Services im Internet dynamisch zu erzeugen, ausfindig zu machen und bereitzustellen. Auf der Basis von XML können Applikationen und Geschäftsprozesse über das Netz geteilt werden. Web-Services bieten die Möglichkeit, über das Internet Software-Komponenten zu integrieren und zu ganz neuen Anwendungen zu verknüpfen - und zwar unabhängig von der jeweiligen Systemumgebung oder Implementationssprache. Dies kann sowohl unternehmensübergreifend erfolgen als auch innerhalb eines Unternehmens. Dabei überbrückt die Technologie den oftmals vorhandenen Mix von Middleware.

Nach Ansicht des Marktforschungsunternehmens Gartner werden sich Web-Services bis 2004 bei größeren Unternehmen als bevorzugte Methode durchsetzen, um Anwendungen unterschiedlicher Art zur Verfügung stellen zu können. In einer Studie zur Zukunft der Web-Services-Technologien schreiben die Analysten, dass die Unternehmen 2002 damit beginnen werden, die technische Infrastruktur für Entwicklung und Einsatz von Web-Services zu schaffen.

 

 

SOA: Service-Oriented-Architecture
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Kernstandards für Web-Services
>

SOAP (Simple Object Access Protocol)
- Aufrufprotokoll und Nachrichtenaustausch

>

WSDL(Web Services Description Language)
- Schnittstellenbeschreibung

>

UDDI (Universal Description, Discovery and Integration)
- universeller Verzeichnisdienst für Dienstleistungen

Web-Services ist der Hoffnungsträger der Software-Industrie, um die Heterogenität der immer weiter vernetzten IT-Welt zu meistern. Die Idee der Service Oriented Architecture (SOA) ist, dass Anbieter von Web-Services ihre Applikationen in einem zentralen, föderierten Verzeichnis registrieren und dort alle nötigen Informationen über den Gebrauch ihrer Services ablegen. Diese Verzeichnisse sind somit eine Art Telefonbuch für Web-Services und fungieren unter anderem auch als Anbieterverzeichnis.

Innerhalb einer SOA wird ein Szenario mit drei unterschiedlichen Komponenten angenommen, bestehend aus Dienst-Anbieter (engl.: service provider), Dienst-Vermittler (engl.: service broker) und Dienst-Nutzer (engl.: service requestor).

Der Anbieter stellt Informationen und Dienste zusammen und bietet diese über einen Vermittler an. Dieser Makler dient u.a. als Zahlungsstelle und vermittelt zwischen dem Anbieter und den Nutzern. Die Nutzer stellen über diesen Verzeichnisdienst des Maklers fest, welche Services zur Verfügung stehen und binden die Dienste dynamisch in eigene Anwendungen ein.

Service Oriented Architecture

Abbildung 1: Die Service Oriented Architecture (SOA)

Die Grundbausteine von Web-Services basieren auf zwei Standards: XML (Extended Markup Language) und SOAP (Service Oriented Architecture Protocol). Die XML-Standards definieren den Zeichensatz und die Regeln, die es ermöglichen Informationen zwischen verschiedenen Anwendungen auszutauschen. SOAP ist das Protokoll, über das dieser Austausch läuft. Doch während sich XML bereits zum universellen Datenaustauschformat entwickelt hat, ist der SOAP-Standard neueren Datums und muss erst noch an Verbreitung gewinnen.

Zur SOA gehören auch Verzeichnisdienste, wo sich Applikationen registrieren und finden lassen. Diese Dienste sind unter dem Begriff UDDI (Universal Description, Discovery and Interface) zusammengefasst. WSDL (Web Services Description Language) ist die Beschreibung eines XML-Formates für den Austausch von Nachrichten und Daten.

Die technische Basis der Service Oriented Architecture (SOA) im Überblick:
o SOAP (Simple Object Access Protocol) ist ein plattformunabhängiges XML-basiertes Protokoll, über das verschiedene Anwendungen per HTTP miteinander kommunizieren. SOAP legt fest, wie ein komplexes XML-Dokument in HTML verpackt und versandt wird.
o WSDL (Web Services Description Language) beschreibt netzwerkbasierte XML-Dienste. WSDL definiert das Format von Objekten, unabhängig davon, welches Protokoll (SOAP, XML) oder welche Kodierung (MIME) diese systemabhängig verwenden.
o UDDI (Universal Description, Discovery and Integration) ist eine XML-basierte Datenbank mit einem Verzeichnis von E-Business-Unternehmen, ihren Produkten und Dienstleistungen, das ausserdem Informationen zu den jeweils bevorzugten Standards für automatisierte Geschäftsabläufe enthält.
  Quelle: webMethods Germany GmbH

Auch Microsoft setzt bei Web-Services nicht auf neue Technologien, sondern nutzt bereits bestehende offene Standards, Protokolle und Datenformate wie XML, SOAP oder UDDI, um .NET möglichst einfach in bestehende Systeme integrieren zu können. So findet sich das Protokoll SOAP in ASP.NET Web Services wieder, um Daten zwischen Client und Server auszutauschen. ASP.NET ist der Nachfolger der viel diskutierten Active Server Pages-Technologie (ASP) (siehe auch Umfrage-Ergebnis: ASP in weiter Ferne?). Auch die neuen Serverapplikationen von Microsoft, die speziell auf die Zusammenarbeit mit .NET ausgerichtet sind, machen Gebrauch von diesen Standards, allen voran XML als universelles Datenformat.

 

 

Der Trend: Web-Services im IT-Projektmarkt
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Die meisten größeren Softwarehersteller haben bereits damit begonnen, Web-Services zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Systemarchitektur und Infrastrukturstrategie zu machen - darunter auch SAP mit mySAP Technology oder Sun Microsystems mit seiner Open Network Environment (ONE)-Initiative. Web-Services sind in aller Munde. Sollten sich IT-Freiberufler schon jetzt mit diesem Thema auseinander setzen? GULP hat zur Beantwortung dieser Frage die Entwicklung von Web-Services-Projektanfragen unter die Lupe genommen:

Web-Services

Web-Services-Projekte
potenzielle Trendlinie
Abbildung 2: Die monatliche Entwicklung der Projektanfragen in Prozent
Die Trendkurve der monatlichen Entwicklung der Projektanfragen beruht auf der statistischen Auswertung von 39.656 Projektangeboten, die IT-Freiberuflern im Zeitraum Januar 2001 bis Mai 2002 über den GULP Server zugestellt wurden.

Die monatlichen Projektanfragen zum Thema Web-Services sind starken Schwankungen unterworfen. In den durchschnittlich nur 0,7 Prozent aller über GULP gestellten Projektanfragen zeigen sich die Anlaufschwierigkeiten für Web-Services-Integrationen im IT-Projektmarkt. Obwohl noch in den Kinderschuhen steckend, kann der Markt für Web-Services für die nächsten Jahre wohl ein rasantes Wachstum erwarten: Seit Anfang 2001 steigt die potenzielle Trendlinie bei den Projektanfragen an und deutet auf das künftige Wachstum dieses Marktsegments hin.

Es wurde schon viel unternommen, um Web-Services in der Praxis zu etablieren, doch es sind weitere Schritte nötig und noch eine Reihe von Aufgaben für Entwickler zu erledigen. Beispielsweise besteht in den Bereichen Sicherheit, operative Verwaltung, Transaktionssteuerung, zuverlässiges Messaging, etc. noch großer Entwicklungsbedarf. Dies gilt auch für SOAP, WSDL und UDDI selbst, die sich erst am Anfang befinden.

Wie viele IT-Spezialisten stehen für die erfolgreiche Umsetzung von Web-Services-Projekten auf dem IT-Projektmarkt derzeitig überhaupt zur Verfügung? Eine Recherche in der GULP Profiledatenbank gibt darüber Auskunft:

Kenntnisse in
Anzahl Freiberufler
Anteil in Prozent
Web-Services allg.
  240
ca. 0,7
ASP.Net
    94
ca. 0,3
SOAP
  301
ca. 1,0
WSDL
    50
ca. 0,2
UDDI
    43
ca. 0,1
XML
2944
ca. 8,7
Tabelle 1: Ergebnisse einer Profilrecherche bei über 34.000 bei GULP eingetragenen selbstständigen IT-Spezialisten (Stand Juni 2002).

Nur 1 Prozent der über 34.000 bei GULP eingetragenen selbstständigen IT-Spezialisten verfügt über SOAP-Kenntnisse - und nur in den seltensten Fällen kann ein IT-Freiberufler in seinem Profil einschlägige Projekterfahrung im Bereich Web-Service-Development angegeben.

Angesichts der sich abzeichnenden Entwicklung sind interessierte IT-Freiberufler gut damit beraten, sich frühzeitig mit dem Thema auseinander zu setzen und mit Web-Services zu experimentieren. Vorreiter gehen dabei zwar gewisse Risiken ein, andererseits können auf diese Weise gewonnene Erfahrungen in optimierte Entwicklungspraktiken umgesetzt werden. Weniger risikofreudige Freiberufler müssen aber nicht in Torschlusspanik verfallen. Wer in nächster Zeit das Thema aufmerksam verfolgt, wird die Technologie bei Bedarf zielgerichteter einsetzen können und profitiert von den bis dahin gemachten Erfahrungen.

 

 

Das Fazit
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Web-Services bergen ein großen Potential und sprechen das zentrale Thema Anwendungsintegration an. Das Dreigestirn SOAP, WSDL und UDDI arbeitet auf Textbasis mit XML und HTTP - also Techniken, die sich zu universellen Standards entwickelt haben.

Die Software-Industrie bearbeitet neben den Basisdiensten (SOAP, WSDL und UDDI) zahlreiche ergänzende Spezifikationen für Web-Services. Alle Neuigkeiten zu Web Services und zugehörige Standards sind beim World Wide Web Consortium (W3C) extern zu finden. Eine gute Übersicht findet sich außerdem bei www.xml.com extern. Benötigte Entwicklerumgebungen werden z.T. kostenlos angeboten, u.a. von IBM extern in Form der WSDE, "XML and Web Services development environment".

Nachtrag vom 15.07.2002:
Das World Wide Web Consortium (W3C) hat einen Arbeitsentwurf für Version 1.2 der Web Service Definition Language WSDL extern verabschiedet. Im Unterschied zur Vorversion 1.1 unterstützt WSDL jetzt auch XML Schemata und das XML Information Set, dafür sind einige nach Angaben des W3C unnötigen Definitionen weggefallen. In einer gesonderten Bindings-Datei extern beschreibt das Gremium außerdem, wie WSDL 1.2 mit den Protokollen SOAP, HTTP und MIME zusammenspielen soll.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel Ich bin Informatikstudent kurz vor dem Diplom. Finde den Artikel ganz gut. (August 2003)"

"Wohl Für Einsteiger in den Einstieg gedacht :-) (Juni 2003)"


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