GULP >> GULP Knowledge Base >> Markt & Trends >> Allgemeines zur IT-Branche >> Bestandsaufnahme E-Commerce

Bestandsaufnahme E-Commerce - viele Chancen werden vertan

(Januar 2001)
Inhalt dieses Artikels:
Ohne Strategie | Nicht zu Ende gedacht | Ausweg Qualifizierung
Ihre Meinung zum Artikel
 
sehr gut
1
2
3
4
5
6
schlecht
 

Die Nachrichtenlage zu den Stichwörtern Internet, E-Businness, E-Commerce ist auf den ersten Blick konfus. Auf der einen Seite scheitern immer mehr Dotcoms. Diese in Amerika begonnene Entwicklung hat auch auf Deutschland übergegriffen. Massiver Personalabbau ist die unmittelbare Folge. Andererseits nimmt das Wehklagen aus Politik und Wirtschaft über Zigtausende fehlender Fachkräfte gerade in diesem Bereich kein Ende. Aktuelle Untersuchungen tragen dazu bei, diesen Widerspruch aufzulösen. Statt die Chancen des Internet auszuschöpfen, werden viele E-Projekte dilettantisch konzipiert und durchgeführt. Vieles deutet darauf hin, dass an der Mitarbeiter-Qualifizierung gespart wurde.

 

Ohne Strategie
nach oben
   

"Denn sie wissen nicht, was sie tun" lautet das ebenso provokante wie ernüchternde Resultat einer Untersuchung der Consulting Partner GmbH, einer Tochter der Heyde AG, die zusammen mit der Universität Freiburg durchgeführt wurde. Im Fach E-Commerce erhalten deutsche Unternehmen schlechte Noten: Alle reden darüber, manche tun es, aber nur die wenigsten wissen, wie es wirklich geht, so der Kommentar von Dr. Ralf Strauß, dem Autor der Studie. Die befragten Führungskräfte von über 1.300 Unternehmen waren sich einig, dass die digitale Geschäftsabwicklung durch Electronic Commerce enormes Potenzial und weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen habe.

Die Erwartungen reichen von Kostenreduzierungen etwa bei Personal oder Marketing über Einsparungen durch die Verkürzung der Durchlauf- und Abwicklungszeiten, Absatzsteigerungen durch die Ansprache neuer Kunden- und Marktsegmente bis hin zur Schaffung einer stärkeren Kundenorientierung in Form von individualisierten Produkten und Dienstleistungen. Bei vagen Vorstellungen bleibt es dann. Über drei Viertel der deutschen Unternehmen agieren offenbar ohne eine umfassende und klar definierte E-Commerce-Strategie.

"Der Grundstein für den Durchbruch im Electronic Commerce wird bereits bei der Erarbeitung der Internet-Strategie gelegt: Während die nach eigener Einschätzung im E-Commerce erfolgreichen Unternehmen, die so genannten 'Winner', meist über eine Strategie verfügen, herrscht bei den noch nicht erfolgreichen, den 'Followern', oftmals strategische Konzeptionslosigkeit", kommentiert Strauß. Eine mögliche Ursache für diesen Zustand sei, dass sich die Erarbeitung der E-Strategie massiv von der klassischen Strategieentwicklung unterscheidet und völlig anderen Gesetzmäßigkeiten folgt.

 

 

Nicht zu Ende gedacht - mangelhafter Service
nach oben
   

Ursachenforschung zur mangelhaften Effizienz des E-Business hat auch die Unternehmensberatung Mummert + Partner betrieben. Nach kritischem Rückblick auf das Jahr 2000 kommen die Unternehmensberater zu dem Ergebnis, dass ein Drittel mehr Umsatz im Netz möglich gewesen wäre. Die hochtrabenden Erwartungen vieler Unternehmen seien aber an der Service-Hürde gescheitert.

Für das Jahr 2000 zählten Marktforscher fast 15 Millionen Internet-Benutzer, ein Drittel davon kauft online ein. Das Hauptproblem war - neben rechtlichen und zahlungstechnischen Fragen - mit Abstand der mangelhafte Service. Noch immer kommt jeder zehnte Online-Einkauf nicht zustande, da der frustrierte Kunde seine Transaktion wieder abbricht. Der Grund: die E-Shopper fühlen sich unzureichend betreut. Lösungen wie beispielsweise web-basierte Call Center sind in Sicht und werden, wo sie bereits verwirklicht sind, vom Kunden gut angenommen.

Wenn die erwarten E-Business-Umsätze von mindestens 40 Milliarden DM für das Jahr 2003 erzielt werden sollen, gibt es für die Internet-Wirtschaft noch viel zu tun. Zuallererst gilt es, Personalengpässe zu beheben, vor allem in qualitativer Hinsicht. Aber wie? Von der Green Card ist wohl nicht mehr viel zu erwarten, und auch die Zahl der Uni- und FH-Absolventen mit der passenden Ausbildung reicht in den nächsten Jahren nicht aus, den Bedarf zu decken. Private Schulungsinstitute versuchen, diese Lücke zu schließen.

 

 

Ausweg Qualifizierung
nach oben
   

"Der Bedarf steigt weiter", erwartet Prof. Dr. Johannes Brauer, Leiter des Fachbereichs Informatik an der Nordakademie Elmshorn. Der Wissenschaftler ist sicher: Die rund 6.000 Informatiker, welche die Hochschulen der Republik im gleichen Zeitraum ausbilden, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Markt biete ein weites Feld für qualifizierte Quereinsteiger und private Schulungsunternehmen.

Doch diese Branche hat keinen ungetrübten Ruf. Zu viele schwarze Schafe unter ihnen kassieren üppige Fördermittel aus den Kassen der Arbeitsverwaltung. Dafür vermitteln sie nur oberflächliche Computer-Grundkenntnisse, ohne wirkliche Fachleute auszubilden. Ein paar Programmierübungen auf Hauptschulniveau sollen reichen, um als Software-Entwickler erfolgreich zu sein. Seriöse Institute dagegen analysieren genau die am Markt gefragten Qualifikationen und das Potenzial sowie den Erfahrungshintergrund der Klienten. Darauf aufbauend wird eine gezielte Weiterbildung angeboten.

Das soll nicht heißen, dass Quereinsteiger nicht gefragt wären. Besonders auf dem IT-Sektor, wo die Halbwertzeit des Wissens so kurz ist wie nirgendwo sonst, können die Kenntnisse gar nicht frisch genug sein. Wer aber noch nie an einem Computer gesessen hat, wird nicht in ein paar Monaten zur Fachkraft, etwa für den Internet- und E-Commerce-Sektor.

Ähnliche Töne kommen von der Bundesanstalt für Arbeit (BA). Sprecher Wilhelm Kleinlein: "IT-Fachmann ist nicht gleich IT-Fachmann. Die einfache Formel lautet: es fehlen qualifizierte Arbeitskräfte."

Dass sich für diesen Personenkreis die Tore des Arbeits- und Projektmarktparadieses in absehbarer Zeit schließen, ist nicht zu fürchten. Reinhard Lutz, Vorstand der Lutz & Grub AG, einer Gesellschaft, die sich auf Training, Beratung und die Qualifizierung von Arbeitskräften für den IT-Markt spezialisiert hat: "Die USA haben eben grünes Licht für die Einreise von 195.000 ausländischen Computerexperten gegeben. Bis zu 600.000 neue Fachkräfte lockt eine zeitlich begrenzte Arbeitsgenehmigung im Laufe der nächsten sechs Jahre. Und in Deutschland hat die Greencard-Initiative von Bundeskanzler Schröder deutliche Zeichen gesetzt."

Und die Unternehmen, die keine geeigneten Mitarbeiter finden? Personalentwicklung heißt der Schlüssel, der aus dem Dilemma heraushilft. "Natürlich geht das nicht von heute auf morgen", so Lutz weiter. Dies sei Aufgabe ausgebildeter Spezialisten. Erfahrungen hätten gezeigt, dass die zögerliche Haltung vor allem des Mittelstandes ausgezeichnete Perspektiven - unter anderem - für freiberufliche Personaltrainer öffnet.

 

 

Seite drucken Seiten drucken
Zum Seitenanfang nach oben

Für die Teilnahme an den mit diesem Icon gekennzeichneten Diensten melden Sie sich mit den Zugangsdaten an.
Zugangsdaten vergessen? | Noch kein GULP Profil?
Über GULP: Mehr als 3.000 Kunden, 75.000 eingetragene IT-Experten, davon 10.500 mit Schwerpunkt Engineering, und über 1.000.000 abgewickelte Projektanfragen: GULP ist die wichtigste Quelle für die Besetzung von IT-/Engineering-Projekten mit externen Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Zusätzlich zu den Dienstleistungen einer modernen Personalagentur bietet GULP ein umfassendes Online-Portal mit Informationen und Services für die Teilnehmer im Markt.